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Der Israelit · 1929-02-28 · Heft 9 (28.2.1929) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 9 (28.2.1929)
Date
1929-02-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Nr. 9 Der. Israelit 28. Februar 1929 Adler-Rudel, den Bund der jüdischen Kranken- und! bänden und der Reichsarbeitsgemeinschast und in den Pflege-anstalten Deutschlands, Frl. Weinreich/ die Gesellschaft „Ort" Dir. Grätz, die Gesellschaft „Ose" Dr. Brutzkus und Dr. Olschm-cmger, die Jüdische Gemeinde Berlin und das Wohlfahrtsamt der Berliner Gemeinde Caspary, die Jüdische Kinderhilfe Dr. Stahl und Frl. Neufeld, den Zentral-V-er-ein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Frau Dr. ELelheim, die Zionistische Vereinigung für Deutschland Dr. Nothmann u. a. m. Frau Wronsky wies -in ihrer Eröffnungsrede auf die dringende Notwendigkeit hin, einmal in einem Kreise von Fachleuten die bevölkerungspolitischen Fragen durchzusprechen, die ja das brennendste Problem darstellen, das es zur Zeit für die jüdische Gesamtheit gäbe. An ein grundlegendes Referat von Dr. Theilhäber schloß sich eine eingehende "Diskussion an. Ueb-er den Inhalt, der Konferenz wird in einem Sonderdruck der Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege, der der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht werden wird, ausführlich berichtet werden. Die Konferenz faßte einstimmig die folgende Resolution: A. Die vom bevölkerungspolitischen Ausschuß des Preußischen Landesverbandes einberufene Konferenz über jüdische Bevälkerungspolitik, die am 24. Februar 1929 in Berlin stattgefunden hat, erkennt einmütig die Notwendigkeit, aber auch die Möglichkeit einer einheitlichen, starken, zielbewußten, umfassenden jüdischen Bevölkerungspolitik zur Erhaltung von Kraft und Zahl der Judenheit an. - B. Die Konferenz bejaht die Notwendigkeit des Zusammenwirkens aller im Judentum lebendigen religiösen, ethischen und wirtschaftlichen Ideen und Kräfte zu diesem Ziele und ruft alle im öffentlichen Leben stehenden Männer und Frauen vor allem die Rabbiner, die Lehrer, die Aerzte, die Gemeindeoorstände und besonders auch die jüdische Jugend zu gemeinsamer Arbeit aus. C. Die Konferenz erkennt als ihre grundlegende Ueberzeugung an,' daß — insbesondere in einer Zeit schwerer wirtschaftlicher Not — von einer Gemeinschaft die gebieterische Forderung auf ihre eigene Erhaltung, durch Geburtenvermehrung nur dann gestellt werden darf und kann, wenn diese Gemeinschaft bereit ist, ihr Letztes -an die wirtschaftliche- Hilfe und Sicherstellung der Geborenen zu setzen. , . . . D. Deshalb , richtet die Konferenz ihren besonderen starken und eindringlichen Aufruf an.die jüdischen Gemeinden, in viel höherem Umfange als bisher aktive und produrüve Beoölkerungspolitik im Sinne einer gehobenen Sozialpolitik zu treiben auf allen Gebieten des jüdischen Lebens, besonders aber: 1. in einer weitgehenden Wohnun-gs- und Siedlungs-Politik; 2. in einer Arbeits¬ und Berufsfürsorge; 3. in ihrer eigenen Gehalts- und! Verbänden der oben erwähnten Berufe gemacht werden. Sie beauftragt den bevölkerungspolitischen Ausschuß mit der Auswertung der Konferenz-ergebnisie und besonders mit der alsbaldigen Aufstellung eines bevölkerungspolitischen Gemeindeprogramms. F. Die Konferenz richtet zum Schluß einen Aufruf an die jüdische Gesamtheit zu einmütiger Mitarbeit in der jüdischen Bevölkerungspolitik. Vom Sozialen Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes. .Berlin, 20. Februar. Die anläßlich der Tagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden in Berlin anwesenden Mitglieder des Sozialen Ausschusses des Allgemeinen deutschen. Rabbinerv-erbandes traten am 4. Februar unter Vorsitz von Herrn Rabbiner Dr. I. Horovitz, Frankfurt a. M. gemeinsam mit Vertretern der Zentralwohlfahrtsst-Llle der deutschen Juden, des Jüdischen Frauenbundes und «der Arbeitsgemeinschaft sfür jüdische Gefährdetensürsorg-e zu einer Besprechung über lausende