Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 11 (14.3.1929)
- Date
- 1929-03-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Nr. 11 Der Israelit pK3 inrr ’ia huldigt. Der Austritt sei eine Entweihung des göttlichen! Namens. Er bleibe Mitglied der Gemeinde des Waad leumi, weil er in Demut und Verehrung der alten Losung huldigt: Keine Parteien, keine Parteien! Gerade in der Gemeinde des Waad leumi erblicke er den Kern zur Erneuerung der vom Volke zu wählenden höchsten religiösen Instanz (nimn niwmn)- Er werde ja auch als Mitglied der Kneseth Jisrael für die Verbesserung des Gemeindegesetzes eintreten. Das werde er aber in Ruhe und Gelassenheit mit seinen schwachen Kräften tun. Diese stolze Sprache des bewährten Misrachiführers und Oberrabbiners von Tel-Awirv hat auch dem offiziösen zionistischen Blatte großartig imponiert. Seine Episteln an den Waad leumi werden im Wortlaut abgedruckt. Weitere Verhandlungen zwischen der Aguda und Jacob Meir. Sonntag den 7. Adar schickte Oberrabbiner Meir neuerdings feinen Vertrauensmann zu Rabbiner Horovicz mit einem neuen Antrag. Er — Rabbiner Meir — gebe zu, daß auf Versprechungen und schriftliche Abmachungen mit dem Waad leumi kein Verlaß sei. Man habe es mit einem sanktionierten Gesetz zu tun. Doch wolle er beim Hochkommissar erwirken, daß er selbst diese Abmachung in dem Sinne bestätige, daß dieselbe Nachher in das Gesetz aufgenommen werde. Hauptpunkte: die religiösen Anliegen wie Schechita, Kwura usw. werden religionsgesetzlich der Kompetenz der Aguda zugewiesen. Das religiöse Oberhaupt dieser Partei sei auch koordiniertes Mitglied des offiziellen Oberrabbinats. Geschäftsführung bezw. finanzielle Verwaltung wird vom Waad leumi ausgeübt. Um dieselbe Zeit kam auch der Präsident der Bucharim-Gemeinde, Rabbi Schlomo Z o f i o v, zu Rabbiner Horovicz und erzählte, daß er soeben mit Oberrabbiner Jacob Meir gesprochen, der ihm versicherte, daß der Waad leumi in religiöser Hinsicht weitgehende Konzessionen mache und mithin mehr keine Ursache zum Austritt sei. Er selbst — Zofiov — habe kein Vertrauen zum Waad leumi, doch möchte er von Rabbiner Horovicz hören, was er seiner Gemeinde sagen soll. Rabbi Zofiov bat auch Rabbiner Horovicz, mit ihm zusammen Oberrabbiner Jacob Meir zu besuchen, um eine Klarstellung herbeizusühren. Bei Oberrabbiner Jacob Meir wurde bald eine Konferenz improvisiert, an der außer den bereits genannten, die Rabbiner Abraham Abichsir, Moses Blau und Josef Lewi teilnahmen. In den sehr interessanten Erörterungen wurde einwandfrei festgestellt, daß die ganze Aktion von dem hier wiederholt genannten Misrachiführer, Rabbi M. Ostrowski,- angeregt und vermittelt wurde. Z w i f ch e n b e n b etbe n Dbevvabb'tnen u n d dem Waad leumi hat es überhaupt feine öir e-k t e n Verhandl u n - gen oder A b m a ch u n g e n g e g e b e n. Der Vorsitzende des Waad leumi richtete lediglich eine Zuschrift an die beiden Oberrabbiner, daß es dem Waad leumi zur Genugtuung diene, was Ostrowsky ihnen mitgeteilt habe, daß^ die beiden Oberrabbiner in der „Kneseth Jisrael" verbleiben und den Austritt aus dieser Gemeinde definitiv mißbilligen. In den bezeichneten religiösen B e st r e b u n g e n wollen sie das Oberrabbinat unter st ützen. Bezüglich des Frauenwahlrechts können fie j e d o ch k e i n e verbindl.ichenZusa gen machen und b.s.t t e n auch dies e n .Pu n kt ,zu streichen. Rabbiner Horovicz