Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1929)
- Date
- 1929-02-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. Nr. 9 die Agudas Jisroel ein wirkliches Ruhmesblatt im Buche der jüdischen Geschichte verdienen, und sichern will, dann darf sie die jetzt bevorstehende Kenessio gedaulo nicht vorübergehen lassen, ohne, unter Führung der Thoragrößen, diesen Gedanken zu verkünden. Gewiß, der Gedanke ist zu jung, als daß man erwarten oder verlangen könnte, daß er sich schon jetzt zu einem fertigen Plane formte. Noch viel zu wenig, ja zum größten Teil noch gar nicht erörtert sind die Einzelprobleme, die in ihm beschlossen sind, — wie z. B. die Fragen der höchsten Instanz und der mittleren Instanzen, der Domizilierung der höchsten Instanz in Erez Jisroel, der Befreiung der örtlichen Rabbinen von der Vormundschaft der Gemeindevorstände, der Erziehung neuer, disziplinierter, den neuen Aufgaben gewachsener rabbinischen Generationen. Noch gar nicht übersehbar sind die Wege, auf denen diese Fragen, ohne daß Gefahren für Juden und Judentum heraufbeschworen werden, einer praktischen Lösung zugesührt werden könnten. Aber das kann man verlangen, daß die Knessio gedaulo, und zwar schon die bevorstehende und nicht erst eine spätere, für diesen Fragenkomplex — ebenso wie analog für den der Verländlichung — eine Studienkommission von verantwortungsbewußten, der Zukunft erschlossenen und sachverständigen Männern einsetze. Vorauszusehen allerdings, daß selbst dieser bescheidenen Forderung vielfach mit dem Hohnwort „Zukunftsmusik" begegnet werden wird. Was darauf zu . antworten ist? Nun einfach: Besser ein bißchen Zukunftsmusik treiben, als sich weiter den Ruf zu verdienen, die „schlechtesten Musikanten" des Erdballs zu sein. ii I;J i Wochenrundschau. Kein Brot in Vetzarabien, leine Mazzoth in Sowjetruhland! Erschütternde Nachrichten kommen aus Bester ra b i e n. Eine Mißernte brachte eine Hungersnot. Dazu kommt der auch für Rußland ungewöhnlich strenge Winter, geschäftliche Krisis und Arbeitslosigkeit. In K i s ch r n e w darben und erfrieren buchstäblich die Menschen auf den Straßen, in der Provinz nicht minder. Nach Zehn- Das verborgene Kleinod. Nach R. David von Zowlylow. II. Von Rabbiner Dr. V. Cohen. 3. Es ist ein ernstes Zeichen unserer Zeit, daß ein Füdrer der Gesetzeslreuen sich aenöiigt steht, in einer seiner wirkungsvollsten Schriften es als Forderung auszusprechen, man möge in bestimmten Gegenden dierrpso erst ein führen. Als ob diese Einführung MCLt schon io alt wie die Weisheit des Talmud fei. und als schreibe der Talmud nich schon den Erzvätern jene gottprweihte Einteilung des Sabbattages zu. Die Eigenheit des Sabbats mutz ganzen Gemeinden neu wieder gegeben werden, einfchlietzlich ihrer gesttzestreuen Bürger! 4. Verg.ffen wir doch auch nicht, welche hcilfame Wirkung auf unsere nicht gesttzestreuen Brüder auszuüben, ein echter, rechter Sabbat kähta und ein jüdischer, wenn schon von Arbeit freioebaltener Sonnabend unfähig ist. Gewiß, die Tatsache soll ni^t im geringsten geleugnet werden, daß der größere Teil von ihnen, in der dr-tten oder vierten Generation grsetzesfremd, wenn schon nicht immer Ihoraseindlich. so doch ohne Ahnung vom Sabbat dahinleben. Der Allgütige lenkt gar oft den Schritt D e r Israelit__ taufenden zählen die jüdischen Familien, denen es in dieser kritischen Zeit am Nötigsten fehlt. Die Kinder schneien nach Brot. Vor einer Volksküche in Kifchinew, so berichten dortige Zeitungen, kam es zu -einer Art Hungerrevolte, da die Küche dem gewaltigen Andrang nicht im Entferntesten gewachsen war. Die Gemeinden sind total verarmt. Von den spärlichen Bissen, die Staat und Stadt den Notleidenden verabreichen, können die