Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1929)
- Date
- 1929-01-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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w VN MW wwm. Seite 8, Nr. 5 D e r, I s x a e .l t L 31. Januar. 1929 Juden von. der.ihnen durch Britannien gewährten. Fxertzeit den richtigen Neßrauch/machest werden. Auf die Frage-eines. Stadtverordneten, wie-es um die Beschäftigung jüdischer Arbeiter beim Bau des Hafens von Haifa bestellt ist/ erwiderte Chancellor, die Regierung wende dieser Angelegenheit ihre volle Aufmerksamkeit zu. . . .. Begrüßungsempfans beim neuen high Lommissioner. Jerusalem, 14. Januar. Der neue Hochkommissar Sir John Chancellor empfing — wie bereits kurz gemeldet — heute die Begrüßungsdeputation der Gemeinde des Waad Hair Aschkenasi und der-Land-esorganisation der Agudas Jisrael. Die nahezu zweistündige Audienz hatte einen freundlichen intimen Charakter und umfaßte eine ausführliche Erörterung der mit dem Jnslebentreten des neuen Gemeindeges-etzes verbundenen Fragen. Unter Führung des greisen Oberrabbiners Sonnenfeld waren erschienen: Rabbiner I. Horovicz, Rabbiner M. L. Bernstein, Rabbiner Jungreis, Rabbiner M. Blau, Josef Fetter (Tel- Awiw), Abr. Weinberg (Tiberias) und I. Barfel (Saffed). Oberrabblner S o n ne n fe l d richtete herzlich« Begrüßungsworte an den neuen Hochkommissar und segnete ihn, daß seine Regierung im Zeichen des Rechts und der Milde eine glückliche und erfolgreiche Wirksamkeit zum Wohle des Landes und aller seiner Bewohner entfalten möge. Nach einigen Dankesworten des Hochkommissars richtete Rabbiner I. Horovicz an Sir John Chancellor folgende Ansprache: „Unsere erste Begegnung mit Cw. Exzellenz erfüllt uns mit angenehmer Zuversicht. ' In verhältnismäßig kurzer Zeit ist es Ew. Exzellenz geglückt die Sympathien aller Schichten zu gewinnen, indem Sie edelmütig verkündeten, den Frieden zwischen den Bewohnern des Landes eifrigst zu fördern und Ihr warmes Interesse für die jüdische Aufbauarbeit in seinem Nationalheim zum Ausdrucks brachten. Das traditionstr«u-s Judentum bringt Ew. Exzellenz liebevolles Vertrauen entgegen. Sie haben wohl einen klaren Begriff von unserer Lage und unserer Haltung bereits gewonnen. Mit Gerechtigkeit und Wohlwollen werden Sie sicherlich unser Streben unterstützen, daß unsere Thora, das antike Gesetz der alten „Kneseth Jisrael", um derentwillen wir nach Erez Jisrael kommen, auch ihr Nationalheim hier finde, zumindest für jenen Teil der palästinensischen Judsnheit, der von dem unbeugsamen Willen beseelt ist, ihrer Autorität auch bei der gesetzlichen Regelung seines religiösen Gemeinschaftslebens verbindlichen Ausdruckzu verleihen. Das Gemeindegesetz, das allgemeines Interesse in der ganzen Wett geweckt hat, hat verschiedene Phasen mitgemacht. Eine Wandlung zum Besseren war immer bemerkbar. Die Verfasser des ersten Entwurfes hatten, kodifiziert, daß wer von der offiziellen Gemeinde ausfcheide, außerhalb des jüdisch-nationalen Volksrechts stehe. Die beiden Vorgänger Ew. Exzellenz haben es verhindert, daß eine solch böse Formulierung Gesetzeskraft erlange. Man könnte heute aus der Gemeinschaft des Waad leumi austreten, ohne jüdisch-nationale Rechtseinschränkungen zu befürchten. Ew. Exzellenz als dem jüngsten Hochkommissar ist die edle Aufgabe zuteil geworden den bisherigen. Entwicklungsphasen einen würdigen Abschluß zu verleihen. Die palästinensische Judenheit