Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1929)
- Date
- 1929-02-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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L 2. 29 "14. Februar 1929 Frankfurt a. 2Tf., den Nr. 7 Begründet von Dr. Lehmarm in Main-. mm - ■ Sttomtement ab Januar ISA: Deutfchland 1 Solö&oil P»a»aU chr Mu stand: B srrettyhrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandsvreis^zuzugltch «oste» des Stretfba»o-Ber» fand es) Deutfch-Lsterreich: Schilling Amerika 1 Dollar; England 1 sh.; ab 1. Juli Frankreich LS Fr.; Belgien ab 1.7.27. Bekga 6: Holland 4 ff.; Italien ab l. < 28.18 Lire; Jugoslawien SS Din.; Litauen 7.80 Lit.; Rumänien ab 1.- 7 27. ISO Lei; Polen 1 deutsche Goldntorf »um Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz S Fr. Tkchecho-Slowakei LS Kronen; Ungarn Pengö S ab I.Jult 1927; Däne« irk 8. ->0 Krön; Norwegen 3.50 ttton.; Schweden 8.60 Scott. Sitttelvummn dreibig Doldvtenniae. Der Israelit erscheint jede» Donnerstag. Inserat« 5) Doldpf. für die flebeugespalteu« Ronpareille-Zeile. Abonnenten zahle« bet Stellengesuchen und Familienanz»ige» nur zu Pf. Die 78 mm breite Aekkame-eUe r letzte Tertiett» 8 — Mk.» vorletzte Ters-tte 280 Mt.; Thiffregebühr in Höhe eines vopo. Fer«k> lefoortos. Rabatt «ach Tarif. Be« laufenden Jnferatanfträgeu tarn«. Preiserhöhurg (eben. Vorbehalt. Jnferatenannahme durch de» Berlag des Israelit (8. m b. g-, Frankfurt a. Rechnetgrabenftraße 7, Tel. Hansa 6848 sow. durch sämtl. Aunoncen»Erped.des In» und Auslands. Alleinige Juferatenann. nir Franks. (Seschäktsan,.: Bul. Schmidt Lanaektr 7. ll. Tel. Hanta 4841. Plahvornchr. ohne Berbtndlichk. . Zahlungen dtrckt an den Perlag aus 4kfl checkkonto Frankfurt (.ittdi/tj Ut 198U2. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Ar 79*16. — Poftsparkasseaamt Luvaoest Rr. 48124. — Postscheckkonto Warschau Nr. 190787. — Postscheckamt Zürich Nr. Vlll 7L84 — Jnkasto-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Rr. 24809 — Böhmische Unionbank in Prag — ßanca Marmarosch Blank & Co. ht BukareN - Filiale des Wiener Bankvereins *« Aqram. — Der »eri-htsktand kür allaus Abonnements od"r aus Inseraten ach era-bende« Zahknna«« rollichtungen ist ifrmtfnttt a. BR. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat März! Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m. b. H., Frankfurt aJVL Zettprobleme, Jugenderziehung und Oeffenllichkeil. Von Dr. Arnold Werzvach in IranKfurt a. W. Für eine Fühlungnahme und Aussprache der verschiedenen auf unsere Jugend emwirkenden, bisher aber noch viel zu wenig auf einander abgestijnrnten erzieherischen Kräfte ist es nützlich und deshalb dankenswert, daß der „Israelit", noch dazu in einem warmherzigen und verständnisvollen Tone, zu den gegenwärtig auch die jüdische Oeffentlichkeit bewegenden Erziehungs- Problemen unserer Zeit Stellung genommen hat („Zeitprobleme und Jugend", Jahrg. 69, Nr. 50) und zu deren weiterer Diskussion seine Spalten bereitwillig zur Verfügung stellt. Es handelt sich hierbei aber noch nicht um die Art der Lösung der einzelnen Erziehungsprobleme, sondern es find zuerst insbesondere zwei Vorfragen, welche der „Israelit" zur Kritik dieser öffentlichen Diskussionen aufgeworfen hat: die erste, ob es erlaubt und notwör.drg sei, vor und mit der älteren Jugend die Zeitprobleme und ihre eigenen Lebensschwierigkeiten zu diskutieren; die zweite, ob es wirklich erforderlich ist, die Elternschaft und die Oeffentlichkeit in einer Weise aufzurühren, daß der ahnungslose Beschauer diesen Alarm als eine übertrieben inszenierte Löschaktion bei einem kleinen Zimmerbrande empfindet. Von der p o s i t i v e n> Seite aus können wir diese Fragen auch, so formulieren: es handelt sich darum, ob die Oeffentlichkeit in der Gegenwart noch eine besondere Erziehungsaufgabe habe, und ob aus ihr ein erzieherisches Forum erwachsen könne. Schon das Doppelgesicht dieser selben Fragestellung zeigt, wie schwierig eine objektive Klärung dieses Themas ist, und wie wenig in seiner Behandlung auch bei stärkster Tendenz zur Sache und Sachlichkeit persönliches Ermessen sich ausschließen läßt. Der subjektive Charakter dieser Einstellungen läßt aber auch von vornherein die von uns immer