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Der Israelit · 1929-02-14 · Heft 7 (14.2.1929) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 7 (14.2.1929)
Date
1929-02-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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i$. Februar. 1929. Lzisk, Modzice, Amfzinöw, Otwozk, Markuszow,' Nowominsk, sämtliche Mitglieder des Warschauer Räbbinats und zahlreiche Stadtrabbiner aus der Provinz. Noch am offenen Grabe wurde der Sohn des Dahmgefchiedenen, Rabbi Schlomo, Zum Nachfolger seiner Vaters ausgerufen. «Der Mische Theologe". Die deutsche Zentralstelle für Berufsberatung der Akademiker gibt den Abiturienten in neuer Ausgabe 1929 „Merkblätter für Berufsberatung" in die Hand, die in allen Schulen ausliegen. Ein Merkblatt über den. „jüdischen Theologen" hat Herr Dr. M. Warschauer, Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Berlin, herausgegeben, das zu einer Kritik Anlaß gibt. Wenn auch anzuerkennen ist, daß der Verfasser sich eine gewisse Objektivität zu wahren bestrebt, so ist ihm dies, wie sich zeigen wind, doch nicht vollkommen gelungen. Man fragt sich, wie es kommt, daß ein einzelner Rabbiner einer Richtung, ein derartiges Merkblatt abzufassen, sich berufen, fühlt. Es wäre wohl richtiger gewesen, daß derselbe Herr sich mindestens mib den verschiedenen Rabbiner-Seminaren vorher in Verbindung gesetzt hätte. So aber ist das Merkblatt und seine Darstellung des Judentums und des Rabbiners alles andere eher' als einwandfrei. Wenn nach der Feststellung, daß die heilige Schrift, insbesondere die Thora, die Grundlage des Judentums ist, gesagt wird, daß aus der Thora das Religionsgesetz im Talmud, zunächst auf mündlicher Tradition fußend, sich e n t. w i ck e l t hat, so stellt dies bereits eine Angabe auf, die nicht unwidersprochen bleiben kann. Uns hat sich mündliche Lehre nicht aus der schriftlichen entwickelt, uns ist byzv mm ns gleich aronw muv heiliges, göttliches, geoffenbartes Wort, das. im Talmud niedergeschrieben, uns gleich heiliges Gottesgesetz ist. Wenn es ferner im Merkblatt heißt, daß im heutigen, Judentum „die gesetzestreue (orthodoxe) Richtung streng an dieser Tradition und ihren Eodices hält, die sogenannte (!) liberale Richtung die Ueberlieferung im Geiste historischer Kontinuität fortzubilden sucht, und die religiös-sittliche Ideenwelt der Propheten als Kern des Judentums betont", fo muß diese Darstellung dem völlig ahnungslosen Leser em falsches Bild erwecken. Hier Buchstabengläubigkeit, hier lebendige Fortentwicklung und sittliche Vertiefung, muß er sich denken, und es scheint fast, als wäre Verfasser noch ein halbes Jahrhundert in der Beurteilung von Orthodoxie und Liberalismus zurück, wenn er die damals gebräuchliche Beurteilung übernimmt; sonst hätte er wahrlich von der gesetzestreuen „Richtung" mehr als das Festhalten an der Tradition und ihren Codices geschrieben, hätte sie zum mindesten geschildert als die Anschauung, die das Gottesgesetz in Lehre und Leben zur Grundlage nimmt und das historische Judentum, wie es jahrtausendelang bestanden hat, verkörpert; sonst hätte er geschrieben, daß das liberale Judentum eben den Standpunkt vertritt, daß es eine Bindung des Einzler,en nicht gibt und ein jeder je nach seinem religiösen Bedürfnis und der Schwierigkeit, die er im Halten der göttlichen Vorschriften findet, das Recht