ist in ihren religiösen Grundsätzen, unter sich nicht einig, ganz so wie in den Gemeinden der Diaspora. Eine gewaltsame organische Verschmelzung könnte nur unter dem Zwange einer Gewissensbedrückung oktroyiert werden. Unter britischer Herrschaft kann dies nicht verwirklicht werden. Dem in der Gemeinde des Waad Harr Afchkenafi und der allweltlichen Agudas Jisrael organisierten Teil der palästinensischen Judenheit gebührt volle Autonomie für sein religiöses Gemeinschaftsleben, offizielle Anerkennung und ungeschmälerte Gleichberechtigung zur Bildung von Orts- und Landesgemeinden. Auf dieser Grundlage würde es dann gut möglich sein, in gemeinsamen Zielen, in denen die gesamte Judenheit einig ist, trotz der 'weltanschaulichen Gegensätze in religiösen Dingen dem Einheitscharakter der palästinensischen Judenheit ehrlich beizupflichten. Es wird ein unvergängliches Verdienst Ew. Cxzlleenz sein, die Beruhigung der Gewissen in einer Atmosphäre der Versöhnung herbeigeführt zu haben." Noch bieftx Mt großer 'Aufmerksamkeit angehörten RÄe wies Rabbiner Jungreis.gu.s.wersddeM konkrete Faste hin-,, die. eine ungerechte Zurücksetzung der aus t ca. 2000 Mitgliedern. bestehenden Gemeinde. bedeuten; ynb'. schwerwiegende. Gewissensbedrückungen verursachen. ' Pabbiner M. Bläu betonte in.seinen Äusführungen die Unhaltbarkeit eines Zustandes, daß.13 000 ausgetretene Mitglieder in . ihren religiösen. Gruppierungen lediglich als Individuen betrachtet werden. Er protestiert auch dagegen, daß.das Erziehungssystem lediglich als weltliche Angelegenheit behandelt wird. Zum Schluß beschwerte er sich auch darüber, daß der Waad leumi die eingereichten Austritiserklärungen für ungültig erklärt, lediglich aus dem Grunde, weil der Austritt vor der Veröffentlichung der Mitgliederlisten vollzogen wurde. Der Vertreter aus Tiberias führte aus, daß nach den straffen Bestimmungen des neuen Gesetzes die alte renommierte Gemeinde mit ihren sefardischen und aschkenasischen Vothe-Dinim, mit ihren Vorstehern und Institutionen, automatisch ihrer Würden entkleidet werden, indem sämtliche maßgebende Faktoren dieser heiligen Stadt auf die thorawidrigen Segnungen des ominösen Gemeinde gesetzes gerne verzichten und auch dem Jerusalemer Oberrabbinat des Waad leumi nicht unterstellt sein wollen. .Sir John Chancellor folgte mit sichtlichem Interesse diesen Ausführungen, richtete verschiedene sachliche Fragen an die Mitglieder der Deputation und bat, daß man die vorgebrachten Gravamina in klarer Zusammenfassung ihm schriftlich überreichen möchte. In abgerundeten Sätzen und kernigen Aussprüchen hat er für den liberalen Geist, von dem er beseelt ist, ein mutiges Treubekenntnis abgelegt. England ist überall und alleweil ein Hort der.Gewissensfreiheit. Auch er werde es nicht gestatten, daß in diesen Belangen irgendwie gesündigt werde. In einem konkreten Falle habe er auch in diesem Sinne Stellung genommen. In in-! Lerne Gewissensfragen werde sich die Regierung nicht hineinmischen. Anfangs wollte er selbst versuchen, die i Parteien zu vereinigen. Es sei ihm aber klar geworden, daß die grundsätzlichen Differenzen viel tiefer liegen, als er es sich vorgestellt hatte. Die Regierung werde sich redlich bemühen, den Parteien gerecht zu sein und jede Gewissensbedrückung, von welcher Seite sie kommen möge, zu verhindern. Obsrrabbiner Sonnenfeld erkundigte sich noch nach dem Befinden des Königs, wünschte ihm vollständige Genesung, worauf