wieder gemachte Erfahrung, daß man „ mit einem Totschweigen nur noch verderben, mit mutigem, jedoch vorsichtigen Reden — wenn überhaupt — nur nochbessern kann, völlig gleichwertig der Ansicht des „Israelit" gegenüber erscheinen, dessen „Offenes Wort"„nur dazu dienen will, den früheren, Zustand öffentlichen Schweigens über diese Dinge wiederherzustellen. Wenn Unsere Anschauung für sich also ebenfalls Gehör verlangt, so leitet sie die Berechtigung unverblümt sachlichen Redens aber nicht nur aus unserer subjektiven Erfahrung her, sondern auch aus der Befürchtung, daß viele Leser aus den ernsten Worten des „Israelit" zu Unrecht gefolgert haben könnten, daß seine Ablehnung einer öffentlichen Diskussion genannter Probleme einer Sanktionierung der vielgeübten bequemen Erziehungsmethode des laissez-aller und laissezfaire qleichkomme. 1. Tendenzen. Der „Israelit" fürchtet, daß es gefahrvoll sei, Probleme — noch dazu öffentlich — in die! Jugend hineinzutragen. Darin wird ihm jeder Erzieher beistimmen, zumal wenn es sich um j Denkprobleme und um eine mcht-problematische, sogenannte „poschute" Jugend handelt. Zuzugeben ist auch, daß außerhalb des Kreises der Denkprobleme es zumindest unfruchtbar, wenn nicht sogar gefährlich ist, Fragen des Entwicklungsalters zu frühzeitig zu wecken oder gar in unübersichtlichem Kreise zu besprechen,. Das im „Israelit" zitierte bekannte Mischnawort px nm'n ■penn hat hier durchaus seinen Platz. Aber Derartiges stand ja nur insoweit zur Diskussion, als einzelne Schaustücke des modernen Theaters es veranlaßten; auch die nichtjüdische Oeffentlichkeit hat durch eine einheitliche Front der Ablehnung ihr gesundes Schamgefühl bekundet. Immerhin glauben, wir — wenn wir die Wirkungen vergleichen —, daß eine sachliche Darstellung der „Krankheit der Jugend" längst nicht so gefährlich sein könnte wie die geduldete, unehrlich-süßliche Filmromantik! Für uns handelt es sich aber um etwas ganz anderes! Für uns handelt es sich — das in die Diskussion, eingeführte Wort „Problem" ist ganz irreführend —: um die Erkenntnis der brennenden Lebensfragen des ges u n d e n I u g e n d l i ch e n~, an den schon die heutige Unsicherheit eines nach neuen Wertungen ringenden Lebens und damit auch in verstärktem Maße die Notwendigkeit zur selbständigen Entscheidung herangetreten ist, — also um die großen Zweifel, Hemmungen und tastenden Versuche seines zwischen gegensätzlichen Gedanken,, zwischen gegensätzlichen Gefühlen, Zwischen Gedanken und Gefühlen hin und her gerissenen Jchs, das von den Wenigsten nur — unter großem Aufwand von Mühe und Energie und unter steten Gefahren — selbständig zu einer sicheren Geschlossenheit geführt werden kann. Es handelt sich für uns um den Massentypus der modernen Großstadtjugend, die nicht das Glück hat, in ländlicher Beschaulichkeit oder in dem K'duscho-Milieu einer Jeschiwoh zu einem unerschütterlichen Halt im Unendlichen, zu einer lächelnden Gelassenheit zu gelangen, die vielmehr, ob sie will oder nicht, in der breiten Oeffemlichkeitein Bild von den Tagesproblemen und den eigenen Entwicklungsfragen schon aufgezwungen bekommt, und zwar für gewöhnlich ein ganz verzerrtes, einseitiges Bild. Es ist naturgemäß, daß eine solche Jugend, viel zu sehr der Umwelt verbunden, sich selbst viel zu nahe, diese Lebensfragen nicht so sehr in ihrer Zeitbedingtheit erkennen kann. Es kommt hinzu, daß die hierauf zurückgehenden seelischen Reaktionen des Jugendlichen vor, ihm selbst in ihrer wirklichen Jch-Bezjehung gedanklich nicht so scharf abgegrenzt, isoliert und — demzufolge — abreagiert, d. h. von ihrer lebensnahen Bedeutung auf einen minder aufrührenden Platz verschoben werden können. Wenn ein Erzieher nun, erkennt, daß es stets dieselben Fragen sind, unter denen viele einzelne Jugendliche, untereinander ohne Konnex, leiden, und wenn er solche Lebensfragen in ihrer engen Beziehung zu größeren zeitlichen Ursachen verbunden sieht, so wäre es nach unserem Ermessen - geradezu eine Unterlassungssünde, wenn er die Erkenntnis der kollektive n, Bedeutung scheinbar individualistischer Vorgänge nicht der Gesamtheit der daran leidenden Jugend zugänglich machen und ihr damit Erleichterung verschaffen wollte und somit bisheriges Grübeln und