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Der Israelit · 1929-02-14 · Heft 7 (14.2.1929) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 7 (14.2.1929)
Date
1929-02-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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!'• i; 1! if »WM— MW Seite 2. Nr. 7 Der I s r a, e l i t . 14. -Februar 1929. Stehenbleiben nun in Hmiwegschreiten über Hindernisse und gar ln positive Tat verwandelte. Der „Israelit" befürchtet nun aber, daß die Verbreitung dieser Erkenntnis im einzelnen Jugendlichen ein Zuleicht nehmen der Sünden und Irrtümer zur Folge habe. Wenn der „Israelit" lediglich den Zustand des Schuldgefühls oder der Sündenfurcht als Maßstab oder Triebkraft der sittlichen Erziehung nimmt, wenn er also die Sünde des Jugendlichen nur als objektive Tatverfehlung betrachtet, so könnte er mit seiner Befürchtung recht haben; auch I. Wohlgemuth rückte einmal ein gefühlsmäßiges Sündenbewußtseili. in den Mittelpunkt seines Mussar (Jeschurun M, 9; VI, 9/10). Insofern die hier gemeinte psychische Situation als Grundlage und Triebkraft von Religion und Religiosität gefordert wird, und nicht nur als zur sittlichen Persönlichkeit mitgehörend, erscheint diese Mussarrichtung weltanschaulich zu pessimistisch, psychologisch zu bedingt, religionsphilosophisch nicht unumstritten und praktisch nicht immer zum Ziele führend. Denn schon die wahre Teschuwoh erschöpft sich nicht mit Schuldgefühl, Sühnebereitfchaft und Büßfertigkeit, sondern ist zu gleicher Zeit auch auf ein Pos itives gerichtet: auf bessere Einsicht, Wiedergutmachung und zukünftige Bewährung. In Erinnerung an die optimistischen und befreienden Gedankengänge unseres Meisters R. A w r o - hom Elijahu Kaplan und an viele alte religiöse Motive will uns fäeinen, daß dieses Positivistische in Seelenstimmung und Tun schon als ursprüngliche Tendenz vorhanden sein und gepflegt werden muß und nicht erst aus der inneren Spannung einer negativen Affektlage fließen kann. Dieser Baal Teschuwoh braucht nicht mehr zu weinen, — so meint Kaplan (Jeschurun XI, 7,8) — sondern lacht, msm kennzeichnet das Primat des jüdischen Aktivismus. Gilt dies alles für den Einzelsall des Tefchuwoh-Zustandes, so gilt es erst recht für die von vornherein im Mussar anzustrebende psychische Situation. Und gilt diese Betonung des Positiven für den Erwachsenen, — um wieviel mehr muß sie gelten für den Jugendlichen, dessen Psyche noch viel empfänglicher und noch viel empfindlicher ist; bei dem die Gefahr der Neurose ohnehin gesteigert ist, und der durch besondere Betonung der negierenden Affekte - im Religiösen wenn nicht gehemmt, so doch i>n, psychologisch unfreie Situationen hineinmanövriert werden kann. Diese ganze Denkweise scheint auch ihre rechtspsychologische Sanktionierung zu empfangen durch die jugendrechtliche Bedeutung des Satzes onipsr p; denn indem dieser Satz den. Zeitpunkt der himmlischen Strafbarkeit einer falschen Handlung weit h i n t e r den Zeitpunkt der Verpflichtung zur richtigen Handlung rückt, wertet er für die dazwischen liegenden Entwicklungsjahre den Jugendlichen als noch nicht im Besitz der letzten sittlichen Gesamteinsicht und Selbstbeurteilung, selbst wenn für die einzelne Falschhandlung Tateinsichts- und Straffähigkeit bejaht wird. Und so glauben wir postulieren zu dürfen, daß beim Jugendlichen von vornherein nicht Schuld-, Angst- und Furchtgefühle erzieherisch anzustrebende Situationen sind, sondern: daß der bessere Erzieher, wenn sein Zögling in Schwierigkeiten gerät, urld erst recht natürlich schon vorher, stets auf das positive Endziel der erzieherischen Entwicklung sowohl zu steuern als auch, hinzuweisen hat. Nur hiermit erreicht er ein Mutigbleiben, ein Darüberhinwegkommen, die Erhaltung des freudigen Kraftgefühls, anders werden zu können: kurz eine frei gewollte und entwicklungsfähige Religiosität. Nur, könnte aber argumentiert werden, daß doch auch schon in den Entwicklungsjahren die später notwendige Erreichung eines rrvn nx*ns Zustandes erzieherisch vorzubereiten sei, daß daher jener Zustand von Sündenfurcht und Schuldgefühl