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Der Israelit · 1929-02-14 · Heft 7 (14.2.1929) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 7 (14.2.1929)
Date
1929-02-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6. Nr. 7 J) e r 3 s rflf'Ht v-v '..'Art’;-;. 14. Februar 1929. Wandel ruhen, nagt am Hungertuch. Er fordert die Regierung auf, der Bauernschaft wie dem Bürgerder Städte zu helfen. Auch die Judenschaft, schreibt er, wird in die Hilsssront treten, um dem Hungergebiete Linderung zu bringen. Frankreich. Zur Lage der Juden i» Demeii^ Paris, 7. Februar. Das Resultat der von der Alliance Israelite Universelle über die Lage der Juden auf der Halbinsel Demen in Südarabien angestellten Untersuchung ist soeben veröffentlicht worden. Die jüdische Bevölkerung im Temen, heißt es im Bericht, zählt rund 50 000 Seelen. Der Hauptteil der Jemen-Juden setzt sich aus Bauern, Maurern, Eisenschmieden und anderen Schwerarbeitern zusammen. Die dem Staat zu leistenden Steuern sind zwar gering, aber die von den Beamten erpreßten Bakschisch-Gelder sind ungebührlich hoch und lasten schwer auf den Schultern des jüdischen Familienvaters. Die Beamtenschaft ist auf eine Politik der Unterdrückung der jüdischen Bevölkerung eingestellt. Die Verfolgung der Juden hat sich seit dem Besuch einer syrischpalästinensischen Araberdelegation im Temen, die hier «ine antizionistisch« Propaganda eingeleitet hat, sehr verschärft. Die Regierung des Imams von Jemen hat ein Gesetz geschaffen, durch welches den Juden Jemens eine Auswanderung nach Palästina verboten wird. Die Juden sind gezwungen, eine besondere sie kennzeichnende Tracht anzuziehen. Das Reiten auf Pferden ist ihnen verboten, nur auf Eseln dürfen sie reiten. Die Untersuchungskommission der Alliance Jsraelite hat festgestellt, daß die gesundheitliche Lage der Jemen-Juden eine sehr schlechte ist. Epidemien treten häufig auf. Zuletzt waren unter den Juden Jemens die Schwarzen Pocken epidemisch. In diesem Jahre ist noch dazu die jüdische Bevölkerung Jemens von schwerer Hungersnot bedroht. Palästina. Eine neue Ausiritksbewegung in Jerusalem. Einheitsfront der Agudas Jisroel und der Adaß Jisroel ge§enüber dem Waad Leumi. Jerusalem, 1. Februar. Bekanntlich hat im vorigen Jahre sofortbei Inkrafttreten des neuen Gemeindegesetzes, das den Austritt und die Bildung unabhängiger Kongregationen gestattete, «ine starke Austrittsbewegung eingesetzt, bei der Agudas Jisroel 11000 und die neugebildste, aus Anhängern Oberrabbiner Kuks bestehende Adaß Jisroel, etwa 2000 Austrittserklärungen beibrachte. Die Austrittserklärungen entsprachen vollkommen der gesetzlichen Vorschrift und wurden seinerzeit der zuständigen palästinensischen Instanz übergeben. Nun zeigt sich in diesem Falle, daß das nn'ir von der modernen Jurisprudenz nicht immer nach Gebühr gewürdigt wird. Da das Gesetz bei der Umschreibung der Prozedur des Austritts sagt, daß die Austretenden die Löschung ihrer Namen aus der Liste des WaadLeumi innerhalb eines Monars nach Veröffentlichung dieser Liste Zeit genammen hat, bis zur Fertigstellung der Liste aller beantragen müssen, der Waad Leumi aber sich ein Jahr Wahlberechtigten, so deduzieren die Juristen jetzt und Mr. Bcntwich gibt ifynen recht, daß die früheren Austrittserklärungen ungültig seien und das ganze Verfahren noch einmal wiederholt werden müsse. Daß daraus ganz unnütze neue Aufregungen und Kosten erwachsen, liegt auf der Hand. Das einzige günstige Moment ist die