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Der Israelit · 1929-02-28 · Heft 9 (28.2.1929) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 9 (28.2.1929)
Date
1929-02-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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' V 28 Februar 1929 Der Israelit Einrvanderer aus Polen wegen Uebertretung der Paßgesetze mit geringen Strafen und beließen sie im Lande. . Amerika könnte Heute von der Alten Welt wieder so manches lernen. Zeikprobleme. Jugenderziehung und Oeffentlichkeit. Von Dr. Arnold Werzöach in Arankfurt a. W. (Schluß.) Den dritten Grund für das Mißverhältnis zwischen der Äugend und den Erziehern sehen wir in dem durchschnittlich zu großen A l t e r s a b - stand zwischen den letzten zwei Generationen. Wir erleben jetzt nur die Folgen der hei den deutschen. Juden eingerissenen Spätehe. Wir meinen aber mit dieser Ueberalterung nicht lediglich die zu große Zeitspanne zwischen Eltern und Kindern, sondern denken überhaupt an eine besondere biologisch bedingte Einstellung der älteren Generation gegenüber der jüngeren. So bekannt es ist, daß die Jugend im Vollgefühl und m Ueberschätzung ihres Könnens nach freier Bahn drängt, so wenig bedacht wird, daß eine alternde Generation im Besitz der gemachten Erfahrungen und in ihrem natürlichen Drange nach Lebensverbundenheit die geistige Führung sich nicht gern. aus der Hand nehmen läßt. Für uns Juden freilich ist die Führung und Beratung durch S'kenim, also durch vollendete Menschen, die bereits jenseits ihrer Triebhaftigkeit stehen, lebensnotwendig. Jedoch auch bei uns gehört die Praxis und Verantwortung der Erziehung, ja, überhaupt die Gesamtheitsleistung im einzelnen in die Hände der noch beweglichen Menschen, die — selber noch in der Blüte ihrer Kraft — sich auch in die Jugend noch einfiihlen könnten; und so mühten auch die Jahrgänge, die das Alter immer noch als Jugend anspricht, ihren vollverantwortlichen Anteil an der Arbeit in Gemeinde und Gesamtheit erhalten.- Nur durch eine solche dreifache öffentliche und allgemeine Umorientierung, so glauben wir, kann die Vertrauenskrise; durch welche gegenwärtig alle Einzelerziehung für Lösung der Lebensfragen der Jugend von vornherein fast untauglich ist, einer Lösung entgegengebracht werden. Dies ist aber nur zu erreichen, indem auf Eltern und Erzieher und auf die breite Oeffentlichkeit systematisch eingewirkt wird. Die Möglichkeit, daß einzelne Jugendliche diese erzieherische Umgruppierung beobachten, darf uns an ihrer Durchführung nicht hindern: diese Beobachtung würde ja nur den Erziehern von vorneherein ein „a-conto-Vertrauen" gutschreiben. Hiermit kann die Jnteressenahme der Oeffentlichkeit in Erziehungsfragen aber noch nicht erschöpft sein. Bezüglich der Arbeit an der Jugend selbst verbleiben zwei Fragen: erstens, wo kann, bis zur Umgruppierung der Einzelerziehung, die als Zusatz-Erziehung unumgängliche Erziehung seitens der Gemeinschaft anknüpfen? und zweitens, wo soll sich i n der Gemeinschaft die überhaupt als notwendig erkannte Erziehung für die Gemeinschaft abspielen. Die Annahme, daß die Schulerziehung unter Leitung der Lehrer, als der von der Gemeinschaft bestellten Garanten der Gemeinschaftserziehung, das Manko der Einzelerziehung ausfüllen und die Lebensfragen der Jugend lösen könnte, ist nur ein Wunschtraum für ein Land, in dem die jüdischen Schulen gezwungenermaßen ein Doppelgesicht ihres Bildungsprogrammes aufweisen müssen, für eine Zeit, in der die Lebensverbundenheit amerikanischer Schulgemeinschaften noch längst nicht die einseitige Intellekt- Erziehung unserer Bildungsinstitute verdrängt hat, und angesichts von Lehrertypen, die mit wenigen Ausnahmen ihre Zöglinge nur kurze Zeit hindurch und niemals in ihren ganzen Lebensbeziehungen kennen können und noch dazu oft nur als Fachgelehrte an ihnen einseitiges Interesse nehmen. Die Rabbiner, die an sich — trotz ihres Charakters als „Respektspersonen" — geeignetsten Kollektiv-Erzieher, sind Heute viel zu sehr mit sozialen, politischen, philantropischen, halachischen Pflichten überlastet, als daß sie, — selbst wenn sie wirklich pädagogisch ausgebildet wären — sich ernstlich Erziehungsfragen widmen