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Der Israelit · 1929-03-07 · Heft 10 (7.3.1929) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 10 (7.3.1929)
Date
1929-03-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 10. Seite 5 7. März 1929 Vorsitzenden, des Herrn Moritz Dorn, zu beklagen, und es fiel sehr schwer, geeigneten Ersatz für ihn zu finden. Nun ist es dem „Esra" gelungen, in der Persönlichkeit des Herrn Siegfried Hirsch aus der Firma Hirsch-Kupfer einen neuen ersten Vorsitzenden zu gewinnen. Der „Es-ra" will eine Plattform für alle Palästina-Interessen sein, und er hofft, die Sympathien aller Glaubensgenossen zu gewinnen, die ein - warmes Herz für das Land ihrer Väter' haben. ZNazzoth-Einfuhr nach Rußland. V e r l i -n, 22. Februar. Bor einigen Tagen meldete eine Warschauer Zeitung aus Riga, daß die Sowjetregierung die Einfuhr von Mazzoth für die russischen Juden aus dem Auslande verboten hat. Aus dem Kreise führender jüdischer Persönlichketten Berlins, die in erster Reihe für die Mazzoth- Versorgun-g der russischen Juden aus Anlaß der kommenden P-essach-Feiertage durch Mitwirkung von Juden aus den verschiedenen Ländern tätig sind, wird uns telegraphiert, daß die Nachricht vom Verbot der Mazz-oth-Einfuhr in Rußland erfunden fei. Wohl hat die Sowjetregierung bis heute einen Bescheid wegen der ang-e suchten Mazzoth-E-infuhrb>ewilligung nicht erteilt, die Angelegenheit steht aber sehr günstig, so daß man hoffen darf, daß irr den nächsten Tagen die angesuchte Einfuhrbewilligung erteilt werden wird. (Inzwischen ist die. Genehmigung für 50 Waggons erteilt worden. Red.) Das Berliner Komitee für Versorgung der russischen Juden mit Mazzoth versendet einen Aufruf an die jüdischen Gemeinden Deutschlands, zu diesem eminent jüdischen Hilfswerk bleizusteuern. Der Aufruf ist unterschrieben von den Herren Aron Hirsch, Rabb. Dr. Weiße, Dr. Jsmar Freund, Rabb. Dr. Baeck, Dr. Oskar Cohn, Prof. Mittwoch, Prof. Dr. M. Sobernheitn und Rabb. Dr. Meier Hildesheimer. Ainanzsorgen einer jüdischen Gemeinde. Hannover, 25. Februar. Die hiesige Gemeinde steht seit längerer Zeit großen Schwierigkeiten bei der B-al-anzierung ihres Budgets gegenüber, weil in die Reihen der begüterten- Mitglieder eine bisher ungewohnte Widersetzlichkeit gegen die Zahlung der Gemeindesteuern eingerissen ist. Viele Mitglieder scheuen sich nicht mit dem Austritt zu drohen, wenn ihren Wünschen bei der Veranlagung der Steuer nicht entsprochen wird. In einem eindringlichen Rundschreiben an die Mitglieder malt der Vorstand die verhängnisvollen KoNsegenzen dieses Verhaltens aus, und droht schließlich mit Amtsniederlegung und Uebertragung .der -Berwaltungsgefchäfte an einen Regierungskommissar. Die Gemeinde müsse in aller Form ihre Zahlungen einstellen, wenn es so weiter gehe. Abgesehen von dem darin liegenden Chilul haschem würde damit auch die I ausgedehnte Wohlsahrts-arb-ett der Gemeinde zum Schaden vielen Hunderte von Armen aushören und würden auf religiösem Gebiet unabsehbare Folgen eintreten. Die hier geschilderten Verhältnisse stehen im schärfsten 'Gegensatz zu. denen der Großgemeinden, deren Finanzlage durchaus befriedigend ist, weil sie, ähnlich den wirtschaftlichen Großbetrieben. die mittleren und kleinen Gemeinden aufsaugen. Von der jüdischen schule. Leipzig, 1. März. In -der heutigen Schulvorstandssitzung legte der Stu- \ diendirektor, 1 Gemeinderabbiner Dr. Carlenach, sein Amt als Leiter der jüdischen Realschule, Oberrealschule und Lyzeum nieder. Dr. Carlebach hat die Institutionen selbst gegründet und leitet sie seit 17 Jahren ehrenamtlich. Cr hat auch aus dem Ausland die erforderlichen Geldmittel zur Deckung der Defizite -aufgebracht. Man! fürchtet. daß mit seinem Scheiden aus dem Amt die