Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1929)
- Date
- 1929-01-31
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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' ' U. Mr Prmz und fein Opfergang. Eine tragische Geschichte nach alten Urkunden. - - t8°ktsetzung). , V. . .. .. ausidaß WDaS lnHir^DiUDHeitlöerjäüfnte md}= yotef ui#^^n:v1gafe•;^^cm%tner SS^ttte ftött.' Sn. wsnfgM MohMn war er in Die ötsten Gruttd- VKgtls^^er Kdisä^en Lehre-erngedrungen. - he mehr, m sich' m/däs Studium pertiefte,, um. so höher stieg in ihm Die Wamme der Liebe für die NölMe''WliAM'Äch-s^ Er7sah W Wahrheit Wld ^eMlZWöe.UMd her Menschen Gluck,-, des . Le- .bens <SiM und . Zweck, wonach er stets vergebens .DieReise Lurdeauss beste und sorgsamste gesucht, . er fand all dieses in der - neuen -Lehre. 'Als L'r'sich soweit fühlte, gmg er zum Rghchörb ereitet. Die Fürstin selb er . üb erw achte alle Vorarbeiten, damit es an nichts fehlet. Einige Freunde von hohem - Adelaus der Umgebung des Hofes begleiteten ihn. Keiner von ihnen hatte eine Ahnung von dem, was in des Prinzen Herzensschreine ruhte, als er der Mutter zum Abschied den-letzten Kuh gab. Aus dem Wege war der Prinz so frohgemut und voller , Lebenslust, daß kein-em etwas Besonderes auffiel. Sie fuhren. lange Wochen, bis -sie nachdem Elsaß -gelangten, wo ein Graf, der dem Tyrnauer Schloß sehr befreundet "war, die Herrschäft in Händen hatte. Der Graf von Elsaß nahm den Prinzen mit größter Freundlichkeit auf. Es wurden Bälle bmed' der' kleinen Gemeinde, 'vertraute' .sich ihm, an und bat, daß er die. Beschneidung an chm vollziehe,- Der Rabbiner, die ehrliche und. aufrichtige Ueberzeugung des Fremden einsehend, hatte keinen . Grund, seine Aufnahme ins Judentum .zn verweigern. .. . - Nun glaubte er sich innerlich und äußerlich genug verändert, um die Rückkehr nach Tyrnau zu wagen, Keiner, so glaubte er, würde in ihm mehr. den. Prinzen von früher suchen, und, erkennen. - .- - - ‘ ■ _ So kam der Prinz in die Heimat zurück, nicht auf stolzem Rosse wie früher, in, blinkender Rüstung und. mit. einem-Säbel in. silberner Scheide. Zu Fuß zog er durch das. Stadttor ein, ein armseliges Päckchen auf dem Rücken, in lan- und Feste ihm zu Ehren gefeiert. Einmal gingen,.A^' verschlissenen Kleidern wie man die armen sie zusammen auf die .Jagd. Auf diese Gelegen- Jeschiwojunger. zu sehen pflege. heit hatte der Prinz gewartet. Er trennte sich -im. gegeheuen,. Momente von seiner .Gesellschaft, Er ging geradeaus zum Rabbi und in das Lehrhaus. Er sah von einiger Enfternung um einem angeschosseyen Reh nachgusetzen, Jn iEhanUa, aber gab sich zunächst sticht zu erken- Wahi-heft . ließ -er aber das Tierlaufen,, ent-Inen, sondern meldete stchWenn Rabbi als em fernte>.<fich nach einer andern Seite und-ver-junger, der gerade aus Polen herkam, um zu schwand.'im-^'Gebüsche, ohne wieder sichtbar zu Füßen des Rabbi unter den anderen Schülern werden-.