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Der Israelit · 1929-02-14 · Heft 7 (14.2.1929) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 7 (14.2.1929)
Date
1929-02-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette-10. Nr. 7 D e -t-l g §Kf-£ 4 7. .'Fr" 14Februar193S. undachtzigjährige Elieser von feinem Stuhle erhob und erklärte, er nehme das Verbrechen, das irgend ein Bube begangen, auf sich. Er sagte dies ganz ruhig und ohne mit der Wimper zu zucken, so, als ob dies etwas selbstverständliches wäre. Er fügte so, mehr nebenbei hinzu, er sei ein dreiundachtzigjähriger Greis, dessen Tage gezählt seien und der ohnehin schon mit einem Fuße im Grabe stünde. Tiefes Schweigen ging durch die ganze Versammlung. Ein Wunder war geschehen. Gott hatte sein Volk aus tiefster Not errettet. Zu. Mittag des folgenden Tages fuhr eine Karre hinaus, auf der Elieser gefesselt lag. Zwei Soldaten der Stadtwache, mit Hellebarde und Muskete bewaffnet, gingen links und rechts davon einher. Der Frühlingswind, der frisch und heiter von den Feldern wehte, spielte in ihren Federbüschen, die Vögel hüpften mit der Ausgelassenheit von Schuljungen von Baum zu Baum und die . Frühlingssonne lachte wie ein junges Mädchen, das sich beim Ballspiel! vergnügte, auf dqs. ganze Schauspiel herunter. Und die Hauptperson war ein ärmer,' unschuldiger Märtyrer, der zur.Richtstatt geführt wurde, um sem- Blut zu verspritzen, weil-Fanatismus und Pöbelwahn se also wollten. Eine wahrhaft lustige Kulisse war der Frühlingswind, die wehenden Federbüsche der Stadtsolöaten und die Vögel mit ihrer Schuljungenausgelassenheit, zu einem grausigen BlutstüM in dem die. Hauptrolle der unglückliche Elieser spielte, schweigend, mit blutleeren Lippen, wie zu Stein erstarrt. Der Henker mit blitzendem Richtbeil bildete den Beschluß des Dramas, ein gähnendes Grab, das vonseufzenden Klageliedern singender bärtiger Männer umstanden war, das Nachwort. Man begrub ihn heimlich, nächtlicherweise. Ein Höner Grabstein mit einem frommen Psalm zierte die Stelle, wo der unglückliche Märtyrer den ewigen Schlaf schlummern sollte. Außerdem war in rührend ergreifender Weise der ganze Hergang der grausigen Historie zu lesen. Alles schön in zierliches Hebräisch gesetzt, mit dem tiefsinnig großartigen Spruch: „Wir preisen den gerechten Richter" beschlossen. Kaum hatte sich das Grab des Elieser geschlossen, als von neuem der Unglücksrabe aus seinem Versteck aufgescheucht wurde, und über dem Ghetto, sein schauriges Gekrächz erschallen ließ. Der.ihn aus seinem nächtlichen Schlupfloch ausgestöbert hatte, war des Fürsten Schloßverwülter Paul Augustin Prießlingre. Unter diesem deutsch klingenden Namen verbarg sich ein anderer, ein jüdischer, Puichas Perl, denn Prießlmger war kein Deutscher, sondern ein Jude, der M Mgen Jahren sich vom Glauben seiner Väter äbgewäüdt hatte und Christ geworden war. Nach Älter Retregatenart verfolgte er mit grimmem Hcch das Volk, dem er einst angehört hatte. Als hep Fürst'kürz nach her Enthauptung Cliefers- Bieder einmal den Rat Zusammenrief, um verschiedene ändere Angelegenheiten zu erledigen, erhbb - sich Prießlinger und hielt eine haßerfüllte Hrartdj'eöe. '„Durchlauchtigster Fürst" hieß es jdatin,. „die Juden'da -unten führen Dich am ' Natbenseil '-höMn. Der ‘ rächende Arm der Ju- 'Miia chat sticht den Schuldigen erfaßt. Ein anderer Hat7die Untüt begangen, der straflos unter den ^Mestfchen^ wandelt. Meine Behauptung zu er- 'ljärten Lidne der' Grabstein, den ihm die Gemeinde gesetzt, wo alles geschrieben steht. Nicht er,..fdndern ein äüoerer ist der Frevler. Ein ^anderer - Hat 'die .Antat begangen -^und Frau Ju- } stitia steht da, wie eine" Jahrmarktkomödiantin, ^verlachtchüö Hrspöttet von einer gottlosen -Menge. ^Ueberzeüge^Dich selbst von der Wahrheit meinet Morte'unb'd.ulde''es''MM daß Gericht und -Recht werden. 