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Der Israelit · 1929-03-14 · Heft 11 (14.3.1929) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 11 (14.3.1929)
Date
1929-03-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11. Seite 3 MffWMWMW! 14. März 1929 Der Israelit wie sie die Lehrer an den Universitäten und Se- Friede gesichert werden können «durch «die Ausübung der : Gerechtigkeit gegenüber jedem, der für das ihm gegebene Sebensrecht seiner Sprache, seiner Seele und seines Glaubens eintritt." Von diesem Geiste getragen, würde das Minoritätenrecht auch manche Frage des jüdischen Rechtes in den Ländern, wo die Juden, oft ohne eigenes Zutun, als Nationalität unter anderen kleineren Nationalitäten im Parlamente vertreten sind, klären und lösen. Wo Gerechtigkeit nicht nach Sprache und Glaube fragt, da ist kein Platz für N u m e r u s clausus und ähnliche F r e m d w o r t e mittelalterlicher Entrechtung. Vom Wiener Kongreß bis zum Weltkrieg. Von Dir. Dr. Elias in Fürth. lSchluß.) 4. Ein Jahrhundert der Staatsschule. Besonders unheilvoll hat sich aber dieses Jahrhundert für die Entwicklung unseres Bildungswesens erwiesen. Wenn man auch die Fortschritte und Verdienste, die von Pestalozzi bis Herbart, über Diesterweg und Fröbel zu verzeichnensind, nicht niedrig einschätzen darf, so ist die Gesamtrichtung unsrer Jugend doch so wenig günstig gewesen, daß in dem Buch von Ellen Key: „Das Jahrhundert des Kindes" und in ihrem elementaren Schrei nach Revolutionierung der ganzen Erziehung nur ein heilsamer Aufruf zur Besinnung gesehen werden muß. Zwar hatte die Gedankenwelt der großen Idealisten zu Beginn des vorigen Jahrhunderts viel enthalten, was der modernen Schulreform zu Grunde liegt, aber es war untergegangen in der Nacht der Reaktion und in der „Kultur und Zivilisation", die darauf folgte. Das Wissen als alles beherrschende Macht, die Gesellschaft als Quelle der Ethik, die Technisierung des Erdganzen, das alles mußte sich auch in der Schule auswirken. Vor allem aber war es die Verstaatlichung der Schule, die der freien Entfaltung des jüdischen Bildungswesens nach den in ihr liegenden Tendenzen hinderlich war. Der christliche Staat legte seine Hand auf die Schule und beeinflußte direkt die Volks-, indirekt auch die weltliche höhere Schule in christlicher Richtung, Lehrbücher und Gesinnungsfächer rechneten mit christlicher Lebensform und Lebensanschauung, und wenn je ein Lehrer sich zu dem jüdischen Schüler herabließ und von jüdischen Dingensprach, dann war es sicherlich mit gönnerhafter Miene in nichtjüdischer Verzerrung, mmaren kennen gelernt hatten. Ich habe in dreier Beziehung schon mancherlei erlebt. Eine vom Staat ausgehende Zielsetzung machte den Stoff zum beherrschenden Faktor und die Methode zur alleinselig machenden Mechanik des- Unterrichts. Unter dem B e r e ch t i g u n g s w e s e n , unterstützt von politischen Tendenzen des Staates, der die Schule zum Erziehungsmittel der oberen Zehntausend und der Beamten brauchte, wurden wertvolle Kräfte, die nicht nach Schema F gebildet waren, am Aufstieg gehindert und der-Lehrer selbst zum Beamten erniedrigt, der von den Schülern in erster Linie Subordination verlangte. So wurde ein Typus Mensch gezüchtet, der bei all seinen vielen Kenntnissen und seiner großem Gewandtheit von erschreckender innerer Leere und dessen Gesinnung unter die Kontrolle eines utilaristisch gerichteten Verstandes gestellt war. Diese Schulen konnten technische und wirtschaftliche, spezialwissenschaftliche und organisatorische und politische und was weiß ich noch