Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1929)
- Date
- 1929-02-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Nr. 7 Der Israelit 14. Februar 1929, Eine weitere Meldung weiß von Bedingungen und Vorbehalten, die die litauischen Rabbiner dem Gesetze entgegenstellen. Auf alle Fälle sollten die zuständigen Stellen, die Rastbinen, die Jeschiwaus, die Lehrhäuser, die legitimen Vertreter der gesetzestreuen Masten, nicht zögern, die umwälzende Neuerungauf ein Geleise zu bringen, das die volle Bewegungsfreiheit des litauischen Thorajudentums auch später unter dem Zwange der Organisation sichert. Es ist dies eine Sache, die das Judentum der ganzen Welt angeht. , Erst die Neuzeit brachte die Widersinnigkeit ist, wird für das Soziale interessiert. Die sozialem von Judentümern. Heute gibt es neben dem Pflichten in Ehren, wenn sie mchtnuranJndi- I früher alleinigen, nunmehr, orthodox genannten viduen der Judenheit, sondern auch unter Berück- Judentüm ein unklares, fchwä'Mches Judentum sichtigung der Forderungen des: Judentums ge° der mittleren Lime, ein liberales Judentum tan werden! Sonst wird die soziale Arbeit leicht bibelkritischer, die Offenbarung der Thora, negie-^zum toten Golem einer Verwaltungsmaschinerie, render Einstellung und ein demHristlicheN Pro- Das^Sozials ist ein Ausschnitt im Judentum, testantismus sich zuneigendes Reformjüdentum.- Aber selbst öäs orthodoxe JudMum hat, so ein-i aber nicht das Judentum! Das. Soziale läßt sich mit Gech erledigen, das:JudeNtürru über mux mit heitlich .es in seinem Kern ist, starte Differen-i dem Mist! Das Juöesttüm in Len Seelen-hünzierungen erfahren. Es teilt sich vor allen Dingen, derttausender iJuden ist in Not> — und' hier gibt Verwaltaagsjudentum. Verwaltungsjudentum ist ein Wort wie GeschMsministerium. Wenn die politische Konstellation weder die Bildung eines Ministeriums der Rechten, noch der Mitte, noch der Linken erlaubt, dann bleibt das Geschäftsministerium ohne geistigen Inhalt und ohne Zielsetzung als Ausweg. Ein Geschäftsministerium soll verwalten, indem es die Staatsmäschinerie weiterlaufen läßt. Dieser Zustand bedeutet ein Aussetzen der beseelten Lebensfünktion. Im Staate mag es einmal ohne schwere Störungen seiner Maschinerie eine Periode ohne geistige Bindungen und Wegweisungen geben. Die materiellen Bindungen allein wirken auch schon zusammenhaltend. Die Menschen des - Staates werden Lurch den Boden getragen und durch ihre wirtschaftliche Existenz aneinandergekettet. Anders bei einem rein geistigen Gebilde, wie es. das Judentum ist! Wenn hier die Masten sich der Fäden, die sie mit dem Judentum verbinden, nicht bewußt bleiben, dann gehen diese Masten allmählich dem Judentum verloren. Es gab wohl einmal Zeiten, da das. Judentum bei den jüdischen Massen in Vergessenheit geriet und diese trotzdem nicht auseinanderfielen. Doch damals im fernen Altertum faß das jüdische Volk noch auf seiner eigenen Scholle, und das religiöse Zentrum in seiner Mitte sandte immer wieder Wirkungen aus. Seitdem aber diese Zeiten geschwunden sind, hat einzig die geistige Kraft des Judentums das jüdische Volk erhalten. Dieses Judentum war ein klarer, fest umschriebener Begriff: die von Gott offenbarte, jeden Juden verpflichtende Thora. in misnagdisches und chassidifches Judentum. Eine andere Schichtung betrifft heute erste auf Basis ihrer absoluten Selbständigkeit sich äufbauende und eine die Verbundenheit mit den Andersdenkenden wahrende Orthodoxie. Stets in der Galuthzeit haben sich Einwirkungen der außerjüdischen Welt, in der die Juden lebten, auf sie bemerkbar gemacht; heute ist dieser Einfluß es keine Rettung durch gut