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Der Israelit · 1929-03-07 · Heft 10 (7.3.1929) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 10 (7.3.1929)
Date
1929-03-07
Page
– (sequence 15)
Language
German
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öevausg eg eöen vvn rler £and6soeptii|<itio!i dci? Jljiidfl^Ji^ö^ ©eul/cßlund» j5. Jahrgang Hamburg, 7. 2Tlärz (929/25. Adar 5689 . Nummer 5 Schriftleitung: Wolf S. Jacobson in K aw ö ur g. Jüdische Mädchenschulen in Erez Jisroel. Don Ob-erbehverm Caroline Nachmann in Jerusalem. 2. TiberiaS. Ich weiß genau, wie Ihr es Euch vorstellt, Freunde! Ihr alle, die Ihr nie im Lande gewesen. Dachte doch auch ich wie Ihr, ehe ich kam und schaute. Ein elendes, schmutziges Dörflern— so lebte Tiberias in meiner Vorstellung. Und als ich noch dazu vor mehreren Monaten im „Israelit" einen Reisebericht über Tiberias las, in dem so gar viele Manzen spielten, da war dieser Weltwinkel für mich erledigt, völlig erledigt. Ich hegte, daher gar keine Erwartungen!, als ich vor einigen Wochen nach Tiberias fahren mußte. Nur auf eines freute ich mich: auf die angenehme Wärme dieser palästinensischen Riviera, die nach den kalten, stürmischen Tagen in Jerusalem gewiß wohltuend empfunden werden mußte. Und so fuhr ich denn nach Tiberias. Schon die Fahrt bot freudige Ueberrafchungen. Bis v w zwar ist der Weg eintönig — Steine, Steine! Sann aber tut psr.p sich auf. Ein herrlichstes Panorama nach dem andern! Manchmal in endlosen Kehren hinab oder hinauf wie bei der prächtigen Verninabahn. Und tief unten Felder, herrliche, gepflegte Felder, haarscharf gezogen wie mit dem Lineal. In meinem ganzen Leben habe ich solche Felder nie gesehen. Nicht im genauen Deutschland, nicht im schönheitsliebenden Italien, nicht im eleganten Frankreich. Und diese Felder, zum Malen schön, köstlich anzuschauen — sie sind unser, sind die Felder unserer Brüder, die Felder von Studenten und Gelehrten, die vor wenigen Jahren noch den Pflug nicht von der Egge unterscheiden konnten. Und w i e herrlich, w i e peinlich genau, wie gepflegt, wie wohl bebaut! Kommt hierher, ihr Sachverständigen aller Länder! Kommt, seht, staunt und — lernt! Vorbei an fmi' woselbst nov einst seine Brüder fand! Herrliches weites Weideland! Vorbei auch an rmy der christlichen Stadt, die schön und sauber hoch oben im Gebirge liegt. Und dann — seht ihr nias r Freunde! Der Bodensee ist schön. Wer wills bestreiten? Der Vierwaldstättersee ist schöner. Wer widerspricht? Schöner aber und herrlicher noch ist unser See, unser geliebter, unser einziger — schöner und herrlicher ist ni32- So tief blau, so spiegelklar, so spiegelglatt ist gewiß kein zweiter See auf Erden. Er kann es sich auch leisten, unser mit seinen 260 Metern unter dem Meeresspiegel, ringsum durch hohe Berge geschützt gegen jeglichen Wind. Hinunterzufahren in den vielen Kehren — Euch allen wünsche ich diesen Anblick! Als ich in Triest von Villa Opicina auf den vielen Windungen der Bahnlinie zum Meere hinabfuhr, berauscht von der Schönheit der Aussicht — dachte ich da wohl, ein Gleiches, nein, ein Schöneres noch, in unserem eigenen Lande zu finden? Und nun gar noch in Tiberias, dem elenden Fischerdorfe? Einzig schön diese Fahrt hinunter zum tiefgelegenen Tn«, hinter dem Berge sich türmen! Vorbei an der Tafel, die „Meereshöhe" kündet — hinab, hinab! Und weitere Ueberraschung: Ein schönes, gepflegtes, modernes Hotel! Das schönste, das ich bisher in Palästina gesehen. Sauberkeit, die Deutschland neidisch machen kann (Tiberias hat ja Wasser iw Hülle und Fülle, Sommer und Winter aus des N122 spiegelklaren Fluten. Und die Frage der Sauberkeit ist ja in erster Linie eine Frage der Wasserversorgung) eine Küche, die Marienbads Weltberühmtheit in den Schatten stellt, eine Aussicht, die sich selbst vor Luzern nicht zu schämen braucht! O, ihr herrlichen, wonniglichen Abende, die