'Wennsich aber'die burt erbaut. Auch er hatte eistst dem Volke da unten angehört, und war in jungen Jahren Christ geworden. Trotz Amt, Würden und Berühmtheit, derer er sich als Kirchenbaumeister erfreute, hatte er das Volk, aus dem er entsprossen, nicht ganz vergessen, und versteckt in einem Winkel seines Herzens da glomm ein kleiner Funken Liebe und Mitleid . . . ganz unbemerkt schlich er sich aus der Versammlung, kletterte unter Lebensgefahr den Schloßberg in die Judenstadt hinunter, schlich sich in das Haus des Rabbiners, weckte ihn aus mitternächtlichem Schlummer und erzählte ihm mit fliegendem Atem, was geschehen sei. Dieser erhob sich rasch von seinem Bette, schlüpfte in seine Kleider, weckte noch einige Gemeindeältesten. Man versah sich mit Schaufeln und Krampen, und eilte auf den Friedhof. Hrer wurde der Grabstein ausgehoben, auf einen Wagen gelegt und flugs ging es fort damit in die Judenstäöt, in ein sicheres Versteck. An die Stelle des Grabsteins wurde ein, einfacher Holzpflock gesteckt. Kaum war das getan und die nächtlichen Besucher in ihre Häuser zurückgekehrt, als auch schon der Fürst mit den Seinen daher kam, um den Grabstein zu sehen. Wie groß war sein Erstaunen, als er statt dessen einen armseligen Holzpflock fand, den kein Marmor und keine verspottende Inschrift zierte. , Der ganze Zorn, dessen seine fürstliche Seele fähig war, entlud sich auf Prießlinger, den er jetzt Lügner und Betrüger schalt. Das ist die Sage vom Pflock des Märtyrers. Die Seufzer, die dabei getan, die Tränen, die dabei geflossen, sind längst verhaucht und verronnen. Nur wenn der Frühling ins Land zieht, da geht nächtlicherweise ein Beben durch, die winkligen Gassen der Stadt. Ist es. der Atem der jungen Erde oder sind es längst verklungene Seufzer der Vorzeit? Wer kann das wissen! Die renovierte Rüsselsheimer Synagoge. Die hier im Bilde gezeigte Synagoge zu Rüsselsheim a. M. dankt ihre Wiederaufrichtung der hochherzigen Hilfe der Firma Adam Opel A.-G., Rüsselsheim. Sie wurde auf Kosten der Firma völlig Die Synagoge von Rüsselsheim, für deren vollständige Erneuerung die Automöbil-Werke Adam-Opel eine beträchtliche Summe stifteten. renoviert. Es ist der Gemeinde Bedürfnis, den Daük, den-sie dc-m Hause Opel schuldet, auch hier zum Ausdrucks zu bringen. v Schatten bleibe." daß bdn Weü kein Häüch/'kein BkgM Möls- Arankfurter vereinskalender. Verein Mekor Lhastm. Freitag abend mack, Schul, km Hörfaale Fried berger Anlüge,' Herr Red. Schachnowitz (Schlutzoortrag) Samstag morgen, - nach -schul. im Hörsaale,Fried berger Anlage, Dinim, Herr Dr. E. Posen_ Nachmittag?/4 Stunden vor Mincho im Vereinslokale. Newnm. Herr Dr .W. Hofmann. 'Sonntag morgens nach Schul, im Hörfaale Friedberg. Anlage (eb.nso Miltwoch),. aB HerrRedgkt. S. Schachnowttz. — VormittagBUhr. Mereinslokal lebenso s/L-StundernnchSaboataüsgang), Gemoro^ Herr JoachtMSoffer. — S'/4UhrVormtttog -(ebenso Dtkrrsiog' nachmittag '6 /, Uhr). TGemorv. .'Herr. Ä>A.7 G. Posen. — Abends 6 "Ähr 7 im .'VrrMsloKale ^Gxschichtsvörtrag des , Herrn A^Soff ZMlidMch. - ' " Montag.nach Schul^imHyrsaalq'Friedberger-An- Glatze- (ebenso DürtnerstWiL. Mischtta^MftglKde^ <lernen.