Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1929)
- Date
- 1929-01-31
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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fmg^m Seite 12. Rr. 6 Det 3 s r«eiß4 31. Januar ISA -le Höhen der Sittlichkeit und Glüubigkeit ahnen, dann könnten wir auch unsere. Zeit erretten, so wie er es getan! > An Tenach bildete sich seine DarsteÜrmg der Grundbegriffe, sein Forschen nach den Grund- -wahrhetten des Äudenkume. Ob Hirsch wohl, als er nun bald vor 100 Jahren seine „19 Briefe" tn die Welt schickte, als Fühler aus dem Dunkeln -vorgestreckt, ob er wohl ahnte, daß noch ein Jahrhundert später dieses dünne Werkchen jedem der es lieft; Gewaltiges bieten wirb; daß feine Ideen Ewigkettswert besitzen. — oder: »nicht seine Ideen — denn diese sind ja alt, nichts anderes als die Ideen der Tauroh — sondern seine F o rm u l i e r u n g der Ideen; wie all die Begriffe, wie Gottesdienertum, Zeitlosigkeit des Gotteswortes, Sinn der Mizwaus, Aufgabe Israels, Verpflichtungskraft der Tauroh, Geschichtsbetrachtung Jisroels und noch vieles andere Gedanken sind, die uns schon in Fleisch und Blut eingedrungen sind. Wer kann die „19 Briefe" ohne Bereicherung seines Denkens lesen? Gedanken, von keinem je wahrer und klarer ausgesprochen. Können solche Gedanken aufhören, zeitgemäß zu sein; kann die Wahrheit aufhören, aktuell zu sein? Aber da hören wir so oft in unserer Gegenwart den Ruf: „Wir sind dochnix» fromme Juden, halten die Mizwaus und lernen Thora, wozu das Fußen auf reinen .P r i n z i-p i e n? Praktisch wirke Dein Judentum". Aber muß man sich nicht völlig klar sein über die Grundlagen unseres Seins? Wahrheit und Klarheit ist notwendig. Felsenfest muß der Boden sein, auf dem wir aufbauen, sonst schwankt das Gebäude, sonst wissen wir nicht Stellung zu nehmen zu den Gegenwartsfragen unserer Zeit. Wie anders ist es zu erklären, daß so Viele, die doch cpkt> v'vbVi sind, in unsrer Zeit in andern Lagern, die nicht unsere, die nicht Gottes Lager sind, sich finden? Wie anders, als daß eben diese Grundwahrheiten des Judentums nicht Klarheit in ihnen gefunden haben. Nicht hier Prinzip, hier praktisch wirkendes Judentum ist die richtige Charakterisierung. Hier klar und fest fundierte Weltanschauung und hierm^vn nvann v'vw nmv ohne daß der Verstand sich völlig klar geworden über die Grund Wahrheiten, d a s ist die Charakterisierung. Man kann nicht *hi,t sein, ohne zu wissen, was I i s r o e l sein heißt, was Jude sein bedeutet und von uns verlangt, was Thora uns ist. (Fortsetzung folgt.) Die Woche. Die Aguda ln der „Or1"Ausskellung. Eine große Anzahl von Herren und Damen traf sich auf Einladung der Agudas Iisroel-Jugendgruppe am Montag abend in den Räumen des „Kaufhaus Hansa", um die O r t - A u s st e l l u n g zu besuchen. Der Besichtigung ging ein kurzes Referat des Herrn Redakteur S. Schachnowitz voran. Er erläuterte die Grundgedanken, aus denen heraus der „Ort" geboren ist und die feine Arbeit geleitet werde. Sie sind dem jüdischen Denken und Fühlen nicht fremd. Auf die Frage übergehend: Wie sich der „Ort" zu Religion stellt und, was damit eng zusammenhängt, wie wir uns zum „Ort" zu stellen haben, weiß der Referen-t auf Grund authentischer Berichte einiges mitzuteilen. In Sowjetrußl a n d ergibt es sich von selbst, daß die vom „Ort" herangezogenen und geförderten Handwerker und Landwirte viel eher und besser der Religionsverfolgung standhalten können, als der Handelsmann in der Stadt, dem der Sabbat und dessen Kindern die Chederschule