was für Menschen hervorbringen, nur nicht den jüdischen. Das junge Geschlecht mußte sich seelisch von dem alten emanzipieren, weil die Seele überhaupt von den Dingen der Außenwelt absorbiert war. Wir wissen, die heutige Schule unterscheidet sich grundsätzlich von der alten und auch der Staat trägt dem Rechnung, indem er Schulen und Schülern und Lehrern andere Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet. Was wir anzustreben haben, ist danach klar. Der jüdische Unterricht muß von allen außer ihm liegenden Tendenzen befreit werden. Die jüdische Schule muß als Ideal gelten, in der alle Tendenzen der modernen« Schulbewegung in den Dienst einer vom Willen zum Judentum getragenen Jugend gestellt werden. Aber auch wo die jüdische Schule nicht erreicht werden kann, muß der jüdische Religionsunterricht sich im Ziel mit der jüdischen Schule decken: Aus der Tiefe der Tauroh und aus der Weite der Welt und aus der Breite des Lebens soll der Lehrer Material her- BiOXULTDA Die sfarKschaumende Seuerstoff-Zahnpesfo wird von vielen Zahnärzten als beste Zahnpasta bezeichnet und selbst benutzt. Kleine Tube 80 Pf. BIOX-MUND WASSER Flasche 1.— und 2.— Mk. Gegen lockere Zähne. Drob e-Flasche gratis. Max Elb A. G., Dresden anbringen zum Aufbau einer für das religiöse Erlebnis empfänglichen, an Gott und die Göttlichkeit der Tauroh glaubenden, im Judentum der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wurzelnden Persönlichkeit. Jugendpsychologisch und lebensnah und quellenmäßig müssen die vier Ellen der Halacha um den jungen Menschen« aufgebaut werden, die ihn zum Herrn machen über das Leben: o*? rnnp ans rnas sn-w Wir haben in Vorliegendem die ungünstigen Zeichen kennen gelernt, unter denen die Juden in der Zeit vom Wiener Kongreß bis zum Weltkrieg gelebt haben. Eine gewaltige Explosion hat auch unserer Umgebung die durch ein Jahrhundert verfolgten Wege als falsch enthüllt. Die Stimmen, die vorher vereinzelt zur Umkehr gerufen hatten, sind zur Stimme eines neuen Jahrhunderts geworden, die mit neuen Menschen und neuen Ideen ein neues Geschlecht auf den Plan rufen. Durchdringen wir uns mit den neuen seelischen Kräften, dann dienen wir nicht nur uns, sondern vor allem der Jugend in dem schweren Kampfe, den sie um die Bewahrung ihrer Heiligtümer zu bestehen haben wird, dann kann sie als Garant dienen vor Gott im Sinne unserer Weisen, für bessere Tage, als Trägerin göttlichen Gefäßes, eines neuen Herzens und eines neuen Geistes. Das jüdische Gemeindegesetz in Erez Zisrael. (Schluß.) Die Kommentare der zionistischen Presse. Man braucht nur „Haarez", das Leiborgan des Waad leumi zu lesen, die «anmaßende, respektlose Charakterschilderung der zwei Oberrabbiner, die mit. ätzender Ironie, mit Hohn und Spott überschüttet werden, weil sie — nach Ansicht des Haarez — mit ihren zweideutigen Offenbarungen nach beiden Richtungen schielen und im Gegensatz zu Agudas Jisroel, die den Standpunkt der Orthodoxen mit offenem Visier vertreten, keinen festen Boden unter ihren Füßen haben. Die wahren Anhänger des Waad leumi verzichten auf die frommen Betreuungen der beiden Oberhirten. Rabbi Usiel, der Chief-Rabbi vonTelhat Gnade gefunden in den Augen des .Vrc:a!i :ic Scel7"knrt sagt offenherzig, das'Gemel?.dcgci?'' M nicht"befried:-, en könne, nicht in re'igiöser Hinsicht und auch nich: vom Gesichtspunkte der allgemeinen Interessen. Er wolle sich aber trotzdem von der „Kneseth Jisrael" nicht absondern, die dem Ideale von karg. Doch das abgemessene, abgewogene, knappe Wort der rnw .ift von strahlender Schönheit, hat seinen «eigenen Glanz. Und der Reflex dieses Glanzes fällt auf Moses und windet um fein Hbupt einen Strahlenkranz. Bemerkung. Die Frage in Nr. 10, S. 3 des „Israelit", welche Bewandtnis es mit dem Vorhang am Eingang in das Heilige habe, ist dahin zu beantworten, daß dieser Vorhang iow heißt, wie aus Ex. 26, 36 f>, 39, 38 usw. hervorgeht. Kaatz-Hindenburg O.