Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1929-01-31 · Heft 5 (31.1.1929) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 5 (31.1.1929)
Date
1929-01-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2450547-2450552--75695-2533231
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

M . tkutu« 1kW -H-^r- 3 #-.«• «.#•-tl'i- L «M» N Gs MM R e i H«tz? ß L « nU und dWjt KWn Men zyWr der „MriAey", Wch der ^tonservq- Ochchal enisHeKen M M WüW Kötzer M-1 Gen" HMtrichWtz W. Oe sind; PonpW Wndlun^särtzeit der ÄdnWMW W den Li-' der MWn WpeT naGnalen Kräftlttejertums. Meäen zu vernichten. Es war zweifellos ein | - Auch iax der H e ni e j n H e Politik treibt Dtfylg der konfervcüiyen EinhMKfxeunde, Hatz die bedenkenlose Wenbosenpolstit der Zionisten 8chn.m der BerfäWng DesBeichsperhandes die seltsame Blüten, Was Öpfersind--- zunächst Wen „retiglösen HyuKtxichtstnHen" chieder einchch die BerlWt tzonservchiven oder, Wberalismüs und Qffiäie^t ^H^ranfeTt | besser gefWt, d e r Berliner Konservative, der M Mr M^ech prötokoWxYch beMnmt hat: s ei ff K itz.e MtLMr, hen die Berliner Gemeindedie „Schaffung von Gterrichtsanstalten kann oModoxie aus ihrenl Ubstmördetischen Bündnis Dr für die religiösen Hautztrichtunaen gleich-! M der Zioniplscheu Volkspürtei in die Rexrä- Wäßig Mter vMiger Trennung der A-nstästen", sentantenversanlMvng gerettet hattet Die Volks- Mrlgen. So unannehmbar eine derartige g e -! Partei hat Das mündlich und schriftlich festgelegte, f en s e l t i g e Anerkennung der Keugnung durch durch praktische Zusammenarbeit wiederholt W ie Ipreüe uNH umgekehrt, für die auf die Remkräftigte Abkommen mit der konservativ-mittelbeit ihrer Prinzipien bedachieunabhängige Dr--parteilichen Gruppe (die aus Moritz A. Loeb, chadoxie ist, so wertvoll war, pr a k t i s ch de- Rabbiner Dr. Weiße ynd dem alten Sanitätsrat trachtet, das Zugeständnis für. bielerti^en, bi« Stern besteht) einfach ignoriert und sich auf Mn einmal aus materiellen und ideellen RüÄ? Kosten der Bundesgen-osien mit den Liberalen »chten an der organisatorischen. Einheit der jü-! zu einem politischen Handelsgeschäft übelster WcheN „Konfession" um jeden Preis festhalten Sorte zusammengefunden, zu müssen glauben. Ueber die Einzelheiten dieses Geschäftes ha- Aber die numerisch zwar in der Minderheit tzen wir im Nachrichtenteil bereits vor zwei Wo- -chindliche, aber an Willensenergie den Liberachen berichtet. In der heutigen Nummer ist der tzen turmhoch überlegene zionistische Volkspartei, ruft diesem ktzyseroatiy-liberaken Dualismus durch den Mund Ko kl en sch er's in der letzten Nummer der „Rundschau" ein weithin schallendes JQuqs ego“ entgegen! „ D e r Entw u r f kann nie Gesetz werden, schreibt Herr Oollenscher, s o lang e n o ch tz n i r g e n d einer SteIle von den „zwer reiigiöken H auptrichtung en " d ie Rede ist." Die nationale Gruppe im deutschen Judentum fühle sich ebenfalls als gleichberechtigte religiöse „Richtung" und lehne es ab, sich auf die Heiden anderen „Richtungen" verteilen zu kaffen: offenbar glaubt man, — und Kollenfcher beutet das in halber Unbewußtheit selber an — baß die nivellierende, die Energie des spezifisch religiösen Empfindens abfchwächende Krüft des nationalen, Bewußtseins sowohl konservative als Werale Zionisten auch i n r e l igiöf e r H i nfi cht früher oder später zur geistigen Einheit zusammenschweißen muß. Diese Erwartung ist leider vollkommen berechtigt, extzmplatrAbüvt. Man lese nur die nachträgliche Anpöbelung, mit der ein „frommer" Zionist in der gleichen „Rundschau" Rabbi Chajim Svnnenfeld zu feinem achtzigsten Geburtstag bedenkt, und man wird staunend stille stehen vor Dem. Phänomen eines nationalen Fanatismus, der alle religiöse Verbundenheit, ja, jeden Schatten von Ehrfurcht vor einem Fürsten des Geistes und Des jüdischen Ethos vermissen läßt. Herr KolleNscher hat Recht -- solche Typen ge* Widerhall, den Der Treubruch der Zionisten in der Reprasentantenversammlüng der Berliner Gemeinde gefunden hat, in einem Berichte über die letzte stürmische Sitzung dieser Körperschaft niedergelegt. Den Liberalen kann man aus ihrem Verhalten kaum einen