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Der Israelit · 1929-03-07 · Heft 10 (7.3.1929) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 10 (7.3.1929)
Date
1929-03-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Serie 6. Nr. 10 -7. März 1929 Der Israelit worden durch die hierfür berufenen Instanzen: nicht von den Alten; nein: sondern, wie wohl auch anderwärts, von den Jungen ist die Bewegung ausgegangen. Drei junge Akademiker, die durch ihre Begeisterung drei' andere mitgerissen haben — sie haben sämtlich ihre Universitätsstudlen in Straßburg und zum Teil in Paris gemacht und gehören der juristischen, medizinischen und philosophischen Fakultät an — haben ein Werk vollbracht, das mehr als lokale Bedeutung hat und zunächst für hier, vielleicht aber für ganz Frankreich überaus wohltuende Folgen haben — kann; haben wird wäre verfrüht zu sagen. Es verdient hervor ge hoben zu werden, daß jene jungen Leute trotzdem sie der Gemeinde wm?y angehören, bei Männern der Hauptgemeinde die weiteste Unterstützung für ihr Streben gesunden haben, und es darf nicht unerwähnt bleiben, daß ihrem Präsidenten, Herrn Lazare Blum, großer Dank für die Gründung des Instituts gebührt. In dem Appell, der kürzlich an sämtliche Mitglieder beider Gemeinden' v-s-rschickl worden ist — her Text ist in deutscher und französischer Sprache abgesahl — heißt es: „Unser Zweck ist klar und einfach; wir wollen unseren Hörern Gele-genheit geben, sich methodische, zusammenhängende und möglichst umfassende Kenntnisse über das Judentum anzueignen. Man hört von einem Wiederaufleben des Judentums seit dem Kriege sprechen«; in der Tat fühl-ensich' viele, die dem jüdischen Geist bereits ganz entfremdet waren, wieder von ihm angezogen. Wenn es aber nicht bei einem unbestimmten Gefühl bleiben, wenn eine entscheidende Aenderung eintreten soll, so müssen gründliche Kenntnisse als Ausgangspunkt dienen. Leider ist ja auch in Familien, die stets ihre Anhänglichkeit zum Judentum bewiesen haben, die Unwissenheit in beängstigendem Maße gewachsen. Ausführlicher Unterricht in allen jüdische Dingen tut not." Weiterhin heißt es: „Der Unterricht in den Gemeinden ist hauptsächlich für die Schulkinder bestimmt, und diese verlassen ihn gerade in einem Alter, m dem sie anfangen sollten, sich für ernstere Dinge zu interessieren. Hier will das Institut eingreifen, damit Wißbegierige jeden Alters ihr Interesse am Judentum befriedigen können." Der Unterrichtsstoff soll sich erstrecken auf Bibel-exegese, Talmud mit Kommentaren im Originaltext, klassisches und modernes Hebräisch, jüdische Geschichte und Literatur, jüdische Dogmatik und Philosophie, -endlich über Palästina. Die Kurse finden in deutscher und französischer Sprache statt und werden -außer am Samstag und Sonntag nur am Abend abgehalten, damit Ne tagsüber durch ihren Beruf verhinderten jungen Leute auch daran teilnehmen können. Der Unterricht hat vor kurzem begonnen. Als Lehrer fungieren einstweilen Herr Dr. Nacht, bisher Rabbiner in Radautz (Rumänien), Herr Speier aus Frankfurt a. M. und die drei bereits erwähnten jungen Leute, welche -in uneigennütziger Weise ihre Krast -der neu gegründeten Anstalt zur Verfügung gestellt haben. Am vergangenen Mittwoch, 27. Februar, fand vor einem großen, mehr als 300 Personen zählenden Publikum die öffentliche Einweihuu-gsstier statt. Bon- Seiten der Behörden nahmen daran teil der Rektor der Universität, die Dekane der protestantischen und philosophische 'literarischen Fakultät, sowie der Generalsekretär des Präfekten, des höchsten Beamten des Landes, u. a. Zunächst begrüßte Herr Rabbiner Brunschrvig von der orthodoxen Gemeinde das „Iiwtitut dk>8Sciences juives" und schloß mit dem Wunsche, daß es sich allmählich entwickeln möge zu einer talmuNschen Hochschule, -die nach jahrhundertelanger Unterbrechung das Wirken eines v'zn und der in Frankreich lebenden msv-M fortsetzen möge. Hieraus hielt Herr Dr. Nacht eine Ansprache in klassischem Hebräisch, die von Herrn Dr. Joseph Weil, dem Sohne des Oberrabbiners in Kalmar, ins Französische übertragen wurde und der zugleich das Programm der Anstalt entwickelte. Die -eigentliche Festrede des Abends hielt Herr Markus Cohn über das Thema: Ja Psychologie de l'esprit