--~r\'. ''; fden Talmud zu studieren. .. In der-Gesellschaft' trat große Beunruhigung Nach kurzer Prüfung nahm ihn der Rabbi ein. Die ganze Nacht und die folgenden Tagei aus und wies ihm das Haus eines reichen Mansuchten sie nach dem Prinzen, es war keine Spur-aes an, der, nach damaliger Art, willens war, von ihm zu finden. Es stand für sie alle fest, daß ^em fremfcen Bachur Kost und Logis zu gefich der Prinz im dichten Wälde nächtlicher Weise verirrt hatte und von wilden Tieren angefallen und aufgezehrt worden sei. In unsäglicher Trauer kehrten die Begleiter nach Tyrnau zurück und überbrachten der Mutter die erschütternde'Kunde. Die Fürstin war nahe daran, vor Schmerz die währen. Nicht so sehr mit der Materie bewandert und oft mit technischen Schwierigkeiten ringend, lernte der Jüngling.mit einem unvergleichlichen Fleiße und Eifer den ganzen Tag Und auch einen Teil der Nacht. Lob und Bewunderung wurden ihm voyseiten der Lehrer und Mitschüler zuteil. Seine Sinne zu verlieren. Die Begleiter wurden alle.l§°rts«r!»-.w«Men zusehends mit jedem Tuge samt vom Hose verbannt. Im ganzen Lande >§L-," fotnett, bet reicfje SRann, bet: .fein herrscht- Trauer um den Prinzen, den mm. S°L schloß, hm r,e Hund sem-r^emliebte und un den ntun große Hoffnungen knüpste. >f Tochter unzub-etem Der Rabhi, der Abrcu Jn-beturderdie JudengemeinLe weinte ehr ich s° nannte sich der fremde Bachur - IM um den Mann, von dem man wußte und er^ustr°S° des reichen Mannes darum ungmg, wartete, daß er spater auf dem Throne die »--> chm keine klare Antwort. Er sagte den menschlich behandeln würde. Man war um!"1"/“ °nn° mach n.cht daran denken, -rchab- -tne Hoffnung ärmer und betete in der Synagoge ”ieI 3« («nen un!. sonst nach mancherlei für sein Seelenheil. Channa verfiel seitdem in eine Melancholie, Aufgaben zu lösen. Da dachte der Rabbi an seine eigene Tochter und sprach mit Channa. Channa aber weinte, dre sich keiner erklären konnte. Auf Befragen jgeigte sich abwesend und abweisend. Sie könnte gab ste gar keine oder nur verworrene Antwor-ih^^ ^^tz^ Manne nie und nimmer die Hand ten. Der Vater versuchte, sie der Ehe zuzufuh- Wichen. Sie hatte ihn auchbis dahin nicht ger^n, aber Channa wies alle Bewerber ohne, sehen und wollte ihn nicht sehen. Warum? Das Grund ab und ließ^sich nicht erweichen. Jetzt,!wollte, das konnte sie nicht sagen da der Prinz ihres Herzens tot und eine Gefahr nicht mehr vorhanden war, spürte sie und gestand sich auch ein, wie tief und heiß sie ihn liebte. Sie weinte um ihn und betete für ihn. Der Prinz war aber, wist wir bereits wissen, nicht den wilden Tieren zum Opfer gefallen; tot war er nur für seine Mutter und die Welt. Er lebte und war glücklich, hinter dem Rücken des Hofes und der Menschen, die den Prinzen in ihm suchten, seinem neuen Ziele entgegenzustreben. Lange wanderte er durch Städte und Länder, bis er endlich ein jüdisches Dorf erreichte, wo er sich als Jude ausgab,, der unter Nichtjuden geboren und erzogen wurde. Er bat die Dorfjuden, ihn im Gesetze Der Väter zu belehren, Er aber, Emmerich-Abraham, sah zuweilen Channa, bewunderte'ihre Schönheit und ihren Liebreiz, fühlte sich wie von einem höheren Strahl berührt und erwärmt bei ihrem Anblick, konnte und durfte aber noch nicht reden. Er wartete mit Spannung und Herzweh auf die erste Gelegenheit. Und sie kam rascher, als er dachte und glaubte. Es war gerade ein kleiner Festtag, der fünfzehnte Schewat, Da es im Lehrhaüfe üblich war, am Nachmittag Die Folianten zu schließen und sich bis in die Nachtstunden froher Geselligkeit hinzugeben. Dazu pflegten auch die Frauen und Mädchen von Tyrnau zu kommen, um in ihrem festarmen Leben auch einmal von der Ferne einige Fröhlichkeit zu sehen und mitzuerleben. Auch Channa ließ sich von ihren j : mit ihnen in- Den 'MA '.benraum des LehHaü^s zu gehim, Chanim aher chielt es nicht bei ihren. Fsstun- NMen^.?WW'renh7:D^H ganz Der Freude und dem -Genießen hingegeben wären, stand,sie äbi> seits, WwWW-m PrWme stersimkerti Wiervurde sie aber 'plötzlich. aüS' diesen Träumen gerissen, als einer-ber' ThoraKnger- Derschlanke Mann, von -dem siesikß>L Manches^ gehört hätte,, tzanz dicht neben' ihr -stand,.Daß sie .feinen' Atem verspürte und. ihr wie Windeshauch ins Ohr. flüsterte: „Channa, Emmerich -chill mit Dir unter vier Augen sprechen." -7 - . ' - Wannä--chär.''rvie '.von '.'-einem' BlitzMäg getroffen Was sollte Dieser Name? Emmerich lebte ja nicht mehr und den Töten durfte -sie lieben. Oder sollte er noch aM Leben sein? Was wußte dieser fremde Jur gling davon? Woher kannte er den Namen? . Wie konnte er das Ge-- heimnis ihres Herzens, stxsah Da sah sie aber dem. Fremden ins Gesicht und schrie in jähem Schreck und im Glücke zugleich auf: ■ \. ' ' -x „Emmerich, Du bist es, Der Prinz." - 4 Die jähe Ueberrafchung und Die wehmuts-- vöste Liebe, die ein paar Jahre in ihrem Herzen ZU Dem „Toten" faß, ließen sie alle Vorsicht und Zurückhaltung vergessen, die sie früher dem lebenden. Prinzen gegenüber beobachtete. Sie erschrak über sich selber, aber sie.wiederholte doch-: .„Emmerich, Du lebst!" ' „Nein," sagte der Jünglings „nicht mehr Emmerich, A b r. a h a m heiße ich." . Als die Andern im großen Lehrhause ihren Reigen aufführten, standen..sie im kleinen Nebenraume ganz allein.- Er warf den Mantel von sich ab und sie Wh ihn. Lieder .wie früher, in strahlender Gewandung, - nichts, hatte sich geändert. „Mein Lebensretter!" schrie sie auf. - „Geliebte meines Herzens," gab' er zurück, „Dir danke ich die Rettung meiner Seel e." Und nun 'erzählte er alles, was . er. in der 'Zwischenzeit erlebt und .erfahren hatte, und-daß | er jetzt Jude unter Juden sei, Arbeter des gleichen Gottes wie sie, und daßmichts dem im Wege stehe, daß sie sich nun in jüdischer Ehegemeinschaft ' sändey und die Flamme an der' Flamme entzünde. ■ .. j „Und nur um ^meinetwegen hast. Du alles, Glanz und Glück und . königliche Zukunft, von jDir geworfen?". „Nicht ganz so," sagte Abraham. „Den ersten ^Anstoß bekam ich wohl von Dir. Aber die Liebe zum Judentum und zur. Thora steht unabhängig! davon und glüht in mir als Licht für sich. Je zweiter und tiefer ich in-die heilige Lehre ein-! drang, um so fester klammerte ich mich an den Gott. Israels und an sein Volk, dessen Angehöriger ich nun bin und ewig bleiben werde. Ich .werde^ Jude, unter Juden bleiben, auch wenn :Du mich von Dir weisen solltest.- Ich würde dann, einsam und verwaist, erst recht meinen Trost in der heiligen Lehre suchen und vielleicht auch finden." „Eine tiefe j ü d i s che Seele, ich Hab sie schon immer erkannt," sagte sie: „Du hast sie wieHein rettender Engel aus der Tiefe gehoben, zur Höhe, zum Licht," gab er zurück. Noch am gleichen Abend erfuhr Rabbi Äizchok Eisig aus dem Munde der Beiden den ganzen' Sachverhalt, erfuhr, in welcher Lebensgefahr sein einziges Kind damals geschwebt hatte, wer ihr Retter war und wozu ihn diese Rettungstat trieb. (Schluß folgt.) Eine Jtal'enreise. ii. Von der neuen Jeschiwah in Italien begann ich zu erzählen. Man kann die Gründung dieser Thora-Hochschule gar nicht hoch genug bewerten. Nach Jahrzehnten sollen in Italien wieder Lomdim erstehen, eine Renaij-