Tatsache, daß der Starrsinn der Gegenseite, mit der man vergebens verhandelte, zu einer Einheitsfront der Jerusalemer Orthodoxie führte, und auch die bisherigen Gegensätze zwischen der Agudas Jisroel und der von den Rabbinen des Kukschen Bes Din, Rabbi Pesach Zwi Frank und Bernstein, sowie von Herrn Sienkewicz geleiteten Adaß Jisroel überwinden half. Aus Solidarität mit der Adaß Jisroel hat sich die Aguda dann ihrerseits ablehnend verhalten, als der Waad Leumi geneigt schien die. Austrittserklärungen der Agudas Jisroel anzuerkennen, nicht aber die der Adaß Jisroel. Es wird hoffentlich gelingen auch jetzt wieder der wahren Gesinnung der thoratreuen Kreise Erez Jisröels durch eine imposante Äustrittsbewegung zum Durchbruch verhelfen und die naheliegenden Hemmungen psychologischer Art zu überwinden, die bei vielen einem offenen Bekenntnis zur Selbständigkeit der Orthodoxie entgegenstehen.!*• •' Palästinensischer Vinter. ..vi . .., ej tz -r u. f 6 l e rn,' 3. Februar. Der diesjährige Winter erweist sich mit seinen reich lichen Niederschlägen günstigfür die Landwirtschaft.' ' Aher nicht' nur bei derjüdischen Landbevölkerung, auch bei der. jüdischen Stadtbevölkerung zeigt sich eine zuversichtlichere Stimmung. Das hat mehrfache Gründe Vor allen Dingen macht der neue Oberkommissar von Palästina, Sir Chan c e l 1 o r, den Eindruck, daß er Berlin. Wie von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, wird am 25. Februar von Friedrichshafen aus eine Zeppeli n fa h rt nach Aegypten u n d I e r u s a l e m durchgesührt werden. Wiesbaden. Der bekannte Hetzpastor von Borkum, M ün chm ay er, hielt auf einer nationalsozialistischen Versammlung in Wiesbaden einen Dortrag und verkündete, daß er und seine Freunde bestrebt sein würden, aus Wiesbaden „ein zweites, großes Borkum" zu machen. Die Kurinstanzen und die Hoteliers fordern energisches Einschreiten der Stadtverwaltung gegen solche Schädigung des Rufes von Wiesbaden. Genf. Die Konferenz zur Vorbereitung des Weltfriedenskongresses der Religionen, der 1930 statifindsn soll., hat in seine Exekutive auch vier Juden hinemgewädlt. und zwar Oberrabbiner Dr. Hertz, London. Senator Rubi nftein. Wilna. Stefan S. Wise und Dr. Eyrus Adler. Amerika. London. Nach Beschluß der zionistischen Exekutive soll der 10. Zionistenkongreß am 28. Juli d. I. in Zürich eröffnet werden. Bromberg. Endlich hat sich der Stadtrat auf einen Druck von Warschau aus, entschlossen, das amerikanische Legat. von 100 000 Dollar zugunsten der armen Mischen Greise in Bromberg anzunehwen. Die Antisemi'en aus dem deutschen wie polnischen Laaer schlugen Lärm, da sie den ..Stolz Brombergs". auf Kosten der mdischen Armen, wahren machten. Aber von Amerika aus ließ man die Warschauer Regierung nicht im Unklaren über den Eindruck, den dieser Gewaltakt dort macken würde, und. so hatte sich die Warschauer Regierung mit Erfolg ins Mittel gelegte Moskau. Der „Cmeß" beklagt sich darüber, daß der „Trotzkismus", womit man heute den Linksradikalismus im Bolschewismus bezeichnet, viele Anhänger unter den Juden hätte. Auf der andern Seite wird tagein taaaus geklagt, daß die jüdische Bourgeois mit ihren?Reckllsbestrebunoen" das größte Hindernis a"f dem Wer« der Sowjets bilde. Newyork. Colonel Herbert H.Lehma n n. der neugewählte Bi'z-sgouverneur des Staates Newyork. bat sein erstes Jahresgehalt im Detr-age von 10 0000 Dollar dem United Balesti ne Appeal zur Verfügung gestellr. — Die Leitung des „American Joint Distribution