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Der Israelit · 1929-02-21 · Heft 8 (21.2.1929) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 8 (21.2.1929)
Date
1929-02-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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7 21. Feb r uar 19 2 9 D er Is r a eilt Nr. 8. Seite 7 den deri Leiter dieser Mlätter", Herr Hehrer Steinhardt- Magdeburg auf einem Gemeindeabend in Wilhelmshaven übr-e die Aufgaben des Lehrers in -den Klemgemeinden, gehalten hat: In diesem seinem Dortrag sagte Herr Lehrer St. über das Schächtamt u. a. wie folgt: „Nichts ist mir' ünshmpathsichtzr,'wett'.M^s-'--sib-'S«i-gM ist, die Stellung'des Lehrers bei Juden und Nichtjuden zu untergraben, als dve Ausübung dieses Amte.: Man versetze sich einmal in. die Psyche des Nichtjuden. Für diesen bedeutet Schlachten die Ausübung des Schlachterberufes, und es degradiert somit den Lehrer in seinen Augen und degradiert ihn auch vielfach in den Augen seiner eigenen Gemeinde." Ich frage Herrn Lehrer Steinhardt, ob solche Aeußerungen aus dem Munde, eines der Führer der jüdischen Lehrerschaft Deutschlands nicht geradezu geeignet sind, das Ansehen des mvn'.V-Standes und somit die Schechrtoh selbst herabzuwürdigen und in den Staub zu Zvehen? Bedeuten nicht-solche Ausfälle, in einer Zeit, wo um das Kleinod derrv'nv so hart gekämpft wird, einen Dolchstoß -in.den/Rüchen der■ nsw selbst?- Denn wenn, wie Herr Lehrer St. selber zngvbt, die nwoip ein-vi^n sei. welche Rücksichten hat der jüdische Lehrer bei der Ausübung seines heiligen Berufes der riv-ni? auf den Nichtjuden zu nehmen '2'v in nv'vv ~n? Scheut etwa ein katholischer Pfarrer oder Lehrer bei der Ausübung einer seiner religiösenöder kultischen Handlungen die Kritik Andersgläübiger? Darf bei der Ausübung dieses r.Mbn, die zu den. wichtigsten Teilen des jüdischen Kultus gehört, das „Hineinverfetzen in die Psyche .der Nichtjuden", ganz gleich wie er über die nvmv oder .den vniv denkt, überhaupt ins Gewicht fallen? Oder darf ich Herrn Lehrer St. vielleicht verraten, daß inden osteuropäischen Ländern, der Schochet neben dem Herrn Rabbiner, die geachtetste Persönlichkeit in der Gemeinde .ist? Herr Lehrer Steinhardt hätte der jüdischen Lehrerschaft der jüdischen Oeffentlichkeit gegenüber, einen grö- ,ßeren Dienst erweisen, wenn er solche Aeußerüngen über das Schächtamt oder Schächierberuf nicht getan hätte. I. L. Polen. Der grimmige Winter in Galizien. ’ . Krakau, 15. Februar. Seit Jahrhunderten hatte man in Polen einen solchen Winter nicht erlebt wie dieses Jahr. Am Montag früh hatte. Krakau eine Temperatür von 34 Grad.chinüs. Schrecklich wirkt sich der Frost -in den kleinen, armen Häusern der jüdischen Gasse aus. Sämtliche Cheder- und Talmud Tara-Schulen, wie übrigens auch die städtischen Schulen, sind geschlossen^ Die jüdischen Kleinhändler, die bei dieser Kälte nicht hinauskönnen, leiden mit ihren Familien bittere Not. Die Gemeindeverwaltung ist nicht müßig, steht aber, der Katastrophe machtlos gegenüber. Immerhin sind große Hilfsaktionen eingeleitet. Im jüdischen Zentrum sind zwei Warm- und Teehallen von der Gemeind^ aus eingerichtet worden. Verschollene kommen zurück. Lodz, 14. Februar. Bor dem Lodzer Rabbinat erschien Chajim Kaufmann und erZählte sein Familiendrama: 1918 wurde er vorn revolutionären Tribunal nach Sibirien verbannt, ' wo'er alle Fühlung mit der Heimat' verloren hatt.e. Auf Grund der Amnestie aus Anlaß' des zehnjährigen Jubi- 'läüms der Sowjets durfte er wieder nach Haufe. Fast verhungert und halb nackt würden die „Weißen" an die 'Grenzen von Polen und Litauen äbgeschoben. Mit diesem Kaufmann kehrten viele andere heim, die noch unterwegs sind. Das ' Tragische bei all dem ist, daß Mehrere Fräu-en von den verschickten Männern aus Grund von Zeugenaussagen über den Tod dieser Männer neue Ehen eingingech was jetzt zu großen Komplikationen führen wird. Das Lodzer Rabbinat hat sich mit dem''Moskauer Rabbiner in Verbindung gesetzt, um eine genaue Liste , der Verschickten zu erhalten. Jüdischer Handwerkerkongretz. ..... .Warschau, 14. Februar. ' Jrn Großen Saal des Warschauer Stadthauses tagt gegenwärtig der zweite Kongreß der jüdischen Handwerber der polnischen Pepuhlik, In geschlossenem Zuge, mit Fahnen und Musik, marschierten die Handwerkerdelegiertien, begleitet von zghlreicheyi HayÄwerbergeyossen, ^mn Rathüus. In der Cröffnüngssitzüng waren .