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Der Israelit · 1929-02-14 · Heft 7 (14.2.1929) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 7 (14.2.1929)
Date
1929-02-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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4.- >y7^v. -fVgr^V •--*..-" - ■ ■ L h und rzic «ns a5ogiscne Lieiiaac ztim aeseyrstreuer Mischer Lehrer Deutschlands Jüdischer Ankerricht in der jüdischen Schule. (Ein alter 'Gedanke in neuem Gewände.) Von S. Hecht in Berlin. Daß unsre jüdische Schule sich endlich aus eigene Füße , stellen sollte und nicht mehr bestenfalls die letzt modernen Rfeormbestrebungen auch für jüdischen Unterricht auswertet, sehe ich nicht nur als notwendig an, sondern halte sie dazu für verpflichtet. Die Möchte Schulsorm zu finden, die durch unü durch für die jüdische Schute die Gegebene ist, birgt nur deswegen so besonders viel Schwierigkeit^^ weil die Schulform Gott sei Lank nicht mehr Religionsschule, sondern jüdische Volksschule, bzw. jüdische Ausbauschule ist. Und es harren weite Strecken von Neuland der Erschließung. Ich bin zu der Ueberzeugung gekommen, daß wir in der jüdischen Aufbauschule, ablernend von der alther bestehenden Form des Sidroh maavir und der Formlosigkeit dre Chedermethode, die Wochensidrah auch in. unserer Mitte erheben zu müssen zu der Sa che in heit, um die sich während einer Woche die tägliche Schularbeit konzentriert, ungefähr in der Form, wie sie von mir nun angedeutet wird, wie sie in der geadeltsten Form vorgelebt wird in jenen Kreisen echtester Thoratreue, wo man sich bzeieht oder noch besser, wo man während des Wochenkreijes alles, was man denkt, lebt und spricht, schöpft aus dem ewigen Quell lebendigsten Lebens der jeweiligen Ssidrah der Tauro. Und es bedarf von mir gewiß nicht des Heroorhebens, daß dem jüdischen Menschen ewige Tauro als o->r.vn p als Gottesgeschenk gegeben für sein Leben, auch die Konsequenz haben muß, daß. man sie als solche praktisch wertet. Deutlicher gesprochen, da. die Taüro zu betrachten ist als höchste und letzte - Weisheit, als das Vuch der. Bücher, über alles in der Welt Seiende und von der Welt zu wissende, ist es eigentlich selbstverständlich, daß es Pflicht ist, uns nur leiten zu lassen von der Tauro. Bei dieser Ueberzeugung wird sich möglicherweise der Cinwand erheben: Schon recht in der Theorie, und diese Theorie ist nur recht in der W^elt der weltfremden Idealisten. Real gedacht aber und für-die Schularbeit, ganz unmöglich. 'l-Das!ist äber nicht der Fall. Denn der Din verlangt, daß" man das Kind, wenn es zu; sprechen beginnt, schon Taüro'lehrt. Di« Tauro ist für jedes Alter, für jedermann das Gegebene. Und in der Praxis lehrt uns ja das Cheder. wo man während.- der ganzen Woche sich hineinkniet in hie jeweilige Sstdra und dies in jedem Jahre wieder, daß eine Fortentwicklung zur Bnetauro- Stufe möglich ist. (Ich lehne freilich das Cheder in seiner bestehenden Form ab, aber in der Hauptsache nur des „wie" wegen.) Das Cheder erreicht formale. Ertüchtigung. Da aber jedes logisch und nicht zugleich psychologisch orientierte System vom L^ben abführt, hat das Eheder trotz seiner guten Sache der Gefahr, nicht entgehen können,' das lebendige Interesse zu schmälern oder zu verdrängen und die Kräfte zu innerem Handeln zu ertöten.: Die konkrete Sache, die nun einmal für den Menschen und besonders dem jungen Menschen Lebensekement bedeutet- und der lebendig« Inhalt, dem die sach^ liehe Einlebung fehlt, waren vergessen zu betonen. Da^ durch wurde der Geist entwöhnt, seine ursprüngliche Lust zur Eigenbewegung und dadurch wiederum unterstützt durch seinen genialen Wurstigkeitsstandpunkt gegenüber dem konventionellen Leben, unterstützt auch durch jenen Melamed, der, da er nicht zum Kaufmann taugte, Melamed wur.de, wurden junge Leute entlassen: die bezüglich des aktiven Judeseins und aktjoen Menschseins subaltern und träge sind,/Würden wir bei der Sache dös Cheder und bei..der 2trt;/roie bas lebendige Judentum es soll, die'jeweilige Ssidrahder Tauro,mgamir..sein, innerhalb unseres g a n z e n Ü n t e r r i ch t s im ersten Schuljahr beginnend und in