abgeschlossene Kassenbücher, sondern nur durch das Buch der Thora! - S G. Der Radftver Rebbe?"sT. Ein Grundpfeiler des polnischen Judentums überall dortz wöH'orthvdoxen Juden Anteil stürzte ,mit bem^obe bes „Stabf'mcr". (Er mae an den geistigen Strömungen ihrer nichijüdischen^ nicht allem -,n Lehrer. « Rabbi, der m seinem Umwelt nehmen, noch viel fühlbarer geworden.! H°ns°unll an s-mem Tische e,ne große Schar Also auch je nach den Ländern lassen sich selbst °°» Chassidim vereinigte, sondern em Führer bei der Orthodoxie mancherlei Unterscheidungen von großem Format, der Smn und Verständnis konstatieren für alle jüdischen Fragen hatte und mit dem lieber dieses ganze buntscheckige. Bild hinweg" Zauber seiner Persönlichkeit all seine Getreuen zeigt sich nun heute in der nichtorthodoxe» Juden^- ^ä>Wfut)len unb^um SDhtgrbeiten. erzog und heit noch eine neue'Art Judentum. Aisein >H?vanzog. T>°r „Radsiner ^won ^nach lemen Judentum ohne geistige Potenzen, als ein Juden- Wirkungsiahren der rangalteste Rabbi m Polen tum. in dem das Bestehende mechanisch verwaltet-und wahrscheinlich ,n der ganzen Welt, Halte er wird, charakterisiert sich dieses Gebilde. Man. d°<h f. Sahre lang ununterbrochen, seit, dem muß es schon mit dem sinnwidrigen Namen Per- Tode seines Urgroßvaters des alten „Jschbitzer > waltunasjudentum belegen. das Szepter in der Hand. Aus Rah und Fern Ueberall dort, wo Männer, bar -inebewußten ^— die Chassidim zu ihrem R°°bi. mws« Verhältnisses zum Judentum und bar jüdischen ‘ ^Ld°nb?b°'n"kak°in SerLtiunadutmUm ersahrenen Manne h°?« Es konnte sich " ^in in h,n;«>«»* Entscheidendes im üdisch-n Leben Polens die Herrschaft ergrisfen. Das ist heute m den ^^. Robben. ereignen. Cr ge- Führer jüdischer Gemeinschaften che Regel ge-^°rt° S» der Fünferkommission, die die letzte worden Das veriönlicke Anseben aber nicht die Zarenregierung seinerzeit aus den. russischen Rab- Mische'NgNUNg^werÜ^'meist S» binern cheraus Sur Beratung über jüdische Angeworsen, wenn sich eine jüdische Gemeinde oder Spitzender polrüschen A a"u d a s Har^a b an im und glüatch che^Gemeinde^und^che^Vereinigling, Nrlleil"^Jn der A^u d7s J^kr^knah^er vom hi« mnwor mit mhifrhom Wiffon i,ntPr Anteil. In der A g u d a s I I s r o 6 l sah er vom die trotzdem Männer mit jüdischem Wissen unter ihren Führern besitzen erster, Augenblick an den einzigen Rettungsanker für das polnische und das Weltjudentum und Problem ist nur durch eine starke Organisation der gesetzesneuen Judenheit zu lösen. — Sehr ansprechend ist, die geistvolle Abhandlung Dr. Adolf A l t m a n n s über ’ „Sch m a Isroet", die in dem „Höre" den Aufruf zur ununterbrochenen seelischen Erneuerung der Stimme der Sinai-Offenbarung' begreift. ■ (Einen ähnlichen Pestdanken, wenn auch ohne: die reiche Entwicklung, die .Mtmann daran knüpft^ äußert Räbbs Salomon Spister ihnet an einer Stelle seinös niyvp-nj Aür rveittzre Mreise wertvoll. erscheint Sie'Arbeit Dr. Samuel G r ü nder g s über >die „u r f prün gliche ' S ch.r i ft des iP e n t a te u ch s; abgesehen^von dem Hinwieis auf...die -Bedeutung der' neuen Sinai-Jnschriften/fur .111^. K,m :-ist die klare - Nebeneinanderordnung der talmudischen Ueberlieferungen über das'Problem und die mit guten Gründen gestutzte Entscheidung für die Tradition Rabbis, wonach die heutige Schrift der Sefer Thora die ursprüngliche war, von. großer Bedeutung auch in reli-j gionsphilosophischer Hinsicht. — Die gelehrten Histoj riker kommen dann durch eine Abhandlung von j Dr. Moritz Stern über den „Passauer Judenprözeß i von 1478" auf ihre Rechnung, während Dr. Nathan! Birnbaum in seinem „Anders als die Anderen" in gewohntem