über 300 Delegierte aus ganz Polen anwesend, weitere zahlreiche Delegierte, die infolge der Verkehrsstörungen nicht rechtzeitig emtressen konnten, werden sich im Verlaus der Tagung einfinden. Fast sämtliche in Warschau anwesenden jüdischen Parlamentarier und Stadtverordnete wohnten der Tagung bei, ebenso der Vertreter der American Joint Reconstruction Foundation und des Joint Distribution Committee, der Vorsitzende von „Ort" Die Woche. Berlin. Die Z e p p e l i n f a h r t n a ch P al ä st i n a ist definitiv auf den 2 6. März festgesetzt worden. Die Fahrt mußte infolge der strengen Kälte verschoben werden. Danzig. In der Danziger alten orthodoxen Synagoge im Stadtviertel Matienbuden ist aus unbekannter Ursache ein Brand entstanden, der wegen Mangels an Löschgelegenheit infolge des Frostes große Dimensionen annahm. Nach Mehr als vierstündigen Anstrengungen gelang der Danziger Feuerwehr, den Brand zu es löschen. — Wie die „Danziger Zeitung" mitteilt, hat die jugoslavische Regierung den Generaldirektor der Dresdner Bank in Danzig, Herrn Alfred Wein kr an tz, zu ihrem Konsul für den Freistaat Danzig ernannt. Herr Weinkrantz ist Mitglied der jüdischen Gememderepräsentänz. Zürich. Der'Redakteur des in Bülach erscheinenden „Lägern-Boten", der in der letzten Zeit antisemitischen Charakter trug und u. a. die „Protokolle der Weisen von Zion" veröffentlichte, erklärt heute, daß er die bisherige antisemitische Haltung der Zeitung bedauert und ihr nun eine andere Richtung geben wird. Paris. Die in Argentinien lebenden beßarabischen Juden haben durch die JCA. 4200 Dollar an das Hunger-Hilfskomitee in Kischinew gesandt. Lissabon. In Bregen z a, wo vor einiger Zeit für die zum Judentum zr rückgekehrten Maronen, eine Synagoge erbaut wurde, wurde eine Straße der Stadt auf den Namen Rua Orobic de Ca st r o i g e genannt. Der Träger dieses Namens war vor Jahrhunderten der spanischen Inquisition mit knapper Not nach Amsterdam entronnen. So ändernsich die Zeiten-! Rom. In Livorno verstarb im Alter von 104 Jahren der jüdische Bürger Affortunata L e v i. Am 24, Januar 1826 in Livorno geboren, verbrachte er sein ganzes Leben in dieser Stadt. Jerusalem. Wiederum wurde die Kolonie Chedera von den. Beduine n angegriffen, die in der Nähe der Kolonie ihr.Vieh weiden. Es kam zu einem Zusammenstoß, bei dem es auf beiden Seiten Berwundet-e^gab. Viele Pflanzungen wurden zerstört. — -Im April 1929 findet in Del-Awiw die A u s sie l l u n g u n d M e s s e für . Palästina und Len Nahen Osten statt. Diese Messe wird , sowohl der jungen palästinensischen Industrie, wie insbesondere dem amerikanischen und europäischen Jmporthandel, Gelegenheit zu einer großzügigen Propaganda ihrer Artikel geben. — Der Oberkommissar hat alle Regierungsdepartementsaufgefordert, die in den kommenden Pessachtagen zu Tel-Awiw stattf in den de palästinensische Ausstellung und Messe zu fördern. Aus dem Auslände eingeführtes. Ausstellungsmaterial ist von Zollgebühren zu befreien. Belgrad. Anläßlich des St. Sava-- Festes wurden mit dem Weißen Adler- resp. - dem St. Sava-Orden auch zwanzig Juden, aus- . - gezeichnet, und zwar Vertreter des Rabbineroerbandes, des EeMeindebundes, Kantoren-' Standes:und Vorsteher der größten Kultusgem-eind-en. Warschau. Das Städtchen Sokolvw in Podotten ist zum größten Teil durch Feuer zerstört worden. Etwa 50 jüdische-Famiim. blieben ohne Obdach. -In dem Städtchen M ä k o w. brannte die Große Synagoge oöllftändig nieder. Da auch^.die Thoralade mit 7 Thorarollen vernichtet würde, legte der Stadtrabbiner der Gemeinde einen Fasttag auf. Moskau. K o l l.e nberg, der vor kurzem ien früheren Denikin-Eeneral Jakow Alexandcowitsch Slatschtfchew -ermordet hat, ist aus der Haft entlasten worden. General Slafchtschew war wegen, der Pogrome,, die er in der ükräine.veranstaltet hat,, berüchtigt. Später trat er 'in den Dienst der Sowjet-Armee. — Die Sowjetregierung ratifizierte das Abkommen mit dem Joint, wonach die jüdische Kolonisation