Anstalten vor einer schweren Krise stehen. Breslauer Brief. ' Breslau, 28. Februar. Die hiesige konservative Hauptsynago-ge, die aus alter Tradition wegen des auf diesem Grundstück früher befindlich gewesenen Gasthauses „Zum Storch" Storchsynagoge genannt wird, kann in Kürze auf ein hundertjähriges Bestehen zurückblicken. Aus dieser Veranlassung war beabsichtigt, endlich den orthodoxen Wünschen Rechnung zu tragen und den Almemör in die Mitte zu setzen, sowie der Frauengalerie ein Gitter zu geben. In letzter Minute ist dies aber von den Gemeindekörperschaften aus nicht verständlichen Motiven abgelehnt worden. Die Ironie dles Schicksals hat es aber doch gewollt, daß Breslau, wenn auch an anderer Stelle und zwar in einem Museum, einen Almemor ln die Mitte bekommen hat. Interessierte Kreise, erfreulicherweise auch solche, die bisher am öffentlichen Eemeindeleben wenig oder gar keinen Anteil genommen hatten, haben sich vor mehreren Monaten zusammengefunden-, um einen Verein „Jüdisches Museum E. V." zu gründen. Dieser Verein ist schon jetzt mit einer Ausstellung „Das Judentum in der Geschichte Schlesiens" an die Oeffentlichkeit getreten, die durch die Fülle ihrer Sehenswürdigkeiten an Kultur- und kunsthistorischen Schätzen die uneingeschränkte Anerkennung und Bewunderung auch nichtjüdifcher Kreise gefunden hat. Bedauerlich ist -es nur, daß der Vorstand des Vereins „Jüdisches Museum" die Räume des Städtischen Kunstgewerbemuseums für seine Ausstellung genommen hat, da es hierdurch wegen der in diesem Gebäude untergebrachten Skelette usw. Kauhanim unmöglich gemacht wurde, die Ausstellung zu besuchen. Einen interessanten Abend bildete das am 17. Februar anläßlich des 70. Geburtstages des Herrn Rabbiner Dr. John Cohn stattgefu-nd-enö Festessen. Bon der äußersten Linken hatte sich alles, etwa 120 Damen und Herren, zusammengefunden, um den allgemein beliebten Jubilar zu ehren. Auch der früher allem, wasmit Orthodoxie zusammenhängt, so abholde Gemeindevorstand war durch seinen Vorsitzenden und drei weitere Vorstandsmitglieder vertreten. An diesem Abend wurde Herrn Rabbiner Dr. Cohn, der seit fast einem Jahrzehnt hier als Däjan wirkt, anstelle der sonst üblichen Vlumenspenden und sonstigen Geschenke eine für allgemeinjüdische Wohlfohrtszweüe bestimmte Stiftung übergeben, durch deren Errichtung, , wie -es in der Stiftungsurkunde heißt, seine Freunde, Verehrer und Schüler ihrer Verehrung und Dankbarkeit einen dauernden Ausdruck gebenwollen. Es wäre zu wünschen, daß diese Art Geschenkablösung auch anderweitig Nachahmung findet. v Durch die Anwesenheit von Herrn Wolfs S. Jacob- I son, Hamburg, der eigens zur Teilnahme an diesem Festbankett nach Breslau gekommen war, harte auch die hiesige Agudas Jisroel eine abwechslungsreiche Woche. Anr Montag Abend fand -unter dem Thema: „Die jüdische Frau und das Heim, die jüdisch« Frau und die Welt" ein Vortragsabend für Damen statt, an dem im Anschluß an das mit großem B-eifall äufgenommen-e Referat des Herrn Jacobson die bereits früher beabsichtigte Gründung einer Agudas Jisroel-Frauengrupp-e stattfand. Es ist -erfreulich, daß gleich am ersten Abend eine große Anzahl von Damen ihren Beitritt erklärt hat, und zu erwarten, daß durch die sofort aufzunehmende Tätigkeit der neuen Gruppe — an Arbeitsaufgaben fehlt es für , ei ne solche- Frauengruppe wahrlich nicht — sich die Mttglied-erzahl bald noch -erheblich vergrößern wird. Dier ta-g Abend referierte Herr Jacobson unter großer Beteiligung -auch von Nichtagudisten über das Thema: „Aktuelle Betrachtungen über die religiösen Bewegungen der Gegenwart". Im Anschluß an ein Wort unserer Wsen, das die Armen, Blinden, Aussätzigen und Krnderlosm zu den Toten rechnet, beleuchtete der Redner unter gespannter Aufmerksamkeit