zur Veränderung besäße, daß selbst die heilige Schrift und die Thora und nicht nur die Ueberlieferung „fortgebildet", d. h. in vielen ihrer Teile nicht beachtet wird. So nimmt es auch nicht Wunder, wenn die Aufgabe des Rabbiners so gezeichnet wird, wie ein liberaler Geistlicher sie sieht. Wohl wird zu- . D er Israelit ___ 'gestanden, daß „in den Gemeinden, strengerer, traditionellerer Richtung ihm die Aufgabe des unablässigen Studiums der maßgebenden Literatur und die aus solcher Kenntnis sich ergebende Führung und Beratung der Gemeinde und des Einzelnen in allen, dem Religionsgesetz unterstehenden- Angelegenheiten geblieben ist". Dann aber beginnt in Länge und Breite eine Ausstellung der allgemeinen Tätigkeit des Rabbiners als Lehrer, Erzieher, Prediger, Verteidiger des Judentums, als derjenige, der „die Höhepunkte menschlichen, Daseins, Eheschließung, Geburt und Tod im Lichte religiöser Gedanken sehen lassen soll (ein Glück, daß diese fruchtbare Redetätigkeit, die Hauptaufgabe des liberalen Geistlichen, nicht verschwiegen wurde; zugleich das Eingeständnis, daß bei pzmp der liberale Rabbiner nur die Rolle des Redners spielt), als „sozialer Fürsorger, Gefängnisseelsorger, Krankenbesucher und Jugendpfleger" geschildert. So wird seine heiligste Aufgabe, das tiefste Eindringen in den Geist des Judentums auf Grund seines Wissens, auf Grund des dauernd vertieften Lernens, seine Führung eines jeden und der Gemeinde nicht nur in religionsgesetzlichen (d. h. wohl rituellen) Fragest kurz die Aufgabe des »an irnbri und inrrni an» in der edelsten Bedeutung der Worte, zur Nebensache. Weltanschauung gewinnt er aus seiner „theologischen und allgemeinen Bildung", nicht aus unablässigem Studium der für das religiöse Leben maßgebenden Literatur. Vom Lernen, mit andern, von Schiurim ist nun schon gar nicht die Rede. So kommt es, daß die Voraussetzungen, die im Merkblatt für die Wahl dieses Berufes verlangt werden, auch nur die vom liberalen Standpunkt aus notwendigen sind. „Ein gewisses Maß von hebräischen und talmudifchen Kenntnissen", und auch dies nur von manchen Anstalten gefordert, dafür aber eine ausgeprägte innerliche „Religiosität", (welcher Art dieselbe ist, ob sie das ist, was wir mit tiefster 'n n»T und n:l»K bezeichnen, ist nicht ersichtlich), Latein und Griechisch als unbedingt notwendig, die Erziehung in einer jüdisch-religiösen Umwelt Immerhin als „Vorzug", so stellt sichs nach der Lektüre des Merkblattes dar. Einen entschiedenen Protest muß es Hervorrufen, wenn bei Aufstellung der Rabbiner-Bildur.'gsanstalten auf der einen Seite das Breslauer Seminar vls „vermittelnde religiöse Richtung", das Berliner als „der gesetzestreuen Richtung dienend", aber die Hochschule für Wissenschaft des Judentums in Berlin als „rein w i f s e n fchaftliches,keiner Richtung d i e n e n d e s I n st i t u t" geschildert, und so im ahnungslosen, harmlosen Leser der Gedanke erzeugt wird, während die anderen, beiden Seminare „Richtungen dienen", ist hier die Wahrheit unabhängig von Richtung zu finden; als ob die Hochschule in ihrer ganzen Lehrtätigkeit sich nicht durch Geigers Namen lenken ließe, als ob nicht ausgesprochenste Reform es sei, die die Grundlage ihres Lehrens bildet. (Von der Möglichkeit, Rabbiner auch ohne Besuch einer der gekannten Anstalten zu werden, wie von einer nmin mnn weiß das Blatt nichts.) Daß bei der