in Rußland gemeinsam von der Regierung und dem Joint unterstützt und aüfgebaut wird. in Polen. und Vertreter des Handels- und ArbeitsmiNisteriüms der polnischen. Handwerkerkammer. . Abgeordneter Raßnev erstattete. den '.Tätigkeitsbericht 'über die' feit dem ersten Kongreß verflossene Zeit, d. s. 3 Jahve und 4 Monate. Während dieser Periode hatten sich die beiden jüdischen Handwerkerverbände zu einer Gesamtorganisadion vereinigt, die heute 560 Ortsgruppen zählt. Der Handwerker übt seinen Einfluß bei den Wahlen aus, interveniert in Steuerangelegenheiten und befaßt sich eingehend mit Kveditgenossenschaftswefen; auf seine Initiative wurden mehr als 200 Volksbanken gegründet. Alles abgelehnt. Warschau, 12. Februar. In der letzten Sitzung des polnischen Sejm, vor der Abstimmung über das BudgetpväMminarium für 1929, hielt Abg. Färbst« t n irrt Namen des Jüdischen Klubs eine Ansprache, in der er ausführte, di« Umsatz- und Einkommen- und Vermögenssteuernlasten so ungeheuer schwer aus der jüdischen Bevölkerung der Städte, daß diese am Zusammenbrechen ist. In den Provinzen Posen und Pomerellen haben die jüdischen Kaufleute unter der antisemitischen Hetze ungeheuer zu leiden, der jüdische Hausierer wird besonders schwer verfolgt. Bei der Beratung des Budgets des Kriegsministeriums forderte Abg. Heller die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten auch für di« jüdisch«» Kri-egstnvaliden. Bei den Abstimmungen über das Budget wurden sämtliche vom Jüdischen Klub gestellten Verbesserungsanträge, sowie die von Grünbaum beantragte Erhöhung der Positionen für jüdische religiöse und erzieherische Bedürfnisse abgelehnt. Die Zarengesetze des Kreischefs. W a r s ch a u , 12. Februar. Abg. Hartglaß interpellierte den Innenminister wegen des folgenden Falles. Im Dorfe Szeniza, Kreis Novominsk, würde der Jude Salomon Horowitz zum Gemeindevorsteher gewählt. Der Kreischef. hat aber auf Grund des in Polen noch, immer geltenden Zarengesetzes vom Jahre 1864, wonach ein Jude auf dem Lande kein Borstehevamt bekleiden darf, die Wahl von Horowitz annulliert. Der Minister wird aufgefordert, die Verordnung des Kreischefs auf Grund der Verfassung für ungültig zu erklären. Buigsrien. Eine Ritualmordhehe vor dem Parlament. Sofia, 10. Februar. Der sozialistische Deputierte Dimiter Heykow richtet« im Parlament eine Interpellation an das Ministerium des Innern b-etveffend den Zwischenfall in Haskowo, wo aus einer nichtigen. Ursache eine die jüdische Bevölkerung bedrohende .Nitualmordhetze eingeleitet worden war. Der Deputierte verurteilte das Vorgehen,.her Polizei und forderte ein«' streng« gerichtlich« Untersuchung gegen di« Hintermänner der Hetze sowie deren Bestrafung. Die. Anfrage schloß :„Wer, Herr Minister, hat den Auftrag zu einer Haussuchung beim Rabbiner von Haskowo erteilt und zu welchem Zwecke wurde diese Haussuchung vorgenommen? Was gedenkt die Regierung zu tun, um die jüdische Bevölkerung gegen ähnliche"Anschläge $u schützen?" — Eine Antwort der Regierung ist bisher nicht erfolgt. GriechenSand^ Venizelos und die 7lvl der Juden Salonikis. - Sa lo niki^-12. Februar. Eine Abordnung der jüdischen Gemeinde von Salonikibegyb sich in dieser Woche nach Athen, um dem Ministerpräsidenten Venizelos die traurige Wohnungslage der Judenheit von Saloniki darzulegen. Die Mitglieder der Abordnung erzählten Venizelos, daß viele Hunderte armer jüdischer Familien in Höhlen, Kellern, Hausruinen und Baracken zusammengepfercht wohnen. Nnunnrehr gegen die Behörden daran, im .sanitären und Sicherheitsrnteresse alle diese Wohnungsschlupfwinkel wegzuräum. Die Abordnung forderte von Venizelos, daß die Regierung für die Unterbringung der wohnungslos gewordenen Familien sorgen möge, da die jüdische Gemeindeverwaltung finanziell völlig erschöpft sei und in dieser Beziehung nichts mehr leisten kann. Ministerpräsident Benizetos erklärte der Abordnung, di« Regierung habe genug damit zu tun, um die Fluchtlinie aus der Türkei unterzubringen und sei darum materiell nichtUn der Lage, zur Lösung des Problems der unterstandslor gewordenen jüdischen Familien von Saloniki irgend et:,:as beizutragen. . ' m:

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