Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1929)
- Date
- 1929-03-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14. Nr. 10 D e ,r Israelit tumg-en aus dem übten Frankfurt zeugMvon intuitivem Berbundensem mit all den Zeugen -alltjüdischen- Glückes und altjüdischen Leides. Die Stadt wie die Gemeinde nahmen oft bei Ausstellungen und Kunstveranstaltungen seine Dienste in Anspruch. An unserer Seite arbeitete er zuletzt mit Eifer, Liebe und reichem Können am Züstandekommen der H i r s ch -- A u s st e l 1u -n-g ans Anlaß des Schuljubiläums mit. v^axan Das Kartell jüdischer Verbindungen Der Kartelltag des K. I. V. fand seinen Auftakt am Sonnabend den 2. März mit einer öffentlichen Abendveranstaltung in der Frankfurt-Loge, in deren Mittelpunkt ein Referat des Herrn 2r. Nahum Goldmann über das Thema: „Der Weg des jüdischen Akademikers in Deutschland" stand. Der Kartelltag selbst wurde am Sonntag früh eröffnet. Nach dem Rech>enschaftsbericht durch den stellvertretenden Präsidenten Tuchler wurde dem Präsidium einstimmig Entlastung erteilt. Gleichzeitig wurde mit überwiegender Mehrheit die Wiederaufnahme des Bundes Zionistischer Korporationen beschlossen. Frau Lina Bär n"Sf- Frau Lina Bär, die Gattin des Herrn Louis Bär, die wir vor kurzem zur letzten Ruhe geleiteten, war als Tochter des hier allgemein bekannten Jfaac Loeb in streng jüdischen Traditionen erzogen und hatte in gleichem Sinne auf ihre beiden Söhne eingewirkt. Für Mann und Kinder sowie andere Familienmitglieder aufopfernd tätig, war sie auch stets bestrebt, fremdes Leid nach bestem Können zu lindern. Arbeit und mildtätige Liebe füllten ihr Leben laus, eine V>n jupk im wahrsten Sinne des Wortes. rMrr>i n^s?3 ninvrr'i rraa i»p- Möge n"apn dem tiefgebeugten Gatten, den trauernden Kindern Semenreichsten Trost spenden. Arbeitsgemeinschaft. Die Arbeitsgememschast Frankfurt a. M. hielt am Mittwoch den 20. v. Mts., -abends 8 Uhr, tu der Aula des Goethe-Gymnasiums eins nichtöffentliche Versammlung ab, in der der 1. Vorsitzende, Herr Albert Andrae, über das Thema: „Wie kann der so ins Unendliche wachsenden Not der älteren erwerbslosen kaufmännischen Angestellten und Arbeiter geistiger Berufe schnellstenis geholfen werden?" referierte. In einer von der Versammlung angenommenen Entschließung werden die Bürger und insbesondere die Geschäftswelt Frankfurts gebeten, vor allem die erwerbslosen älteren kaufmännischen- Angestellten und Arbeiter geistiger Berufe durch Zuweisung von Arbeit und finanzielle Hilfe zu unterstützen, um dem von- Tag zu Tag wachsenden Elend gerade dieser Kreise Einhalt zu gebieten. Außerdem ober richtet die Versammlung an die Firmen des Handels, der Industrie und die öffentlichen Behörden das Ersuchen, zu erwägen, ob es möglich ist, eine größere Anzahl! älterer Angestellten als bisher zu beschäftigen. Jüdischer Turnerbund E. V. Am kommenden Sonntag den 10. März findet eine Odenwaldwanderung' (nur bei schönem Wetter) statt. Treffpunkt 7.45 Uhr Hauptportül Hauptbahnhos (Fahrpreisermäßigung). Wir bitten um rege Beteiligung unserer Mitglieder und Freunde. „Juden als Autoren in der modernen deutschen Literatur". Im Großen Saale des „Frankfurter Hofes" sprach Georg Hermann, der Verfasser von „Jettchen Gebert" und anderer volkstümlich gewordener Romane, übler das Thema „Juden als Autoren in der modernen deutschen Literatur". Seine Gedanken gän-ge waren folgende: Erst die antisemitische Welle hat die Frage laut werden