konzentrischen Kreisen.erweiternd,.von Schuljahr zu Schuljahr, und das' alles als„Ge s amtüWtierricht"<Mitdem Prinzip des Aeb eits- »nt« r r i ch t s ,/dännwürdeditz^ jüdische Schule die Möderne jüdifche/SchüleMMtdeO Unter Gesamtunterricht verstehen wir einen Unterricht, der im Gegensatz steht zu der seitherigen oder richtiger heutigen Spaltung der täglichen Schularbeit in eine Anzahl äußerlich und innerlich von einander geschiedenen Fächer. Er stellt sich dar als eine Konzentration um die Sacheinheit; das, was bisher in von einander abgeschiedenen Systemen folgte, gliedert sich organisch ein als H i l f s m i t t e l der Sachdurchdringung. Gesamtunterricht, wie er hier vertreten, sollte nun auch die Form werden für den Unterricht an der jüdischen Schule, so daß wir in der jeweiligen. Ssidro der Tauro den Impuls für den gesamten Unterricht (Lesen, Rechnen, Schreiben,usw.) suchem Und wenn dann dieser Gesamtunterricht mit dem Prinzip des Arbeitsunterrichts verabfolgt wird, tarnt würde aus der verfchulmeisterien Schule freie geistige Schularbeit werden; denn nun ist neben der Befreiung aus der Tyrannei der Fächerung, auch die Befreiung aus der Tyrannei des Lehrers gewonnen. So wird nun die Fähigkeit der Selbständigkeit, und des Selbstdenkens gepflegt werden, daß neben formaler Ertüchtigung auch die. Kräfte zur selbständigen Lernbetätigung erstarken, dem letzten Ziele, das sich eine Schule — und besonders unsere jüdische Schule — stecken Muß. Mit diesen kurzen Ausführungen, denen ich noch als geeignete Lektüre die Durcharbeitung der Werke über Gesamtunterricht bFw. Arbeitsunterricht anschließe, übergebe ich diese meine Anregungen der jüdischen Lehrerschaft, daß unsre jüdische Schule immer mehr die kristallisierte Form finde, daß sie nicht mehr „jüdische Schule" analog irgend einer andern „konfessionelleni Schule." sei,' sondern in ihrer Art e i n z i g werde. 20 Jahre Arbeitsschule (£). Scheibner). Freie geistige Schularbeit in Theorie und Praxis (Hugo Eaudig.) Dritte Tagung der „Ehemaligen Kölnerin Frankfurt a. M. am 1, Januar 1929. Zum dritten Male hatte der Vorsitzende der Vereinigung „Ehemaliger Kölner", Freund A p t-Pattensen, den Mus zur Sammlung an uns ergehen lassen. ' Die Vereinigung, von wenigen tapferen Kollegen als zartes Pflänzchen'ins Leben gerufen, um in ihren Mitgliedern die Erinnerung, an die im Kölner Seminar verbrachte Studienzeit zu pflegen, hat im Laufe weniger Jahre sich zu einem recht stattlichen Bäumchen entwickelt. Heute zählen zu ihr bereits eine große Anzahl „ehemaliger Kölner", die über alle Teile des Vaterlandes und darüber hinaus sich verteilen. Auch solche, die längst nicht mehr dem Lehrerstande angehören, sondern als Kaufleute, Direktoren, Bankiers u: dgl. sich betätigen,. Die Erinnerung an die in Köln verlebten Jahre läßt auch sie freudig mit den Lehrermitgliedern sich zusammensind en zur Pflege des Gedenkens an die schöne Jugendzeit, die wir in gemeinsamem Tun oder auch Lassen in der St. Apernstraße 29'31 verbracht. Der Ruf des Vorsitzenden, der uns wieder wie'vor zwei Jahren in Frankfurt Zusammenkommen lieh, brachte ein vollbesetztes Haus. Da - waren fast alle Gaue des deutschen Reiches vertreten'. Ja, auch „Ausländer" hatten sich eingefunden. Fanden wir doch außer einem Kollegen, dem die himmelragenden, schneebedeckten Alpenberge ins Schulzimmer schauen, einen würdigen Herrn aus Straßburg, der „wunderschönen Stadt" unter den Anwesenden, den wir vor. ungefähr.33 Jahren als. schmucken Jüngling durch die Straßen der alten Colonia wandeln sahen. Ebenso konnten wir zu unsrer Freude feststellen, daß der lang-, gestreckte Luise Mühlbach-Vertilger im.Laufe der letzten' 314 Jahrzehnte Noch nichts von feiner hochaufstrebenden Größe eingebüßt, wenn auch das glänzende Schwarz der Schillerlocken der neunziger Lahre des vorigen Jahrhunderts in ein schneeiges Grau sich verwandelt. Es wären fv ziemlich alle Jahrgänge anwesend, von den ältesten Semestern.-die schondie wohlverdiente Ruhe nach - lartgjährigtzr- Arbeite! in Schule.und Gemeinde genießen^ yiS'.HlNgb 0 denen, M ndch^nicht .