ich auf Gubermanns großem Salonbalkone verbringen durfte! Denn in der Nacht ist es nicht finster dort, am Ufer unseres geliebten ni22- Immer ein wenig hell bist du, Tiberias! gerade genug, um züchtig deine Schönheit zu zeigen. Dann den See entlang zu den warmen Quellen, die laut neuester Analyse die Karlsbader und Marienbader an Kraft und Wirkung weit hinter sich lassen. Die unweigerlich den inneren Menschen und die rheumazerfressenen Glieder in Ordnung bringen-, ebenso wie ein Bad im n*?an D’ unweigerlich jede Wunde heilt. Es mag wundersam klingen für euch da draußen. Für uns schon nicht mehr. Wir wissen, es sind dies die einzigen Wunder nicht, die unser eigen Land uns aufbewahrt durch Zeiten, Völker, Stürme. Oder dein Steinstrand, an dem ich die Füße mir zerschlagen, soll er es aufnehmen! mit des ni22 schönen Ufern? Oder vielleicht deine geputzten Dämchen mit unseren tapferen D’X'pn in den Siedlungen am Ufer des ewigblauen Sees? Auch dein Stadtgarten, Tiberias, der schönste in Palästina, darf sich ruhig neben Monte Carlos Kasinopark stellen!. Er ist nicht ganz so elegant, nicht gar so sehr geschminkt, aber frisch und rotwangig wie die schönen Safeder Mädchen. Das allerschönste aber in Tiberias — für unseren Geschmack wenigstens - — das ist unsere Mädchenschule. Nach dem, was ich in Jerusalem gesehen, eine Erlösung. Eine richtiggehende Schule — fast wie in Deutschland. Sauber — vaa wie eine deutsche Volksschule und ein Unterricht, an dem wenig zu tadeln ist. (Für palästinensische Begriffe ist er sogar vorzüglich.) Wenn Ihr wüßtet, was ich hinter all diesem gelesen habe, das bei uns in Deutschland selbstverständlich ist! Denn ich weih, wie man hierzulande ringen muß um jedes Quentchen Sauberkeit, um jedes Fünkchen Ordnung, um jedes Stäubchen Methodik und Pädagogik. Wieviel Mühe und Plage langer, schwerer Jahre! Welch treue, aufopfernde, selbstlose Ar¬ Mädchenschule der Agudas Jisroel in Tiberias. Und dann hinaus ins neue, ins junge Tiberias, 'das wie die mutigen Städte der Schweiz kühn, , keck und munter in die Berge klettert. Nicht übel, da oben zu wohnen! Nicht übel, bei jedem Blick aus dem Fenster ni22 tief unten liegen zu sehen! Nicht übel, diese herrliche, würzige Luft, die ihresgleichen nicht leicht findet! Nicht übel auch das hochelegante Luxushotel, das irgend ein Krösus vor kurzem dort erstellen ließ und das mit jedem Hotelpalaste Amerikas es leichtlich aufnehmen kann. Doch wie rühme ich deine milde, geliebte Wärme, Tiberias? Und wie die prächtigen staubfreien Asphaltstraßen, die sie dir jetzt bauen. Und wie die zahllosen heiligen Stätten, die Gräber, die Denkmäler? Verkrieche dich, Riviera! In 10, in 20 Jahren wirst du.vergessen sein und verwaist und keiner wird deM gedenken. Glaubst du, deine paar Palmen und deine elenden Saumpfade lassen auch nur den Gedanken aufkommen an die Möglichkeit einer Konkurrenz mit Tiberias, mit unserer jüdischen Riviera? Niemals! beit! Es müssen edle Menschen sein, die diese Schule geschaffen! Doch dann schüttet Raw Weinberg, der Direktor, sein Herz aus. Darin sieht es nicht so friedlich aus wie in seiner Schule. Da wohnen schwere Sorgen und tiefes Leid. Diese gute Schule, die er mit seinem Herzblute geschaffen, beschützt, erhalten — diese beste Aguda-Mädchenschule in ganz Palästina, der Stolz des Landes und der — zum Frühjahre muß sie ihre Pforten schließen. Weshalb?- *?Dn ns N2V *|02n- Und wie geringfügig die Summe, um derent«- willen sie dem Untergange geweiht sein soll! Zwei reiche Philanthropen ps^ pina können sie aus den Aermeln schütteln! Es fehlt erstens die Miete für 1929/30 — ganze 80 Pfd., das sind 1600 Mark. Und es fehlen ferner monatlich 5 Pfd. (100 Mk.) für Gehälter und Unkosten. Mehr als dies braucht Tiberias nicht, und mehr wird es nicht annehmen. Darum beeilt Euch, Spender! Nur der Ersten.

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