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Der Israelit · 1929-01-31 · Heft 5 (31.1.1929) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 5 (31.1.1929)
Date
1929-01-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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31; Januar 1929 7 . Nochmals die Zefchlwoh der Sowjets. Zu Miseren an dieser Stelle abgedruckten Be« IracAuntzen über die von den russischem Sowjets , geplante Errichtung einer großen Jeschiwoh in MarkM wMiM E WMEWMiMWWM Ll^rbetterMs GrUnö vonMfoMMonenauöRuß< Land geschrieben: Die Leiden der spanischen Jnquisition wer-en Hier noch übertroffen. Bor vierhMdert Jahren in Spanien war Man wohl robuster, heute aber in Rußland ist man heimtückischer, systematischer. Aus dem Ende mit Schrecken nach spanischer Art ist ein Schrecken ohne Ende geworden. Die Scheiterhaufen flammen nicht Mehr wie damals zum Himmel auf. Das ginge zu schnell und-griffe der öffentlichen Meinung der Welt an die Nerven. Diese Sowjet-Regierung ist sehr klug: indem sie ihre Juden langsam, langsam zu Tode hungern läßt und sie durch das raffinierteste Ueberwachungssystem seelisch immer mehr und mehr bis zur Hoffnungslosigkeit zu zermürben sucht, erreicht sie noch, daß die Philanthropen unter den amerikanischen reichen Juden ihre Millionen nach Rußland senden. ' Welche Erwartungen kann man auf eine Regierung setzen, die alle Organe des jüdischen Gemeindelebens zerstört, alle Bauten und Vermögen jüdischer Institutionen sich genommen und einzig, soweit es ihr beliebt, die Benutzung von Synagogen zum Gottesdienst gelassen hat? Diese letztere Erlaubnis soll auch keine Ausnahme m dem herzlosesten, härtesten Regierungssystem sein, sondern eine Möglichkeit zur besseren Ausspionierung der jüdischen Massen. Denn unter das Publikum der Synagogen mischen sich Spione der Regierung! Für den Juden, der das Wirtshaus meidet, bedeutet die Synagoge nicht nur den Ort gemeinsamen, Gebetes, sondern auch eine Stätte des Zusammenkommens, und so entwickelt sich dort vor oder nach dem Gottesdienst manche Unterhaltung über Politik. Rußland gleicht heute einem riesenhaften Zuchthaus. Kein Mensch, selbst nicht ein Minister, fühlt sich frei. Was unter dem Zaren die „Tscherka" hieß, das hat nur den Namen geändert. Aber die „Gebo" ist noch viel mächtiger und verbreiteter als die Tfcherka war. Vielleicht sind Tscherka und. Gebo Spezialitäten angemessen dem Charakter des russischen Volkes? Dieser Despotismus hat aber-in der Geschichit des jüdischen Volkes keine Belege, — und nun müssen ihn in Rußland die Juden noch mehr als das eigentliche russische Volk zu spüren bekommen! Aber, selbst ein demokratischer Russe kann den Druck Nicht so stark fühlen wie der Jude. Er weiß, daß auch mal wieder andere Zeiten, kommen müssen. Anders der Jude. Was . bei ihm zerstört worden ist, bleibt zerstört. ' Das Hauptgewicht legt die Regierung auf die Erziehung der Jugend in ihrem Sinne zu bewußten Leugnern Gottes, zu Verächtern jeder religiösen Empfindung und zu fanatischen Anhängern des Kommunismus. Es ist darum bis zum 18. Lebensjahr für die Juge-rd der Unterricht außerhalb der der Regierung unterstehenden Schulen verboten. Eine entsetzliche Situation für die jüdische Bevölkerung, der es auf diese Weise unmöglich gemacht werden soll, ihre Kinder im Judentum zu unterweisen. Das Cheder, die jüdische Volksschule, ist verboten, — und wer gegen das Verbot handelt, dem drohen Gefängnis und Deportierung nach einsamen, öden Inseln Sibiriens, während dem ehemaligen Zarenregime die Riesenfläche des sibirischen Festlands bei Verbannungen genügt hat. 1 Wie einst die Marannen in Spanien,, so unterrichten heute die russischen Juden ihre Kinder unter den größten Vorsichtsmaßregeln, mitunter des Nachts in verborgenen Kellern. Und wehe, wenn ein Spion ein Unterrichten