lassen: Wie groß ist eigentlich der Anteil, den die Juden an kulturellen Dingen aller Art haben? Schon in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts sind die Juden am Rhein urkundlich beglaubigt, in Regensburg gar waren sie bereits vor der übl. Zeitr. Wenige nur waren Kaufteute, die Mehrzahl wurde Handwerker, Acker- und Weinbauer. Die im Mittelalter nach dem Osten abgewanderten bezw. vertriebenen Juden find auf ihrer Entwicklungsstufe stehen geblieben. Die jiddische Literatur trägt mittelalterlichen Charakter. Sie ist eine Insel. Es gibt keine russischen oder polnischen Schriftsteller jüdischer Abstammung. Im Gegensatz dazu haben di« Westjud-en die große deutsche Entwicklung bis zur modernen Zeit mitgemacht, sie sind mit ihr verschmolzen. Das jüngere Deutschland bringt Namen erfolWeicher jüdischer Autoren, die mit an der Spitze stehen': Börne und Heine. Immer noch sind sie vereinzelt. Bis zu Paul Heyfe und Berthold Auer-' bach kommt kaum einer hinzu. Dann aber schieben sie sich mehr und mehr nach vorn, sie kommen unter die Führenden. Der Jude reagiert auf vieles Erschaute stärker, weil er die Dinge mit südlichen Nerven steht, weil er als geborener Impressionist alles empfindsamer, regsamer, truancierter auftaht. Was bedeutete der Name Prag ohne die Literatur seiner jüdischen Schriftsteller Max Brod, Werfel, Kafka. Eingehend würdigte Hermann dann Wassermann, Sternheim. Hofimannsthal, Elfe Lasker-Schüler. Alfred Reumann. Döbtin. Harden. Kerr. Polgar, Feuchtwanger und andere. Der Doriragende schloß mit dem Hinweis: Wenn deutsche Juden soviel für das Bewußtsein des Deutschtums tun, haben sie alles Recht, als Deutsche geachtet zu werden. „Anonyme Briefe". Zum zweiten Teile unseres Feuilletonartikels in der jüngsten Nummer über „Typen, Taten und Torheiten", wird uns von befreundeter Seite u. a. geschrieben: „Ich wundere mich gar nicht, daß dem wirklich Schuldigen auch einmal das Gewissen sich regt. „Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sicher". Wir, wie all meine Angehörigen wußten von Anfang an, daß F. unschuldig war und nie und nimmer zu einer solchen Tat fähig gewesen wäre, weil mir ihn ganz genau kennen.-—" Wir geben hier die ehrliche Ueberzeugung einer geschätzten Familie von der Unschuld eines in Verdacht gekommenen Menschen gern wieder und bemerk-en hinzu, daß der Autor besagten Artikels nicht das mindeste Interesse daran hatte, Herrn F.„ den er bis dahin nicht kannte, irgendwie zu belasten oder zu verdächtigen. Er hat den Fall dargestellt, wie er sich auf Grund von Mitteilungen in der Tagespresse, die selbstverständlich auch falsch sein können-, -ergab, und ist auch seinerseits gern bereit, -einen Menschen, der unentwegt feinte Unschuld b-eieue-rt, für -unschuldig zuhalten. Warnung. Vom Israelitischen Hilssverein in Frankfurt cr. M. wird uns geschrieben: „Mit Bogen folgenden Textes wird man in nächster Zeit Schwindeleien versuchen. Unsere Feststellungen haben ergeben, daß diese Bogenunberechtigt hergestellt worden sind. Wir bitten deshalb, in Ihrer Zeitung eine Warnung aufnehmen zu wollen. Die Bogen haben den Text: Jsraelitifche Kultü sgemeine Abteilung: Ehe-wra Kad-ifcha und ' Wien /I, den ...19 Fra nzenb rückenstr. 6 Dr. Jos. Hamburger Rabbiner der Jüdischen Gemeinde (Man achte daraus, daß das „d" bei Kultusgeme-inde fehlt.) Geschäftsjubiläum. Am 17. ds. Mts. begeht das bekannte Dekorations- und Tapeziergeschäft Leopold Halberstadt, Frankfurt a. M., Hinter der schönen Aussicht. 