schon in diesen Jahren Selbstzweck sei, und daß unsere kollektivistische Behandlung erzieherischer Probleme wenigstens ein Hindernis dieser zukünftigen rrvn -Einstellung abgeben könne. Trotzdem auch wir. im Rahmen des gesamten Erziehungsprogrammes die rrvn nrrn' Erziehung durchaus nicht missen möchten, scheint uns dieser Einwand durchaus unzutreffend. Denn wir halten den Begriff jwy> als Erziehungsziel überhaüpt nicht mit jener primitiveren Stufe der „Furcht" vor der Sünde oder vor der Strafe ausgewertet, die auch der R a m b a m nur als erzieherisches Durchgangsmotiv für die Kinder, Frauen und Unwissenden seiner Zeit gelten lassen will (Hilchaus T'schuwoth x, 5). Wir glauben vielmehr, daß die erzieherisch anzustrebende höhere Form von Jir'as Chet überhaupt keine affektive, sondern eine erkenntnis-theoretische Bindung bedinge. Es ist ja auch nach Auffassung des Rambam (Hil- BiOXULTDA Die starkschaumende Sauerstoff-Zahnpasta B Prob e-FIasche gratis. wird von vielen Zahnärzten als beste Zahnvalta bezeichnet und selbst benutzt. Kleine Tube BO Pf. BIOX-MUND WASSER Flasche 1.— und 2 — Mk. Gegen lockere Zähne. Max Gib A. G., Dresden chäus Jesaude Hatauroh n, 2) jener höhere Begriff von Jir'oh ins Gebidt der De.nkvpetz ä n g e zu verlegen; und wir erinnern, uns gerne eines tiefen Wortes unseres Lehrers Dr. Heier Munk y'ST daß es Aufgabe der Erziehung fei, das Fühlen und die Triebvorgänge gedanklich so weit zu erfassen und zu analysieren, daß unser Denken das Kontrollorgan unseres von vornherein schwer durchsichtigen, Fühlens werden kann (vgl. auch seine „Einleitung in die Philosophie der Bibel".). Wir folgern also, daß gerade eine richtige nvn nn^-Erziehung eine Erforschung der psychologischen, sozialen und vielen sonstigen Ursachen, Triebkräfte, Wirkungen und Wertungen des menschlichen Handelns verlange. Erst auf diese Weise können wir auch zu einem wirklichen tpsjn pBm erziehen, wie er von einer ethischen Persönlichkeit gefordert wird. Auch der Begriff „Gewissen" setzt, psychologisch betrachtet/ Erkenntnis voraus. Eine derart konkrete Behandlung der Zeit* Probleme und Lebensfragen kann in der Einzelerziehung nicht durchgeführt werden. Sie setzt voraus und sie verlangt einen lebendigen Gedankenaustausch und einen Austausch der Erfahrungen, die eine Anzahl ingleicher Weise ringender Jugendlicher gemacht, und der Wertungen, Urteile, Entscheidungen, mit denen sie auf die an sie herangetretenen Situationen reagiert haben. Sie ist also gerade an das Milieu, an eine jugendliche Gemeinschaft als Abbild des großen Lebens draußen — gruppiert um den Mittelpunkt der Tauro — geknüpft. In schulmäßiger Disziplin ist sie undurchführbar. Die moral-pädagogischen Versuche und Erfahrungen bestätigen, 'daß die Methodik der Lebensbetrachtung in der Jugendgemeinschaft erfolgreicher als Moralunterricht ist und am besten die Kräfte und Anlagen des Einzelnen für das Ethos der großen Gemeinschaft weckt (vgl. F ö r st e r, Jugendlehre und Armin Blau, MoraliMerricht und Religion. Wohlgemuths „Jeschurun" VH, 1/2). Wer diese Methode handhabt, muß sich natürlich über eines klar sein, daß ihr lediglich mit einer Darstellung der Zeitkrankheiten noch nicht Genüge getan ist. Immerhin'bedeutet es doch oft schon einen erzieherischen Nutzen, wenn unklar wühlende Regungen auch nur in ihrer Erscheinungsform klar herausgearbettet und ins Bewußtsein gehoben werden. Von einer personalen Forderung frelkkSH hängt diese erzieherische Umorientierung ab: von der Forderung nach autorisierten Gemeinschaftserziehern der Jugend (hierüber später). (Fortsetzung folgt.) Nur ein Buchstabe. Von Rabbiner Dr. W. Lerviu in Kamönrg. Die Sinaikunde des Zehnwortes ist als die un mittelbar von Gott an Israel zwecks seiner W.ih, und Heiligung ergangene Weisung anzusprechen Di, Bedeutung der nnmn ms?» wollten die Ordnei unserer Gebete noch Msondecs unterstreichen durck ihre Ausnahme in die tägliche Gebetordnung. Mar sah aber schließlich von dieser Maßnahme ab, un nicht Auffassungen Vorschub zu leisten, nach dener eine Scheidung zu treffen sei zwischen diesem Ka pitel der Offenbarung und