Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1929)
- Date
- 1929-02-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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i i!;? '> — Der Israelit ' 7. Februar 1929 Seite 2. Nr. 6 schrumpft, infolge Ler wachsenden wirtschaftlichen l Armut, allmählich zusammen und auf dem RaLbinerheim lastet der Hunger schwer. 4. D i e S t eine rlasten. Das Sowjetbesteuerungssystem rechnet die Kultusdiener,., und darunter auch die Rabbiner, zu den Feinden der Sowjetrepublik, die man mögilchst hoch besteuern muß. In kleinen Städtchen führen die Steuerlisten größtenteils die jüdischen jewsekisch orientierten Beamten, die überall den Rabbiner zehnmal so hoch als es seinem wirklichen Einkommen entspricht besteuern, und falls er nicht imstande ist zu zahlen, wird ihm das Letzte aus dem Hause weggeführt. Es existiert in Rußland auße' dem eine sogenannte individuelle Steuer, die eigens dazu dienensoll, die der örtlichen Macht unliebsamen Personen wirtschaftlich zu ruinieren. 5. Die Lage der Rabbiner in den Kolonien. In den Kolonien ist die jüdische Bevölkerung zu arm, um ihre Rabbiner erhalten zu können. Dazu kommt noch der Umstand, daß die Jewsektion sich alle Mühe gibt, die jüdische Bevölkerung in den Kolonien in ihrem Sinne zu erziehen und jede Regung jüdischen Lebens im Keime zu ersticken. Auf diese Weise wurden mehrere Rabbiner, die sich in den Kolonien niedergelassen hatten, dazu gezwungen, dieselben wieder zu verlassen. Diejenigen aber, die dennoch auf ihrem Posten verblieben sind, leiden sehr; sie sind in diesem Jahr noch insbesondere von der Mißernte schwer betroffen worden. 6. Die Lage der Rabbiner-Familien. Nicht nur die Person des Rabbiners selbst ist das Objekt der Verfolgung seitens der Jewsektion, sondern auch seiner Familie und seinen Kindern wird ihre „anti-revolutionäre" Abstammung als eine unverzeihliche Sünde angerechnet. Sie werden in Schulen nicht ausgenommen, können keine Fachbildung erhalten, erhalten keine Anstellung bei den Sowjetbehörden und ihre Abstammung wird ihnen überhaupt auf Schritt und Tritt in Erinnerung gebracht. Auf diese Weise sind die Söhne und Töchter der Rabbiner von allen Erwerbsquellen ausgeschlossen. 7. In Südrußland. In Südrußlland habenviele Rabbiner während der Pogrome stark gelitten. , (Einem Briefe des Rabbiners D. entnehmen wir folgendes: „Während der Pogrome wurde mein Städtchen Petschiza vom^ Feuer vernichtet und meine Familie Hai dabei auch sehr gelitten." In einem anderen Briese wird berichtet: „Während der Pogrome hat man meine Frau und meinen Sohn erschossen, mich und meine Tochter haben die Banditen fürchterlich geschlagen und ganz ausgeplündert." Solche Fälle stehen nicht vereinzelt da, sondern sind eine sehr häufige Erscheinung. 8. Der geistige Einfluß der Rabbiner. Welche Rückwirkungen hat die schwere materielle Lage auf den Einfluß, den die Rabbiner auf die Gemeinden ausüben? Es ist selbstverständlich, daß die drückenden materiellen Sorgen den Rabbinern ihre Zeit und Energie rauben, was zu einer Zeit, wo die Verhältnisse in Rußland an die Energie, den Mut und die Tatkraft der Rabbiner schon an und für sich sehr hohe An forderungen stellen, einen sehr großen» Schaden für das Wohl der jüdischen Allgemeinheit bedeutet. 9. Hilfsmöglichkeiten. Es gibt zwei Wege, die die Möglichkeit geben, in der traurigen Lage der russischen Rabbiner Abhilfe zu schaffen und damit die Reste der Thoragelehrten, die d-' bedeutendste Stütze des jüdischen religiösen Lebens in Rußland darstellen, zu retten. 1. Es muß im Auslande ein Komitee gegründet werden, an dessen Schaffung sich in erster Reihe die Rabbinerverbände aller Länder beteiligen sollen. 