genommen werden. In Litauen und Lettland stehe die Orthodoxie sympathisch dem „Ort" gegenüber, während in Polen und Galizien Verhandlungen im Gange' sind, eine gedeihliche Zusammenarbeit in die Wege zu leiten, und zwar auf der Basis, daß von der Orthodoxie selbst Handwerkerschulen gegründet und geleitet werden, 1 die bei voller Wahrung ihrer Autonomie vom „Ort" unterstützt werden. Dem Referate schloß sich dann die Besichtigung an. Unter der geschickten und sachkundigen Führung^ des „Ort"-Sekretär, Herrn Schweizer, ging man von Auslage zu Auslage und bewunderte die hohe Kunst der Heimarbeit und die hochwertigen Erzeugnisse der Schreiner- und Schlosserwertstatten. Kraft ubdArbett sprechen aus jeder Ecke dieser Wanderausstellung. Dt« Ausstellung packt «rn und. segelt mit all ihrem Kram nach Amerika hinüber^ Möge «r „Ort* dort all den Sympathie« begegnen) die er hier in Europa mit der Schaustellung seiner Erfolgegefunden hat, . Neues ans der Agirdas Iisroel-Ittgenvgruppe. Der Gemoro-Schiür des Herr«' Dr; - E - r m an« (Traktat Sebachim) findet nunmehr wieder regelmäßig Montags bis Freitags nach Schluß der. Synagog« im Sitzungszimmer der Israelitischen Religionsgesellschaft statt.. ' /'! Für Me Mädchmgrüppe findet regelmäßig Freitag abends von 8—9 Uhr eine Arbeitsgemeinschaft bei Herrn Dr. Ehrmann, Hanauerkandftr, 15, statt. Dieser Arllettsgememfchaft ist der Kursus über jüdische Klassiker" cm» geschloffen. ‘ ‘ " > Unter Leitung eines bewahrten Lehrers beginnt demnächst ein hebräischer Sprachkursus. — Jntereffenden wollen sich an Herrn Julius Schwabacher, Hölderlinstr.. 5 wenden. . Chamifcho-ofchor-Feier in der Hermann Lehnümn-Schule. Am Donnerstag, den 24. Dezember, hat die Jüdische Fräuen-Vereinigung für die Schüler und Schülerinnen der Hermann Lehmann-Schule in Offenbach eine Chamischo ossor-Feier veranstaltet. Dank der freundlichen Aufmerksamkeit einiger Damen des Vorstandeswiesen di« festlich gedeckten Tische alles auf, was -sich das Herz eines Kindes nur wünschen. mag. Herr Lehrer Th. G u t t m a n n hielt eine Ansprache, in welcher er in ausführlicher und herzlicher Weise die Bedeutung des Chamischo ossor in früherer und. unserer Zeit erörterte. , Wie draußen in der Natur der Boden im Frühling bestellt werden müsse, damit er im Sommer Früchte trage, so müßte auch bei den Kindern die Arbeit im Frühling ihres Lebens, in der Jugend geleistet werden, damit sie im Sommer ihres Lebens von den Früchten genießen könnten. Im Namen des Borstandes der Jüdischen Frauen- Veremigung dankte die Vorsitzende, Frau Besthoff. Eine Dame vom Vorstand, Frau Hedwig Kramer, gedachte des vornehmen Gründers der Schule, Hermann Lehmanns W. zu dessen ehrendem Andenken sich alle Anwesenden von ihren Plätzen erhoben. Nun kamen die Kinder zu ihrem Rechte und bewiesen durch deutliches und schönes Sprechen der Brochaus über die verschiedenen Fruchtarten, die die Damen des Vorstandes so reichlich gespendet hatten, daß sie die Worte ihres Lehrers beherzigen. Die Erinnerung an die Feier wird bei unseren Kindern noch lange lebendig bleiben. Juden und ihre Gegner. Die „Zionistische Woche" schloß mit einer Kundgebung „Juden und ihre Gegner", einem Thema, das in der vorhergehenden Woche bereits Arnold Zweig unter der Überschrift: „Antisemitismus" behandelt hatte. Es war wohl bei dieser Problemstellung die Absicht der Veranstalter, aufzuweisen, daß auch der Zionismus sich die Bekämpfung des -Antisemitismus angelegen sein lasse, daß also etwa Zentralvereinler für diese Aufgabe auch innerhalb der