dem, was sonst die nur fordert. Unseren Alten galt es vielmehr, die Ein heit lichkeit des nnin Wortes zu betonen, immer wiedei für alle Zeiten und Geschlechter es niederzulegen daß ein Geist die ganze nnin durchweht — daf fever Satz, jedes Wort und jeder Buchstabe dt< Göttlichkeit des Ganzen bezeugt und für mj nnir w»VN bürgt. — Zu solchen Gedenken regte gerad. der Anfang der v'vLViv rmo an. Ob hier auch ein ganz neues Kapitel beginnt, eine äußere Verbindung seines Inhaltes mir der ooraufgehenden nviE gar nicht erforderlich erscheint, — so finden wir dort hier das bindende i, den Buchstaben, der die goldni Brücke schlägt von den zehn Worten zu den v'vrnr?» um' eben auch diese als ,am Singt gegeben", zu.be? zeichnewuUd darzutufi:Äs^a ni: -»re»- Wie jene (die 10 Worte) vom Sinai ausgegangen find, so haben auch diese „Rechtsverordnungen" den gleichen Ursprung. Es ist dies eine unendlich wichtige Lehre. An ihr scheiden fick die Geister. Man möchte auch in unseren Taaen Trennungsstriche ziehen. — das Thorawort klassifizieren^ und in verschiedene Stufen etnreihen. Damit entkleidet man aber unser „Buch" seiner wahren Bedeutung. Man nimmt ihm seinen eigentlichen Geist, wenn.man an sein Wort mit der Smde der Kritik herangeht, um zu scheiden und nach v'rschiedenen Matzstäden zu werten. Das will vielleicht auch der Midrasch sagen, tdkjp öip» Vs toi v'iiinrrn to «poia ntoi owmn tois nto NÜV v'IMkln. Wo das Reue losgelöst wild vom Vorhergehenden, da wird auch dieses in seiner Bedeutung geschwächt. Wo aber zu dem Früheren das Spätere htnzugefügt und mit ihm verbunden wird, da wird nicht nur die Bedeutung dieses Letzten erhöht, — sondern auch das Erste gewinnt. — Merkt man es denn nicht, daß die Sinaiworte selbst in ihrer Kraft und Tragweite erst dann voll gewürdigt werden, wenn man f-ne als die Wurzel aller mm* Satzungen ansieht? Und die v'vvVv ieltst find uns zu allen Zetten und unter allen Umständen unver drüchlich und von unendlicher Läuterungskraft, wenn wir sie als Strahlen der göttlichen Sinaifiamms schätzen. — Das alles lehrt uns dieser eine Buchstabe: Das i,das wie die das pVv zu einem Ganzen verbindenden Haken das ganze hl. xnirpGefetz zu einer Einheit verknüpft und als die G-Upd'age unseres Volkstums wie als die V'-rbedingung unseres Bestandes und unserer Ewigkeit begreifen lehrt. In der Verbindung und Einheit des Ganzen liegt die Kraft und Segenswirkung unserer Lehre- Uleines Feuilleton. Eine Kritik an der Kritik... Vor uns liegt ein Heft -’wa- („Aussprache"), herausgegeben von einer „Gruppe orthodoxer hebräischer Schriftsteller". Die Blätter sollen der Aussprache diene» über: „Judentum, Literatur und Zeitfragen": so steht» wenigstens auf dem Titelblatt. Um als g-efetzestr-euer Jude über Literatur und-Zeitfragen zu urteilen, ist nicht viel mehr notwendig als ein gesundes Verstehen und ein besonnener Mut zur Kritik. Um jedoch über alle die das Judentum direkt oder indirekt berührenden Fragen sein Urteil abzugeben, ist noch eines unerläßlich, und das ist: Ehr furcht, eine Eigenschaft, die allerdings besonders dann schwer zu erwerben ist, wenn man — wie es hier der Fall ist — nicht einzusehen scheint, daß eine ehrfurchtslose Kritik jüdischer Dinge eben.— u n jüdisch ist. Es fit gewiß an der Zeit, daß ein Organ von Gesinnungsfreunden herausgegeben wird, die sich betreffs des Ziels mit uns eins wissen, die jedoch die Methoden, die gern zugestandenen Auswüchse ernst und verantwortungsbewußt kritisieren; aber muß denn eine, solche Kritik unbedingt lieblos und gehässig (um nicht zu sagen: ungezogen) vor aller Oeffentlichkeit aufgetischt werden? Eine Kritik um der Kritik willen ist nicht fruchtbar; sie unterwühlt, anstatt zu reinigen.^ Eine solche . Kritik, die übrigens, wie die in obengenanntem Heft an manchen Stellen in wüste Schimpferei ausartet, ist-unsympathisch, sie widert den Anständigen an.. Wenn man-üb er-Rabbiner Tobias Horowitz oder über Dr. Robert Weiß mit wüsten Ausdrücken herfällt, so beweist das fühlbaren Mangel an Gesittung und Geschmack, ein Mangel, der --Nifia -

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