-S. Andere Zufchviften verweisen auf Talmud Tr. Joma 51 b und Kefuboth 106 a. Weines Feuilleton. Genesung. Von Isaac Schönberg. Bald werdet Fluren ihr, genesen, Zur Freuds wieder erbWhn; Bald wird euch im 3fcum&t im? Wonnen Das bleiche Antlitz ergliihn. Und dünkt euch auch lange des Duldens Pein, Da jäh der Lippe Sang versiegt; Endlos die Nacht der Einsamkeit, Die schaurig krächzend euch umfliegt; Harret fort, ihr klagenden Wälder, Ihr stolzen Eichen leidgebeugt! Saugt Lebenskraft an der Erde Brust, Am reichen Schoße, der euch gezeugt. Schlürf' gehetzter Wandrer, auch du An des lautern Bornes ©oum, Der' leuchtend dir winkt an finfterm Pfad. . . . und sprießen wirst du, ew'ger Baum, Den Zeitenstürme wild entlaubt Und leben deinen Sonnentraum . . . Freiwilliger und unfreiwilliger Humor in Palästina. Ein angesehener Bürger Tel-Awiws we-M mit feinem kleinen ° Jungen im Auslande. Vor oin«em stattlichen Kuppelbau fragte der Junge, was das für ein Haus fei. „Eine Synagoge", belehrte der Vater. „Synagoge?" wunderte sich das Kind. „Es« ist doch fertig gebaut?" (In Tel-Awiw ruht der Synagogenbau bei halber Arbeit feit Jahren.) * Rachmiel, gebürtig «in Litauen, war Bürger in Rostow in Rußland, wanderte nach Amerika aus und wurde dort naturalisiert. Jetzt ist er in Jerusalem und erhält die Einbürgerung. Wie «er «den- Paß m Händen hat, schlägt «er sich vor den Kopf: „Ein Schaute, der ich b>in, gebe drei Länder hin für. diesen Wisch . . * Ein Teilhaber der Jü«difchen Legion erzählt: Der englische Kommandant lieh 'bekanntgeben, daß wir für jeden eingebrachten Gefangenen je ein engl. Pfund erhalten. Tags darauf sind zwei jüdische Legionisten auf Patrouille vor der «deutschen Front. Da rust der eine: „Sieh da, die Deutschen!" „Wieviele sinds," fragte der Andere. „Ganze zwei Bataillone!" „Haben wir aber Glück," meinte der andere. „Wir werden reiche Leute . . ." (Ein Purimspiel.) Irma Dresdener teilt uns mit, daß sie ein kleines, sehr einfach darzustellendes Pur i m- Fest spie I verfaßt hat, das trotz «der vorgerückten Zeit noch in diesem Jahre in Kinderkreisen zur Ausführung gelangen kann. Der Inhalt der auf 15 «breitgeschriebenen Schreibmafchinenseiten niedergelegten Szene ist. in kurzem: 6—8 Kinder in Begleitung einer größeren Schwester — vom Spaziergang heimkehrend — «bitten diese um eine Märchenerzählupg. Si«e schlägt ihnen vor, die bekannten Märchen stegreifartig darzustellen. Da ein Hans, eine Gveie, eine Marion und Marie, sowie zwei« Kläufe zugegen sind, wird „Hänsel und Gretöl", „Gokd^ und Pechmarie" ufw. gespielt. Die kleine Esther wird zum Schluffe als Königin Esther «angezogen, und alle Kinder gestalten das Purimspiel, «das in einem.freundlichen Reigen« ausklingt. (Ein Habsburg-Kaiser Mitglied der Prager Lhewra Kadischa.) Wie Prager jüdische Zeitungen mitteilen, geht aus einem vor kurzem aufgesundenen PM«kas-(Memor)- Blati der Prager Chewra Kadischa hervor, daß Kaiser Ferdinand von Oesterreich nach seinem Thronverzicht im Revolutionsjahre 1848 «der Prager Chewra Kadischa als Mitglied beigetreten war und außer dem Mitgliedsbeitrag noch einen Sonderbeitrag für Kaddisch-Sagen ein ganzes Jahr nach feinem Tode -entrichtet hat.

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