juif." Sämtliche Reden wurdenmit sehr großem Beifall ausgenommen — ein Zeichen dafür, daß die dem Institut zugrunde liegende Idee großen Widerhall gefunden hat. Mit dem letzten Satz des erwähnten Aufrufs möchte ich auch meinen Bericht schließen: „Wir wissen wohl, daß di-e Zuhörer im Institut immer in bescheidener Anzahl bleiben werden. Das Publikum geht lieber zu irgendwelchen glänzenden Darbietungen als dahin, wo es sich um ernste Arbeit handelt. Sollte es uns dennoch gelingen. bei einigen Hörern Interesse für jüdisches Wissen wachzurustn und sie soweit zu fördern, daß sie fähig sind, sich selbständig weiter zu bilden-, -dann wäre unser Zweck erreicht." Polen. Warschauer Brief. Warschau, 28. Februar. In den Aufsichtsrat für die Jüdische Volksbank in Polen wurden neue Mitglieder gewählt. Vorsitzender wird wahrscheinlich Ratmann R. Scheres ch e w s k y sein. Ausscheiden mußten« die Herren Trus- ImmanmmamummmBmBMummmstsBäe&sBsmaBBinoBBaBanamn Die Woche. Berlin. Zum 50. Geburtstag von Albert Einstein am 3. März bringen die wissenschaftlichen Blätter, wie auch die politischen Zeitungen -demokratischer Richtung große Huldigungsartikel. — Der Orients lug des „Zeppelin", der über Aegypten und Palästina führen sollte, fällt bekanntlich aus. Im englischen Unterhaus bedauerte auf eine Anfrage der Minister, daß die Erlaubnis zum Fluge infolge von Abmachungen zwischen England und der ägyptischen Regierung nicht erteilt werden konnte. — Unter großer Beteiligung fand am Sonntag auf -dem Terrain -im Grunewald die Grundsteinlegung zur neuen großen Altersversorgungsanstalt der Gemeinde statt. — Der Tag des j ü d i s ch e n B u ch e s soll auf September aus Anlaß des 2 0 0 j ä h - eigen Todestages von Moses Mendelssohn verlegt werden. Würzburg. An der Würzburger Universität haben die nationalsozialistis ch e n Mandatare den Antrag mit g 20 gegen 10 Stimmen durchgebracht, der aus die Herbeiführung des Numerus clausus gegen jüdische Studenten abzielt. Bekanntlich hat vor kurzem der Studentenausschuß der Universität Erlangen einen ähnlichen Beschluß gefaßt; freilich gilt die Erlanger Studentenschaft als die reaktionärste in Deutschland. Breslau. Vor dem Erweiterten Schöffengericht in Hindenburg (Oberschlesien) 8 wurde der Geschäftsführer der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, Stadtverordneter F i llusch wegen Beleidigung der Regierung und der Judenheit zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. — Dr. Walter S te initz ist zum Privatdozentenfür Zoologie an der Breslauer Univ-ersttät ernannt worden. Düsseldorf. Die B e s ch ä d r g u n g e n a n d e r Synagoge fanden ihre Sühne. Ein zwanzigjähriger Nationalsozialist namens Friedrich B r a s s e -l -e r erhielt vom Schöffengericht für seine Heldentaten 6 Monate Gesängnis. Budapest. An der Budapester tierärztlichen Hochschule fanden ernstliche antisenmtische Aus- | schrertungen statt. Der Rektor meinte, die U Unruhestifter seien wohl „fremde Studenten" gewesen. — Der Budapester Strafgerichtshof ordnete die Beschlagnahme eines giftigen Antisemitenbuches an, das unter dem Titel „Die Weltorganisation der Juden" die Fabel von der Weisen von Zion ausbeutet. — Ungarische Zeitungen erheben di« Forderung, daß „Miß Europa", Ä. h. das zur fchönsten Frau Europas erhobene Frl. Simon-, das jetzt in Amerika wahrscheinlich den Weltpreis für Frauenschönheit erwerben wird, in Amerikafür die Revision des Trianonvertrages eintreten soll. Paris. Am 9. März tritt der Verwaltungsrat der I. C. A. in Paris zu einer Sitzung zusammen. An der Sitzung nehmen neben der Alliance auch Vertreter anderer großer Organisationen teil. — Der jüdische Millionär David W e i l l spendete 5 Millionen Francs für die Wohlfahrtse-mrichtun-gen, d-er Pariser Universität. Herr W-eill hat vor einiger Zeit schon 2% Millionen Francs für soziale Einrichtungen der Studentenschaft gespendet. Und die jüdische Not? London. Infolge der Krankheit des Königs wird -erst jetzt N-e Ehrenliste der zum Jahresbeginn Geadelten veröffentlicht. Darin befindet sich eine große Reihe von jüdischen Persönlichkeiten. Rervyork. Felix Marburg trat seine Paläftinareise an- Aus einem Abschiedsbankett sprach er n. a. von der g eistigen Armut der Reform juden. ker, Rasner und