Juden, selbst wenn sie gleiche Berücksichtigung fänden, keinen Gebrauch machen, ohne mit den Vorschriften der Religion in Konflikt zu kommen. Das religiöse Leben verödet, die Chederschulen haben ihre Pforten geschlossen. Oberrabbiner Z i r e l s o h n lädt alle Rabbiner Beßarabiens zu einer Konferenz ein, die diese Woche in Kischinew stattfindet. Sie betrifft zwar in erster Reihe Organisationsfragen und das Arbeitsgebiet der Agudath Harabbanim. Sie wird aber nicht umhin können, auch die katastrophale Lage ins Auge zu fassen und auf Wege zur Hilfe zu sinnen. Freilich kann sie nur die Wege schaffen und weisen, die Hilfe muß von außen kommen. d'->ivxn rvaa 1V2V *r»na V12N s'8- Der H i l f s verein d e r D e u t s ch e n I u d e n hat das H i l f swerkfür Beßarabi e n mit Energie in die Hand genommen und man darf hoffen, daß er dabei allgemein die nötige Unterstützung findet. In Sowjetruhland sieht man mit bitterer Sorge dem kommenden P e s s a ch f e st e entgegen. Die Sowjets haben keine Mittel und kein Herz für die religiösen Bedürfnisse der Juden. Da dort noch so was wie Rationierung besteht, wurde kein Mehl für Verbacken von Mazzoth bewilligt. Die Mäzzothbäckereien sind geschloffen. Darauf kam noch die alarmierende Nachricht über Riga, daß auch die Einfuhr von, Ausl and mazzoth verboten fei. Zum Glück scheinen die Gewalthaber in der Jüdischen Sektion, die für ihre Person bereits seit zehn Jahren einen „Seder bei Vrot und Vier" halten, sich mit dem letzten Anschlag bei der Zentralregierung nicht durchgesetzt zu haben. Einfuhr ist, wie telegraphisch berichtet wird, erlaubt. So kann die Mazzoth-Aktion für Rußland, von der an anderer Stelle mitgeteilt wird, ihren geregelten Gang nehmen. Amerika riegelt die Tore fester zu. Eine Säuberungsaktion führt jetzt die amerikanische Union durch, die man nach Vorkommnissen der letzten Zeit leicht begreifen wird. Nordamerika will keine Mädchenhändler von der Südseite übernehmen. Wer wollte es den Ver- Eines von ihnen zu längerem Aufenthalt in ein gesetzestreues Haus. Run male man sich vergleichend den Eindruck aus. den er aus einem in oben geschilderte! Art drn Sabbat begehenden Haust, und dann den. den er aus einem einen wirklich in jeder Stunde des Sabbat irdische Mutze und irdischen Genuß Gott weidendem Hause mit aus den Weg nimmt; dort Werktag mit Synagogenarbeit, lster ein Abglanz der höheren Welt, in der „die Zad° dtkim sitzen, ihre Kronen auf ihren Häuptern und des Strahles der Gottesherrlichkeit sich erfreuen . Gewiß triop diese Art des Sabbats den gesellschaftlichen Verpflichtungen des Sabbats und noch medr denen des Sonntags abträglich fein. Aber hierin liegt eben der Sinn des Sabbats, mit welchem er uns adeln soll. Wie sagt doch der Midrasch zu Ps. 69,13 14? „Es schwatzen über mich, die am Tore sitzen, und die Gesänge der Biertrinker. Ich ober, — mein Gebet zu Dir, Gott, zur Zeit des Wohlgefallens. Allmächtiger, durch deine große Gnade erhöre mich mit B^wobrhettunp deines Heils!" ..Während noch den Freuden eines bestes andere Döiker sich dem Laster und dem Ilebennut lingebcn. so teile und duret fleckte ich, das Volk Israel. die Freude des Satbats mit der Weihe des Gotteswortes, das zu nni», nach dem Mahle nockmo's verlesen wird nnd richte deshalb dann zu einer Zeit besonderen Wohlgefallens meine Bitten zum Allgütst en". 