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Der Israelit · 1929-01-31 · Heft 5 (31.1.1929) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 5 (31.1.1929)
Date
1929-01-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Bl. Ämtuax 1929 _. , , es/ itt Bromherg keine arrnen jüdischest Greife' gstdi (ist. MrElichkeit existtert in Brymberg «in Um' seine Existenz! schcher kämpfendes jüdisches Greifenasyl), zurückgewiesen würde, hat den Stadtrat von Bromberg in seiner letzten <Nßung abermals sehr lebhaft beschäftigt. Stadtrat Kolnik schilderte als Referent all« Phasen der Angelegenheit. 3m Januar 1923 wies der Magistrat das Legat ungeachtet der Intervention der Mischen Gemeinde zurück. Der Wojwode in Posen und der Innenminister in Warschau^ bestätigten den Magistratsbeschluß. In Amerika machte die Zurückweisung, des Legats, das inzwischen auf 160 060 Dollar angewachsen war, einen sehr schlechten Eindruck. Der polnische Generalkonsul in Washington informierte hierüber das Außenministerium und empfahl die Reoidi-erung des Bromberger Beschlusses. Der Außenminister, Graf Zalewsky, schilderte in einem Schreiben an den Bromberger Magistrat die wirtschaftlichen und politischen Komplikationen, die für Polen im Hinblick auf die in Amerika entstehende Mißstimmung sich ergeben könnten. Auch der Wojwode befürwortete eine Revision des ersten Beschlusses. Der Referent begründete die Forderung nach einer Revision auch vom rein rechtlichen Standpunkte. In der darauffolgenden Debatte drückten die Nationaldemokraten ihre Verwunderung darüber aus, daß die jetzige Regierung den Standpunkt der Regierung pon 1924, die den Bromberger Beschluß sanktionierte, nicht respektiert, und beantragten die Ueberweisung der Angelegenheit an die städtische Rechtskommission. Dieser Antrag wurde gegen die Stimmen der deutschen Fraktion zum Beschluß erhoben, so daß eine weitere Verschleppung der Angelegenheit zu Ungunsten der Bromberger jüdischen Armen eingetreten ist. Man hofft aber, daß inzwischen die übergeordnete Behörde Nemedur schaffen wird. Polen. Aus der Warschauer kehillo. Warschau, 26. Januar. Der „Jud" hat viel zu klagen über die Fina-nzwirtfchaft der Warschauer Kahalstube. Die Institutionen, die ihre Subventionen von 1927 noch nicht ausgezahlt bekamen, befinden sich in größter Not. Zur gleichen Zeit -gelingt es aber der Zionistischen Fraktion, eine Subvention von 10 000 Zloty für das Palästinaamt zu erringen. Ebenso waren Gelder da, um das jüdische Theater zu unterstützen, und zwar aus dem Fond zur Unterstützung von Arbeitslosen. Die Kosten für den Kinderfestzug, an dem sich, wie von uns mitgeteilt, die Orthodoxie nicht beteiligen konnte, wurden aus dem Fond gedeckt, der dazu da ist, für unbemittelte Kinder das Schulgeld zu bezahlen. Man kann sich denken, welche Aufregung diese Zustände in weiten Kreisen der Gemeinde Hervorrufen. Gemeindewahlen in Galizien. .Krakau, 24. Januar. In C h r z a n o w hat die agudistifche Liste 9 Mandate erlangt; Zionisten, Bund und Unparteiische erhielten je einen Sitz, während man zionistischerseits auf fünf Mandate gerechnet hatte. Von der Jefchiwah Lublin^ Lublin, 13. Januar. Aus Anlaß der Vollendung des Monumentalgebäudes für die große Thora-Lehranstalt „Jeschiwath Chachme Lublin" hat das Baukomite-e die Vertreter der jüdischen Presse zu einer Besichtigung des Gebäudes und der Einrichtungen eingeladen. Die Erbauer verfolgten das Ziel, in dem historischen Thorazentrum Lublin, wo einstmals die Gaonim MaharaM und M-arschal gelehrt haben, das Thorastudium im alten Glanze aufleben zu lassen. Rabbi Schapiro von Pietrikow begrüßte die Pressevertreter am Eingang mit einem „Bruchim Haboim". Das monumental wirkende Sechsetagenhaus ist im orientalischen Stil gehalten und schließt ein« Flache von 35.000 qm ein. Es enthält neben den großen Lehr- und Bibliothekssälen modern eingerichtete Speisesäle, eine Badeanstalt, eine Wäscherei, einen Empfangssaal, Ambulatorien und Krankenzimmer. Das Auditorium Maximum ist mit einer Galerie