wies nach, daß auch nach der Zuschrift des Waad leumi alles'beim alten bleiben werde und zwischen der Situation zur Zeit des Protestes von Jacob Meir und der Sachlage von heute in merito kein Unterschied sei. Rabbi Jacob Meir weiß das ebenso gut wie jeder andere. Auch Rabbiner Kuk weiß es ganz genau, daß es nur eine leere Phrase sei, wenn er in seinem Kompromißentwurf verkündet, daß nunmehr auch die Geonim und Zadikim, die bisher die Zugehörigkeit zur Gemeinde des Waad leumi als thorawidrig verboten hatten, nunmehr ihre Ueberzeugnng ändern und den Eintritt in diese Gemeinde als Mizwah erklären werden. Rabbiner Kuk weiß es nur zu gut, daß man den Thoragrößen von Erez Jisroel und von der Diaspora eine solche wankelmütige Haltung und Verkehrtheit nicht Zutrauen darf. Ein schwerwiegendes Dekret.. Rabbi Schlomo A l f a n d r i, ein sefardischer Thorasürst n^nan no:D 'wix *vw»' eine ragende, ehrfurchtgebietende Persönlichkeit, ein hochbetagter Greis, dessen Geistesfrische und körperliche Rüstigkeit wie ein Wunder anmutet, der allgemein verehrte Nestor der Jerusalemer Rabbinen, ein Großer unter den Großen, der schon zu Lebzeiten des Chatam Sofer ein. genialer Thorabeflissener war, in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Rabbinatspräsident von Konstantinopel, späterhin Chachambaschi von Damaskus und Saffed, seit 10 Jahren in Jerusalem, wendet sich an die jüdische Gemeinschaft mit folgendem Erlaß: „Jedermann, dessen Vorfahren an dem Berge Sinai g e st a n d e n , ö e r an dem Gotte Israels und feiner Thora Anteil hat, ist es verboten, tnder Gemeinde des Waad leu m i z u verbleiben, die gegen die Lehre Moses s i ch e r h e b t. Wer in den noch wenigen Tagen seinen Austritt versäumt, versündigt sich u n d verursacht in unverantwortlicher Weise Entweihung des göttlichen Namens. Israel ist ein heiliges Volk u n d d ü r f e n d e n Ueberredungskünsten und Hetererf in düngen der S ü n d e n ve r m i t t.l e r keine Folge leisten. Wer uns folgt, geht sicher und i st v o n Unheil bewahr t." Diese flammende Kundgebung des großen Mannes hat in thoratreuen Kreisen Ungeheuern Eindruck gemacht, v'xvn Jim vms. Mud) die schlechten Gewissen fühlten sich beunruhigt. Die fettgedruckten Plakate im Namen der beiden Oberrabbiner im Vereine mit der politischen Vorzugsstellung des Waad leumi werden jedoch auch diesen erschütternden Weckruf in letzter Stunde übertönen. Am 16. Adar schließt der gesetzliche Termin für die ersten grundlegenden Austrittsanmeldungen. Mit diesem Datum ist eine bedeutsame Tekufah des alten thoratreuen Jifchuw zum Abschluß gekommen. SENKINg bL ' 1 rnlF" Warme Köche gratis! durch den neuen kombinierten Senking-Herd! Unübertroffen im Braten und Backen! Niedriger Anschaffungspreis. EaHflgO & Co. Eschenheimer Tor 3 Nochenkalender. v. 16. — 23. März 1929 v. 4. - 11. Weadar 5889. Samstag 16 "NX 4 Sonntag 17 5 Montag 18 6 Dienstag :ö 19 7 Mittwoch § 20 8 Donnerstag 21 9 Freitag 22 10 Samstag 23 11 14. März 1929 «SS Korrespondenzen « ßacbricbten. Deutsches Reich. Eine offizielle Erklärung des deutschen Misrachi. F r u n k furt a. M., 11. Mä rz. Der deutsche „Misrachi" wendet sich mit folgender, von den Herren Alexander Adler und Dr. Aron Vnrth Unterzeichneter Erklärung gegen unsren, Bericht über den Leipziger Delegiertentag: „Der „Israelit" brachte in feiner Nummer vom 28. Februar einen Bericht über, den außerordentlichen