nationaljüdischen Reihen wirken könnten. Der erste Redner, Dr. Nachum G o l d m a n n, beleuchtete im wesentlichen die Situation der Juden in Osteuropa und Amerika. Die Geschichte des Ostjudentums fei eine Bestätigung der ziomsttfchen Auffassung von der Unkialtbarkeit der Galuthexistenz. Die jungen Völker der russischen Nachfolgestaaten emanzipieren sich und drängen die Juden aus den wirtschaftlichen Funktionen heraus, die sie bisher innehatten und die nunmehr die Wirtsvölker selbst übednehmen wollen. So werde die kulturelle Eigenart des Ofttudentums langsam zerstört, um einer fortschreitenden Assimilation Platz zu machen, gegen die alle bewußt-jüdischen Parteien Front mackM j muffen. Auch in Westeuropa sei heute die Assimilasion gefährlicher als se, weil die Reservoirs des russisch-jüdischen Kulturblocks erschöpft feien, der Block selbst zer-; schlagen sei. In Amerika sei der Antisemitismus noch latent, weil das amerikanisch» Judentum noch nicht recht in das Volksleben eingegliedert sei. Doch gerade Amerika fei gezwungen, um die Mischung aus so verschiedenen Kulturen zusammenzuschweißen, gegen kulturelle Eiaenart und Sonderentwickkuny sich zu wehren, so daß auch dort die Gefahr der Angleichung drohe. Die Folgeruna aus dieser Situation ergibt sich für Goldmann natürlich in der Notwendigkeit palästinensischer Masiensiedlung. Die Unruhe und Angst des Nichtiuden vor einem Volke ohne Land, ohne geschlossene Kultur. könne wcht durch Literatur, sondern nur durch realisiertes jüdisches Leben wirksam bekämpft werden, d. h. durch Aufbau eines jüdischen Palästina.! Der zweite Redner des Abends. Herr Kurt Blumenfeld, verstand es zunächst. in schlagender Weise die Störungen durch antisemitische Radaubrüder abzuwheren. Er zeichnete im übriaen die geistige Haltung des Juden geaenüber der feindlichen Umwelt. . Man sieht sich beinahe schon in dem Lichte der Anderen und fängt an. dem Gegner zu glauben, weil man seines eigenen Wesens nicht sicher ist. Jeder denkende Jude suche dielen Kern seines Andersfe'ns. Der Zionismus wolle die Unbefangenheit wieder schaffen, die die Juden des Mittelalters im Bewußtsein ihrer kulturellen Ciaenexistenz besaßen und die sie befäbigte. allen Angriffen gegenüber ihr eigenes Wesen durchzusetzen und ihre Sonderart zu bewahren. Man merkt: die Parallele zu den Ausführung«» Zweigs, der auch gerade die mittelalterliche Geschloffen» Mt und Unbefangenheit als Ideal.zeichnehr.' Es gilt fomitauchfür Blumenfelds Gedankengang dMetbck' wd» zu Arnold Zweigs Rede hier yeftgt wurde: Fur'iuia ergibt sich die Folgerung,? daß «UnHasftlb«, was die Ghettvjuden in .ihrem Kämpft gestärkt hat, das mdttck« ryeg'te FesthalSen an Wr wahren jWfchenKuMir. <m der'durchdie Thorq bedingten Eigemexistenz, die emzi«, MchMch bewiesene Garantie fürE Mw^rungder,Hbischen Sonderart ist. Mso nicht - Palästina allein mtt ■ .irgendwelchem kulturelle«, -Jnhakt, den man als judisch bezeichnet, ohne genaue Porstzellung von ihm zu haben, osndern eine wahre Renaissance der Thorakultur im ganzen Galuth, mit Palästina als kulturellem Mttelpunkt ist das Mittel gegen Assimilation der Einzelnen und der Gesamtheit. - ./ ' i . Zu bemerken ist noch, daß eine Abteilung Hitter- Mnger, die den Ausführungen nicht fö recht zu folgen vermochte^ bisweilen zur Uederwindung ihrer tödlichen - Lange.WeÄe in Johlen und Pfeifen augbrach, um ft. die kulturelle Eigenart ihres geifttgen Mveaus zu kennzeichnen, was ihnen auch durchaus gelungen ist . . . Als sie nach Bersammlungsschluh auch die Straße zum Schauplatz ihrer