-ehemalige". sondern noch „aktive" Kölner sind. Auch unsere Alma mater war diesmal vertreten: hatte sie doch in Seminar- Studienrat G u t ihren derzeitigen Leiter zu unserer Tagung gesandt. Nicht unerwähnt sei, daß durch die Anwesenheit zahlreicher Damen, die ihren Männern und Vätern gefolgt waren, das Bild unseres Zusammenseins eine mildere, sanftere Note erhielt. Nachdem der Vorsitzende über das, was sich im Kreise unsrer Mitglideer in den letzten Jahren ereignet, sowie über die Entwicklung unsrer Vereinigung berichtet, folgte der Höhepunkt der Tagung: Vortrag von Gut- Köln über die Bedeutung Kölns für. die jüdische Lehrerbildung. Es ist nicht unsre Aufgabe, im Rahmen eines Stimmungsbildes Stellung zu nehmen zu der gegenwärtig die gesamte jüdische Oefsentlichkeit interessierende Frage der zukünftigen jüdischen Lehrerbildung. Daß diese Frage in dem Gutschen Referate ausgiebig behandelt wurde, ist wohl Selbstverständlichkeit.. Wir hörten zu unsrer Ueberraschung, daß nicht viel gefehlt hätte und auch das Kölner Lehrerseminar hätte seine Tore schließen müssen. Glücklicherweise ist es dann doch gelungen, den Weiterbestand des Seminars zu sichern. Um unsre Kollegen -und die früheren Schüler Kölns auf dem Lausenden zu halten, führen wir aus den Ausführungen Guts an: Am 16. Dezember 1928 hat der Rat des preußischen Landesverbandes beschlossen., den Oberbau der Kölner Jawne zu finanzieren, . in dem die Lehramtsbewerber und -bewerberinnen in den jüdischen und profanen Disziplinen zum Abitur geführt werden sollen. In drei Jahren also wird die erste Reifeprüfung an der Kölner Jawne abgehalten werden. Bis dahin wird das Ministerium betreffs einer staatlichen jüdischen Akademie schlüssig geworden sein. So wäre dann für. die Ausbildung der Volksschullehrer gesorgt- Die meisten jüdischen Gemeinden benötigen aber einen Kultusbeamten, der Religionslehrer, Kantor und Schochet ist. Für diese Kategorie denselben Bildungsgang wie . für die Volksschullehrer zu verlangen, ist eine Verkennung der Welt der Tatsachen, ja ein Ding der Unmöglichkeit. Wer Kultusbeamter werden will, wird also: mit Obersekundareife in das Religionslehrerseminar, eintreten und dort in vierjährigem Kursus zur Entlassungsprüfung geführt werden. Wer akademischer Religionslehrer werden will, tritt nach dem Abitur in die Religionslehrer-Akademie ein, um in zweijährigem Kursus die Abgangsprüfung abzulegen. Wer Volksschullehrer werden will, tritt nach dem Abitur in die geplante-staatliche jüdische Akademie ein, um sich nach zweijährigem Studium der Volksschullehrerprüfung zu unterziehen. Diese Gabelung der jüdischen Lehrerbildung ist nicht etwa ein Fehler, sondern ein Segen, der der Entwicklung unserer Gemeinden und unserer Schulen zugute kommen wird. Die Zwangsjacke der einheitlichen akademischen Ausbildung hingegen wäre ein Unheil, den Bedürfnissen der Gemeinden geradezu zuwider laufend. Der preußische Landesverband hat daher mit seinem Beschluss« der Gabelung das Richtige getroffen. — Ohne zu den vom Rate des. preußischen Landesverbandes gefaßten Beschlüssen Stellung nehmen zu wollen, freuen wir uns und mit uns alle ^Ehemaligen Kölner", daß das von Rabbiner Dr. Feilchenfeld -yr im Jahre 1867 und nach ihm von unfern dahingangenen Lehrern Dr. Plato und Dr/ Carlebach. geleitete Seminar erhalten bleibt und. einen den Erfordernissen der Gegenwart entsprechenden Umbau erhält. Die Zuhörer nahmen den Gutschen Vortrag mit größtem Interesse entgegen. Herr Gut verstand es in meisterhafter Weise seinen Ausführungen eine gehörige Portion köstlichen Humors beizumischen, so daß oft wahre Lachsalven die Wände des Hauses erzittern machten. Wir sahen die Lachmuskeln der ernstesten und würdigsten Semester sich in zuckende Bewegung setzen. Kollege Apt wird auch weiterhin die Geschäfte unsrer Vereinigung leiten. An ihn belieben sich die zu wenden, die sich den „Ehemaligen Kölnern" noch nicht angeschlossen. Er Nimmt jederzeit Neuanmeldungen, sowie Mitteilungen entgegen, die Wer-Vorgänge aus dem Kreise der „Ehemaligen" unterrichten. Als Tagungsort ünfexess,nächstem Zusammenskmslwurde iKölnj, SK ApeknstyM? 29M MtimmK Die Uhr .zeigt^ schon Mne -ieM-

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