könnten; denn man wird doch nicht glauben, daß ihrer Erziehungsaufgabe mit ihren öffentlichen Musiarreden und Schiurim Genüge getan sei. Die Jeschiwos sind, wie wir schon sahen, methodisch noch nicht genügend entwickelt und weltanschaulich noch nicht genügend verbreitert, als daß sie als das öffentliche Erziehungsmittel schon heute eine Allgemeinlösung darstellten, man wird ihre Propagierung und Umbildung systematischer betreiben müssen. Bleibt noch die Gruppierung um die sogenannten Jugendführer, der Fuge ^db und. Das enge Verhältnis, das hier Führer und Geführte untereinander bis zur Lebensfreundschaft verbindet, und das auch über Gegensätze Brücken schlägt, die von hier ausgehenden Einflüsse, die sich oft stärker als jeder andere Einfluß erwiesen, die Erfolge, die sich sowohl in der Gestaltung von Einzelschicksalen als auch in der Beeindruckung des öffentlichen jüdischen Lebens nicht verkennen lassen, machen es wohl möglich, daß aus diesen Menschen, die aus Nr. 9. Seite 3 freiem Willen sich der Erziehungsaufgabe begeistert hingeben, und aus ihrer ungebundenen Gemeinschaftsform, die ohne jede organisatorische Belastung und ohne jede formale Ausschmückung nur der Sache selbst dienen will, eine öffentliche Gemeinschaftserziehung und eine Erziehungsgemeinschaft noch gestalteter herauswachsen wird, als es heute der Fall ist. Denn in der heutigen Form kann die jüdische Jugendbewegung doch noch nicht als das vollkommenste Instrument der Gemeinschaftserziehung und als das sicherste Milieu für die Auseinandersetzung mit den Zeitproblemen anerkannt werden. Es ist doch heute noch so, daß kraft eines Eignungsspruches irgendeiner selber noch unausgeglichenen Führerschaft jugendliche Menschen ohne Prüfung und ohne Kontrolle auf die Jugend losgelassen werden, gar noch nach eigenem Gutdünken einen jugendlichen Kreis zusammenstellen und selber doch noch kaum einen Ueberblick über die aktuellen Probleme und Methoden, geschweige denn eine Ahnung haben von der Eigenart und den Bedürfnissen ihrer Zöglinge außer dem Wissen, daß diese bisher noch nicht genügend erzogen wurden. Zu diesem Risiko für den e i n z e l n e n E r z i e h u n g s f a l l kommt ferner noch das Risiko in Bezug auf die große Linie, die die Jugendbewegung sich selber bestimmt. So sieht man etwa, wie einzelne gesetzestreue Jugendgruppen immer individualistischer sich einstellen und die Klarheit darüber vermissen lassen, daß sie ins große Leben hineinzuwachsen haben. Auch Spranger (Lebensformen) hat diese Zeiterscheinung beobachtet und die romantische Isoliertheit einer über die Jugendbewegung schon längst hinausgewachsenen, aber in ihr noch verharrenden Jugendbündler- Generation trefflich charakterisiert. Nach all dem glauben wir, daß es noch personaler und sachlicher Sicherungen bedürfte, um die jetzige Jugendbewegung zum Nutzen des Ganzen in die große Gemeinschaft als Träger'der neuen Erziehungsform hineinzustellen. Diese Sicherungen erblicken wir erstens wiederum in der öffentlichen Bestellung von Gemeinschaftserziehern, andererseits im engsten paritätischen Zusammenwirken von Eltern, Lehrern, Rabbinern, Psychologen und' Jugendsührern. etwa innerhalb von lokalen Crziehungskommissionen, und ttd der Unterstellung sämtlicher, Erziehungsmittel, auch der Jugendgemeinschaften, unter.die Verantwortung dieser Gremien, drittens endlich in einer Verbindung von Jugendbewegung und modernisiertem Jeschiwomilieu. (Spezielleres kann , hier. ebensowenig gesagt werden wie bei den Forderungen, die sich aus unserer Betrachtung der Tendenzen und der Formen der öffentlichen Erziehung ergaben.) namen. Dow davon sei nicht schon wieder des längeren die Rede. Unser Name und unsere Seele als Gottesvolk ist der Sabbat. Seinen Namen haben wir zu erwecken, seine Weihe aufs Neue anzustreben. — Dann erstrahlt in unseren Häusern sichtbar das Kleinod aus Gottes Schatzkammer, der verborgene große Schatz, dessen Wame Saööat ist; ^Gehe und offenbare ihn Israeli — Kleines Feuilleton. Kritik an der Kritik. In Nr. 7 -des Jahrgangs des „Israelit" hat. Herr S. Hchwüb einen Artikel /„Eine Kritik an der Kritik" v'eröffentlicht, worin, er die neue palästinensische orthodoxe Zeitschrift;,Brtuj" wegen ihrer Ausfälle gegen die Tätigkeit der „Agudas Jisroel" in Erez Jisroel. und. gegen hie, .Herren Rabbiner Tobiqs Horrvitz und Dr. Robert Weiß tadelt., Än-diesen Tadel kyüpft er folgende Bemerkung: -.Hoffentlich sehen die v-erantw,örtlichenLeiter des Mituj" recht bald wie, wenrg /das .Programm der AlMm -r denen augenscl^inlich..dieses Platt sehr nahe ftzeH„harmdnierk mit den-Anwürfest,gegenNe.Ortho,- dotzie^die ustder von größem rsn noch von ernstem StrMen»üÄch tparr* üW mpn -Mugnist,<MeAn." . . IM Na m en' J>$r vorbereitenden, .