Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1929)
- Date
- 1929-01-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450547-2450552--75698-2533234- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
|i Seit« 6. Nr. 5 D.e. r ,as.r.ae l i t 31.. Januar 1929 Schube" (nämlich die von der nehmende zionistische Schule in der Rieckestratze) f o wichtig, daß alle sonstigen Gesichtspunkte zurücktreten müßten. Prof. Türk, der Führer der Liberalen, stimmte ein Triumphlied darüber an, daß die gehaßte Mittelpartei, insbesondere der liberale Repegat Geheimrat Stern infolge des zionistisch-liberalen Abkommens nunmehr als geprellter Europäer dastehe. Im Munde des Herrn Prof. Türk verwandelte sich das Bündnis der beiden Gegner aus einem "gentleman's agreement» in einen »modus vivendi«. „D, was ist die deutsch Sprak für «ine plump Sprak". Heftige Auseinandersetzungen fanden dann zwischen Loeb und Dr. Klee statt über den Bau der Synagoge für die Sonntagsgemeind« und die Abkürzung der Legislaturperiode. Loeb deutete an, daß er beabsichtige, mit seinen beiden mittelparteilichen Freunden von Ende 1930 an. drei Jahre lang allein Repräsentantenversammlung zu spielen, falls die Kollegen zurücktreten würden. Man darf annehmen, daß der Redner diese Eventuellität wohl selbst nicht ernst nahm. Den clou der Sitzung bildeten die Erklärungen des mittelparteilichen Rabbiners Dr. Weiße. Er begann zur allgemeinen Ueberraschung mit der Verlesung des jetzt ohne Kündigung gebrochenen Abkommens, das die jüdische Volkspartei, die Mittelpartei und die konservative Partei seinerzeit zwecks der Majorisierung der Liberalen geschlossen haben. Mitten in der Rede wurden die Schriftstücke dem Redner von seinem Parteifreund Dr. Jsmar Freund einfach weggenommen, wodurch die Verlesung natürlich nicht mehr ungeschehen gemacht werden konnte. Die rabbinische Mahnung an die Volkspartei, in Zukunft Verpflichtungen, die man eingegangen ist, auch zu halten, scheint auf die Volkspartei keinen sehr großen Eindruck gemacht zu haben. Hierauf verlas M. A. Loeb folgende Erklärung: „In ihrer Nummer 2 gibt die Jüdisch-liberale Zeitung Kenntnis von einem Abkommen zwischen der liberalen Fraktion und der Volkspartei, durch das beide Parteien unter Umgehung des geordneten Geschäftsganges wie der übrigen Parteien sich über eine Reihe wichtiger, im Laufe der nächsten Zeit zu treffenden Entscheidungen verständigt haben. Es handelt sich nach dem genannten Blatte um: Dauer des Mandats der Repräsentantenversammlung .(Ablauf für 1930 vorgesehen), Aufhebung der Trennung der Geschlechter in der Synagoge Prinzregentenstraße, Bau einer Synagoge für die Reformgemeinde, usw. Gegen diese dem Sinn und Wort unserer Gemeindeverfassung widersprechende Ausschaltung der Gesamtheit der Repräsentantenversammlung, die schwerwiegende Entscheidungen der Kontrolle und dem Lichte der Oessentlichkeit entzieht, legen die Unterzeichneten Vertreter der Konservativen- und Mittelpartei hiermit Protest ein. Sie glauben, ihren Wählern wie sich selbst die Erklärung schuldig zu sein, daß sie sich bei allen künftigen Beratungen in jeder Hinsicht vollkommen freie Hand Vorbehalten." gez. Geheimrat Stern, Rabb. Dr. Weiße, Moritz A. Loeb. Zum Schluß führte namens der Liberalen Rechtsanwalt Stern aus, daß die liberale Fraktion, hinter der die Mehrheit der Berliner Gemeinde stehe, ein Recht zu haben glaubte, sich durch Abmachungen mit der zweitgrößten Fraktion, dagegen zu schützen, daß kleine Gruppen wie Konservative und Mittelpartei sich durch Abmachungen einen größeren Einfluß verschaffen, als ihnen zusteht. Angesichts der Erregung der Gemüter gelang es nicht, für die weiteren Punkte, die die Tagesordnung voraussah, die Teilnahme zu erhalten, so daß die Sitzung vertagt wurde. Gemeinde zu über-^Mittlen gespeist werden Wie die Jüdische Telegraphen 'Agentur erfährt, hat sich der Hilfsverein der deutschen Juden schön aus eigener Initiative zu einer energischen Aktion zugunsten der hungernden Juden in Beßarabien unter den deutschen Juden entschlossen und hat auch schon einen größeren Betrag zur Linderung der dringenden Hungersnot in Beßarabien. Berlin, 23. Januar. Die