Committee" -erließ eine Enquete bei 100000 Spendern über die Frage, ob die Hilfs- und Baufbautätigkeit in Europa auch nach Ablauf des Jahres 1929 fortaefetzt werden soll. Jerusalem. Es wird mitgteeilt. daß Baron Edmond n. Rothschild und dessen Sohn James v. Rothschild zum Peßachfeste mach Palästina kommen,. gewillt ist, im Sinne des Mandats zu regieren. Bei seiner Reise durch das Land hat er sich schnell das Vertrauen der Juden erworben, denn fein Auftreten und feine Reden lassen in ihm einen klugen, tüchtigen und sympathischen Mann vermuten. Es scheint auch, daß er überall günstige Eindruücke von den Leistungen der jüdischen Bevölkerung zum Besten des Landes gewonnen hat. Auch der erwartete Beginn einer fünften Alijoh wirkt aufmunternd. In Tel-Äwiw hat wieder eine lebhaftere Bautätigkeit eingesetzt. Ein Verein, dessen Präsident Bürgermeister Dizengoff ist, gibt sich Mühe, Tel-Awiw nach der Richtung eines Fremden- und Kurortes auszubauen. Für den Meeresstrand sind großzügige Aenderungen geplant. Hoffentlich tut der Präsident in seiner Eigenschaft als Bürgermeister das Dringendste und Wichtigste, eine Verfügung zur Bauordnung zu veranlassen, die die unbebaut zu lassende Fläche beim Bau neuer Häuser bedeutend erhöht. Die neue Stadtverwaltung sollte sich auch sehr schnell mit der Frage der Eindämmung der Sabbatentweihung am Strand befassen. So Personalien. Rabbi Jsak Aron Schwarz ^>"27 ' ' Neutra? Februar. Die altehrwürdige Gemeinde Neutra ünö'WH'iHr: das gesamte slowakische Judentum'haben einen h^rbM Verlust ' erlitten. ' Der Nestorunserer DalmüdgesthrteW Rabbi Jsak Aron S ch wa rtz ist nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 78 Jahren abb^rufen worden? Mit ihm ist" eiste jenest' heute ' gür so selten gewordenen edlen Gelehrtengestalten dahingegangen, die nach dem Muster unserer großen Altoorderen ihr ganzes Leben in ununterbrochener Heiligung und Vergeistigung verbracht haben.- Die Entbehrungen > und Leiden^ mit betten ihn das Schicksal reicht bedacht hat, konnetst ihn Nie ittt emsigsten Thorastudium stören.' Sein immenses Wisse» und sein Scharfsinn, gepaart mit natürlicher herzliches Liebenswürdigkeit und Bescheidenheit brachten -'ihm - die vollste Achtung weiter Kreise ein. - . . Rabbi Jsak Aron- Schwartz stammt aus einer Familie; in der Frömmigkeit und Thorakenntnisse seit jeher het>i misch waren. Dvesen Traditionen gemäß bildete er sich schon in. jungen Jahren an den Hochschulen der Gaonim Rabbi Jsak Aron Landesberg ist Großwardein,Rabbk Jules in Sebes und Rabbi Wolf Fuchs in Sered aus> deren Lieblingsschüler er gewesen. Nach seiner Approbation wurde, er Rabbinatsassessor in Homonnd. Hier und in Med-zilaborze wirkte er jahrzehnielan-g segensreich als hervorragender Jeschiwaleiter und erzog ganze Generationen von Talmudjüngern. Seinen Lebensabend verbrachte er in trautem Familien- und Gemeindekreis« in Nilra. Die Lewajjoh gestaltete sich zu einer -ergreifenden Trauermanifestation der ganzen Gemeinde, deren'Schmerz Herr Oberrabbiner K a tz und Herr Rabbiner V o r ha n d in ergreifenden Reden Ausdruck gaben.- Die Söhne des Verblichenen, Oberrabbiner S ch w a rtz- Hlohooez und Oberrabbiner S ch w a r tz - Urmin, zeichneten in zü Herzen gehender Weise das edle Charakterbild des teuren Vaters. -; nrasan r Azhorod (Ungarn). 