Aufzählung der deutschen Rabbinerverbände der traditionell-gesetzestreue Rabbinerverband zu nennen vergessen wurde, ist nur ein Zeichen der Oberflächlichkeit und Einseitigkeit dieses ganzen Merkblattes. Wir beurteilen die Gefahr einer solchen Merkblattes nicht allzu hoch, da wohl ein jeder, der nicht völlig fremd dem religiösen Judentum erzogen wurde, sich hierdurch nicht wesentlich beeinflussen lassen wird. Aber wenn schon vor der ._ Br. 7; Seite 5 Außenwelt und den Unorientierten etzr solches Merkblatt erscheint, hätten Wahrhaftigkeit im Sinne der mmn nna» und Objektivität dasselbe leiten müssen. llorrerponäenren * Racbricbien. Deutsches Brief)* Eine Aktion zur Erreichung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts in den Gemeinden» Leipzig, 7. Februar. Am Sonntag, den 3.. Februar fand in Leipzig eine Sitzung der Vertreter der Jüdischen Volkspartei Sachsens statt, auf welcher über die Maßnahmen zur Beseitigung des reaktionären Wahlrechts in den sächsisch-jüdischen Gemeinden beraten wurde. Es wurde beschlossen, eine große gemeinsame Aktton sämtlicher Gruppen, der Jüdischen Volkspartei Sachsens zur Erreichung eines allgemeinem und gleichen Wahlrechts einzuleiten. Mit den Vorbereitungen hierzu wurde ein Viererausschuß betraut. Oesterreich. Aon der Diener Gemeindestube. Wien, 7. Februar. Das Präsidium im neugewählten Vorstand der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde fetzt sich wie folgt zusammen: Zum Präsidenten wurde Herr Professor Dr. Pick wiedergewählt. Zu Vizepräsidenten wurden gewählt der Zionist Dr. Löwen herz und der Unionist Dr. O r n st e i n. In das Vertreterkollegium wurden vier Unionisten, drei Zionisten und ein Werktätiger gewählt. Auch'die Kommissionen wurden paritätisch neubesetzt, mehrere Vorsitze wurden der Opposition überlassen. Es wurden eine Statutenänderungskommission und ein Wahlrechtsausschuß neu eingesetzt. Nachdem nun die Krise bei ge legt ist, wird das Budget einstimmig zur Annahme gelangen. Die Wahlrechtsreform dürfte irn Laufe dieses Jahres durchberaten werden, Angarn. Wahlen in der orthodoxen Gemeinde. B u da pe st, 4. Februar. Die Wahl des Vorstandes, welche gestern voraenommen wurde, brachte folgendes Ergebnis: Es wurden wieder die alten Vorstandsmitglieder gewählt und zwar: Präsident: Abraham v. Freudiger, 1. Vizepräsident: Geza Deutsch, 2. Vizepräsident: Samuel W. Schreiber, Kultuspräses: Josef Schlesinger, Schulstuhlpräses: Markus Klein, Finanzvorsteher: Armin Bar» kany, Oberkontrollier: Samuel B. Stern. Nächsten Monat soll schon mit dem Bau der Mikwa in der Kazincygasse 16 begonnen werden. Sie soll mit allem Komfort und in ritueller wie hygienischer Beziehung bestens ausgerüstet werden. Die Kostenvoranschläge sind durch ein Darlehen von 100 000 Dollar gedeckt. Außerdem befindet sich im Bau ein großes B e s h am ed raf ch, welches ebenfalls ein Prachtbau werden soll. Litauen. Hungersnot unter den Juden Itord-Litaueus. K o w n o, 7. Februar. Der Redakteur der „Ydifchen Stime" R. Rubinstein veröffentlicht unter der Ueberschrift „Hilfe" einen Leitartikel, in welchem er darauf hinweist, daß in Nordlitauen infolge der Mißernte ein ungeheurer Notstand herrscht. Die Bauernschaft ist verelendet und die jüdisch« Bevölkerung in den Städten, in denen Handel und Markender Taps^rmü pder SdxjkcladepfQbriK

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