5. Ein Sonntao am Sonnabend, mit Gebet in aesttzesireuer Synagoge und dlrttrloffung der verbotenen T8 ipkeitrn, ja mit Antörnng eines Sckiur ist immer noch keine mw m’DT. töchstens eine ni'vV. Aber nisr undiiLV. sind untrennbar, sieben Und fallen Miteinander, Ein ganz besonders glücklicher Zufall, eine nvn Gottes ist es, daß unser wöchent- 28. Februar 1929. einigten Staaten verdenken, wenn sie sich auch der S ch m u g g l e r b a n d e n, Me das ProhMtions- und andere Gesetze sabotieren und, E ein Fall letzthin gezeigt, Rivalen von der gleichen Gilde kurzerhand und massenweise niederstrecken, auf gute Art zu entledigen suchen! Das neue, vom Kongreß dieser Tage angenommene.Ausweisungsgesetz gibt die gesetzliche Handhabe, all diese schädlichen Elemente über See zu setzen. Leider aber gilt auch für dieses Gesetz das pnao i2'rr aw rvusn p’jv |v>> Rach der neuen Verordnung werden alle auf i I lega lern W eg e in den letzten fünf Jahren in die Vereinigten Staaten eingewanderten Ausländer nachsichtslos ausgewiesen werden, wann und wo immer man sie fassen wird. Außerdem sind für illegal Eingewanderte schwere Gefängnisstrafen vorgesehen. Wir wollest keiner illegalen Tat das Wort reden, und wäre es auch die Verzweiflungstat eines Heimatlosen, der Dach und Brot für sich und die Seinen irgendwo unter Gottes Sonne sucht. Aber fünf Jahre sollten genügend Bewährungsfrist sein für Menschen, die sich weiter nichts zuschulden kommen ließen, als den fehlenden Stempel im Passe. Es handelt sich zumeist um Leute, die ursprünglich nach K a n a b a oder Sü d am eri k a — ganz legal — auswänderten, dort aber kein Brot fanden und dann, von bitterer Not getrieben, oder durch die Hand gewissenloser Agestten geschoben, über die Grenze der Union kamen. Fünf Jahre rechtlicher, redlicher Arbeit und nützlicher Betätigung in der Maschinerie des Gesamtlebens sollten vernünftiger und gerechterweise den Beweis erbringen, daß die S p e r rc z u Unrecht und die Au fe nth a ltnahm e z u R e ch t erfolgt sei. Strafe muß sein für Gesetzesübertretung, aber warum gleich schweres Gefängnis und Ausweisung? Die als engherzig verschrieenen preußischen Polizei- und Gerichtsbehörden belegten Wochenkalender. v. 8. FeVr. bis 9. März ISA n, 20. bis 37. Adar I 8888. Samstag 2 1*18 20 »"iss d’hb swn ’a Sonntag 3 21 Montag 4 22 Dienstag M 5 23 Mittwoch 6 ' ,24 Donnerstag 7 25 Freitag 8 26 vinn pn-a» a^pw'sVnp)'»» Zometaa 9 27 Mauled Sonntag abends 11 Ahr 28'/, M. . licter Ruhetag mit dem der Umgebung nicht gleichzeitig ist. So haben wir wenigstens den Namen und die besondere Art des nicht ganz vergeffen. Wir Alle wissen vom Hö erstaaen wlesthr verschieden von einem bürgerlichen Ruhetage ein Sabbat zu verlausen hat. bäum niemandem ist. auch hierzulande niemandem von den Gesttzestreuen. die leite Erinnerung entschwunden, wie verschieden von einem Sonntag, ja wie verschieden auch vom heutigen Sabbat d^r des Ahns war. Wir wollen darum den nicht toten, nur schlafenden Sabbat laut mit seinem Namen rufen, indem wir ihn nach der Einteilana eines Hauses voll lebender Gesetze?reue begehen. Dann haben wir aufs wirksamste seine wtihende K'ost rn u erweckt. Was im Einzelnen zu nur fei? Die Sabbatmahlzetten nach Zahl und Namen, die ihnen von unseren Wessen verliehen, das ganze Jobr hindurch zu ihren Zeiten einrichlen und diese Mahlzeiten selber durch Worte der Thora urd den Schatz unserer Scwiros weihen, die Schwier akeit der nTOD im Winter und der : den König begleitenden im Sommer nicht fürchten; die Tageseinteilung des 7,2V von der Thora abhängig wachen und nicht vom ttirlefanz des Gefellick asttlebens; auch den Werktagen in unserem Kr«ise den ihnen zubommenden Namen erster, zweiter, dritter rc zum nav beilegen. 6. Vielleicht ermuntert uns dos, dieselbe Methode arj unsere eigenen vnip nixv orzuwenden- Wobrscheiulich wird orck de s ern > chend auf unser heiligstes Innere, auf unser südlich-s Gewissen wirken. Es ist nicht anzunehmen. daß man dem Anrufe m * Patriarchen-. Pr optu tern ober Tolrnudgklebr1eu?Nonicu so ge dar Kenias?ur Sünde folgt wie dem mit römischem oder nordischem Helpen-