Sir John Chancellor von jedem einzelnen. Mitgliede mit einem warmen Handdruck sich verabschiedete. für die Reparaturdes, Grabmals..Jorge tragen. Nach dieser Richtung wurde aber von dssn Regierungsbehör-, den nichts unternommen... Von jüdischer Seite wurde, beim Oberkommissar Sir John Robert Chancellor interveniert. Der Oberkommissar befaßt sich gegenwärtig.mit der Frage des Rechtes der Juden auf das Rahel-Grah. (I. T. A.) . Wiederum Lehrerstreik in Palästina. J e r u s a le m, 25. Januar. Die Organisation der hebräischen Lehrer in Palästina hat die Lehrerschaft aller hebräischen Schulen aufgefor-!dert, heute in den Streik zu treten, weil die Gehälter in den Monaten November und Dezember 1928 und die! älteren Gehaltsrückstände noch nicht gezahlt worden sind. Miß Henrietta Szold hatte der Organisation mitgeteilt, - daß die Exekutive die sofortige Auszahlung des Gehalts für November verfügt hat. Die Organisation beschloß trotzdem, auf dent Streik zu beharren, da über die Auszahlung des Dezember-Gehalts, sowie über die Erstattung, der Rückstände in Höhe-eines. Drei-Monats-Gehalts nichts Sicheres in Aussicht gestellt worden ist. Der Lchrerfireik in Palästina. Jerusalem, 27, Januar, n 'Die Zionistische Exekutive in Palästina hät sämtliche Forderungen der Lehrerschaft der hebräischen Schulen erfüllt, wodurch der eben erst begonnene Streik sein! schnelles Ende gefunden hat. Der Unterricht wurde an allen Schulen bereits ausgenommen. Die Rechte der Inden auf das Rahel-Grab. Jerusalem, 23. Januar. Zwischen der Jerusalemer jüdischen Gemeinde und dem Distrkktskommissar von Jerusalem, Major Keith Roach, ist im Zusammenhang mit der Reparaturbedürs- ’ iigfßit des Rahel-Grabmals ein Konflikt entstanden. Die I Kapelle über dem Grabe bedarf dringend einer Repara- I tur, die die Jerusalemer jüdische Gemeinde in Angriff nehmen wollte. Keith Roach aber verweigerte die Erlaubnis zur Durchführung und begründete dies damit, , bafj neben den Juden auch die Moslems Rechte auf das j Grab haben. Die Regierung, erklärte er, wolle selbst Frankfurt a. TR., 24. Jan, Aus Zürich kömmt, die Nachricht von dem Heimgang der Frau Bertha Mannes. Eine kurze „Jsraetitt'annönce. gibt davon Kunde — und in den Herzen allere die die jvnjn kannten, lebt' auf ein tiefes, tiefes . Klagen um den jähen Heimgang? einer der frömmsten, kostbarsten Frauen in Israels Mitte: —laro R>n'nmanni?K lehrt die ropn indem, sie der Frau das gleiche Matz religiöser Zuverlässigkeit zuerkennt wie dem frommen Gatten, •an:» srn ’-tn -lan new pflegen wir auszusprechen, wenn wir eine edle Frau an der Seite ihres Mannes,. seine. Leistung ergänzend und vertiefend, wirken sehen. . Wer Max Mannes in Zürich kennt, ^diesen jvrrlnan, wer weiß von seiner Leistung für die «Seinen, für die Züricher orthodoxe Kehillo, für Agudas Jisrael, für die Armen, für jeden Armen, wer sein-Haus, das . Gastfreundschaft ohnegleichen übt, je betrat, wer ihn bei der. Erziehung seiner Kinder beobachtete, der weiß, wenn irgendwo, so galt in dieser Ehe: "nna k->n nn -i:n new* an der Leistung des Mannes hatte die Frau ihren reichen, vollen Anteil, diese Frau, die man mpy; des Hauses. Grund und Giebel war, diese Frau, die DMan ok, Freude und Glück nur im Gedeihen der Ihren, des Gatten, der Kinder, der Enkel fand, darin — und im unentwegten Ueben von mxn, dann sie war eine nv» ai> r»2N und im» np-> zb Dam- Wer Frau Bertha Mannes, in deren Haus, während des