Judenheit der neuen rumänischen Provinz, Beßarabien, die zu einem sehr großen Teil entweder selbst dem Landanbau obliegt oder vom Getreidehandel bezw. -Export lebt, ist durch die schweren Mißernten der letzten zwei Jahr« hart betroffen worden. Am meisten von der Hungersnot betroffen sind die Distrikte Akerman, Orgejew, Teleneschte, Bender, Ismail, Romanowka, Ar- Not bewilligt. Er wendet sich mit einem Appell an seine zif u. v. a. Die Bevölkerung von 27 von Juden bewohn- Mitglieder und an weiteste Kreise der deutschen Judenten Städten und von zahlreichen jüdischen Kolonien nagt heit, die- Aktion zugunsten der hungernden Juden Beßbuchftäblich am Hungertuch. 40 000 jüdische Seelen sind arabiens zu unterstützen, ohne jede Existenzgrundlage und müssen aus öffentlichen I _ Berlin. Am Sonntag den 3. und Montag den 4. Februar ds. Is. wird die diesjährige Drebandstagung des Preußischen, Landesverbandes jüdischer Gemeinden im ehemaligen preußischen Herrenhaus, Berlin, Leipzigerstr. 3, ftattfindet. — Bor dem Großen Schöffengericht in Bremen wurde am 21. Januar die Hauptverhandlung gegen die Nationalsozialisten The len und Genossen wegen der bekannten antisemitischen Ueberfälle im Herbst 1928 eröffnet. Die acht Angeklagten wurden zu Gefängnisstrafen von einem Jahre bis drei Monaten verurteilt. — Der Preußische Landtag befaßte sich nach seinem Wiederzusammentritt am Dienstag mit einem Antrag der Deutschnationalen. grundsätzlich die Immunität immer dann aufzuheben, wenn ein Abgeordneter als verantwortlicher Redakteur die Pressefreiheit offenbar schwer mißbraucht. In namentlicher Abstimmung wurde sodann die Immunität des Nationalsozialisten Dr. L e y in drei Fällen und des Nationalsozialisten Kaufmann in einem Fall aufgehoben. Bei Ley handelte es sich jedesmal um die Verbreitung von Ritualmordlegenden und die Beschimpfung der jüdischen, Religion. — In den ersten Wochen von Januar fanden in verschiedenen Städten des Reiches Bezirkstagungen des Zentral-Vere i n s statt. Fast überall wurde beschlossen, daß der Zentralverein seine Tätigkeit aus seinem Mi'gliederkreise heraus mehr in die. christliche Oeffentlichkeit verpflanzen möge. Gladbeck. In der Nacht von Sonnabend auf Sonntag wurden die fünf Grabdenkmäler, die bisher auf dem Friedhof der jungen Gladbecker Synagogengemeinde errichtet waren, sämtlich umgestürzt. Bei dieser Tat haben offensichtlich mehrere Täter zusammengewirkt. Die Synagogenzemeinde hat für die Namhaftmachung der Täter eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt. Tanger. In Uebereinstimmung mit der Pariser Konvention hat die italienische Regierung ihrerseits drei Mitglieder für die gesetzgebende Versammlung von Tanger entsendet, unter ihnen einen Juden. Die Zuwabl Signor Nahons hat die Zahl der jüdischen Mitglieder des Tanger- Parlaments auf acht (unter einer allgemeinen Zahl von 20 Abgeordneten) erböbt. Paris. Der alte jüdische Friedhof in Fante in der Nähe von Aga dir mußte einem militärischen Straßenbau zum Opfer fallen, wobei zahlreiche Gräber zerstört wurden. Das Grab eines großen Rabbi, zu dem Viele wallfahren, wird vielleicht auf Intervention der Gemeinde von Agadir erhalten bleiben. — Der Oberrabbiner von Casablanca, Rabbi Ephraim E n - k a u a, erhielt den Orden der Ehrenlegion. INinsk. Das Urteil gegen die Arbeiterhuligans, die in einer Fabrik bei Minsk eine jüdische Arbeiterin Dreise lang« Zeit hindurch aus antisemitischen Motiven in raffinierter Weise gequält haben, lautete für den Hauptbeschuldigten, den Werkmeister T o ch i l i n , auf drei Jahre Gefängnis. Jerusalem. Vier Beduinen, die sich an der Vertreibung der jüdischen Kolonisten von Chedera aus den Feldern der Kolonie beteiligt haben, wurden vom Haifaer Gericht zu je einer Woche Gefängnis und zur Zahlung von je 9 Pfund als Schadenersatz verurteilt. Die Beduinen, denen die jüdischen Kolonisten aus Entgegenkommen das Weiden ihres Viehs auf den noch unbebauten Feldern der Kolonie gestattet hatten, erhoben später, von Waadie Bustani aufgehetzt, Anspruch auf den Besitz der Felder. — Die Bekämpfung der aus Transjordanien eingefallenem Heuschr-eckenschwärme wird energisch fortgesetzt. Eine mit Gewehren und Flammenwerfern ausgerüstete Kompanie, von zahlreichen Einwohnern unterstützt, vernichtete einen Teil des Schwarms. — In ganz Palästina fiel dichter Schnee und es herrscht strenge Kälte. Die weißen Gipfel der judäischen Berge bieten einen herrlichen Anblick. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und der Sabbat. Berlin, 27. Januar. Die Bundesleitung des R. j. F. versendet ein Rund» schreiben vom Januar 1929 an sämtliche Ortsgruppen. Unter den Punkten, die „ganz besonders wichtig zu beachten" und schnellstens zu erledigen sind, heben wir 8 6 hervor, Er lautet: „Betr.: Beachtung der jüdischen Feiertage. Alle Bundesstellen im Reiche werden gebeten, bei Bestimmung der Daten für Veran- : staltungen und Zusammenkünfte jeglicher Art den jüdischen Kalender zu beachten und auch die Geschäftsstellen an Sonnabenden und Feiertagen geschlossen zu halten wie dies auch in den anderen jüdischen Organisationen geschieht." Das ist sehr erfreulich! Jüdische Gemeinde und Verband russischer Juden. Berlin, 25. Januar. Die Berliner Jüdische Gemeinde hat dem Verband russischer Juden eine entsprechende Subvention zugewandt. In der Repräsentantenversammlung haben die Vertreter der Jüdischen Volkspartei den Gemeindevorstand ersucht, zu prüfen, ob sich nicht eine Möglichkeit ergibt, diese Subvention mit Rücksicht auf die besonders wertvolle Arbeit des Verbandes russischer Juden entsprechend zu erhöhen, wenn möglich, zu verdoppeln. Schochtimschule in Frankfurt a. Al. H a l b e r st a d t, 21. Januar. Die Heranbildung tüchtiger Schochtim für Deutschland bildet seit Jahren Gegenstand ernster Beratung der für diese Frage verantwortlichen Kreise. Die letzt« Tagung des Orthodoxen Rabbinerverbandes hat sich mit dieser Angelegenheit eingehend besaßt.. In Würdigung dieser Tatsache hat der Preußische Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden (Sitz Halberstadt) die Gründung einer Schochtimschule in die Wege geleitet. Diese Schule wird der Leitung der Frankfurter Ieschiwah unterstehen. Die theoretische Ausbildung geschieht durch die Ieschiwah, die praktische Ausbildung durch die Schochtim der Israelitischen Religionsgefellschaft. Auch die Freie Vereinigung für die Interessen desorthodoxen Judentums sowie die Frankfurter Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft haben dieser Schülgründung ihre ideelle und materielle Förderung zugesagt. Die Eröffnung ist für das kommende Sommersemester vorgesehen. Anmeldungen sind an die Leitung der Thora-Lehranstalt (Jeschiwa) z. H. des Herrn Rabb. Dr. Josef Vreuer, Rückeristraße 50, zu richten. Der Sächsische israelitische Gemeindeverband. Dresden, 21. Januar. Dem Landtag ist ein Gesetzentwurf über die öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaften zugegangen. Danach 'ind Religionsgesellschaften mit den Rechten und Pflichten des öffentlichen Rechtes die Evangelische Landeskirche, die Römisch-katholische Kirche, die Eoangeüsch-reormierte Gemeinde, die Freireligiöse Gemeinschaft, der Sächsische Israelitische Gemein de verband, endlich die Religionsgemeinschaften, denen das Gesamtministerium die Rechte der Körperschaften des öffentlichen Rechts verleiht. Die Religionsgesellschaften haben auf Verlangen dem Staat» jederzeit Auskunft zu geben und Nachweise zu erbringen. Die Geistlichen und Beamten der Religionsgesellschaften müssen deutsche Reichsangehörige sein, doch können Ausnahmen bewilligt werden. Die Verfassungen der Religionsgesellschaften müssen über den Beginn der Mitgliedschaft Vorschriften enthalten, die jedoch die volle Glaubens- und Gewissensfreiheit nicht beeinträchtigen dürfen. Der Austritt steht jedem frei, der in Sachsen seinen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt hat. Weitere Bestimmungen regeln das Steuerrecht der Religionsgesellschaften und die staatlichen Zwangsmittel, die gegebenenfalls angewendet werden können. Der Kampf um das Legal der Lena Lohen. Bromberg, 21. Januar. Das 100 000 Dollar-Legat der in - Amerika verstorbenen Frau Lena Cohen zugunsten armer jüdischer Greise in Bromberg, das seinerzeit vom Vromberger Magistrat unter der wahrheitswidrigen Begründung, daß