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Der Israelit · 1929-02-07 · Heft 6 (7.2.1929) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 6 (7.2.1929)
Date
1929-02-07
Page
– (sequence 17)
Language
German
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-Februar 1929 Der Israelit Blätter Nr. 3. Seite 3^ IV. Ein Gleichnis, ein bekanntes Gleichnis (das auch An-Ski bringt): Zum Rabbi kürnrnt ein reicher Mann, reich aber geizig. Und der Rabbi wtll ihn bessern und führt ihn ans Fenster und läßt ihn auf die Gaffe schauen und fragt: „Was stehst du dort?" Mb Jener antwortet: „Ich sehe auf der Gasse Passanten". Und dünn führt ihn der' Rabbi vor den Spiegel .und fragt ihn: „Was siehst du hier?" und Jener antwortet: „Ich sehe mich". Und der Rabbi fährt fort: „Im Fenster ist eine Glasscheibe, und im Spiegel ist eine Glasscheibe. Durch jene siehst du die Andern, durch -diese dich. Wie kommt das? Die Glasscheibe im Spiegel ist versilbert. Durch dieses Silber hört man auf, auch die Andern zu sehen, man sieht nur noch sich selbe r." Ja, Geld, das wir nicht in unserer Gewalt haben, das macht uns zu Egoisten, furchtbaren Egoisten. Wir sehen nur uns, unsere Bedürfnisse, nur die Sorge um die Sicherung unserer Zukunft. Aber die Andern, wie es den Andern geht, das sehen wir nicht. Wir Westler sind doch sonst alle so schön „misnagdisch"; so soll auch jener Chossid uns kein Beispiel sein, und jenes Gleichnis, so schön wie es ist, und so wahr wie es oft ist, für uns keine Geltung Haben. Trotz des Silbers, nein, vermöge des Silbers, wollen wir die Andern sehen; die Andernin ihrer Not, in ihrer Sorge, in ihrer Hilfsbedürftigkeit und darum in ihrem Anspruch an uns. V. Geld regiert die Stunde! Und Gott zeigte ihm eine Münze aus Feuer und sprach zu ihm: „So wie diese, so sollen sie geben." Wir müssen geben, weil es unsere Pflicht ist, aber wir sollen geben nicht nur dem Pflichtgebot gehorchend, sondern auch dem eigenen Triebe. Unsere Liebe zur Agudas Jisroel, unsere Liebe zu ihrer Arbeit in Palästina, unsere Liebe zu den durch sie geförderten Stätten der Thora, vor allem unsere Liebe und unsere Sorge um das Gelingen ihrer zweiten Kenessio Gedaulo, sie sei groß und stark und gewaltig und mächtig. Daß wir warmen Herzens geben. Und die Münze, die wir geben, die werde geformt im heiligen Feuer der Begeisterung für unsere große Sache und ihre vielen Zwecke. Das ist unser Wunsch. Und unsere Hoffnung: Daß diese Zeilen nicht als homiletische Betrachtung gelesen, sondern von Jedem als das verstanden werden, was sie fein wollen: eine Mahnung, p f l i ch t g e m ä ß zu handeln! Das Schulwerk der Agudas Zisroel iu Erez Zisroel. Aeuß-erungen führender Persönlichkeiten. ---V ‘ , Der Aufbau Palästinas an der Hand und -nach der Norm des Religionsgesetzes wäre die Erfüllung eines geschichtlichen Ideals, wie sie seit Esra nicht mehr zu verzeichnen war. Es besteht heutzutage keine Meinungsverschledenheit darüber, daß die für ein so schwieriges Kolonisationswerk unentbehrliche Begeisterung nur auf diesem Wege wachzuhaltlen ist. Auch solche Bewegungen innerhalb der Judenheit, die einst glaubten, es genüge hierfür das rem geschichtllichnationale Moment, sind eines Besseren belehrt worden. Sie wissen, daß geschichtliche Taten, denen ein Ewigkeitswert innewohnen soll, nur dann vollendet werden, wenn sie das irdische Geschehen in den Dienst einer überirdischen Idee stellen. Es bleibt das historische Verdienst des Keren Hajischuw der Agudas Jisroel, daß sie diesen Weg vom ersten Schritt an betreten, ihn geradlinig verfolgt und ihn niemals verlassen habe. Wer also ein wirklich jüdisches Palästina will, jüdisch im Sinne des Strebens und der Erfüllung, der muß dem „Keren Hajischuw" helfen, das Ideal der jüdischen Gesamtheit in idealer j Weise zu erreichen. Ueber alle Sorgen und Widrigkeiten des materiellen Aufbaus hinweg hat „Keren Hajischuw" den geistigen Aufbau zum Inhalt seiner wesentlichen Arbeit gemacht. Vielleicht wäre es richtiger zu sagen, die Erhaltung der Geistigkeit. Diesem Ziele gilt das Schulwerk der Agudas Jisroel, und es war mir stets besonders erhebend, wenn ich Gelegenheit hatte, sowohl dem Unterricht in der Schule