Delegiertentag des deutschen Misrachi in Leipzig. Wenn wir auch in der Regel auf Presiepolemiken nicht eingehen, so enthält dieser Bericht doch sooffenbare Entstellungen, daß wir uns für gezwungen halben, folgendes zur Steuer der Wahrheit festzustellen: 1. In dem Bericht wird der Frankfurter Beschluß auf Umwandlung der Z. 23. s. D. in eine territoriale Arbeitsgemeinschaft in Verbindung gebracht mit rechtsbezw. linksgerichteten DendenKeü innerhalb des deutschen Misrachi. ''Damit hat jeddch die ganze Frage nicht das geringste zu tun. Weltanschauliche Bedeutung für den Misrachi hat allein feine Verbundenheit mit der zionistischen Gesamtorganisation. Die Frage des Verhältnisses zu dien Lan de so r ga m satio ne n ist eine rein organisatorische Frage ohne weltanschauliche Bedeutung. 2. Es wird in dem Bericht behauptet, daß die Wahl des Herrn Dr. Wolfsberg, den weltanschaulich liberal orientierten Kreisen des Misrachi entgegenkommt. Jeder, auch der „Israelit", weiß, daß der Misrachi die Verwirklichung des Baseler Programms auf der Grunde läge von Thora und Ueberlieferung erstrebt. Die weltanschaulich liberal interessierten Kreise sind daher innerhalb des Misrachi undenkbar. 3. Ebenso ist es vollkommen unhaltbar, davon zu sprechen, daß die Wahl des Herrn Dr. Wolfsüerg als Provokation irgendeines Teiles des Misrachi aufgefaßt werden könnte. Sie ist einstimmig durch den Delegiertentag erfolgt, auf dem alle Kreise des deutschen Misrachi vertreten waren. Sie wurde von Vertretern des Frankfurter Beschlusses (also nach Ansicht des „Israelit'" von rechtsgerichteten!) vorgefchlagen und ist erfolgt, weil Dr. Wolfsberg führend an der Aufhebung des Frankfurter Beschlusses mitgewirkt hat und daher gerade von denjenigen, die in Leipzig -in b*er Minderheit blieben, gewünscht wurde, daß er nunmehr auch sichtbar wieder die Verantwortung für die Leitung des Misrachi übernimmt." Hierzu bemerken wir: 1. Die kühne Behauptung der Misrachi-Leitung, daß der Streit um das organisatorische Verhältnis zur,-„Zionistischen Vereinigung für Deutschland" feine ^weltanschauliche Bedeutung habe, wird durch die durchaus weltanschauliche Begründung, die Herr Dr. Barth irrFrankfurt seinem Antrag gab, bündig widerlegt- Oden, gehört die Unzufriedienheit mit der religiösen Einstellung der Zionistischen Bereinigung nicht zum Gebiet des Weltanschaulichen? 2. Daß weltanschaulich liberal orientierte (nicht „interessierte") Kreise im „Misrachi", gemäß feiniem Programme. undenkbar sein fällten, stimmt gewiß. Aber leider sprechen die Tatsachen, die das U.ndenkbare als wirklich erweisen, eine allzukaute Sprache. Wir verweisen beispielsweise auf die im Sprechsaal unsrer heutigen Nummer ernleut behandelten bibelkritischen Seitensprünge misrachistischer Chaluzim-Hörer. Oder was sagen die Herren Adler und Dr. Barth (die gewiß von streng gesetzestreuer Gesinnung sind,) zu der folgenden authentischen Mitteilung, die wir im Februar-Heft der Zeitschrift: „Das werdende Zeitalter" finden? Dort berichtet Dr. Ernst Simone eine für Misrachisten, gewiß autoritative Persönlichkeit, über die geistige Struktur der misrachistischen Schülerschaft in Erez Ji'sroel mit folgenden Worten: „Im Positiven Zehen die Meinungen ziemlich weit auseinander: insbesondere in der Stellungnahme zu den sozialen Kämpfen der Zeit. Auch die Fragen der dogmatischen G rundlegung des gesetzes treuen Judentums, o b z. B. die philolo-