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Der Israelit · 1929-02-21 · Heft 8 (21.2.1929) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 8 (21.2.1929)
Date
1929-02-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seide 6. Nr. 8. Der I s rae 1 i t 21: Februar 1S2- Tätigkeit). der jüdischen Hausfrau zu kennzeichnen meint, der steht der Erkenntnis des Sinnes einer wahren Ehegeineinschaft so fern, daß er nicht dazu berufen ist, an der „Lösung dieses Zeitproblems" mitzuarbeiten! Korrespondenzen Nachrichten. Deutsches Reich. Hilfe für die hungernden Juden in Beßarabien. Berlin, 12. Februar. Die Beßarabien-Aktion des Hilfsvereins ist im vollen Hange. Es sind von Institutionen' und Einzelpersonen zum Teil ansehnliche Beiträge eingegangen. Die Aktion wird vom Hilssverein, der hierin die tatkräftige Unterstützung seitens feiner Lokal-Komitees und der Gemeinden findet, mit aller Energie fortgesetzt. Angesichts der großen Notlage hat der Hilfsverein zunächst einen Betrag von 15.000 Mark an das Hilfskomitee in Kifchinerv telegraphisch überwiesen. Wie die ITA. erfährt, hat das American Joint Distribution Committee, das schon bis jetzt in Beßarabien Lebensmitteldepots unterhalten hat, beschlossen^ für die hungernden Juden in Beßarabien für die Dauer der Hungerperiode (etwa bis zur Einbringung der neuen Ernte im Sommer 1929) ejne Summe von 20.000 Dollar zur Verfügung zu stellen. Die Jewish Colonisation Association in Paris hat Kredite in Höhe von 27.000 Dollar zur An fchaffung von Lebensmitteln für die hungernden Juden in Beßarabien bewilligt. Die Alliance I s r a e l i t e Universelle in Paris veröffentlicht einen Aufruf an die französischen Juden, den hungernden Juden Beharabiens zu Hilfe zu kommen. Die Alliance bewilligte aus eigenen Mitteln 40.000 Francs als schnelle Hilfe für die Hungernden. Der Verband der jüdischen Hilfsorganisationen in London' hat 600 Pfund an das Kischinemer Hilfskomitee gesandt. Nachdrückliche Ahndung der Friedhofsschändungen. Berlin, 13. Februar. Im weiteren Verlauf der gestrigen Justizdebatte im Landtagsausschuß erklärte Justizminister Dr. Schmidt u. a.: „Die in den letzten Jahren leider recht häufig aufgetretenen Friedhofsschändungen seien auch für die Justizverwaltung ein Gegenstand ernster Sorge. Leider werden in solchen Fällen selten die Täter ermittelt, was mit der Eigenart der Vorgänge, Abgelegenheit des Tatorts, später Entdeckung usw. Zusammenhänge. Gelinge es aber, den Täter zu ermitteln, so fei auch der Minister der Meinung, daß derartige schmähliche Vergehen nachdrücklich zu ahnden seien." Die Jubiläumsfeier des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Berlin, 15. Febr. Der ReichsbundjüdischerFrontsoldaten veranstaltete am 9. Februar im Berliner Herrenhaus zu feinem zehnjährigen Bestehen eine Kundgebung, die von den Abgeordneten des Frontbundes aus dem Reiche und aus Berlin, von den Vertretern jüdischer Organisationen sowie von einer Anzahl von Gästen recht stattlich besucht war. Die maßgebenden Militär-, Marine- und Polizeibehörden hatten Vertreter entsandt. Der Vorsitzende des Frontbundes, Dr. Lev Löwen stein, der die Kundgebung leitete, wies auf die Gefallenen im Weltkriege hin, die, ob Jude oder Nichtjude, alle unserer immerwährenden Dankbarkeit sicher sind. Er berührte sodann die Entstehungsgeschichte des Frontbundes und wies auf die Tatsache hin, welche Bedeutung die Widerlegung der Drückebergerlüge durch den Frontbund gewonnen habe, wie der Frontbund diese wichtige Abwehr dadurch krönen wolle, daß er noch in diesem Jahre ein Verzeichnis sämtlicher jüdischer Gefallenen herausgeben werde. Die Leistungen auf dem Gebiete des Sportes und der Sie dlung zeichnete Dr. Landenbergeraus Nürnberg. Zum Schluß u brachte Kammergerichtsrat Wolfs (Berlin) die Grüße und Wünsche der Berliner jüdischen Gemeinde, des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und ier Reichsarbeitsgemeinschaft