Jewferow. Die Neuwahlen bildenden Abschluß einer A-era d-er Unzufriedenheit mit der Bank- Leibung. Man hofft, daß die Bank unter der neuen Verwaltung dem Mittelstände mehr zu Hilfe kommt und damit ihren Zweck eher erreicht. Infolge der gräßlichen Fröste werden von der Gemeinde aus Wärmehallen erhalten. Jn> der Volksküche auf T war da werden ungefähr 300 Mittagsrationen täglich umsonst verteilt. Neue Volksküchen wurden auch auf N a l e w k i und in der Vorstadt P r a g a, eröffnet. Es gelangtcen außerdem 20 000 Milo Holz zur Verteilung. Der Vorsitzende des RabbiNerverbandes, Rabbi Je- Hes-kel Lipschütz in Kalisch, erläßt eitwtt stammenden Appell an Polens Judenhei-tz -trotz der wirtschaftlichen Krisis -in Polen und -der eigenen Nöte der Not der Brüder in Rußlandnicht zu vergessen, undsich an der Aktion zur Beschaffung von Mazzoth für Rußland zu beteiligen. ' Attpolmfche Rabbinerkonferenz. Warschau, 27. Februar. In Warschau tagt gegenwärtig di-e allpo-Lnische Rabbmerkonserenz unter Teilnahme von mehr als 500 Rabbinern aus allen Teilen Polens. Die Konferenz erließ einen Appell an die Judenheit der ganzen Welt zur Rettung der vom Untergang bedrohten- Jeschiwoth, der Zentren des Thorastudiums. Infolge der Einstellung d-er Hilfe aus Amerika und der all-gemeinen Wirtschaftsnot der Juden-im Osten sind die Jeschiwoth in einen schweren Existenzkampf getreten. Am schlechtesten gestellt sind die Jeschiwoth in Kongreßpolen, Wolhynien und Litauen. Dem vom Warschauer Rabbinat erstatteten Bericht ist zu entnehmen, daß 74 Jeschiwoth mit insgesamt 9185 Zöglingen in einer schweren Krisis stehen und daß Ne Bachurim buchstäblich Hunger leiden. Infolge der katastrophalen Kälte und der allgLmemen W-irtschafts-krise -ist die Bevölkerung L>er Jefchiwoth-Orte nicht in der Lage, Erkleckliches zur Erhaltung der Jeschiwoth beizutragen. Die von der amerikanischen Central Relief früher geleisteten Zuschüsse deckten den vierten Teil des Budgets aller Jeschiwoth. Seit Januar haben diese Zuschüsse aufgehört. Auch an Central Relief erging ein Appell der Rabbinerkonserenz um Weiterleistung der Zuschüsse. Schweiz. Der Bericht der Mandatskommission über Palästina vom Bölkerbnndsrat gutgeheißen. Gens, 5. März. Der Völkerbundsrat hat sich am 4. März mit dem Bericht der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes über Ne britische Verwaltung in Palästinaim Jahre 1928 -befaßt und diesen Bericht billigend zur Kenntnis genommen. Der Rat befaßte sich ferner mit -der Petition der arabischen Exekutive in Palästina, in welcher Ne Einführung einer gesetzgebenden Körpersch-aft aus Grund allgemeiner Wahlen verlangt wird. Der Rat machte sich -den Beschluß der StänNgen Mandatskommission zu eigen, der dahin lautet, -es sei nicht i-hve Sache,, der Mandatarmacht vorzuschreiben, welche Regierungsformen sie zu wählen habe. Diese Frage hätte die Mandatarmacht von sich aus zu lösen. Der Völkerbundsrat machte sich auch den Beschluß der Mandatskommission bezüglich der Klagemauer zu ergen. In diesem Beschluß wirddas Bedauern über die Vorfälle an der Klagemauer (gemeint ist besonders das -brutale Vorgehen d-er Polizei gegen die betenden Juden am Letzten Versöhnungstag) ausgesprochen und der Hoffnung . Ausdruck gegeben, es werde der Regierung gelingen, Juden und Araber -dazu zu bringen, daß sie sich über die Angelegenheit der Klagernauer in friedlicher Weife verständigen. Rumänien. Ktfchinew., 21. Februar. Don rumänischen Juden >i!n Argentinien sind -in den letzten Tagen bei dem Hilfskomitee für Ne hungernden Juden in Beßarabien 4220 Dollar emgegangen. . Die Lage in den Hungergebieten in Beßarabien hat sich in -den letzten Wochen infolge der anhaLtenden Schneestürme besonders kritisch gestaltet. Aus vielen- Orten treffen Nachrichten -ein, daß invielen ungeheizten Wohnungen Erfrorene ausgefunden worden sind. Aus allen Orten Südbeßarabiens erhält das Hungerh-ilfskonntee Notrufe und Bitten um Brot und Kleidung. Türkei. Das Schicksal der jüdischen Schulen in der Türkei. Konstan tin opel, 25. Februar. Im Zusammenhang mit der vonder-türkischen Regierung sehr begünstigten Türkisterung sb-ew-egung ge-! staltot sich die Lage der jüNschen Schulen in der Türkei

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