Krieges und nach dem Kriege besonders, jeder einkehrte, den eine jüdische Sache nach Zürich führte, nur oberflächlich kannte, auch der merkte schon, daß hier eine starke und edle Kraft sinnvoll wirkte, wer aber erst näher, ganz nahe ihr treten durfte, der erst wußte, daß das eine Frau war, bwi ynan. in der lebte von dem Segen; der großen Mütter unseres Volkes, jener rpnw. deren , Güte und Liebe alles Leid der Welk verklärte und mei- >sterte. Wer Frau Bertha Mannes näher kannte, der stand in Ehrfurcht vor dieser Persönlichkeit, die in steter Selbsterziehung sich zu immer höheren Formen jüdischer i SSoIIenbung hinaufentwickelte, zu reinster Frömmigkeit, |3u festestem Gottvertrauen. Wer Frau Bertha Mannes näher kannte, der wußte, daß sie vom Besten ihrer Persönlichkeit in die Herzen ihrer Kinder gepflanzt und daß diese nicht zuletzt deshalb schon in jungen Jahren zu reisen Menschen gewachsen sind, die, ob schon im eigenen Heim, ob noch im Elternhaus, voll sind von n-vm nans und jederzeit bereit zu opfervollem Dienste am iww' bbz an den 13»» man- — Groß ist darum der Verlust und groß die Trauer! Und wir erheben auch aus der Ferne, die -Stimme mitgefühlten Schmerzes rria'i crp-m-, w»»* und setzen die Krone des aiu dp aufs Haupt der edlen und bemal)* reit mit den Ihren das Gedächtnis dieser Frommen, halten ihr Andenken heilig, lassen ihr Vorbild uns zum , Mahner werden und ihre Leistung zu ewig in uns lebendem, segenbringendem ->&->»; mm-. ap. n. London, 26. Jan. Dr. Hartwig Hirsch seid ist nach 'dreißigjähriger Tätigkeit als Dozent an Jews College in den Ruhestand getreten. Der verdienstvolle Gelehrte, der isich schon in jüngeren Jahren durch seine treffliche Kusari-Uebersetzung bekannt machte, wurde durch eine große Absckiedsfeier geehrt, die er.selbst durch einen wissenschaftlichen Vortrstg über die Mendelssohn-Periode ver- .jryonre. Ellingen. 29. Jan. Am 28. Januar feierte Herr Mo- (ritz 6chönwalter, Ellingen (Mittelsranken), im Kreise, seiner Familie den 85. Geburtstag. Der Jubilar erfreut sich einer seltenen Geistesfrische und Gesundheit, so betete derselbe am letzten Jomkippur wie alle Jahre sein. Kök-Nidre-Gebet als Vorbeter seiner Gemeinde, vor. An diesem Feste nimmt seine Familie wie die Gemeinde teil. . Mögen dem Jubilar noch viele schöne Jahre gegönnt sein. , Berlin, 27. Jan. Im Alter von 87 Jahren verschied am 21. ds.. Mts. Altlehrer Hermann. Wolfs. Der Verstorbene. amtierte als Lehrer 40 Jahre lang in der Gemeinde Wreschen und siedelte nach seiner Pensionierung nach Posen über. Auch hier erwarb er sich viele Freunde. Cr bekleidete Ehrenämter in Stadt und Gemeinde Posen. Als Posen polnisch wurde, zog er zu seinen Kindern nach Berlin. Auch hier scharten, sich seine ehemaligen Schüler und Schülerinnen gern um ihren alten Lehrer und machten ihm den Lebensabend angenehm. Sein Tod kam plötzlich. Es trat eine Herzschwäche /ein und raffte ihn. dahin. Seine Beisetzung legte Zeugnis ab von seiner großen Beliebtheit. Herr Rabbiner/ Dr,- .'Gan s, ein Schüler des Verstorbenen, sprach liebevolle und trostreiche Worte an der Bahre des Verblichenen, mxjxr 1 j Abterode, 21. Januar, Hier starb Levi/./R o h -e i m im 91. Lebensjahr, das älteste Mitglied der hiesigen Gemeinde. . 40 Jahre wirkte er als Gemeindeättester in segensreicher Weise, bis er aus Altersrücksichten gezwungen war, sein Amt niederzulegen. Mit .seiner jetzt 84jährigen wackeren Gatttn lebte er 63 Jahre