—^Aberchs7Wr^ebens^Mist Vereinsto8ale,7Vemol^HekfRabbiner,DV>J0s. Breuer. — 8»/» Uhr abends (ebenso Donnerstag) Gemoro, Herr Dr. E. P üen.; Dienstag morgen nach Schuld im Hörsaale Friedberger Anlage (ebenso Freitag), Mischna, Herr Dr. E Posen. Don Sonntag bis einschließlich Donnerstag abends 8«/« Uhr im DeretnsloKaie. Schasiernen des Herrn Herz Halpern. ' Jahrzeitsstiftungen. N3V' 16. Februar. Louis Joseph-Stiftung. Ovl'Ntag, 17. Februar. Karl Guggenheim u. Jos. Rosenfelder-Stistung. Montag. 18 F?brnar. Babette Goldschmidt-Stiftg, Mittwoch, 2^. Februar. Willi Max Bi r Stistg. Freitag, 22. F-druar. Liebmann Berlin-Stislung. Aguda» Jisroel-Jugendgruppe. Sonntag. 8 Uhr vormittag (ebenso Mittwoch 9 Uhr abend) Cdumisch. Herr Leopold Oppenheimer. Montag, 9 Uhr abends lebenso Mi.twoch) Mischna. Herr Rechtsanwalt M. Katz. — 9 Uhr abends, (ebenso nachmittag 3 Uhr) Gemoro. Herr Emanuei Wolf —9 Uhr abends (ebenso Donnerstag) Gemoro. Herr Gerson Schnerb. Dienstag. s/«9 Uhr abends (ebenso mer?/45. Ub » Gemoro. Herr Leo Schnerb. — r/,8 Uhr (ebensy r>2V 3 Uhr nachmittag) Gemoro. Herr Dr. W- Hofmann. — s/49 Uhr abends (ebenso r>2V?/.;iÖ Uhr vormittags) Gemoro. Herr Dr. Jf. PoseM Mittwoch. 8/49 Uhr abends, Kizzur. Herr Theodöt Spiegel. Donnerstag. 9 Uhr abends. Chumisch. Herr R-A. Js. Rosenheim. Freitag, abends nach Schul, Muffar.. Herr B. 'Rachelsohn. — 8 Uhr Gesellige Zusammenkunft, natp, 3/4u Uhr vormittags, Gemoro. HerrLippmann Kurzweil. — 3/«U Uhr vormittags, Kizzur. Herr Louis Kahn. — *UL2 Uhr vcrmittogs, Kizzur. Herr Gerson Schnerb. — 3 Uhr nachm.. Gemoro. Herr Taists. — 4 Uhr nachmittag. Stdro. Hetr R. A. M. Katz. Jeden Tag von 9—il Uhr Gelegenheit zum Lernen jeglicher Art. Don 12—1 Uhr, Das JauMi. Herr Herz Halpern. Aguda» Jlsroel-MSdchengrüppe. Montag, ^9 Uhr abends, Mifchle. Herr Lehrer S. Unna. Dienstag» 9 Uhr abends,. Tenach. Herr Dr. Weger. Mittwoch, V*9 Uhr abends, Dinim. Herr Lehrer Hirschberg. NIL? nach Schul, Schmuel. Herr Julius Lewin. — 4 Uhr nachmittags, Chummtsch und Raschi. Herr Lehrer Hirschberg. .r- Freitag. 8l/2 Uhr abends. Gesellige Zusammenkunft. Llwjalh Lhen-Vereio. Sam-tag Mittag 4 V4 Uhr im Hörsale Dortrag d,cs Herrn S. Lchochnowitz (Dom Heiltgtume unseres Lebens). Deshamidrasch, Ostendstratze 1t. , Rabbiner M. Karpel: Sonntag vön 7—8 Uhr abends liA'ip fni? 'löi* Montag. Dienstag und Donnersläg vük a/2^—x/2i° Udr iip'tp na^ Hna. ö^nh N12N Schwanenstratze. . Echachris täglich 10 Vormittags 2'ISQ täglich 7.30 Avends Jüdischer Turnerbund. Herren: Donnerstaq, 8l/^-t0 Uhr, Gymnastik und Turnen. Annaschuls: Alte Herren; Mittwoch 83/4 10 UM Gymnastik und Turnen. Annäschülp. Jugend: Donnerstag, 8V2-10 Uhr, Gymnastik und Turnen. Ännaschale. , Damen: Donnerstag. Uhr. Gymnastik und. Turnen. Liebf-auenschulL Frauen :. Mittwochs 7'/«-9 Uhr; GyMnastikkürsv S. M Hirsch°Schüle. ^- Knaben: Dienstag, fr—71/» Uhr, Gymnastik üNd Tarnen. Annaschüle): . Mädchen: Mittwoch, 4^—7 Uhr Gymnastik und Turnen Abllg. I (bis 10 Jare). AVfc&fc.UXjt * AdlW Ü (Mer lO JahrM 8^-7 Uhr.' Mnsschule. .. . K^einksnderkürs: Wn^äaandWWrstagfVokmttt. von ^2it—'/»ra Uhr. Weberstlätze 38 Gebetzeiteu. a§end'5i2v , 8.-- Ä . «ScpyÜaAWHrstsHM " üM'BW' fSamstago^iS ^35;; ,7. /. : ■ , Nachmittag^ ^efillin-kcgea am Morgen -

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