Leizuwohnen, als auch mit solchen Menschen zusammen zu kommen, die jetzt schon im Leben stehen und ihre Ausbildung diesen Schulen verdanken. Eine Unterstützung des Schulwerkes der Agudas Jisroel bedeutet eine Ertüchtigung der Menschen in Paläst i n a. Rabbiner Dr. Pinchas K o h n - Wien. 2. „Die Besiedlung des heiligen Landes im Geiste der Thora, auf daß es eine Quelle geheiligten Lebens für das jüdische Volk werde" — dies ist eine der wichtigsten Aufgaben der Agudas Jisroel. Ihr dient vor allem das Schulwerk in Erez Jisroel, das die Palästina- Centrale der Agudas -Jisroel aufgebaut hat. Seine Sicherung, seine gedeihliche Entwicklung, der weitere Ausbau des im letzten Jahre zu erfreulichem Aufblühen gelangten, dortigen agudistischen Mädchenschulwesens, diese Sorge soll und muß die Sorge yll derer sein, welchen Palästina als rfompn fjfc am Herzen liegt, heute doppelt und dreifach ihre Sorge, da das große Werk sich in so drückender materieller Not befindet. Es ist darum heiligste Pficht jedes von pan Erfüllten, in jeder Weise auch die diesjährige Adar-Aktion der Palästina- Centrale zu fördern. Nur wenn jeder Einzelne von uns von größter Opferfreudigkeit beseelt ist und wenn alle von diesem Willen in gleicher Kraft getragen sind, dann kann und wird ein Ergebnis erzielt werden, das die Palästina-Centrale zu ihrem Teil an der Erfüllung der großen Pflicht befähigt: Palästinas jüdische Jugend zu erziehen zu heiligem Leben auf heiligem Boden-. Oberrabbiner Dr. Spitzer-Hamburg. Palästina-Zentrale der Agudas Zisroel. Preiser iisseHrerbsH»: Jeder sich in den Dienst der Adar-Aktion stellende Sammler, der mindestens 50 Mark zu Gunsten unseres Schulrverks fämmelt, sei es durch Vertrieb unserer Coupons oder durch freie Sammlungen, kann sich an der am 5. Nissan 5689 (15. April 1929) statifindenden Verlosung beteiligen. - Der Sammler hat folgende Bedingungen zu erfüllen: bis zum 2. Nissan (12. April) müssenmindestens 50 M. als S-ammelergebnis im Besitz der Palästina-Centrale -sein (durch Ueberweisung auf das Postscheckkonto der Palästina-Centrale der Agudas Jisroel Nr. 53 900 Frankfurt a. M. oder durch Vermittlung der für ihn zuständigen Gruppe). Die Palästina-Centrale stellt dem Sammler hiergegen eine numerierte Empfangsbestätigung aus, die ihn berechtigt, sich an der unter Aufsicht eines Notars stattfindenden Verlosung zu beteiligen. Preise. Bei einem Sam m elergebnis von mindestens 100 Mark: 1. Preis: eine Reife nach Erez Jisroel (Schiffskarte für Hin- und Rückfahrt inkl. Bett und Verpfle- Erster Jührerkurs des Esra. Bom26. bis 30. Dezember fand im Jugendheim Lichterfelde kn Berlin der erste Führerkurs des Esra bei einer Anwesenheit von etwa 50 auswärtigen und 20 Berliner Esräern und Esräermnen statt. Er hatte die Aufgabe, den Einzelnen. Anregungen zu geben in den wichtigsten Gebieten der Esraarbeit und besonders in ihrer persönlichen Weiterbildung, die in der alltäglichen organisatorischen und pädagogischen Arbeit gerade bei den wertvollsten Führern meist zu kurz kommt, die aber doch die Voraussetzung zu einer wirklich fruchtbringenden Erziehungsarbeit und einer selbst erworbenen Weltanschauung bedeutet. Zu diesem Zwecke wurden eine Anzahl von Arbeitsgemeinschaften gebildet, die zum großen Teil auch Persönlichkeiten außerhalb des Csra, von denen meist jede auf einem bestimmten Gebiete etwas bedeutet und leistet und darin uns wegweisend fein kann, übernahmen. “ Jeden Morgen fanden zwei mehrstündige icr-ns’? statt, und zwar für Fortgeschrittene bei Josef Soloweitschek, wo die mn :nmnn nrr bvab yim behandelt wurde, ent Lernen^ das von dem Durchnehmen der «"iw eigentlich absah uyd sich, darauf beschränkte, die in dieser rr-Hö vorkommenden wichtigen^ und 'interessanten Fragestellungen und Begriffe, deren Abgrenzungen und Schwierigkeiten zu ' besprechen -und an Hand der verschiedenen trensn genau zu. durchleuchten. Zu gleicher Zeit fand der .