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Der Israelit · 1929-02-07 · Heft 6 (7.2.1929) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 6 (7.2.1929)
Date
1929-02-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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7. Februar 1929 Frankfurt a. M., den 27. schebat 5689 Oer Israeli IRK]]] Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum (ifSSf i V^UgWWM 11| Begründet von Dr. Lebmann in Mainz. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. 11 Abonnement ab Januar 1824: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Vierteltahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich «osten des Streifba»a»-Bersandes) Deutsch-Ssterreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar: England 4 sh.: ab 1. Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7. 27. Belga 8; Holland 4 fl.; Italien ab 1.' 38.18 Lire; Jugoslawien 55 Din.; Litauen 7.50 Ltt.; Rumänien ab 1.-7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 6 Fr. Tschecho-Slowakei 35 Kronen; Ungarn Pengö 5 ab 1.Juli 1927; Dänem rrk 3.80 Krön; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 8.50 «ron. Einzelnummer dreißig Goldpfennige.__ , Der Israelit erscheint tede« Donnerstag. Inserate 53 Goldpf. für die fiebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Familienanz» 1 ge« nur 40 ipf. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Tertsette 2— Mk„ vorletzte TexisUke 250 Mk.; Ehiffregebühr in Höbe eines vopp. Fernd-iefoortos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnferatenannahme durch de« Verlag des Israelit G. m. b. H., Frankfurt u. M„ Rechneigrabenftratze 7, . Tel. Hansa 6848 sow. durch sämtl. Annoncen-Erped. des In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. furFrankf. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt. Langestr. 7, n, Tel. Hansa 4341. Platzvorichr. ohneBerbindltchl. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Uv. 19802. — 21 ... .r.. - _ -7 _ Postscheckamt Zürich Nr. VIII 7254 — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34889 — Böhmische Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79805. - Postsparkassenamt Budlwest Nr. 18 424. -Postscheckkonto " " ' " ' c Uittottbanl lit — ßanca Maraarosch Blank & Co. ttt Die materielle Lage des Rabbiuerstandes in Rußland. Die materielle Lage des Rabbinerstandes war seit jeher von dem wirtschaftlichen Zustand der Gemeinden bedingt, da die. Rabbiner keine selbständigen Einkommenquellen besitzen und auf die Einnahmen und das Gehakt, welches sie von den Gemeinden beziehen, angewiesen sind. Es ist daher verständlich, daß zu einer Zeit, wo die ganze jüdische Bevölkerung vonden politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen schwer betroffen wurde, der jüdische Lehrstand'in erster Reihe darunter gelitten hat; so sind die Rabbiner in Rußland ebenso brotlos wie ihre Gemeinden. Aber außer der allgemeinen Armut leiden die Rabbiner in dieser schweren Zeit noch doppelt unter der negativen Beziehung des Sowjetstaates überhaupt, und insbesondere der jüdischen Sektion der kommunistischen Partei zu der religiösen Führerschaft des Volkes. Infolgedessen sind die Rabbiner ökonomischen Maßregelungen ausgesetzt und haben unter einem besonders schweren wirtschaftlichen Druck zu leiden. Die weiter gemachten Ausführungen basieren auf Beobachtungen, die während längerer Zeit in Rußland gemacht worden sind und auch auf den Angaben, die Briefen aus russischen Rabbinexkreisen entnommen sind. Diese Briefe schildern die Lage in verschiedenen Kreisen Weißrußlands, der Ukraine und der zentralen Republik; sie sind aber charakteristisch für die Lage in allen mittleren und kleinen Städten, denn die Ursachen des Mißstandes sind überall die gleichen. ' 1. Wie leben die Rabbiner? Aus allen Briefen der Rabbiner atmet die unerträgliche Schwere ihrer Lage; man' ersieht aus denselben, welch schweren wirtschaftlichen Kampf um das tägliche trockene Brot diese Leute auszustehen haben. Kein einziger von ihnen weiß, aus welche Weise er am nächsten Tage Brot für seine Familie verdienen wird. Trotz ihrer großen Anspruchslosigkeit gelingt es ihnen doch nicht, das Notwendigste aufzubringen. Auszüge aus diesen Briefen sprechen» eine deutliche Sprache: „Es handelt sich um die Rettung unseres Lebens, es ist unbeschreiblich, welche Qualen der Armut wir und unsere Familien auszustehen haben." Es fehlen Worte, um die traurige Lage der Rabbiner und die moratischen und materiellen Unterdrückungen, denen dieselben ausgesetzt sind, zu schildern. „Ich habe bisher noch nie, seitdem ich als Rabbiner einer jüdischen Gemeinde vorstehe, versucht, um Hilfe zu bitten." „Die Einwohner meiner Gemeinde befinden sich in einer derartig traurigen Lage, daß sie, ungeachtet ihres guten Willens mir zu helfen, einfach nicht imstande sind, es zu tun." Diese soeben genannten Auszüge beziehen sich nicht nur auf diejenigen Rabbiner, die diese Briese geschrieben haben, sondern sie.sind maßgebend für die traurige Lage des gangen Standes. Alle Rabbiner sind den schwersten Leiden und dem Hunger ausgesetzt. Ein früherer Rosch-Ieschiwa aus Slutzk erzählt von dem traurigen Los der besten Zöglinge dieser Jeschiwa, die alle von Armut und Mangel am Allernotwendigsten geplagt werden. 