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Der Israelit · 1929-02-07 · Heft 6 (7.2.1929) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 6 (7.2.1929)
Date
1929-02-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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7 W 7: Februar 1929 ____ pro Kopf und Jahr ist und in welchem Verhältnis diese Menge zu dem Bedarf der anderen Bevölkerung an Bind-, Kalb- und Schaffleisch — auf Kopf und Jahr ge-' rechnet — steht. Ferner sehe ich einer gefälligen' Aeußerung darüber entgegen, in welcher Weise eine Beschränkung des rituellen Schlachtens für den Bedarf der jüdischen Bevölkerung vorzunehmen ist. 'Namentlich ist zu -prüfen, ob sich eine gesetzliche Regelung empfiehlt, nach der die Höchstzahl der rituellen Schlachtungen den örtlichen Verhältnissen entsprechend im Verwaltungswege festgesetzt werden kann. Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. B e r l i n, 28. Januar. Der Rerchsbund jüdischer Frontsoldaten-begeht am 9. und 10. Februar ds. Js. die Feier feines 10jährigen Bestehens. In Berlin, dem Sitz der Bundesleitung und dem Ort der Gründung des Bundes, wird am Sonnabend abend, 9. Februar, eine Kundgebung im ehemaligen Herrenhaus stattfinden, zu der die Reichs- und Landesbehörden; hohe militärische Stellen, städtische Vehöroen, die jüdischen amtlichen Stellen, Organisationen und Verbände vertreten sein werden, sowie auch die Vertreter der Landesverbände und Ortsgruppen des R. j. F. aus dem ganzen . Reiche. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten zählt ungefähr 35 000 Mitglieder, die ausnahmslos Frontkämpfer gewesen sind; er wurde vor 10 Jahren gegründet, um gegen die damals verbreiteten Vorwürfe, die Juden seien nicht an der Front gewesen, und gegen die auf derartige Aeußerungen sich aufbauende antisemitsiche Propaganda mit Erfolg anzukämpfen. Der Rerchsbund jüdischer Frontsoldaten ist heute mit seinen 16 Landesverbänden und über 400 Ortsgruppen und Untergruppen die zweitgrößte chdifche Organisation in Deustchland. Viele seiner Kameraden dienen den jüdischen Interessen in ihrer Eigenschaft als Mitglieder von Gemeindevorständen, Repräsentantenkollegien, sowie anderen Einrichtungen und Körperschaften des öffentlichen jüdischen Lebens. Eine besondere Quelle der Kraft ist für den R. j. F. seine strikte Neutralität in parteipolitischer Hinsicht. Dieser Einheitscharakter hat sich stark und segensreich ausgewirkt in der vom R. j. F. getragenen S ie d l u ng s be wegu ng , in der die amtlichen jüdischen Stellen im Reiche, die anderen jüdischen Organisationen und die führenden Persönlichkeiten des öffentlichen jüdischen Lebens unterschiedslos mit anerkennender Zustimmung und tatkräftiger Förderung dem R. j. F. zur Seite'getreten find. Hungersnot unter den Inden in Betzarabien. Berlin, 1. Februar. Der -Hi lssv erein der deutschen Juden erhielt erschütternde Mitteilungen aus Beßarabien. 40 000 Juden — unter ihnen viele Bauern — .iti Akkermann> Bendery, Orgejew, Ismail, Bajramtscha, Teleneschty und anderen Städten und kleineren Ortschaften sind infolge' der Mißernten tn den letzten Jahren bei der gegenwärtigen ungewöhnlichen Kälte dem Hunger und dem Elend preisgegeben. Insbesondere leiden die Kinder. Das Am e r i c a n I o i n t Distribution C ci mmi ttee hat eingegriffen. Das Rote Kreuz hat Mittel zur- Verfügung gestellt. In Paris und London haben sich Hilfskomitees gebildet. Die Not ist aber so groß, daß auch die deutschen Juden um Hilfe für ihre Glaubensgenossen angegangen w-erd-en müssen. Der Hilfsver-ern der Deutschen Juden hat angesichts des Elends, das in Beßarabien herrscht, da es gilt, die dortige jüdische Bevölkerung vor bitterster Not sind völliger Verelendung zu bewahren, beschlossen, unter seinen Mitgliedern und in breiten Kreisen der deutschen Judenheit eine Sammelaktion für die schwer leidenden beßarabischen Juden einzuleiten. Spenden sind mit der Bezeichnung „Für das Deßarabienhilfswerk des Hilfsvereins der Duetfchen Juden" auf Bankkonto Deutsche Bank, Dep.