Äüstsn-,Exekutive. und lM eignen.Möchte ich, um Mißdeutungen vor- - 1../ tzb dtzvÄülrm'sehr nahi;..s!M, .weist iMMMbliNH-st «nen Äu^WäM veroMntliWn RestrÄ) das ich bei der letzten Zentralratssitzung der Aguda hiM, gebracht und mitgeteilt, daß sich in einer der nächsten Nummern mit der Sache befassen werde. (Es soll mich übrigens sehr freuen, wenn diese Stellungnahme möglichst positiv ausfallen wird.) 2. Von den beiden Herausgebern des „Bituj", den Herren W. Leichter und Benjamin Mintz, glaube ich zu wissen, daß der zweite mit Hen Aulim-Jdeen sympathisiert und der erste, — der übrigens auch mich einmal publizistisch scharf angegriffen hat, jetzt allerdings mir freundlicher gesinnt zu sein scheint — seine Bedenken gegen die Aulim hat. 3. Die Aulim haben sich als Aulim mit einer Kritik der Agudo-Tätigkeit in Palästina sowie gewisser Persönlichkeiten weder besaßt noch zu befassen, stehen also den Angriffen auf die Herren Rabbiner Tobias Horowitz und. Dr. Robert Weiß völlig ferne. Herr Rabb. Horowitz ist selbst Aule und sogar derjenige, den ich noch vor 13 Jahren als Ersten für die Sache gewann und der seitdem vielfach und enthusiastisch für sie eingetreten ist. Dr. Nathan Birnbaum. (Ein jüdischer Schreibkünfkler vor 100 Jahren.) Simon Blumenseld (auch Simon Sofer genannt), Thorax schreiber/. wurde in Mi tau (Kurland) 1770 geboren und starb daselbst 1828.: Er besaß von Natur die Gabe, in so kleinen Buchstaben zu schreiben, daß man sie nur mit Hilfe eines.Mikroskops - entziffern konnte» Das > Schema- Gebet wurde auf diese Weise neunmal von ihm aus einem Stück, Papier man der/Größe von/'2M Quadratzentimeter geschrieben. »>,Ersi konnte,- lesbar« > Buchstaben und Wärter sogar.: auf.der äußersten Eckeeines gewöhnlichen Pergämssnthviefbogens MvejhMr«, E«;,1vavl,iachh> <ein geschickter ZefchenAmstter -MMPst-gte? siiftskizzen mit oerschledeNM Sätzsy rmd schönern Et reiste vielfach durch Europa und ersMt Geschenke von vielen Herrschern. Blumenfeld überreichte zahlreiche Porträts aus kleinen Buchstaben dem Kaiser Alexander I. von Rußland und ein Pentateuch in Hebräisch von der Größe eines Fingers, dem Papst Pius'VH. In seinem Nachlasse befanden sich Manuskripte; Reisebücher und ein Bibelkommentar, der von seinem Söhne Moses in seinem Werke „Magid Mesharim", Hannover 1851, veröffentlicht wurde, und „Tenaim w Ketuba le Jjomtow we Purim", ein humanistisches Gedicht. (Ist bas noch nicht vollendeter Wahnsinn?) Die Wanderrednereheleute Ludendorff verkündeten in ihren letzten Vorträgen in vielen deutschen Städten: Die preußischen Ordensritter find symbolisch beschnitten, Stresemann gibt in Genf geheime Freimaurerzeichen, Schiller und Lessing wurden von Freimaurern ermordet. Wo bleibt die Rettungswache? (Die Lage der Juden im Irak.) In Jerusalem sind zwei angesehene Juden aus dem Zstak, der Leibarzt des Königs l Feisul, Dr. Malkowsky, und der Direktor der königlichen Baumwollfelder, Ingenieur Beschkin, eingetroffen. Beide stammen aus Rußland. In einem Gespräch mit Vertretern der palästinensischen Presse machten sie'" Mitteilungen über die Lage der Juden im Königreich Jrak/die sie als eine gute bezeichneten. 20 Proz: W Regierüngsbeamten im Irak sind Juden. Auch im HänM nehmen die Juden eine führende Stelluüg. ein. Die Beziehüngen zwischen' derarabischen ünd-der jüdischest Bevölkerllng^siüdgnW^Fast'alle' JüMl de's/JE hsthMM WÄtsMs Wissen? äWeiWet und bchen^ctzen Mcheormsche Sprache. Sie hegen starke Sympathie für Mir 'südiWm Aufbau in Paläfüna. Vorläufig aber besteht bei ihnen keine Neigung, in größerer Zahl nach Palästina auszuwandern, da sie im Irak materiell nicht schlecht gestellt

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