2. Die Teuerung. Die Verpflegungsverhältnisse sind in diesem Jahre in Rußland besonders ungünstige: Brot und andere Lebensmittel sind nur in ganz kleinen Mengen in den Städten vorrätig. Im Zusammenhänge damit herrscht eine allgemeine Teuerung, die allernotweNdigsten Waren sind nur dann erhältlich, wenn man darnach stundenlang in der Reihe steht und wartet; und dann erhält jeder auch nur eine begrenzte Ration. Die Rabbiner, für welche die Türen der Arbeiterkooperative geflossen sind, leiden besonders unter den schweren Verhältnissen. Wir entnehmen einem Briefe aus Weißrußland folgendes: „Bis zu diesem Sommer hat man gelebt und die Möglichkeit gehabt, sich satt zu essen, jetzt jedoch müssen wir, infolge der Teuerung, das Allernotwendigste entbehren." Das gleiche Motiv wiederholt sich in allen Briefen. 3. Das Einkommen^ Das normale Einkommen eines Rabbiners in den mittelgroßen und kleinen Städten Weißrußlands und der Ukraine variiert zwischen nichts und 50 Rbln. Früher hatten die Rabbiner verschiedene Cinkommenquellen: die Hauptquelle waren das Gehalt und verschiedene Monopole, wie z. B. Licht und Hefe und außerdem auch noch das Einkommen von der „Koscher-Schechita". Was ist jetzt aus diesen Einkommenquellen geworden? Daß die früheren Monopole nicht mehr bestehen, ist klar, da in jedem Städtchen Halbstaatliche Arbeiterkooperative bestehen, die es sich als Verdienst anrechnen, wenn sie dem Rabbiner die Quellen zum Lebensunterhalt seiner Familie entziehen können.' Auch der frühere Hauptposten des Einkommens — das Gehalt — hat versagt, denn es existieren keine Gemeinden mehr im früheren Sinne, die den Rabbinern Gehalt zahlen können. Diese Gemeinden sind von der Sowjetgesetzgebung gänzlich aufgelöst; das, was als religiöse Gemeinschaft von der Sowjetgesetzgebung noch geduldet wird, ist ein mittel- und.rechtloses Gebilde. Zum Unterschiede von privaten Gesellschaften besitzt die Religionsgesellschaft weder das Recht einer juridischen Person, noch das Recht der Benutzung eines eigenen Siegels. Diese Gesellschaft hat kein Eigentumsrecht, alles Eigentum, das den früheren Religionsgemeinden gehört hat, ist jetzt als Volksbesitz enteignet. Es ist verständlich, daß keine Gemeinde unter diesen Umständen ihren Rabbiner aushalten kann und derselbe ganz auf die opferwilligen Beiträge der Gemeindemitglieder angewiesen ist. Auch mit der Schechita ist es anders geworden: die Schechita war früher einer strengM Kontrolle der Gemeinde unb des' Rabbinats unterworfen, die sich insbesondere auf die rituelle Seite bezogen hat. Jetzt, mit der Entrechtung der Gemeinden und des Rabbinats, herrscht eine gewisse Unordnung in den Schechita-Derhältnissen. Wandernde Schochtim kommen in eine Stadt und „schächten", ohne das Rabbinat um Erlaubnis zu fragen; es „schächten" auch solche Personen, die als unzuverlässig bekannt sind. Schochtim dieser Art erfreuen sich selbstverständlich der weitgehendsten Unterstützung seitens der Jewfektion: sie werden mit Koscher-Fleischlieferungen für die Arbeiterkooperative betraut. Alles dieses macht auch das Schechita-Einkommen der Rabbiner illusorisch. Bezeichnend für die Zustände in Rußland ist, daß ein früher allerorts übliches Einkommen — die Belohnung für die Ausübung der Trauungszeremonie — jetzt allmählich verschwindet, denn die Rabbiner nehmen dafür keine Bezahlung mehr, um nicht einen Vorwand für das Ueberhandnehmen der Zivilehen zu liefern. Schließlich ist der größte Teil der Rabbiner, um sich selbst und ihre Familie am Leben erhalten zu können, darauf angewiesen, eine freiwillige Unterstützung in der Form einer wöchentlichen Gabe, die unter den Gemeindemitgliedern gesammelt wird, entgegen zu nehmen. Es wird eine Liste der Personen, bie sich diese freiwillige Steuer auferlegt haben, zusammengestellt und jede Woche gehen zwei Leute in der Stadt umher und kassieren das Geld ein. Die Liste

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