für freie Zuhörer versehen. Im angeschlossenen Internat ist für 450 Jeschiwah-Jünger Platz. Ein großer Garten schließt sich an das Gebäude. »Der Gemeindepräsident Advokat Warmann und der früher« Gemeindepräsident Silber hießen die Pressevertreter in her historischen jüdischen Stadt Lublin willkommen und wiesen daraus hm, daß schon im Jahre 1366 Der I s t a e l i t_ ixif Lubttst eine jüdische Gemeinde bestand. Im Jahve!1567 erteilt« König Sigmund der Gemeinde das Primlegkum, ein« Jefchiwah zu errichten, die als die erste polnische Jefchiwah aus allen Ländern Europas Jünger an sich zog. Heute wohnen in Lublin 45.000 Juden. Das Gemeindehaus ist das ehemalige Königshaus,-zu dem einst den Juden der Zutritt verboten war. — Abends fand in der Wohnung des Herrn Eichenbaum, der den Bauplatz für die Jefchiwah gespendet hat, zu Ehren der Pressevertreter ein Empfang statt. Rabbi Schapiro wies darauf hin, daß Lublin, einst das Zentrum der polnischen Republik, nun der Sitz der zentralen Jefchiwah ist. Die Juden in Polen steuerten 239.000 Zloty bei, aus Amerika kamen 53 000 Dollar, aus Deutschland 24 000 Mark, aus England 482 Pfund usw. Im Lehrplan der Jefchiwah ist ein dreijähriges; Studium zur Heranbildung von Talmide Chachamim, zur Erlangung des Rabbinerdiploms ein fünfjähriges Studium vorgesehen. Zur Einrichtung sind noch 20.000 Dollar notwendig. Rabbi Schapiro appellierte an das Judentum, der Jefchiwah auch weiterhin zu helfen. Tschechoslowakei. Gemeindewahlen in der Slovakeü Nitra, 24» Januar. Die hiesige Vorstandswahl hat zu einem glänzenden Siege der nichtzioniftischen Orthodoxie geführt. Bei der Konstituierung der neuen Repräsentanz wurde der bewährte Führer der Gemeinde Herr Adler zum Gemeindepräses ernannt. Rumänien. Die neue rumänische Regierung kennt keine «jüdische Gefahr-. Bukarest, 3. Januar. In der letzten Sitzung -des rumänischen Senates ergriff der Minister des Innern Vajda Voeved das Wort, um verschiedene Fragen der inneren Politik zu beleuchten. Auf die Judenfrag« zu sprechen ° kommend, erklärte der Minister: Lange genug lebte Rumänien unter der unbegründeten Angst vor einre „Jüdischen Gefahr". Die gegenwärtige Regierung teilt diese Angst ganz und gar nicht. Die jüdische Minderheit bildet keinerlei Gefahr für einen Millionenstaat wie Rumänien. Es ist darum selbstverständlich, daß di« Regierung ihr Verhalten zu der jüdischen Bevölkerung ganz anders emstellen wird, als es di« bisherigen Regierungen getan haben. Die Regierung wird alle Ungerechtigkeiten, die bisher gegenüber den Juden geübt worden sind, aus der Welt schaffen. Die Regierung glaubt, daß sie, indem sie diesen Weg beschreitet, ein Regime der Gerechtigkeit im Lande befestigen und dem Ansehen Rumäniens im Ausland« dienen wird. Litauen. Der Metrokower Raw ln Litauen. W -i l n a, 27. Januar. Wie schon gemeldet, begab sich der Pietrokower Raw mit einem Begleiter auf eine Studienreise zum vergleichenden Studium der verschiedenen Methoden des Lernens zunächst nach dem polnischen Litauen. In Radin wurde ihm ein äußerst herzlicher Empfang bereitet. Der „Chofez Chajim" feierte in einer warmen Rede den Regenerator und Organisator des Thoralernens in Polen. Von dort begab sich Rabbi Schapiro nach Baranowitschi und Mir. Auch dort wurde er mit offenen Armen und offenen Herzen empfangen. England Die Juden im englischen Wahlkampf. London, 23. Januar. Das Presse-Departement der Liberalen Partei hat in diesen Tagen im Hinblick auf die kommenden Parlamentswahlen eine Schrift „Die Juden und der Liberalismus" veröffentlicht, in welcher gesagt wird, die Liberalen hätten für die Juden in England Gleichberechtigung und religiöse Toleranz erkämpft. Die Schrift weist u. a. auf Moses Montefior« hin, der unter einer liberalen Regierung den Titel S i r erhalten hatte und als erster Jude in England Ritter wurde. Lord B a l - four hat durch eine Nichte,. Lady Dugdale, an den bekannten jüdischen Politiker, Wr. Percy Cohen, Führer der Friendly Soci-etres, ein Schreiben gerichtet, in welchem