der deutschen Landesverbände jüdischer Gemeinden dar Aus der Berliner Jüdischen Gemeinde. Berlin, 15 .Februar. Die I ü dis che -Volk s pa rtei hat an den Gemetndevorstand die Anfrage gerichtet, welche Maßnahmen er bezw. das Wohlfahrtsamt getroffen hat, um mit Rücksicht auf die strenge Kälte der letzten Tage der ärmeren Bevölkerung die erforderKche Hilfe zuteil werden zu lassen. Es wird insbesondere um Bericht über die vorhandenen Wärmehallen, die Frage der Kohlenversorgung usw. gebeten. Weiter ist folgender Antrag eingebracht worden: Am 22. März soll auf Anregung des Reichsminifters Severrng ein „Tag des Buches" in ganz Deutschland stattfinden. Der Gemeindevorstand wird gebeten, zu prüfen, wie diese Anregung auch im Interesse des jüdischen Buches nutzbar gemacht werden kann. Es wird eine großzügige Propaganda für das jüdische Buch in Verbindung mit anderen Organisationen (So noino-Gefellschaft, Logen, Bibliotheken), eventl^ durch Ausstellungen in Gemeinschaft mit den jüdischen Berlagsanstakten, Buchhandlungen gefordert. Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde. Berlin19. Februar. Zum Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung wurde in der gestrigen Sitzung, bei Stichentscheidung durchs Los, Geheimrat Dr. Julius Stern (Mittelpartei) gewählt, zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Klee. Der Gemeindevorstand hat für Kvhlenanfchaffung zugunsten Unbemittelter Mt. 10.000 zur Verfügung gestellt. Die vom „Jüdischen Schulverein" begründete zionistische Volksschule in der Rykestraße ist unter Beibehaltung ihres Charakters auf den Gemeindeetat übernommen worden. Zur Vorbereitung der Errichtung eines Lehrstuhls der Berliner Jüdischen Ge meinde an der hebräischen Universität in Jerusalem, wurde eine Kommission mit Ko.optationsrechl gewählt. Eine eingehende Diskussion erhob sich über die Frage, ob in der neu erbauten Synagoge in der Prinzregentenstraße die Verteilung der Sitze so angeordnet werden solle, daß auch weibliche Familienangehörige neben den Männern ihren Platz finden sollen. Es waren zu diesem Zwecke rabbinische Gutachten eirrgegangen, bei denen von den liberalen Rabbinern Dr. Bergmann, Dr. Wiener, Dr. Warschauer, Dr. Lefkowitz und Dr. Weiße sich gegen jede Aenderung gegenüber dem bisherigen Modus und die Rabbiner Dr. Weyl, Dr. Blumenthal und Dr. Galliner für das unterschiedlose Zusammensitzen der Geschlechter in dre Synagoge aussprachen. Der Vorschlag des Herrn Dr. Baeck trägt einen „vermittelnden" Charakter dahingehend,daß er nicht das unterschiedlose Zusammensitzen befürwortet, wohl aber die Möglichkeit gewahrt wissen will, daß Familienmitglieder nebeneinander Plätze finden. Die Vorlage des Gemeindevorstandes wurde schließlich mit 10 gegen 9 Stimmen bei 2 Stimmenthaltungen angenommen. Für das Zusammensitzen stimmte geschlossen die liberale Fraktion, dagegen ebenso geschlossen die Fraktion der Jüdischen Bolkspartei und die beiden Herren der Mittelpartei. Der Stimme enthielten sich der Poale Zionist Dr. Oskar Cohn und der Konservativ« M. A. Loeb. Die Versammlung forderte den Vorstand aus, den vom Reiche aus den 22. August vorgesehenen Tag des Buches auch für das jüdische Buch nutzbar zu machen. Für die Ma zz o svers o rg u ng der Juden in Rußland wurde eine größere' Summe bewilligt. Jüdischer Religionsunterricht an den Hamburger höheren Schulen. H a m b u r g, 15. Februar. Wie das Gemeindebilatt meldet, hat die Oberschulbehörde beschlossen, an denjenigen höheren «Staatsschulen, an denen eine genügende Anzahl jüdische Schüler vor Händen ist, von Ostern 1929 an jüdischen Religionsunterricht als Klassen- oder Gruppenunterricht auf Kosten des Staates einzüführen, der auch die Lehrer anstellt uni beaufsichtigt. Mit diesem Beschlüsse ist in, einer- Angelegenheit öte wie schon früher gemeldet, zu heftigen Auseinandersetzmr-, gen innerhalb der Verwaltung'des-Synagogenverbandes, und zwischen Synagogenverband