entdeckt! Dann werden selbst die zarten, jungen Kinder ins Ge-' fängnis geschleppt. Dort sucht man durch geschicktes Ausfragen ihnen die Namen der „Schuldigen" herauszulocken .Doch, kein, Kind wird einen Na- Rr. 5. Seile 9 existieren wenigstens offen die Jeschiwoth. Natürlich sind sie den Schergen des Atheismus und KorynmnisWUS ern Dern iMAuge. Diese Schergen entstammen aber jüdischen Eltern und dürften nicht selten selber Zöglinge, von Cheder und Jeschiwah sein. Der nichtjüdische Müsse.steht dem Leben in der russischen Judenheit zu fremd gegenüber! . ' Es gibt in Rußland heute kein Gesetz, wenn es auch nicht an'Gesetzparagraphen fehlt. Gesetz bedeutet stets einen gegenseitigen Vertrag; die heutigen Gesetzparagraphen in Rußland dienen aber nur einseitig den Interessen der Regierung und werden in Fällen, in denen sie diesen Interessen nicht dienlich sind, als nicht vorhanden betrachtet. Auch in diesem ihm selbstverständlich/dünkenden. System übertrumpft der Bolschewismus selbst die finstersten Perioden entarteten Glaubens. Die jüdischen Schergen des Bolschewismus wollen jetzt zu einem Schlage gegen die Jeschiwoth ausholen, da sie sehen, daß trotz teuflischster Knebelungen das jüdische Leben noch immer lebenskräftige Pulsschläge zeigt. So will man denn in der großen Ukraine eine einzige Jeschiwah in Charkow als gesetzlich erklären und alle anderen verbieten. Die beiden großen Jeschiwoth in Charkow — eine der Mithnagdim und eine , der Chassidim — sollen erst einmal ihre gesamten Zöglinge in ihre Heimat entlassen und dann werde die Regierung Bedingungen erlassen, zu denen aus der ganzen Ukraine Jimglinge in die von der Regierung legalisierte Chyrkower Jeschiwah ausgenommen werden. Die Lösung des Rätsels von Charkow liegt auch für den politisch nicht Geschulten auf der Hand: Bernichtung der Jeschiwoth! Der einen noch bleibenden Jeschiwah würde man Bedingungen dekretieren, die sie faktisch für ihren Zweck illusorisch machen. So stehen die Dinge in Rußland. Eines der tragischsten Kapitel der jüdischen Geschichte vollzieht sich dort. Auch die stärkste Widerstandskraft muß dauerndem Druck am Ende erliegen. Tief traurig ist es aber, daß die Juden außerhalb Rußlands nicht verstehen, was dort vorgeht, und daß die jüdischen Philanthropen des Auslands, die paar, die noch für jüdische Zwecke geben, wieder einmal ihr Geld hergeben, ohne vorher mit den Machthabern Rußlands ein offenes Wort gesprochen und Zugeständnisse zu erreichen versucht zu haben. men verraten! In der jüdisiheü Mgend offen- ,blldungslurs«n im Osten. (Eint in Kürze stattfindende hart sich jetzt ein Heldentum, das alle edlenKeimeKl^nsummlun« soll neben dem stn«nMllen Erfvlg, tem in ihr zur Entfaltung bringt. Vielleicht könnte jüdischen Mittelstand bte Möglichkeit breten.fich auch durchs man mit einer solchen Jugend einst Eretz Israel kleinere Beträge an der Schaffung dieses Fonds zu beaufbauen! Hat doch das Wort Erez Israel in, ihr.teMgen, der ja der Agudas Jisroel hie Möglichkeit zur einen Zauberklang! Lösung wichtiger jüdischer Aufgaben ttetet.. Wir' erchar»? dMethnde sovbäteilitzen wirb, um dadurch ihre Anerkenntnis der von - .j-— -rr— vi* - r Agudas Jisrdel zu lösenden Lkllfgaben zum Ausdruck zu bringen- Um. den Sammlern/ einen' Ansporn zu geben, veranstaltet die Agudas Msroel . «in Preisausschreiben, an dern sichjeder, der Mk. 75.— an den K. G.-F abführt, k^teittgen kann. Wr werden es nicht Unterlasten, die Sanüstker zu informieren und werden, vor allem auch in aller Kürze durch Vorträge, Dersammlüngen und Artikel di« ideelle Vorbereitung für die K. G. beginnen, — Wir bitten auch auf diesem Weg« alle jüdisch-mteressierten-Kreise, keinem unserer Sammler «ine Absage zu geben. Die zum Kauf gelangende Kenefsio Gedaulo- Nadel von Mk. 1.