-iw’p für Jüngere bei Dr. & Halber st adt statt, der sich auch mit einer bestimmten - 'ira-io nn« ntn-tp befaßte und trotz der kurzen Frist den meist Jüngeren Freude an einem' richtigen «--»--Lernen vermitteln konnte. Me Mädchen hatten in dieser Zeit e-inmal eine Aussprache über Fragen der Mädchenarbeit ft-ei ^rau Dr. Meta Klibansky aus Breslau, und sonst einen van •vuw bei Felix Munk. Außerdem fanden folgende Arbeitsgemeinschaften statt: Dr. Leo Deutschländer besprach die Lage der Erziehung im Osten, die Notwendigkeit des Esra in der heutigen Situation und einige allgemein pädagogische Fragen in einer persönlich sehr feinen Art. Zwei je fünfstündige weltanschauliche Arbeitsgemeinschaften behandelten zwei für uns sehr wichtige Gebiete. Isi G r ü nfe ld sprach über das Wesen der Nation, und ihr Verhältnis zum Individuum und Universalgedanken, ferner das Wesen der jdischen Gemeinschaft als ein in den gewöhnlichen europäischen Begriffen nicht zu erschöpfendes Eigengebilde. Es sind diese deswegen besonders wichtige Fragen für uns, weil sie die weltanschauliche Grundlage zur politischen Entscheidung liefern, die wir von jedem älteren Esräer in irgend einem Sinne entsprechend den durch diese weltanschauliche Grundlage für uns begrenzten Möglichkeiten fordern müssen, weil mit dadurch die Erziehungsarbeit des Bundes Konsequenz und Bewährung im praktischen Leben erfährt. Die Arbeitsgemeinschaft bei Dr. Elie Munk -Ansbach beschäftigte sich mit dem Wesen und Berechtigung der religiösen Form im allgemeinen im Verhältnis zu der ihr zugrunde liegenden Idee und der Berechtigung der allgemein gültigen Form im besonderen. Wertere Arbeitsgemeinschaften- Hei- Rabb. Dr. Jakobowicz beschäftigten sich mit wirtschaftshalachischen -Fraßen, vor welche besonders der Kaufmann im-alltäglichen Geschäftsleben gestellt wird,'ferner bei Lazarus Barth mit der politischen und külkurellen Bedeutung der Nachbarvölker von '"tf und einer Besprechung des Buches oiw. bei Dr. Ochs, mit Wesen und Methoden der halachischen Exegese, Bekanntmachung mit den Hilfsmitteln, nach der grundsätzlichen Erörterung an Hand eines Beispiels, dem Recht der ncn-p und dem des »--22 speziell. Dr. Grünberg sprach über die historische Entwicklung der hebräischen Sprache in ihren verschiedenen Stadien bis zur großartigen neuhebräischen Renaissance unserer Tage, ferner über das lÄrhältnis von Kultur und Sprache und der daraus für uns besonders sich ergebenden Bedeutung der hebräischen Sprache als ein nicht nur äußerlicher Zugang zur jüdischen Kultur. In besonders ans chaulicher-; Weise v dabei auf streng wissenschaftlichem Untergrund,--gab-uns Dr. Jampel aus Schwedt ein Bild von der negativ zerstörenden Art der Bibelkritik und den Möglichkeiten einer positiven Bibelwissenschaft, die uns gerade die gefundenen Inschriften geben. An einem Beispiele der Frage der Urbevölkerung Palästinas und der Bedeutung des Wortes Hebräer, zeigte er, wie sich scheinbare Widersprüche innerhalb der min selbst und zu Ergebnissen der Wissenschaft durch die neuen Inschriften beseitigen lassen und uns dabei den historischen Hintergrund des v:n ganz bedeutend erweitern. Den v2D verbrachte man in Lichterfelde mit Besprechen der s-no' i"w-Lernen, Besprechung des neuen Buches von Travers Herford: „Die Pharisäer", von Erich Nosenblüth, und Singen von Hebräischen Liedern. Herr Rabbiner Dr. Weinberg konnte leider seine Arbeitsgemeinschaft über das Wesen der n-v» nicht abhalten und sprach stattdefsen einige kurze Worte über die Aufgaben des Esra. Als Abschluß gab Dr. Eli Munk noch einen Heimabend, bei dem das rechtliche Verhältnis von Staat und Religion nach jüdischer, Auffassung und der des neuen Strafrechtsreformentwurfes besprochen wurde. Der wesentliche Zweck, das Treffen der Gemeinschaft zu benutzen zur Konzentration aus eine nüchterne, geistige Arbeit einige Tage hindurch und.den einzelnen Anregungen für Selbst- und Gruppenarheit zu vermitteln, wurde erreicht. Trotz oder wegen der intensiven geistigen Arbeit war man immer in bester Stimmung. Ein etwaiger nächster Führerkurs würde sich vor allen Dingen mit Fragen zu beschäftigen haben, die diesmal nur gestreift worden sind, für uns aber entscheidende Bedeutung haben, nämlich die Fragen sozialer und wirtschaftlicher Art, die Berufsgesialtung im Verhältnis zu unserer Weltanschauung und Charaktererziehung in der heutigen Zeit. E. R. vi 1 1 Ir i:. V ii! ifi

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