und Gemeinde geführt, hatte, der Form nach, erledigt. Allerdings mir der Form nach, denn es ist. selbstverständlich, daß die Staatsbehörde sich bei der Anstellung der Lehrer auf die Gemeinde stützen wird, so daß diese, und damit mittelbar auch, der Synagogenverband die Verantwortung trägt, wenn durch liberale Lehrer Zweifel oder der Tradition widerspre? chende religiöse Grundsätze in die Herzen der Jugend; gesät werden sollten. Das Schächten im Münchener Schlachthof. München, 12 .Februar. Im Stadtrare stellte Stt-R. Fiehler (N.S.) einen Ergänzungsantrag, der forderte, daß zu den- Hilfsarbeitsn beim rituellen Schächten ausschließlich nur jüdisches Personal verwendet werden dürfe, da es sich hierbei nach Auffassung der Juden selbst nur um eine religiöse Handlung handle. Das Fleisch der geschachteten Tiere, die von den Juden als „trefe" erklärt werden, dürfen nur an einem besonders gekennzeichneten Stand der Freibank verkauft werden. Die Hinterviertek sämtlicher geschachteter Tiere sollen von nichtjüdischen Metzgern nur dann vr: kauft werden dürfen, wenn, sie von geschachteten Deren stammend besonders gekennzeichnet sind. Infolge verschiedener Bedenken, die gegen eine so? fortige Beschlußfassung über den Antrag vorgebracht wurden, erklärte sich St.-R. Fiehler mit einer einstweiligen Zurückstellung des Antrages einverstanden., St.-R, Würz (B. Bp.) bemerkte, daß in keinem Schlachthof solche Bestimmungen bestehen, wie sie im Antrag Fiehler gewünscht werden. Der Antrag habe weitgehende Rückwirkungen auf den Flieischpreis, den die jüdische Bevölkerung dann zu zahlen hätte. R.-R. Dr. Helm rei ch betonte, daß die Schlachthofdirektion genau darüber wache, daß nicht mehr Tiere geschächtet werden, als dem Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung entsprechen. Infolge dieser Ueberwachung fei auch die Zahl der geschachteten Tiere wesentlich zurückgegangen. Wenn eine Bestimmung, wie sie der Antrag Fiehler fordere, in die Schlachthofordnung ausgenommen würde, dann wäre die Vorlage der vom Referat beantragten Aenderungen der Schlachthofordn üng gefährdet, weil diese erst noch der Regierung zur Vollziehbarkeitserklärung zu ge leitet werden müsse, St.-R. Weiß (Demokr.) sprach noch den Wunsch aus, daß die durch den Rücktritt Dr. Opels erledigte Direktorstelle endlich besetzt werde. Die Anträge des Referenten wurden unter Zurückstellung des Antrages. Fiehler schließlich einstimmig genehmigt. Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands. Köln, 14. Februar. Wie wir erfahren, wird am 10. März in Köln, nachmittags um 14 Uhr, in der Rheinilandlog«, Cäcilienstraße 18—22 die ordentliche Mitgliederversammlung des „Vereins für die jüdischen Interessen des Rheinlands e.. V." stcvttfinden. Ein neues kirchenfteuerssefetz für Hessen. Da rm stad t , 15. Februar. Das neue Kirchensteuergesetz, das auch auf die israelitischen Religionsgemeinden Anwendung findet, sieht als Steuermöglichkeiten für' die Gemeinden, sowohl Zuschläge zur Reichseinkommensteuer, als Zuschläge zur Vermögenssteuer, zu den Grundsteuern und zur Gewerbesteuer vor. Daneben werden auch Kopfsteuern in geringer Höhe genehmigt. Ferner ist den Gemeinden eine eigene Klassensteuer sreigeslellt, ebenfalls auf Grund der vom Finanzamt zu liefernden Unterlagen. Die Religionsgemomden können die Steuern auf Grund der ihnen vom Finanzamt gelieferten Angaben auch direkt erheben, wodurch sie die hohe Gebühr für die Einziehung ersparen. Jede Gemeinde muß eine Vertretung von mindestens 5 Mitgliedern wählen;, die ihre Genehmigung zum Budget erteilt. Den Verbänden von Religionsgemeinden ist ebenso wie den Gemeinden selbst )as Steuerrecht zugebilligt. Lehrer und Schochel. Schweinfurt, 12. Februar. In Nr. 172 vym 31. Jan. 29 der Blätter für Erziehung upd Unterricht, die dem Hamburger Israelitischen Familienblatt beiliegen, wird ein Vortrag wiedergegeben,

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