Vorwurf machen. Sie wollen naturgemäß möglichst rasch wieder zur Wahlurne schreiten und sagen sich, daß ein Lehrstuhl für deutsche Sprache an der Jerusalemer Universität Mehr nach deutscher Auslandspropaganda aussteht, denn als Förderung zionistischer Kulturpolitik. Anders die zionistische Bolkspartei. Mit einer für ihre Berliner konservativen Freunde — ob auch nicht für uns — verblüffenden Offenheit gibt die Partei ihre' religiöse Romantik als unnützen Plunder preis, läßt Männlein Und Weiblein bereitwilligst zu gottesdienstlichen Zwecken zueinander kommen und baut dem SonNtagskultus einen sicherlich recht pompös und kostspielig werdenden Tempel inmitten der Berliner Gemeinde. Uns wundert das nicht im mindesten, denn wir haben die frommen Anwandlungen zionistischer Politiker Bie stark schäumende Sauerstoff-Zahnpasta ■ wlrd von vielen Zahnärzten als beste Zahnvasta bezeick»net und fe'bst benützt. 8tel*e T>r*>e RO Pf BIO X - Ml UM D WASSER Flasche l.— und 2.— Mk. Grgen lockere Zähne. Prob e-fklasck,p gratt«!. M«x R'b A. O.. Dre^d**»! niemaly ernst ^Gmmen und wyren immer davon überzeugt. Daß es so ist, wie ßm«L der Herr«» irr der Repräsentäntenversammlung erklärte: Palästina wiegt alles andere auf — offenbar auch die Thora und die Achtung vor geschlossenen Vertrügen. .> Für die. konservativen Kreise innerhalb der Berliner GemeinDe aber sollte das Erlebnis zur Lehre werden; sie haben sich zu einem gute» Teile der - leidenschafttichen'. Propaganda der Volkspartei ergeben und sich durch die Name» einzelner gesetzestreüer Herren auf den Lifte» dieser Pärtei für den Zionismus einfangen« lassen. Run sieht man das Ergebnis. Die Parteidisziplin siegt überall über düs religiöse Prinzip. Sie trennt Gesetzestreue von Gesetzestreuen innerhalb der Einheitsgemeinde, genau so wie sir fromme Juden, nur weil sie sich einmal dem Zionismus verschrieben haben, blind macht für ihre innere durch das Gottesgesetz gewollte, und geheiligte Verbundenheit mit der unabhängige« Orthodoxie. Wann werden die überall hin Versprengte» durch Schaden klug und innerlich reis werden für die Einheit der gesetzestreuen Iudenheit? Zusammenbruch der zionistischen Politik in Polen. Die klaffende Wunde, die die Wahlpolitik Grünbaums bei den letzten polnischen Pärlamentswählen der eigenen Fraktion geschlagen hat, kann nun tödsich werden für den jüdischen Klub und die jüdische ParlaMentspolM in Polen. Man erinnert sich der krassen Gegensätze zwischen Warschau und Lemberg. Ost - galizien unter Leon Reich wollte die oppositionelle Minderheitspolitik der Warschauer, wie sie von Grünbaum mit aller Energie und bis zur letzten Konsequenz vertreten wurde, nicht mitmachen. Grünhaum zeigte sich als d^r Stärkere, und er hatte sich — zu Tode gesiegt. Der Riß zwischen dem jüdischen Ostgalizien und Kongreß polen war nicht mehr zu schließen. Darüber hinaus führte die Grünbaumfche Oppositionspolitik dahin, daß das Friedenswerk zwischen Polen und Juden, das im besten Gange war, mittendrin übbrach. Alte Gesetzesbestimmungen aus der russischen- Rumpelkammer, die schon so gut wie gestrichen waren, blieben zu Recht bestehen. Die polnische Regierung weigert sich, mit Grünbäum und seinem Klub zu verhandeln. Das ist nicht schön und recht von ihr, und wir wollen den Minister nicht in Schutz nehmen. Vielleicht ist es nur eine Ausrede, den sauren Apfel noch einmal eine Weile liegen zu fassen. Aber Grünbaum und Freunde dürfen für sich in Anspruch tisch. .Es ift eine Z 1t gemeint, in welcher uvr olle Jtnb. jede nicht von Go't kommende jüdisch» Vo'kskvltax als lebensunfähig und Gottesgehorsam als unsere einzige Bestimmung erkannt. — eine Zeit, in der olle menschlichen Ethiken sin als erz'ehungsunfähig und Go'tes Gesetz als alleinige Erziehung Israels und der Menschheit sich an uns bewährt haben roirbi Ob uns von dieser Stunde noch eine lange Zeit tr-nnt? — Kleines Feuilleton. Kuriosa aus dem polnischen Städtchen. Da gibt es im Bialistoker Kreis ein Städtchen mit dem schönen Namen „Isaak", und bewohnt ist der merkwürdige Ort seit vielen, vielen Jahren von etwa -ehn jüdischen Familien, die sich ausschließlich mit Landwirtschaft