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Der Israelit · 1929-01-24 · Heft 4 (24.1.1929) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 4 (24.1.1929)
Date
1929-01-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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24. Januar 1929 auch unter jenen im Westen nnsäsiig-en 'Ostjuden «us, die mit wachsender Sorge beobachten mußten, wie ihre Töchter dem-Milieu und dem Geiste des elterlichen Hauses allmählich sich entfremden. Verspricht uns der internationale Charakter der Beth Jakob-Bewegung die Dauer und die günstige zukünftige Entwicklung des neuen Hei'- mes, so verbürgt uns der ostjüdische Charakter dieser neuen Schöpfung den großen inneren Wert derselben. Die große Sehnsucht nach einer Heimat, die in der Seele all unserer ostjüdischen Brüder und Schwestern, besonders aber im Herzen der Jugend lebt, soll in diesem neuen Heim für Mädchen Befriedigung finden. Das neue Beth Jakob-Heim wird zum überwiegenden Teile von Mädchen aus ostjüdischen Kreisen frequentiert, wenn es auch selbstverständlich allen jüdischen Mädchen ohne Unterschied der Provenienz, offensteht. Haben ja auch alle Kreise der Wiener Judenheit zur Schaffung dieses Heimes beigetragen. Die israelitische Kultusgemernde Wien, die Israelitische Allianz, die V'nei B'rith-Loge haben der Beth Jakob-Zentrale bei dieser Gelegenheit ihre Mithilfe geliehen. D ie Ein wei hung. Herr Wolf Pappen he im eröffnete den Festakt, begrüßte die anwesenden Gäste und warf einen kurzen Rückblick auf die Geschichte der Beth Jakob-Bewegung. Herr Rabbiner Gerson Ha g e r begrüßte im Namen der Judenschaft des XX. Bezirkes die Gründung des neuen Heimes, das die Aufgabe hat, die jüdischen Mädchen jüdisch, treu der Tradition ihrer Familie, zu erziehen. Hierauf folgte eine Rede des Herrn Rabbiner Moses Blech, der in begeisternden Worten über die Wichtigkeit und Notwendigkeit der Belehrung der künftigen Mütter unseres Volkes hinwies. Der Direktor der Keren- Hathora-Zentrale, Herr Dr. Leo Deutschländer, fetzte flch in geistvollen Ausführungen mit den pädagogischeN Aufgaben der Beth-Jakob-Schulen auseinander. Der Vizepräsident der Kultusgemeinde,' Dr. Jakob Ornstem, versicherte unter lebhafter Akklamation der Anwesenden, daß er nichs nur als Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde, sondern auch persönlich mit lebhafter Sympathie das Gedeihen dieses Werkes, das einer Erziehung B'ruach Hathora gewidmet ist, verfolge. Rabbiner Dr. K o h n versuchte im Rahmen der großen Konzeption der Aguda den Ewigkeitswert dieses feierlichen Augenblickes darzustellen. Zum Schluß überreichte der rührige Vorsitzende des Wiener Beth-Jakob-Komitees, Herr Salomon Tür kl, dessen aufopfernder, unermüdlicher Tätigkeit der Ausbau der Schule zu danken ist, Herrn Wolf Pappen heim eine künstlerisch ausgeführte Adresse. Die Adresse bekundet, daß der Beschluß zur Gründung und Erweiterung des Beth-Jakob-Heimes aus Anlaß des 80. Geburtstages dieses jugendfrifchen Vorkämpfers der Orthodoxie gefaßt wurde. Herr Pappenhsim dankte in bewegten Worten für die ihm zugedachte Ehrung. Mit diesem Akt, der symbolisch auf die innige Verbundenheit der Jugend mit dem Alter Hinweisen soll, schloß das stimmungsvolle Fest. Iugoflavien. Der politische Umschwung in Jugoslawen nnd die Inden. Belgrad, 13. Januar. Das auf Grund einer Proklamation des Königs entstandene neue Regime in Jugoslawen hat die judenfreundliche Einstellung der bisherigen Regierungen beibehalten. König Alexander entsandte zu den am 9. Januar anläßlich des Geburtstages der Königin Maria