2. Dieses Komitee soll die Mittel zur Erweisung der notwendigen Hilfe an die russischen Rabbiner ausfindig machen. a) durch einmalige oder monatliche Geldunterstützungen an die Notleidenden. b) auch den Familien der Rabbiner soll geholfen werden: diese Hilfe kann durch die Abgabe einer-Maschine an die Familie, auf der im eigenen Heim gearbeitet werden soll, geschehen. Ein Rabbiner schreibt: „Eine vernünftige Sache wäre es, wenn man den Familien der Rabbiner eine Maschine verschaffen würde." Berichte, die wir anderen Briefen entnehmen, lauten: „Wenn ich die Möglichkeit gehabt hätte, für meine Familie eine Maschine anzuschaffen, so würde das für mich eine große Erleichterung im Lebenskampf bedeuten." „Meine Familie besitzt eine Woll-Bearbeitungsmaschine, aber die notwendigen Teile fehlen, und da ich nicht imstande bin, dieselben zu erstehen, so hat die ganze Maschine natürlich keinen Wert für mich." Auf die oben erwähnte Weise wird es möglich sein, eine gewisse Abhilfe in der traurigen Lage des Rabbinerstandes in Rußland zu schaffen. Es ist einfach »nicht zulässig, daß man die Rabbiner in dem aufreibenden Kampf, der um die Rettung der religiösen Schätze des jüdischen Volkes geführt wird, ohne jede Hilfe läßt. Mochenrundschau. Gefahr oder Psychose? K o r a l n i k, ein Schriftsteller und Statistiker von Namen, hält (Oose-Rundschau, Nr. 3, 1928) das ganze Gerede von der Mischehegefahr für das deutsche Judentum für eine Psychose. Die Zahlen, die auch er kennt und anzuführen weiß, stimmen zwar bedenklich, aber er glaubt, diese Schreckensgespenster mit dem Hinweis auf den o st j ü d i s ch e n Z u z u g bannen zu können. Mit diesem würden die Verluste vollauf wettgemacht. Dr. Felix A. Theilhaber, der sich auf dem Gebiete der Statistik wohl auskennt, ist anderer Meinung. Er weist in der Breslauer „Jüdischen Zeitung" nach — und die Zahlen Koralniks widersprechen dem iniicht — daß die Mischehen unter den Juden zur Zeit ein Viertel aller j ü d i s ch e n E h e s ch l i e ß u n g e n betragen. Während sich die Zahl der rein jüdischen Heiraten um ein Viertel vermindert h at, hat sich die Zahl der Mischehen in den letzten Jahrzehnten mehr als verdoppelt. Auch die Gegenüberstellung von Geburts- und Sterblichkeitsziffern hätten in den Tabellen Koralniks einen etwas zu rosigen Hintergrund. Von den O st j u d e n erwartet Theilhaber das Heil für die deutschen Juden ganz und gar nicht, denn „schon die Kinder dieser Ostjudem« unterscheiden sich in nichts mehr von der übrigen deutschen Judenheit", teilen ihre Fehler und ihre Vorzüge, vornehmlich ihre Fehler hinsichtlich Kinderenthaltung, Mischehe usw. Es muß zugegeben werden, daß Theilhaber hier die Sprache der Zahlen besser zu deuten weiß. Es hat auch gar keinen Sinn, sich Illusionen hinzugeben! und die Augen zu schließen vor dem Menetekel, das die Tabellen der deutschen Judenheit vor Augen halten. Was aber den Zuzug der Ostjuden und die von ihnen zu erwartende Sanierung betrifft, so mögen sie beide Recht haben, je nachdem, wie es kommt. Die Ostjuden werden ein Gewinn fein und die Gesundung bringen, wenn es gelingt, das Aktivum an jüdischem Geist und Empfinden, das sie von Haus aus mitbringen, sich zu sichern und nutzbar zu machen, wenn wir es verstehen, diesen Kraftzuwachs rechtzeitig in den Strom des jüdischen Lebens einzulenken. Talmud-Thoraschulen, Jeschiwaus und sabbatfreie Arbeitsmöglich?eiten in Haftpflicht. Zum Wochenabschnitt ü’üatPa- Von Rabbiner Dr. IMchalski m Karlsruhe. Die Pflichten zwischen Mensch und Mensch reiht die Tauroh an die Pflichten zwischen Mensch und Gott, auch hierin lehrend, daß der Mensch im Ebenbilde Gottes geschaffen. Auf sein lebendes und lebloses Besitztum soll der Eigentümer achten, auf daß kein Schaden aus ihm dem Nächsten erwachse! Nicht darf unbewacht der Ochs bleiben, daß mit dem Fuß er nicht fremden Boden zertrete, nicht unbedeckt die Grube, daß nicht einen Sturz sie verursacht, nicht darf weiden das Tier auf dem Felde des Nächsten, nicht das Feuer auf des Anderen Gebiet übergreifen. Die Unterschiede im Wesen dieser vier Beispiele, die