1, sein- 50jähriges Geschäftsjubiläum. Dem alten Grundsätze, nur Qualitätsarbeit zu -liefern verdankt die Firma ihren weit über die' Grenzen Frankfurts ausgedehnten Kundenkreis. Eine Frankfurter Bibliothek nach Jerusalem. Die wertvolle Büchersammlun-g des hier im Jahre 1915 verstorbenen Gelehrten und Bibliophilen Liepmann Philipp Pr ins ist nunmehr von dem -in London lebenden Enkel Georg Pr-ins für die Universitätsbibliothek in I e r u fa I e m -gestiftet worden. Israelitisches Frauenheim in Bad Nauheim. Das Israelitische Fraü-enheim Bad Nauheim wird seinen diesjährigen regelmäßigen Kurbetrieb am 5. Mai d. I. eröffnen. Anmeldungen können bereits heute an Herrn I. F. Ettlinger, Frankfurt a. M., Bockenheim-erlandftraße 2, gerichtet werden. Besonders zu empfehlen find die Kuren direkt bei Eröffnung der Anstalt, also im Monat Mai. * Eine Warnung an Wiesbaden. Vor einiger Zeit brachte die in Wiesbaden erscheinende Zeitschrift „Die Menschheit" die Nachricht, daß in den Kreisen der Wiesbadener Stadtbehörden Neigungen zum Antisemitismus bestünden. So hatte die Stadtbehörde den antisemitischen Nationalsozialisten einen Saal re servieren lassen, gleichzeitig der Wiesbadener Gesellchast „Friede durch Recht" den Saal verweigert. Der Wiesbadener Stad trat Osterheld scheute sichnicht, als Protektor der antisemitischen Bewegung auszutreten. Der „Eclaireur de Nioe" griff die Sache auf und schrieb: „Die Stadt Wiesbaden will -eine Weltkurstadt fein, glaubt ie, ihr internationales Renommee fördern zu können, indem sie solche Beweise antifem-ikisch-er Gesinnung gibt?" Kürzlich fand wieder in einem städtischen Lokal eine antisemitische Versammlung statt. Unter stürmischem Beifall proklamierte der Vorsitzende: „Wiesbaden soll judenrein werden". Das „Wochenende", eine Wiesbadener Wochenschrift, rechnet den Wiesbadenern vor, was die Verwirklichung einer solchen Forderung bedeuten würde: Herabsinken der Weltkurstadt auf eine Bedeutung!, wie ie das judenreine Bad Borkum hat. Holländische Bläter warnen bereits vor Wiesbaden im Hinblick aus den dort zu beobachtenden Antisemitismus. Die „Menschheit" richtet nochmals ein M-ah-n-mort an die behördlichen Kreise, ihren eigenen Antisemitismus zu dämpfen, der der Wiesbadener Kureinen mindestens ähnlichen Schaden zufügt wie die fremde Besatzung. Persönliche Erinnerungen an S. R. Hirsch Man schreibt uns aus Bvaunsb-ach in Württemberg: Viele Verehrer des großen 21 S. R. Hirsch V'st dürfte es vielleicht interessieren, -daß in -einer kleinen Württemberger nV’np eine Dame wohnt, die etwa 20 Jahre im Hause -des 21 und dessen Sohnes, Direktor Mendel Hirsch angestellt war. Wie der Meister als Menschenkenner dem -psychologischen Grundsatz: „Das Leben, wie es vor uns -gelebt wird, — es macht den größten und nachhaltigsten- Eindruck auf di-e Umgebung", gehuldigt und ihn richtig erfaßt hat, dafür hier -ein kleines Beispiel, und zwar von seinem Familienhause, von seinem Familienkreise. Jeden vav waren die zahlreichen Verwandten, Bekannten^, selbstverständlich die Famili e-nm i lg lieb e r und alle Hausangestellten, eingeladen, 7. MÜNZ, 1929 um sich an geistigen und körperlichen Genüssen zu erfreuen; alles -fühlte sich zur Familie gehörend.. Jeder einzelne wurde v-orgenommen, mußte die ihm unklar erscheinenden Stellen der lausenden Sidro Vorbringen, aus Frage Rede -und Antwort stehen-.' Durch seine -außergewöhnliche Rednergabe v-erstand ep unser an immer wieder, jeden