er gegen die liberale Broschüre Stellung . _Nr. 5. nimmt. Er wesst darauf hist, baß der konservative Premier Disraeti durch feine Reden und Schriften die Ideale der jüdischen Rasse im englischen Volke populär gemacht hat. Die Liberalen haben in ihrer Broschüre nicht auf die Deklaration von 1917 und auf das Mandat zur Verwirklichung des jüdischen Nationalheims 1» Palästina ' hingewiesen, die von den englischen Regierungen seit 1917, die meist konservativ waren, bekräftigt worden sind. Lord Balfour glaubt, daß vor allem aus jüdischen Kreisen Kritik an der liberalen; Flugschrift-geübt werden wird, Londoner Brief. Die „Get"-Refotukion. — Versicherungs-Antisemitismus. — Rumänien. — Riederlegungsapparate. London, 25. Januar. In der Sonntagssitzung des Board of Deputier wurde über das vorläufige Ergebnis der dem Chiefrabbi und dem fefardischen Besdin übermittelten Resolutton des Board we-gen der Scheidungsfrage berichtet. Der Chiefrabbi sagt -in seiner Antwort, daß die angeregten Fragen hinsichtlich der Anwendung des jüdische» Eherechtes und der Verhinderung von Mißbräuchen das Besdin feit Jahren beschäftigt hätten, daß man immer Mittel und Wege gesucht habe, um Schwierigkeiten zu vermeiden. Die Sesard-im antworteten, daß sie sich mit dem Chiefrabbi in Verbindung setzen würden. Der Board zog aus diesen Antworten den Schluß, daß das Besdin geneigt fei, die vorgeschlagene internationale Rabbinerversammlung in die Wege zu leiten und wünscht Feststellung der veranschlagten Kosten. — Befriedigendere Berichte wurden über die Lage in Rumänien erstattet. — In der Frag« des Ausschlusses von Juden durch gewisse Versicherungsgesellschaften von der Automobilversicherung wurde erklärt, daß sich die Differenzierung nicht gegen Personen einer bestimmten Konfession richtete, sondern gegen Angehörige bestimmter Berufsgr-uppen. Die technische Prüfung des Wembergschen Niederlegungsapparats wird in den verschiedenen Gegenden des Landes noch immer fortgesetzt. Türkei. Eine Erklärung des türkischen Innenministeriums. Konstantinopel, 14. Januar. Das türkische Innenministerium veröffentlicht die folgende Erklärung: „Innerhalb der Grenzen der türkischen Republik genießen alle Bürger die gleichen Rechte. In der Anwendung der Gesetze erfahren die Juden keine andere Behandlung als die anderen türkischen Staatsbürger. Das Gerücht über den Ausschluß von Juden aus den Staatsverwaltungsräten entbehrt jeder Grundlage. In de» Provinzen Jst-ambul, Cdirne, Izmir, Klirklareli usw. erhalten die jüdischen Schulen von' den lokalen Verwaltungsbehörden finanzielle Unterstützungen." Palästina. Chancellor in Tel-Awiw. , Jerusalem, 10. Januar. Der Oberkommissar für Palästina, Sir John Robert Chancellor, traf am 9. J-anuar, von Jaffa kommend, in Tel-Awiw ein. An der Grenze zwischen beiden Städten wurde der Oberkommissar vom Bürgermeister von- Tel- Awiw, Herrn Mayre D-izengoff, an der Spitze einer Abordnung der Stadt empfangen und nach dem Magistratshause geleitet. Die Straßen von Tel-Awiw waren alle mit den britischen und den blauweißen zionistischen Fahnen geschmückt. Die Bevölkerung von Tel-Awiw bildete auf dem ganzen Wege Spalier und bereitete dem Oberkommissar stürmische Ovationen. Im Stadthause fand zu Ehren des Oberkommissars -ein Empfang statt. Auf eine Begrüßungsansprache des Bürgermeisters Dizengoff erwiderte Sir John Robert Chancellor: Die Juden in Palästina haben es fertig gebracht, die Dinge in Palästina ihrem Willen unterzuordnen. Sie müßten eingedenk blziben, daß Palästina nur auf einer gesunden wirtschaftl-ichen Basis aufgebaut werden könne. Die palästinensische Industrie müsse darauf bedacht fein, sich die Märkte in den Nachbarländern zu erobern, dies sei aber nur möglich, wenn darauf gesehen wird, daß in den Ausgaben eine Wirtschaftlichkeit Platz greife, damit die Produktion verbilligt werde. Ich glaube, schloß Chancellor, an eine freie Entwicklung der jüdischen Rasse in Palästina und. bm überzeugt, daß die

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