die Tauroh herausgreift, weist in präzisem Lehrsatz die erste rwo in n-p xaa auf und zeigt, daß nicht ein Beispiel allem genügen würde, um umfassend des Schadens Rechtssatz zu lehren. „Nicht gleicht das Wesen des Ochsen, der zertritt, dem des Zahnes, der das Feld abweidet, nicht beide, die vom Leben beseelt, dem des Feuers, in dem nicht Lebenskraft, nicht diese drei, die in der Bewegung zu schaden pflegen, dem der Grube, die unbewegllich. Gemeinsam ist ihnen, daß es in ihrem Wesen liegt, Schaden anzurichten, den zu verhüten man verpflichtet, den man mit dem besten seines Gutes zu ersetzen gehalten ist." In der Seele des Menschen schlummern- Kräfte, die jenen vier vergleichbar sind, nus denen ihm Schaden erwachsen kann. Der Vertreter des unberechtigten, verwerflichen Stolzes*) ist unseren Weisen der Ochs, er zertritt die Blumen am Wege, das Heilige tritt nieder der Stolz. Der Zahn der Genußsucht, der da heischt, was er sieht, hält die Grenzen nicht ein, die Gottes Gebote gezogen. Nicht gleicht das Wesen des einen dem anderen; in Scham mühte senken, seiner Schwächen bewußt, das Haupt, wer nicht zügeln, nicht beherrschen sich kann, doch trotz des Mangels an Charakterstärke tritt der Stolz auf, um Schaden dem Menschen zu bringen. Sie stacheln beide den Menschen auf, sie treiben ihn an, dem sündhaften Ziel nachzustreben, sie entfachen die Lebenskraft in ihm und setzen ihn in Bewegung. Dies fehlt der Trägheit, die zur Unwissenheit führt, die -nicht.rühren sich mag, um sich mit Wissen zu füllen, unbedeckt und unverhüllt liegt sie da, die Sünde nicht fürchtend, nicht meidend, weil sie sie nicht kennt. Keine Lebenskraft zeigt sich in ihr, unbeweglich wie eine leblose Masse nur ruhend, will sie nur nicht gestört sein. Nicht sucht sie Bewegung, wie das Feuer der Leidenschaft, das lodernd, stammend, hinübergreift und auch in hunderten Funken entfacht, die unter der Asche glimmen, das gleich den ersten beiden in Bewegung schadet, Nachahmung findet und andere ins Verderben hineinreißt. Gemeinsam ist ihnen, daß es in ihrem Wesen liegt, Schaden anzurichten, den zu verhüten man verpflichtet ist, imnizndaß du von ihnen dich hüten mußt, daß sie nicht über-dich herrschen, daß sie. nicht die Oberhand über dich gewinnen. Die Verhütung des Schadens ist dir auferlegt, nicht stehst du ohnmächtig ihnen gegenüber, nicht bist du wehrlos ihnen preisgegeben, in dein« *) Vgl. nr nma z. St. Hand sind sie gegeben, du bist als Wächter über sie gesetzt. So verlockend sie auf den ersten Blick scheinen, Io verderblich ist ihre Wirkung: du hast die Kraft, sie ' zu bezwingen, wenn nur der Wille dir nicht fehlt, z« > verhüten, daß sie über dir stehen. Denn ist der Schaden 'angerichtet, ist man zu zahlen ihnen verpslichtet mit dem Besten seines Gutes. Das best« seines Teils, das j ihm als höchstes Gut ist aufbewahrt im Lande des! wahren, zukünftigen Lebens, verliert der, der nicht den Schaden hat verhütet, den seine Seele, den er selbst erlitten, der sich vom Ebenbilde Gottes hat entfernt, in dem er ward erschaffen. Kleines Feuilleton. «Er will für Rothschild sterbe»". Au ch eine Rothschi-ld-An ekdote. Im kaiserlich königlichen Archiv zu Wien befindet sich ein Dokument, datiert von 1866 und unterschrieben von der Bürgermeisterei in Krakau, das ein grelles Licht auf die. Vorstellung, die man sich von den Rothschilds i« den galizischen Dörfern Machte, wirft. Das Dokument stellt einen Bericht an die K. K. Kanzlei dar über eine Mär, die in Galizien und ganz besonders in der- Gegend von Krakau, verbreitet sei und..größte Aufregung in der Bevölkerung erweckt hätte. Danach sei der-Wiener Bankier Baron Rothschild z um T ö de verurteilt, es sei ihm aber"freigestellt, einen Ersatzmann zur Richtstätte zu senden. Um einen solchen zü "erhalten, habe' Rothschild eine. Bekanntmachung und eine Art Werbeschreiben erlassen. Unter den Bewerbern wird: verlost, und der