Arbeiten zusammen. Es wurden insbesondere Fragen der Sozialen Gerichtshilfe und der Gefangenenfürforge besprochen,, u. a. der vorliegende Entwurf einer Dienstanweisung ftir jüdische Gefängnisseels arger. Angeregt wurde u. a. die Schaffung einer jüdischen Zentralstelle, an die Mitteilung über jeden jüdischen Gefangenen zu gehen hat, der in einer Anstalt untergebracht ist, -in der sich niemand um die jüdischen Gefangenen insbesondere kümmert. Erstrebt wird, daß. die jüdischen Gefangenen aus dem ganzen Reich auf einige Anstalten konzentriert werden, in denen sie-,-in religiöser-Hinsicht entsprechend be-- treut werden können. Eine Liste geeigneter Bücher jüdischen Inhalts für Gefangenenbibliotheken soll angelegt und Jahr für Jahr nach Bedarf modifiziert werden. Reichsbanner und Abwehr des Antisemitismus. Berlin, 21. Februar. Otto Hörsing, der ehemalige Oberpräsident von Magdeburg, der Gründer und Vorsitzende, des „Reichsbanners Schwärz-Rot-GM", ruft in der Zeitschrift „Das Reichsbanner" unter dem Signal „Kampf den Staatszerstöre.rnl"-.energisch zur Abwehr des Antisemitismus auf. - ' ■ Er schreibt: „Immer mehr gewinnt es den Anschein, als ob wieder eine antisemitische .Welle über Deutschland dahingehen solle. Zwar von dem deutschvölkischen Kreise um Wulle ist wenig zu spüren. Dafür aber entfalten die Nationalsozialisten, die radikalste Spielart des Antifemi- BeamtenxoMk im Sinne einer. Bevorzugung der kinjtismus, eine fieberhafte Tätigkeit und haben — leider, derreichen Familien; 4. in. der Verstärkung und Zusam- ,muh es zugestanden werden — nicht unwesentliche Ge- Der Ausruf Hörstngs schließt mit der. Versicherung, daß sich das „Reichsbanner Sch-warz-Rot-Gold" mit aller Kraft denen entgegenwerfen will, „die neues Unheil über Deutschland bringen möchten, die wieder mit Knüppel und Revolver den -inneren Frieden bedrohen und vor dem Aeuß-ersten nicht zurückschr-ecken." '' Gründung eines Schochtim-Verbandes in Rordwestdeutschland. Emden, 20. Februar. In einer Vorbesprechung mehrerer Schochtim- /des Landrabbinatsh-szirkes Emden am 25. Dezember o. IS:.- wurde der Zusammenschluß aller innerhalb, des Landrabbinatsbezirk-es die Schechitoh Ausübenden angeregt und beschlossen. Eine Kommission, bestehend aus den Herren Wolkenf-eld-Emden, Lachmann-Aürich und, Wolffs-Witt^ mund, sollte die Vorarbeiten zur Gründung eines solchen Vereins 'erledigen. Am 17. .Februar fand nun hier die konstituierende Versammlung statt, zu welcher sämtliche Schochtim des Bezirks eing-eladen waren. Die Erschienenen erklärten sich einstimmig für die Vereinigung ist einem Schochtim-Verein des ücmdrabbinatsbezirkes Emden. Zwecke und Ziele, des Vereins^sollen denjenigen -des „Schochtim-Verbandes Deutschlands" entsprechen, dem sich/ der Verein -anzuschließen gedenkt/ Die genannte. Kommission wurde mit dev Ausarbeitung eines Satzungsentwurfs beauftragt, der in der nächsten Versammlung am l. Äpril zur Beschlußfassung oorgelegt werden .söL'"/-Zu^'.iN-e^E" Versammlung, soll auch die Wahl des Vorstandes erfolgen. Es steht zu erwarten, daß sämtliche , Herren, die im Landrabbinatsbezirke die Schechitoh ausüben, , zur/ Wahrung ihrer Interessen in/den Neuen Verein eintreten' werden. "/: menfassung der. jüdischen Mütter-, Kinder-, Jugendschutzundund Jugendpflegebestrebungeu und derjenigen der Gesundheitsfürsorge, der hauswirtschastlichen Ausbilwinne an Mitgliedern zu verzeichnen. Vor mir liegt eine ziemlich umfangreiche Mappe von Mitteilungen aus den verschiedensten Teilen des Reiches, -die fast ohne Aus-/ düng und, körperlichen Kräftigung. 5. im der Einrichtung. > nähme von einer erfolgreichen .Propagandatätigkeit der. vonJugend- und Eheberatungsstellen, sowie in der Förderung, aller. Maßnahmen, die zur Schließung jüdischer Chey djenen; 6. in jeglicher Förderung der Frühehe; 7. in besonderen. Erziehungsbeihilfen^ besonders für..jedes dritte und weitere Kind in Anerkennung der Mutterschaftsleistung,als solcher; 8. in Anerkennung jeder Mutterschaftsle-istung der- Frau, durch - unbedingterechtliche Geichstellun-g des unehelichen mitdem.