-Kasse C, Berlin W 9, Potsdamerstraße 127/8 oder auf Postscheckkonto. Berlin NW. 7 Nr. 33126, zu überweisen. Eine jüdische Arbeilerkolonie. Berlin, 3. Februar. Me Hauptstolle für jüdische Wandersürsorge und Arbeitsnachweis in Berlin versendet .einen Ausruf zur Schaffung einer Jüdischen A r b e i t e r k o l o n i e. Es ist ein kandwirischaftlichgärtnerisches Projekt in Aussicht genommen mit der D e r Israelit _ Möglichkeit, vorläufig täglich 50 Wanderer aufzunehmen, eine^Zahl, die sich durch Ausbau des Betriebes in absehbarer Zeit vervielfältigen läßt. Der erste Koster;auf- Die Woche. Berlin. Wiederholt sind die vor den Portalen der Synagoge befindlichen Gittertüren Eisenverzierungsspitzen mutwillig herausgebrochen und vor die Türen auf die Straße gelegt worden. Am Abend des 18. November v. I. wurde an einer der Eingangstüren zur Synagoge ein kleines Holzwollfeuer an- > gelegt, welches aber nur unter der Tür hindurchgefchwellt und einen kleinen dunklen Fleck auf den Fliesen der Vorhalle unmittelbar hinter der Tür hinterlassen hat, ohne weiteren Schaden anzurichten. Der Central-Verein, die Jüdische Gemeind« und die Behörden haben eine Belohnung für die Entdeckung der Täter ausgesetzt. — Der neugewählte Berliner Gemeinderabbiner, Dr. F r e i m a n n, bisher Oberrabbiner in Posen, hat sein Amt an der Synagoge He i de re u t h e r g a ss e angetreten. — Die demokratische Reichstagsfraktion hat in der Sitzung vom 29. Januar Dr. Ludwig Haas zu ihrem Vorsitzenden gewählt. — Landgerichtsdirektor Hoffmann, der wegen seiner Rolle in der Magdeburger Affäre Leopold Haas vom höchsten Disziplinargericht zur Strafversetzung verurteilt worden war, hat seine Entlassung aus dem Staatsdienst beantragt. Der Justizminister hat dem Cntlasiungsgesuch bereits stattgegeben/— Unter dem Protektorat des „Vereins zum Schutze der Kinder russi- - scher Juden in Deutschland" fand am Sonntag den 27. .Januar die Einweihung eines neuen K i n d e r h e i ms für die Kinder russischer - Emigranten in Deutschland statt. München.- Das Bayrische Staatsmimsterium des Aeußeren ersuchte das thüringische Staatsministerium um die Herbeiführung der Aufhebung der Immunität des Landtagsabgeordneten Dr. Arthur Dinier, der in einem öffentlichen Vortrag über das Thema: „Paulus der Antichrist" die evangelische Kirche sch-rv-er beleidigt hatte. Regensburg. Unter den vier Toten, bei der Zugentgleisung in der Nähe von Regensburg befinden sich auch S. Nachtigall, G o l ds ch m i d t aus Wien und Abraham Schkolnik, Kaufmann aus Berlin. Unter den Verletzten befindet sich der Sohn von Schkolnik, Jakob. Abraham Schkolnik war 43, sein Sohn Jakob ist 20 Jahre alt. Gladbeck. ö Der Gladbecker Kriminalpolizet ist es gelungen, 8 die Friedhofsschändungen, die in der I Nacht vom 19. zum 20. Januar auf dem Glad- I bscker israelitischen Friedhof begangen wurde, I aufzuklären und die Täter in Haft zu nehmen. I Es handelt sich um zwei 17jährige Burschen, D die in der Gladbecker Ortsgruppe der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei tätig sind. München. An der Münchener Universität ist ein Lehrstuhl für die Wissenschaft des Judentums errichtet worden und Dr. B r y s mit dem Lehrauftraa betraut worden. Wien. Auf Einladung der Wiener Universität sprach in der Katholischen Forschungsgesellschaft vornehmlich vor katholischen Geistlichen Rabbiner Dr. Armand Kaminka über die Entsteh u n g s ge sch i ch t e der Psalmen. Kaminka trat in manchen Punkten der Bibelkritik scharf entgegen. Genf. Am Mittwoch, den 30. Januar, wurde im Hause des Völker b undsekretari ats der Film: „Frühling in Palästina" vorgeführt. Anwesend waren mehrere Funktionäre des Völkerbundsekretariats, sowie eine größere Zahl | Auslands'ournalisten. Paris. Der Verband i der jüdischen Frontsoldaten Frankreichs hat beschlossen, eine Liste aller während des Weltkrieges in den Jahren 1914—1918 an den französischen Fronten gefallenen jüdischen Kriegsopfer anzulegen und in der Form eines „Goldenen Buches" zn veröffentlichen. Budapest. Dr. Jmanuel L ö w, Oberrabbiner von Szegedin und Mitglied des ungarischen Oberhauses, beging in diesen Tagen im engsten Familienkreise seinen 7 5. Geburtstag. Jmanuel Löw ist ein über Ungarn hinaus bekannter Gelehrter. Viel Aufsehen erregte sein mehrbändiges Werk „Die Flora der Juden". In der Epoche des reaktionären Terrors in Ungarn war er harten Verfolgungen ausge- « setzt. 