stattgefundenen Gottesdiensten sowohl in die sephardische, als auch in die afchkenasische Synagoge seine speziellen Vertreter, während die neue Regierung des Generals Zsiwkowits zwei aktive Minister in die jüdischen Gotteshäuser entsandte. Die jüdischen Gemeinden und Organisationen sind von den Vorschriften betreffend Auflösung von Vereinigungen und Verbänden nicht betroffen worden. (ITA.) Tschechoslowakei i Die Führer der slowakischen Orthodoxie beim i Präsidenten Ulasaryk. Preß bürg, 20. Januar. Dienstag den 15. Januar empfing Präsident Ma - s a r y k eine aus den Herren Oberrabbiner Schreiber (Bratislava), Präses des orthodoxen Rabbinerkomitees, Oberrabbiner Weber (Piestany),, Präses der orthodoxen _ D.e r Israelit _ Landeskanzle' und Oberrabbiner Katz (Nrtra), Mitglied des orthodoxen Rabbinerkomitees., bestehende Deputation. Nach dem üblichen Segensspruch, der auf den Präsidenten einen sichtlichen Eindruck machte, richtete zunächst Oberrabbiner Schreiber eine schwungvolle Ansprache an den Präsidenten. Er brachte die Anhänglichkeit und die vorbehaltlose Treue der von der Deputation vertretenen Orthodoxie zum Ausdruck und v-ersicherte, daß dieselbe ihre Pflichten gegen den Staat stets opferbereit erfüllen werde, wie sie auch erst vor kurzem das zehnjährige Jubiläum der Republik mit allen Staatsbürgern gemeinsam aufrichtigen Herzens feierte. , Präsident Ma faryk dankte ergriffen für die Huldigung und versicherte, daß er immer in demselben Geiste wirken werde. Nachdem die Rabbiner auf Aufforderung des Präsidenten Platz genommen hatten,- entwickelte sich eine anregende Unterhaltung zwischen dem Präsidenten und den Mitgliedern der Deputation. Oberrabbiner Weber wies auf die schwierigen Repräsentationspflichten hin., die auf dem greisen Präsidenten während der Jubiläumsseierlichkeiten lasteten, weswegen die Deputation erst heute vor ihm erscheine und verdolmetschte die patriotischen Gefühle, die anläßlich des Staatsjubiläums im Rahmen von gottesdienstlichen Veranstaltungen und in der Errichtung von gemeinnützigen Stiftungen in allen Gemeinden des Landes wirksam zum Ausdruck kämen. Präsident M a s a r y k dankte wiederholt für die geäußerte staatstreue Gesinnung und unterhielt sich mit der Deputation, über verschiedene aktuelle Angelegenheiten. Oberrabbiner Schreiber gegenüber erwähnte er, daß er die Stadt Preßburg seit seiner frühesten Jugend kenne und sie oft besuche. Eine Anspielung Oberrabbiner Webers auf die Dankschuld der Juden ihm gegenüber wehrte er bescheiden ab und ließ nur die Einwendung des Oberrabbiners Katz, daß die himmlische Vorsehung sich seiner als Werkzeugs einer gerechten Sache bedient habe, gelten. ' Mit einem warmen Händedruck endete der für das orthodoxe Judentum in der tschechoslowakischen Republik denkwürdige Empfang beim Präsidenten Masaryk. Litauen. Konferenz der Ianme-Lehrer. Kowno, 10. Januar. In den letzten Chanutatagen tagte - in Kowno die litauische Landeskonferenz der in „Jawne" organisierten Lehrer. „Jawne" vertritt den Standpunkt, daß jüdische Erziehung nur auf der j ü d i s ch e n R e l i g i o n basieren kann. An der Konferenz waren beteiligt: 61 Gymnasien, einige Progymnasien und das einzige Lehrerseminar in Litauen (Telschi), das ebenfalls eine Schöpfung des „Jawne" ist. Die Konferenz wurde im Stadthaus durch den Rabbiner von Wirballen, Rabbi Hirschowitz, eröffnet, die Verhandlungen führte der Direktor des Lehrerseminars, Herr I. Holzberg. Der Bildungsminister war anwesend und betonte in seiner Begrüßung, daß die litauische Schulpolitik stets dem Gedanken der konfessionellen