-ehelichen. Kinde; S. in der Begründung von Jugend- und .Gemeindeheimen; 10. in der vollen Nutzbarmachung der allgemeinen offeutlichen Leistungen der Bersicherungsträger und Fürsorgeoerbände aus dieftm Gebiet und in ihrer Ergänzung aus eigenen Mitteln in allen Fällen, in denen di« genannten Stellen nicht ausreichen; 11. die vorstehend aufgeführten Maßnahmen sollen allen Juden, gleichviel ob eingesessene' oder zugewanderte gleichmäßig zugute kommen. E. Die Konferenz erwartet, daß diese Fragen auch -um Gegenstand eingehender Beratung in der Konfe- -renzgemeinschaft der Grohgemei-nden, in den Landesver- Nationalsozialistischen, Deutschen Arbeiterpartei berichten/^ . . . Schon/Bebel sagte: „Der Antisemitismus ist der Sozialismus der Dummen". Bedauerlich ist nur, daßdiese Dummheit verzweifelter Menschen zu einer Gefahr/ für die deutsche; Eytrpicklungg-eyrorden Nist^'-Detzn sie gibt Leuten Macht und Einfluß, die nicht davor zurückscheuen/ an die niedrigsten Pobelinstinkte im Menschen Ach appellieren, und, einen brutalen Terror auszuüben /. ,/. Wir haben es schon zu häufig -erlebt, daß die Nationalsozialisten über friedliche Strähenpassanten, die sie für Juden hielten/ hergesallen sind , und sie niedergeschlagen haben. Man henke nur an Berlin, Bremen undHannover! Und ist es nicht eine Schande für das ganze deutsche Volk, daß infolge dieser antisemitischen Hetze 69 jüdische Friedhöfe geschändet worden sind?, Man -greife also endlich mit allen,Mitteln durch, wenn der Staat keinen Schaden nehmen soll. . . Will, es der Staat noch -länger dulden, daß, wie im Wiesbadener Bezirk, in Hessen und an anderen Stellen, Beamte und Lehrer die/Führer -dieser staaksfeind-lichen Bewegung sind?" ' Oesterreich. Appell an die Wiener Judenheit! --v. ''! . .'7 Wien,18..Februar. Ein Komitee für den Kolel in Slobodko erläßt -fol-- genden Ausruf:.. .. ..///--/v; ■;/ „Um. das umfassende Thorawissen aller Zeiten unverkümmert -auch für unsere Zeitenzu. rettenist.an die weltberühmte Thorahochschuk-e in Slobodko eine Akademie.- angegliedert,, der sogenannte. „Kolel". : Diese. Akademie beruft -die größten und genialsten Thoragelehtien aus: der ganzen Weltdamit sve in gegenseitiger Anregung und fortgesetztem Forschen ihr Wissen vertiefen .und ge-/ eignet werden,, alle K-ulturprobleme im Lichte der Thora zu. lösen./ -///- :. /,/'. i-p/.- Damit diese Gekehrten, darunter Männer mit Familien, sich ungestörtihrem Studium hingeben können, tzewährt ihnen die Akademie volle / Subsistenz und. - auch Unterstützung für ihre literarischen Arbeiten, / - .l / / / Es ist also das Interesse , des gesamten Judentums, welches -in dieser Akademie verkörpert ist, -und wir/ wagen esdeshalb, an alle Kreise, die für. /Erhaltung :des: Juden-'- tüms und seiner-Geistigkeit, für die Durchdringung, aller- Kulturenmit den geschichtlich bewährten. Elementen; un-/ serer Weltanschauung sich Mteresstepen, mit der MÄe/'heran zu treten, uns bei -der /Erhaltung /mib dem Ausbau dieser Akädemie hilfreich' zur- .SeÄe/r-stehtzn.7Ä^ Unterzeichnet sind: Rabbiner I, Bastmgärten, Rabbiner Beer Friedmann,. Univ>Prof.< Dr^ MciK/Cisler,,HeiW rich Pappenheim, Samuel Türkl, Rabbiner Dr. .P. Hohn; Rabbiner A:- Heschl, Dr. L Deütschländer und Direktor/ David Schlesinger. > n' / -. /-/ /// / Ungarn. Gekaufte Juden bvykokkiert. ...- ,.. , .Bu dapest. 20. Februar. Bei den jüngst durchgefuhrken <PLg hlen,chn.,.h/en B o.-r sta n d de r B^u dape sterA y v p kg te n k am - m e r ^spielte sich, ein eigenartiger Wahlkampf ah.'. .Der Vorstand war jn früheren Jahren -immer zur/Hälfte aus Juden, zur anderen Hälfte aus Nichtjuden 'zusammengesetzt. In den letzten Jahren aber. verHok> sich. dasl Verhältn-is insofsrn zu Ungunsten der Juden- ÄS VorstandsviS Marken je NgU AUFGENOMMEN: NV2 w NV2 * Alleinvertrieb durch die Firma J. ANTON ALEXANDER, Berlin NO 18, Ländsberger Straße 91

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