der Zuhörer die vierfachen Ausgaben der Agudas Jisroel -im Kampf gegen die Unwissenheit, das Falschsehen, -die gegenseitige Verleumdung und Passivität und Interesselosigkeit der jüdischen Oeffentlichkeit gegenüber. Ins Positive übergehend, übersetzte er die Aufgaben mit den Kennworten: ta-uroh, derech -erez (Gang -der Welt), iefilloh, maassim ta-uwim, und gruppierte unter diese vier-Begriffe auch die Spezialaufgaben der kommenden K-enessio gedaulo ein. Den Mittwoch Abend w-idmete Herr Jacobson den Mitgliedern der hiesigen Agudas Jisroel-JugeNdgruppe, die -ebenfalls wie der gleichfalls eingela-dsne hiesige Es-ra in großer Zahl erschienen waren, um sich mit der hiesigen thoratreuen Jugend über Aufbau, Aufgaben und Ideologie der Agudas Jisroel auszusprechen. Es ist erfreulich, daß Herrn Jacobson bei seinem hiesigen Aufenthalt nicht nur eine große ideelle, sondern auch materielle Werbung im Interesse der Agudas Jisroel gelungen ist. Hoffen wir, i daß die Anregungen, d-ie Herr Jacobson hierhergebracht hat, die hiesigen Agudogruppen zu emsiger Tätigkeit anspornen werden. Angesichts der bevorstehenden Kenessio gedaulo, die voraussichtlich durch eine besondere Rabbiner-Tagung ihren Auftakt in Breslau nehmen wird, märe eine solche Arbeit sehr zu begrüßen. Frankreich. Lin Appell cn Briand wegen der Naturalisierung der 80 0V0 Juden von Tunis. Paris, 25. Februar. Der bekannte französische Politiker, der Deputierte Charles Lambert, -ein Nichtjude, veröffentlicht einen offenen Brief an den- Außenminister Aristide Briand, in welchem er ihn dringend -ersuch-t, den 80.000 Juden von Tunis Erleichterungen bei der Naturalisation zu gewähren. Als naturalisierte Bürger, schreibt Lambert, werden die Juden von. Tunis den etwa 100 000 Italienern -der Stadt ein erwünschtes Gegengewicht bieten. Die Juden, schließt Lambert, sind ein fleißiges und intelligentes Element und würden als französische Bürger ein Gewinn für d-ie Nation sein. Das neue Institut für jüdische Wissenschaft in Straßburg. Straßburg, 3. März. Cs unterliegt wohl kaum -einem Zweifel, daß der Sinn für praktische religiöse Lebensführung bei 90 Proz. der Juden Westeuropas vollständig geschwunden ist und die Ursache hiervon, wenn auch nicht ausschließlich, so doch hauptsächlich aus den Mangel an jüdischem Wissen zurückzuführen ist. Ganz besondersmag diese Behauptung für Frankreich und besonders für Elsaß ihre Richtigkeit haben. Seine Hauptstadt Straßburg ist zwar im Gegensatz z-u Metz, der Hauptstadt Lothringens, niemals ein großer nun mp» gewesen, und anerkannte mirnj hat «s hier kaum jemals gegeben- Immerhin ist aber bis -gegen die Mitte -des letzten Jahrhunderts auch in den elf-ässischen Gemeinden gelernt worden, und es wird von feiner Seite bestritten, daß man hierzulande heutzutage schon -als jüdischer Gelehrter angefp-rvchen wirb, wenn man geläufig hebräisch lesen kann- Die Erkenntnis, daß bie Unwissenheit bekämpft werden muß, ist zwar noch nicht in weite Kreise gedrungen; wenn aber nicht alles trügt, f-o scheint bei -den kompetenten Stellen doch allmählich -die Einsicht du rchz-u dringen, daß der In te ressenlosigkeit an allem Jüdischen endlich mit Energie entgegengearbeitet werden muß. Mit etwas Optimismus könnte man sogar der Ansicht fein, daß die Kurve des Verständnisses für wahres Judentum -iw Steigen begriffen, zu sein scheint. Der Monat -nx ist die Zeit der Wunder. Als ein solches kann bezeichnet werden, was jetzt hier erreicht worden ist. Dis Wendung ist aber nicht hervorgerufen Neu aufgenommen Alleinvertrieb durch die Firma. DOS bv J. Anton Alexander, Berlin NOI8, Landsberger Straße 91. Alleinvertrieb durch die F Markender : ^iSchokblddenfäbrifc r-f’-V, - . VT#.--'!' vr.

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