Geistigkeit machen wollten, wurden .leider ihre geistigen Führer durch Polizeigewalt zur nächsten Wache geführt. ' Dt Ä. Jakob Schwarzfchild Am n«ns raw aiy beendigte Bankier Jakob, Schwarzfchtld b-xr in London sein Dasein hier auf. Erden, um zur Welt des ewigen Lebens heimzukehren. Jakob Schwarzschild, von Geburt Frank» furter,. ging als 17 jähriger Jüngling nach London.. wo er sich nach den Vorschriften des Judentums ein Heim gründete. Er war ein in den weitesten, Kreisen. Londons ^— besonders in den jüdischen — geschätzter Makler; und in der „Stock Exchange" war er eine geachtete Persönlichkeit. Er war der älteste Sohn von Isaak Schwarzschild *»~steiner nicht unbekannten Persönlichkeit in unserer Kehilla zur Zeit des ersten großen Rabbiners. Isaak Schwarzschitd war bekanntlich neben dem unvergeßlichen Abraham Schwarzschild -"st, Inhaber des bekannten Bankhauses I. A. Schwarzschild Söhne, das noch heute besteht. Der Verstorbene entstammt einer der ältesten jüdischen Frankfurter Familien, die seit dem Jahre 1499 hier ansässig ist. rrasim Abendveranstaltung des Indischen Frauenbundes. Eine gutbesuchte Veranstaltung des Jüdischen Frauenbundes, dex in diesem Winter ein umfangveiches Programm durchzuführen gedenkt, wurde durch die Ausführung eines Kreislerschen Musikstückes (Klavier: Frau Klärchen Wohlfahrt, Violine: Frl .Gustel Hirsch) einge- >bettet. Frl. Bertha Pappenheim las sodann die „Legende von Rabbi Chanina", eine Erzählung aus einem mittelalterlichen Ma'asiebuch, in der jüdische Motive und äußerjüdisches Märchengut in naiv-urwüchsiger Art miteinander verwoben sind. Durch die Wahrung der mittelalterlich-jüdischen Originalsprache erhielt die Vorlesung einen eigenen Reiz. Außerdem wurde sie durch ein Schattenspiel unter Lettung von Fritz Schames sowie durch Musik (von Max Reumann) wirksam untermalt. Jüdische Erwerbslofenfürsorge. Die am 19. ds. stattgefundene, gut besuchte jüdische. Erwerbslosen-Bersammlung faßte folgende Resolution:: „Die am 19. Januar .1929 tagende jüdische Erwerbs--., .losenversammlung.verlangt, daß -hi« unwürdige Be-" Handlung und Jntevessenlosigkeit der jüdischen Ge-- schäftswelt gegenüber den jüdischen Erwerbslosen und dem jüdischen Ärbeitsnachweis,. sowie der ihr angegliecherten Schreibstube aufhört. Wir können dies nur durch die nicht genügende Propaganda des jüdischen Arbeitsnachweises^ erklären. Wirverlangen deshalb bevorzugte Inanspruchnahme des jüdischen Arbeitsnachweises, sowie die Bereitstellung genügender Mittel zum Ausbau desselben. Die jüdische Gemünde und die jü- ' dischen Firmeninhaber haben die moralisch« Pflicht, das Elend und die Not durch Gewährung von Arbeit zu lindern." Lessing-Feier. Am Montag den 4. Februar, 8.30 Uhr pünktlich findet in der Frankfurt-Loge, Eschersheimerlandstr. ein Lessings - Gedächtnis - Abend statt. Ueber „Lessing und die jüdische Welt" spricht Herr Dr. Arthur S a k h e i m. Sodann folgt. Verlesung aus Lessings Schriften von Dr. Eduard Strauß. Ein Arbeiksjubiläum. Am 2. Februar ds. Js. kann Herr Heinrich Diefenbach auf eins ununterbrochene 50jährige Tätigkeit bei der Firma I. Kauffmann Verlag, Schillerstr. 19, zurückblicken. Am 2. Februar 1879 trat Herr Diefenbach bei der genannten Firma ein und ist seitdem bei ihr als ' Packer vorbildlich an Fleiß, Tüchtigkeit und Treue tätig. Der im Alter von 72 Jahren stehende Jubilar geht noch, heute mit ganz besonders bemerkenswerter Rüstigkeit feiner Beschäftigung nach und erfreut sich bei feinem. Arbeitgeber wie bei seinen Kollegen der größten Veliebtheit.