befassen. Ein Unikum, dieser Flecken,, wegen feines Namens, seiner jüdischen Bewohner und der Art 'hrer so ganz und gar nicht jüdischen Beschäftigung. Und er har seine Geschichte. Es waren ausgediente „Nikolaier Soldaten", die nach 25jähriger Dienstzeit vom Zar Nikolaus selbst den Boden geschenft bekamen. Er hat sich vererbt auf Kinder und Kindeskinder. Eine jüdische Dorfgemeinde mit guter Landwirtschaft. Kein Wunder, daß eine solche Gemeinde von Tradition ihren Ahnenstolz, Hab, ihren Adel gern ausspielt. Nun kommt das neue Gemeindegesetz für das polnische Zentrallilauen und mutet der. alten, Gemeinde zu, sich »»egen chr^r,. Kleinheit einer zandp.ren, größeren Gemeinde einzuoerleiben. Da lacht „Jizchok" nicht mehr, das Städtchen mit dem biblischen Namen und den biblisch lebenden Bewohnern setzt sich kräftig zur Wehr. „Wir waren von jeher selbständig und unsere eigenen Herren. Sollen wir auf einmal än fremdem Tische sitzen, abhängig von anderen, beherrscht sein?" In Wilna kennt man aber keine Pietät und keine Traditionen. Das arme „Jsaakchen" schreit und wehrt sich, und in Wilna lachen sie. Gesetz ist Gesetz! Aber vielleicht versteht man sich im Regierungshaüfe mehr auf solche sensible Dinge als in der Kultusstube, wo Dr. Wigodski den Mussolinistab führt. Und nun ein Pendant. In einem Winkel Galiziens gibt es ein Städtchen mit dem weniger schönen Namen „Schiwjitz" und der wenig schönen Tradition, rein v o n Juden zu bleiben. Es ist der einzige Ort in der ganzen polnischen Republik, wohin zu gelangen bis jetzt noch keinem Juden geglückt ist. - Aber da glaubte ein jüdischer Advokat, es sei eine neue Zeit auch für Polen angebrochen, und dann gäbe es wohl keinen Platz auf Erden, der so frei von der jüdischen Konkurrenz sei wie dieses Schiwjltz. Er meinte auch, wenig Nach außen den Juden zu vertaten, seinen Namen hatte er längst geändert. Vielleicht besaß er auch einen Taufschein, man weiß es nicht. Solche Leute pflegten in Dingen der Religion sehr diskret zu sein und später ihre diskrete Existenz mit.einer Mitteilung in der Zeitung: „Die stille Beerdigung hat stattgefunden . ." I abzuschueßen. . I Allein die guten Schiwjitzer haben, vielleicht durch regen- Verkehr mit Hunden, einen güten Geruchsinn. Als unser Advokat am» zweiten Tage seines Äufenthaltes in der sonderbaren Stadt in sein Büro kam; fand er die .gesamte Inneneinrichtung m Stücken und Scherben herumliegön, alle Akten und Bücher flogen in Fetzen herum. Mit dem letzten, das er noch retten konnte, machte er sich noch gleichen Tages aus dem Weichbilde der Stadt, um zur „jüdischen Konkurrenz"^ zu gelangen. . Man sieht, es gibt noch sonderbare Ecken im vereinigten Lande der Pans wir in den Herren feiner Menschen ... * ■ * Das Städtchen W a re n f ch unweit von Warschau läßt sich beglückwünschen zu dem „Doktor", den es endlich nach Wunsch bekommen hat. Seit dem Weltkrieg besah der Platz keinen Arzt, «» blieb nichts anderes übrig, als entweder gesund zu bleiben, oder . . . Vorübergehend kam 1924 ein Arzt ins Städtchen, ein Jude sogar und wurde mit Jubel begrüßt. Die Enttäuschung kam gleich, als man einsah. daß es ei« wahrer „W ü n de r doktor" war, ein Wunder, so scherzten die Leute, daß ein solcher Meister des Nichtwissens „Doktor" werden konnte. Konnte er als Arzt nichts Heilsames vollbringen, so wollte er sich auf anderm Gebiete betätigen. Als beamteter Stadtarzt fing er an. die Juden bis aufs Blutzu schikanieren. Und Kulturträger war er auch, einer von der roten Art, wie man sie drüben, jenseits der sowjetrussischen Grenze, hat. So siel es ihm ein, ausgerechnet am Kol Nidre-AbeNd Haussuchungen bei den Juden abzuhalten und Protokolle über angebliche sanitäre Verfehlungen aufzunehmen. Aber kurz darauf ging er. Er wurde gegangen — wegen einer häßlichen Sache, die mit seinen jüdische« Qualitäten nichts zu tun hatte, und Warensch war erlöst. Nun hat das Städtchen wieder einen „Doktor", einen richtigen Arzt, der auch Jude . ist. Merkwürdiger Mann, dieser „Doktor". Erstens schämt er sich seines Juden-- tüms 'nicht, zweitens versteht er auch wirklich fein Me-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.