jugendlichem-Ungestüm, aber mit vollem sachlichem Rechte gegen die übertrieben feindselige Einstellung mancher junger Gesinnungsgenossen gegen die Rolle der ästhetischen Verhaltungsweise im Ganzen des religiös-jüdischen Geist-eslebens zu Felde zieh:. „Wie die Dinge heute liegen, ist es eine Lebensfrage des Judentums geworden, daß «ine bodenständige d. h. vom Geiste des Gesetzesjudentums erfüllte große Kunst sowie ihre Voraussetzung, di« Pflege des Schönen überhaupt als eines Abglanzes der: gottlichen Majestät, zur'Tatsache werde." Alles in allem «ine Prachtnummer. Es sollte eine viel größere Zahl gebildeter jüdischer Familien den „Jeschurun" abonnieren und dadurch dem Jdeälischüs des Herausgebers feine Aufgabe erleichtern, als es bisher der Fall war. Die 12 Mark Jahresabonnement werden duich den geistigen'Gewinn, den vor allem die reifere Jugend erfährt, reichlich ausgewogen.. Der Ä!er1 eines 88aum-es Ici&t ftch ctxx seinen *wt- IJWX> ^uu uu» «wcujuu^iuum um» Früchten^rkennen, Die Resultate d?- Wirken-, i r(fn3™ ’nrhbXnme Agudakanferenzm da- Wart und nahm auch h°7 ^vorragcnden Anteil an der ersten 4^0 ®,.. I(paLrZ7!'L LASnLL ch e'n^R f d» % land geschlossen werden, sind Mischehen und ch/n cktes.^ jtoa) ve, -er lösen die Judenfrage auf Li'eD-Weise durch Vernichtung des ^Äujdentums! .8ühßein,7,dMd°M (Rämen ^jüdischer Führer" land geschlossen werden, sind Misch h Landeskonferenz in Warschau, sah man die Gestalt des - „Radsiner Rebben" unters Len Mäniiiern, die der Versammlung das Gepräge gaben und zuletzt-sah man ähn in Lublin .bet verdienen WMen, dürften solche Zahlen Tag und e'lt^ev Sitzung des >Jefchiwohkymitees. Dus . pol- Nacht kMö'RMe; Miitum' jliirb seinen Heimgegangenen häufig ndMMyer'gnugh em, Laß es Mtz allem MhEerUstiLt vergesien. mit^-deiy...!UldK.iltÜMtr.güt chestellt usetMchucht -ge- - ' wissenhaft die- Witzungen undsorgt dafür,/däß wie bei einer!gütest. Verwaltustgsbehorde^die Ein nahmen und Äusgaben nicht aus dem - Die Bestattung des Räösiner Rabbi fan^d . ,, , . . , ünt'ör Beteiligung .von mehr als 10 000 Chassigewicht kommen. >sst das geschehen, dann: „Lieb die aus ganz Polen herbeiströmten, auf dem Judentum, rnagst ruhig fem! Es gibt wohl Warschauer Friedhose statt. 50 berittene Polinoch religiöse Fragen, aber für diese mögen die z^en und zahlreiche Polizisten zu Fuß sorgten Berufenen, Rabbmer und Lehrer, sorgen. Doch für die Aufrechterhaltung der Ordnung. Auf dem dre meisten Rabbiner und Lehrer sind nicht^solche ganzen Wege vom Trauerhäus zum Friedhof Kraftmenschen, daß sie des lebendigen jüdischen die jüdischen Läden geschlossen, und die Verständisses der. Führer ihrer Gemeinde ent- Bevölkerung bi.'dete Spalier. Unter den Seibr behren können mb erlahmen nach einer Reihe tragenden bemerkte man. viele berühmte Rabbis, fruchtloser Bemühungen. . |fo u. a. den Gerer Rebbe, die Rabbis von,Grö- Ohne Wissen vom Judentum und ohne Be- .7 s - _- .-. wußtheit der jüdischen Probleme, die die Gegenwart in so drängender Fülle bietet, versteht man es in den meisten- Gemeindestubest nicht; jüdische Direktiven; zu geben und das jüdische' Leben in der Gemeinde zu heben und zu. einer förtschreitenden Entwicklung zu führen.- Aber auch Organisationen versanden leicht in der Verwaltungs- Maschinerie. '; Bei einer Durchmusterung der jüdischen Presse gewinnt män häufig den Eindruck, Judentum sei eine Generalsekretären anzuvertrauende asoziale Angelegenheit. Was an Kräften mobil zu machen Wocyenkalenoer. v. 18. bis 23. Nebr. 1929 ». P. bis 18. Adar I 56S9. F^br,H TT« 6 ,ntag 17 7 Montag 18 8 vienstag 19 9 Mittwoch - 20 10 vonnersrag 21 11 sreitag 22 12 Samstag 23 -'■713, NV11N nisn