6. Februar. Gestern wurde, hier im Alter von 87 Jahren die Witwe des hiesigen Dajans Rabbi. Salmän Brody, zu Grabe getragen. Sie war die jüngste und einzige noch lebende Tochter des westberühmten Red Schlome Ganzfried, Verfassers des'Kizzur Schulchan Aruch und vieler anderer Werke. Der. Sohn des Heimgegangenen, Oberrabbiner. Dr. Heinrich Brödy- Prag, hielt einen rührenden Hefped. ist welchem er mit schmerzlichen, schönen Worten der Toten gedachte. Si^ war eine Eschez chäjil im wahrsten Sinne des Wortes^ eine würdige Tochter des weitberührnten Gäon.. .-»"axir. i Schonlanke, 8. Februar. - Ein Fest für unsere ganze Gemeinde war es. als jüngst in der feierlich geschmückten Synagoge Herr Rabbiner Berli n ge r aus Berlin in sein Amt eingeführt wurde. Nach vorangegangenem Chorgesang begrüßte das Vorstandsmitglied Rechtsanwalt Ascher den neuen Herrn Rabbiner. Er' gedachte in bewegten Worten der verstorbenen Rabbiner Blaschke, Wäldl-er und Bambergre, die hier wirkten und durch ihre tiefe Gelehrsamkeit und ihr vorbildliches teligiöstd und bürgerliches Leben den Ruf unserer Gemeinde west über die Grenzen der engeren Heimat verbreiteten. Das Beispiel dieser ehrwürdigen Männer möchte der junge Rabbiner zur Richtschnur seines eigenen Lebens machen und durch Wort und Tat und durch Teilnahme an Leid und Freud der Gemeinde ihr religiöses-und gemeindliches Leben befruchten. Ganz besonders möchte sich Herr Rabbiner Berlinger der Jugend annehmen, sie. mit den Schätzen jüdischer Lehre und jüdischen- Geistes vertraut machen und zu religiösen, jüdisch bewußten Mönchen erziehen. Die darauf folgend« Antrittspredigt Mabbiner Berlingers machte auf alle Zuhörer «inen. tiefest Eindruck. In seinen warmherzigen an Len Wochenabschnitt sich anschließenden Ausführungen gelobte der Herr Rabbiner, die ältehrwürdigen sinaiüberlieferten Traditionen des Judentums inunserer Gemeinde zu? er * halten und zu förderst. Sein« ganze Kraft werde, er einetzen, um die Jugend an sich heranzuziehen und sie w!t Wissen und Thoratreue zu erfüllen Nachdem- Her Herr Rabbiner die Kanzel verlassen' hatte, nahm dersabbatliche Gottesdienst unter Chorgesangseinen Fortgang, und wir verließen zum Schluß Las Gotteshaus mit dßr Ueberzeugung, in Herrn Rabbiner Berlinger, der von einer-Gattin, einer Enkelist des verstorbenen Lübecker Raws Salomon C a r l e bw"ch -sozial unterstützt wird, den rechten religiösen Führer und Jugenderzieher gewonnen zu haben.; - . .. Dieburg, 6. Februar. Die Feier des 70. Geburtstages des Herrn Lehrer K ä u f m ä n n -gestaltete sich zu einer Ovation, die den lebhaften Beweis erbrächte/ welch großer Beliebtheit der alte .Herr sich in allen Kreisen der Bevölkerung erfreut. Schabbös Jethro ward das Sefer hübsch, geschmückt und die G-emeindemitglieder ließen alle Herrn Kaufmanst Mischeberach machen. Nach dem. Einheben, gratulierte in herzlichen 'Worten der Vorsteher Abraham Loeb, Während des Tagest ward die Wohnung des Herrn K. von Gratulanten nicht leer. Während'ein Wetteifer im Uebersenden von Geschenken schon Tage vorher eingesetzt hatte, t Sonntag vormittags ward Herr Kaufmann nebst Familie zu den Raumen des Cafe Goldschmrdtt geleitet, die 'zur Feier des' Tages^^ besonders && werden an jedem Sommersabbat mehr als tausend halbe schmückt waren. Dort' empfing ihn öeim Eintritt" ein Piaster von mehr als taufend Juden für die Benutzung von Herrn Möller-Fulda (Schwager des^Geferetten) £ b---d° - E fo t.ginn. die Musik schon vor Nacht. - t? lverfaßten Prolog in ansprechen^r-Wise. rvörauf Herr . Tp-rrrr' , ., t Abr. Loeb -jyi Ägmen der GÄnemöe in einerizu Herzön

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