Anwesenden mitn-on --»lan zu begeistern und zu fesseln, Spuren von ov.i znr-p jeder Einzelperson einzuimpfen, Ewigkeitswerte zu' schaffen, die Pflichten gegen rrapn und die Menschen -in -die Herzen der Zuhörer für dauernd einzupfianzen.' Ms sich bereits die Gebrechen des Alters bei dem hochverehrten an e-instellten, ließ -er es sich trotzdem nicht nehmen, die ms» Bikur cholim wie -ein Jugendlicher auszuführen, und zwar ob -arm'oder reich, rrapn -immer vor Augen habend, keinen Klasfenunte-rschied machend. In solchen Momenten ruhte -förmlich sichtbar die göttliche Schschino, durch feinen freudigen- Gesichtsausdruck erkennbar, auf ihm. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor khajim. Samstag morgen, nach Schul, im Hörsaale Friedberger Anlage, Dinim, Herr Dr. <£. Posen. — Nachmittag */4 Stunden vor Mincho im Vereinslokale. Mikro, Herr Dr. W. Hofmann. Sonntag morgens nach Schul, im Hörsaale Friedberg. Anlage (ebenso MNtwoch). virr "n Herr Redakt. S. Schachnowitz. — Vormittag kl Uhr, Vereinslokal (ebenso ffg Stunde nach Sabbatausgang), Gemoro. Herr Joachim Soffer. — 9*/4 Uhr Vormittag (ebenso Dienstag nachmittag Uhr). Gemoro, Herr R.-A. G. Posen. —Abends lIR Uhr im Vereinslokale Vortrag des Herrn Red. Schachnowitz über Historisches und Agadisches zum Purim feste. Montag nach Schul, tm Hörsaale Friedberger Anlage (ebenso Donnerstag), Mischna, Mitgliederlernen. — Abends 7 Uhr (ebenso Mittwoch) im Dereinslokale, Gemoro, Herr Rabbiner Dr. Jos. Breuer. — Uhr abends (ebenso Donnerstag), Gemoro, Herr Dr. E. Posen. Dienstag morgen nach Schirl, im Hörsaale Friedberger Anlage (ebenso Freitag), Mischna, Herr Dr. E. Posen. Don Sonntag bis einschließlich Donnerstag abends 8% Uhr im Dereinslokale. Schaslernen des Herrn Herz Halpern. Jahrzeitsstiftungen. Sonntag. 10. März. Sofie Bier geb. Heller-Stiftung. Donnerstag, 14. März. Julius Stern-Stiftung. Azuda, Jisroel-Jvsendxrnppe. Sonntag, 8 Uhr vormittag (ebenso Mittwoch 9 Uhr abend) Chumisch. Herr Leopold Oppenheimer. Montag, 9 Uhr abends (ebenso Mittwoch) Mischna. Herr Rechtsanwalt M. Katz. — 9 Uhr abends, (ebenso mw nachmittag 3 Uhr) Gemoro. Herr Emanuel Wolf. — 9 Uhr abends (ebenso Donnerstag) Gemoro. Herr Gerson Schnerb. Dienstag. 8/49 Uhr abends (ebenso nat? s/45 Ubci Gemoro. Herr Leo Schnerb. — 3/4g Uhr (ebenso MP 3 Uhr nachmittag)-Gemoro. Herr Dr. W- Hofmann. — 3U9 Uhr abends (ebenso 712p 3A10 Uhr vormittags) Gemoro. Herr Dr. Js. Posen. Mittwoch. 3/49 Uhr abends, Kizzur. Herr Theodor Spiegel. Donnerstag, 9 Uhr abends, Chumisch. Herr R.-A. Js. Rosenheim. MP, 3/4ll Uhr vormittags, Gemoro. Herr Lippmann Kurzweil. — S/4H Uhr vormittags. Kizzur. Herr Louis Kahn. — 8/4l2 Uhr vormittags, Kizzur. Herr Gerson Schnerb. — 3 Uhr nachm., Gemoro. Herr Tarsis. - 4 Uhr nachmittag, Sidro. Herr R.-A. M. Katz. Jeden Tag von 9—11 Uhr Gelegenheit zum Lernen jeglicher Art. Don 12—1 Uhr, Daf Iaumi. Herr Herz Halpern. Agudar Jisroel-Mädchengruppe. Montag, V29 Uhr abends, Mischle. Herr Lehrer S. Unna. Mittwoch. 'IS Uhr abends, Dinim. Herr Lehrer Hirschberg. mp, 4 Uhr nachmittags, Chummisch und Raschi. Herr Lehrer Hirschberg. Llwjach Ehen-Verein. Samstag mittag 43/4 Uhr im Hörsale Vortrag des Herrn S. Schachnowitz (Schkolim im siebenächen Lichte des Dluffaspijut) Gebetzeiten. D2P Freitag abend 5.50 Samstag NMPN 6.45 Sarnstagsmorgen 8.— Samstagnachmittag 1.— und 4.30 - Samstagabend 7.05 ' . Ivochengottesdienst: Morgens 6.45 Nachmittags 6.00 Tefillin-Legen am Morgen 5.40