8 wand beträgt 300 000 Mark, wozu die Staatsbehörden ein Darlehen von Mk. 60.000 bewilligt haben. . i'ji Nr. 6. Seite 5 Tagung des Preußischen Landesverbandes der jüdischen wememven. Berlin, 4. Februar. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden trat am Sonntag zu seiner fünften Tagung zusammen. , Die Verhandlung begann mit einer Weiherede von Rabbiner Dr. Seligmann, Frankfurt a. M. Der Vorsitzende, Dr. Heinrich Stern, gedachte in der Eröffnungsrede der Verstorbenen und ermahnte zu äußerster Konzentration bei den Verhandlungen, für die die Zeit nur knapp bemessen sei. Den Tätigkeitsbericht des Rates erstattet Kammergerichtsrat Wolfs. Der Gesetzentwurf betreffend die jüdische Religionsgemeinschaft sei in den wesentlichen Punkten abgeändert und, da eine Verständigung mit dem Halberstädter Bunde nicht zu erzielen war, dem Ministerium eingereicht worden. Von Halberstadt wurde dem Ministerium ein eigener Entwurf unterbreitet. Ein abschließendes Ergebnis liegt noch nicht vor. Referent berührt die Frage der Lehrerbildung. Für das Würzburger Lehrerseminar konnten wegen Erschöpfung des Fonds keine Mittel bewilligt werden. Es ist geplant, eine Sammelanleihe bis zum Hcchstbetrage vor, einer Million aufzunehmen, für die die Berliner Gemeinde Garantie geben soll . Der Verband will Hand in Hand mit den anderen Instanzen an der B e k ä m psung der Mischehen Mitarbeiten. Genannt wird auch die Errichtung einer Schächterschule. Ueber E t a t f r a g e n referiert Dir. Georg K a r e s k i. Die Hauptausfprache führt viele Redner auf den Plan. Kurt B l u m e n f e l d regt im Namen der Volkspartei die Bildung einer Institution, ähnlich dem Londoner Joint Foreign Committee an. Rechtsanwalt Dr. H o r o w i tz, Frankfurt a. M., spricht im Namen der Konservativen und meint, -daß für den Abbruch der Verhandlungen mit Halberstadt kein sachlicher Grund vorlag. In Frage der Lehrerausbildung sei eine Verbindung von Schächteramt und Religionslehreramt zu erstreben. Dr. Jsmar Freund stellt fest, daß die Schaffung der Bezirksrabbinate auf große Schwierigkeiten stoße. Am Nachmittag wird die Verhandlung nach einem Berichte Dr. Fischers für den Haushaltungsausschuß fortgesetzt. Rabbiner Dr. R o s e n t h a l, Köln, wendet sich scharf gegen die Streichung der Subventionen für das Kölner Seminar. Wiener, Beuthen und Andere von der Jüdischen Volkspartei schließen sich Rosentha-l an. Dr. Kahn (konservativ) fragt, ob das Kölner Seminar das Opferlamm für den Reichsverband sein soll? Die Liberalen sprechen fast alle gegen die Gründung einer besonderen Kultusbeamtenschule, denen gegenüber die Konservativen für die Kultusbeamtenausbildung, für Köln und die dortige Jawnehschule «intreten. Am Montag vormittag tritt man zur Abstimmung über die diversen Anträge. Gegen die Stimmen der Konservativen und Mittelparteiler wird die Verlängerung der Legislalturperiode bis Oktober 1930 beschlossen. Di« Einführung des E i n k a m m e r f y ft e tn s mit einer kleinen Exekutive wird abgelehnt. Dafür stimmte die Volkspartei. Daraus tritt man in die Beratung des Entwurfes zur Bildung eines Reichsverbandes. Das Referat über den Reichsverband hält Kammergerichtsrat Wolfs. Er legt den von den Landesverbänden gemeinsam vereinbarten Entwurf vor. Es sei kein ganz bedenkensfreies Kompromiß, aher das beste der zurzeit möglichen. Er bittet, dem Entwurf zuzustimmen.. Von den Liberalen tritt Heinrich Stern für den Entwurf ein. Dr. K o l l e n.s ch e r sagt, die Jüdische Volkspartei könne, obwohl begeisterte Freundin der Reichsorganisation, diesen Entwurf mit ihrem jüdischen Gewissen nicht verantworten. Die Kompetenzen der Landesverbände würden dadurch bedenklich geschwächt. Die undemokratische Zusammensetzung des Verbandstages müßte auch jeder religiöse Jude ablehnen. Dr. Wiener hält den Entwurf wohl für schlecht, aber für annehmbar. Die Fraktion der Mittelpartei, vertreten von Rabbiner Dr. Weihe, lehnt den Entwurf ab. Dr. Sandler unterstützt die ablehnenden Worte seines Parteifreundes K o l l e n s ch e r, ebenso Alfred Berger. In der Abstimmung über den Erat werden die Anträge des Hauhaltsausschusses unter einigen Vorbehalten angenommen. Nach Unterbrechung der Sitzung und einer langwierigen Geschäftsordnungsdebatte wird zur Abstimmung über den Entwurf für den

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