— pro Stuck muß zum Schmuckstück werden. Deutsches Reich, kenefsio Gedaulo-Fond. Frankfurt a. M., 24. Januar. Laut Beschluß der Leitungder Weltorganisation Agudas Jisroel soll im Clul kommenden Jahres die zweite Kenefsio Gedaulo, der Weltkongreß stattfinden. . Angestelltenbund der Agudas Jisroel. , ' Frankfurt a. M., 28. Januiar. >' ^Es "Anregung der. Stellenvermittlungszentrale der Ägudas Jisroel; wurde letzte .Woche der „An ge stell« ten-Bünd der Agudas Jisroel" ins Leben gerufen. Der Sitz des Bundes .ist Frankfurt a. M. (Sandweg 32). Die Gründung von Ortsgruppen in den wichtigsten jüdischen Zentren Deutschlands ist bereits in die Wege geleitet. Die konstituierende Versammlung der Frankfurter Ortsgruppe findet im Laufe des Monats Februar statt, im Anschluß an eine öffentliche Kundgebung: „Die Lage der jüdischen Angestellten" statt. Die Tätigkeit des Bundes wird sich vornehmlich auf drei Arbeitsgebiete erstrecken: Stellenvermittlung, Rechts. Beratung unb soziale Fürsorge. Außerdem ist geplant, den Gedanken der Heiligung dse Sabbats zu propagieren. Auch sollen die Rechte der orthodoxen Arbeitnehmer vor der Regierung (z. B. Arbeitslosenfürsorge, Sonntagsruhegesetzgebung) in wirksamer Weise vertreten werden. Mitglied des „Angestellten-Bund Agudas Jisroel" kann jeder fabbathaltende Arbeitnehmer werden. Der Beitrag beträgt Mk. 1.— pro Vierteljahr. Der Bund wird bereits im Laufe des Monats Februar erstmalig ein Bundesorgan unter dem Titel „Der jüdische Angestellte" herausgeben. Die Frankfurter Sprechstunde des Angestellten-Bundes findet in Gemeinschaft mit der Stellenvermittlungszentrale der Agudas Jisroel jeweils Montag und Donnerstag von 8— 9Uhr abends (20—21 Uhr) im Agudahaus Schwanenstrvße 12 statt. Eine Vende in der Berliner Gemeindepolitik. B e r l i n, 24. Januar. Die durch die anerkennenswerte Offenheit der „Jüdisch-liberalen Zeitung" gegen den Willen der beteiligten Parteien in die Oeffentlichkeit gelangte Abmachung zwischen den Liberalen und der Zionistischen Volkspartei, deren Inhalt an dieser Stelle vorige Woche gemeldet und in ihrem fragwürdigen Charakter bereits kurz gekennzeichnet worden ist, hat auf die Berliner Repräsentantenversammlung natürlich wie eine Bombe gewirkt. Die bisherigen Blockpartner der Volkspartei, zwei Mittelparteiler und ein Konservativer, nahmen in der Sitzung vom vorigen Donnerstag natürlich kein Blatt vor den Mund. M. A. Loeb begann mit einer Anfrage, ob die Mitteilungen der „Jüdisch-liberalen Zeitung" richtig seien oder nicht. Dr. Klee suchte nachzuweisen, daß die Abmachung der Zionisten mit den Liberalen keine Abmachung sei, sondern nur ein »geniJeman's agreemort» Es ist der Beschluß gefaßt worden, einen Mk. 100.000was Herrn Loeb selbstverständlicherweise zu dem zeitge- Fonds zu schaffen, der die Tagung des großen Rabbimäßen Hinweis auf das berühmte Lefsingwort von der Nischen Rates und den Weltkongreß selber sichern soll, | „plumpen deutschen Spröde" veranlaßt«. Bon ähnlichem vor allem aber zur Durchführung der wichtigsten Auf- Charakter war die Ausrede Dr. Klees hinsichtlich der gaben der Agudas Jisroel dient. Die Aufgaben, die den' Genehmigung des Zusammensitzens von Männern nnd Weltkongreß beschäftigen werden, sind neben den orga- Frauen in der Synagoge Prinzregentenstraße. Die Zioinisatorischen und innerpolitischen Fragest, Aufgaben all-'nisten werden in ihrer religiösen-Gewissenhaftigkeit diese > gemein jüdisch-sozialer und jüdisch-kultureller Art, wie Weiterentwicklung der Reform:-keinesmegs „genehmigen", 3- B. die Schaffung eines jüdischen Versicherungsamtes sondern nur „aus Grund von Gutachten: der liberalen i für jüdische Arbeitslose, die Schaffung einer jüdischen Rabbiner die Abstimmung^darüber freigeben.". Im übj Zentralbank, die Schaffung eines Systems von Lehrer-! rigen seien für die Zionisten „Palästina und die jüdische

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