Schule huldigte. Referate wurden gehalten von Rabbiner Hirschowitz über die Frage: „Was ist Thoraerziehung?" Dr. Holzberg: „Die Ziele der Jawne-Schulen", Dr. D. Carle bach: „Gegenwartsprobleme der jüdischen Erziehung". Die Unhaltbarkeit der weltlichen und «religiösen Schulen wies der Kownoer Raw, Rabbi Schapiro, in einem eingehenden Vortrag nach. Weitere Referate hielten die Herren H. I. Schmulowitz über: „Der Jawnelehrer als Erzieher in- und außerhalb der Schule", Herr Ch. Krön über den „Jawnelehrer-Berband" und Herr I. Kopelowitz über: „Die rechtliche Lage des Jawne". Die Konferenz trat den Gerüchten, als sei von der Regierung eine Zusammenlegung verschiedener Schulen geplant, entgegen und erhob Protest gegen falsche Ausstreuungen der Tarbut-Organisqtion gegen „Jawne". An der Konferenz nahm auch Herr Dr. Deuts chlän der vom Keren Hathora teil. Auch Ae lettische Lehrerschaft war vertreten. Herr Dr. D e u t s ch l ä n d e r referierte auf der Konferenz über: „Die geistige Lage des allweltlichen Judentums" und in einem öffentlichen Bortrage im Hauptsaal der litauischen Universität über: „Biblische Motive im Goetheschen Faust". Letztere Vorlesung war von der orthodoxen Akademikervereinigung organisiert. Eine Delegation, der Konferenz übermittelte dem Bik- Nr. 4. Seite 7 dungsminister die Wünsche und Beschlüsse der litauischen jüdischen Lehrer. Palästina. Eine Abordnung der Aguda bei Chancellor. I e r u salem, 17. Januar. Eine Abordnung der palästinensischen Agudas Jisroel, geführt vom 80jährigen Rabbi Sonnenfeld, erschien gestern im Regierungshause und wurde vom Oberkommissar Sir John Robert Chancellor empfangen. Die Abordnung sprach die dringende Forderung aus, die aschkenasische Gemeinde in Jerusalem wie überhaupt die selbständigen orthodoxen Gemeinden, die sich der Knesseth Israel nicht unterordnen wollen, als öffentlich-rechtlich - Körxerschaften anzuerkennen. Der Oberkommissar erwiderte der Abordnung, er habe früher geglaubt, daß eine geschlossene jüdische Gemeinschaft in Palästina im Rahmen der Knesseth Israel zu erhalten möglich sein wird; jetzt sehe er aber ein, daß die Institution einer Einheitsgemeinde fast eine Unmöglichkeit sei. Er werde demgemäß sein Bestes tun; um beide Parteien, die Knesseth Israel w < die selbständige Orthodoxie, zufriedenzustellen. Die Mitglieder der Agudah-Abordnung betonten im Verlauf der Unterredung, daß die Aguda bereit sei, mit dem Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) als der Repräsentanz der Knesfetb Israel jederzeit zusammenzuarbeiten und daß eine solche Zusammenarbeit bereits in der Angelegenheit der jüdischen Vertretungen in den Stadträten und in der Frage der Klagemauer in Erscheinung getretenist. Amerika. Wiedererwachen der Kalenderreform-Bewegung. Nervyork, 29. Dez. Der Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses des Repräsentantenhauses, Stephen Porter, hat beim Kongreß eine Resolution eingebracht, die sich für eine Kalenderreformbewegung ausspricht und ein Jahr von 13 Monaten zu 28 Tagen, zuzüglich eines jährlichen Blankotages, verlangt. In einer Versammlung der jüdisch-religiösen Organisationen in Amerika, hat man beschlossen, gegen das Projekt Porters in Opposition zu treten und rm Sinne des seinerzeit von der „Agudas Jisrael" und anderen jüdischen Instanzen vor dem Völkerbund vertretenen Standpunktes jede Regelung zu bekämpfen, die den historischen Sabbat seiner Würde beraubt und ihn einem leeren Mechanismus opfert. Eine Kalenderreform ist sehr wohl möglich, ohne daß die Kontinuität des der Menschheit seit Jahrtausenden heiligen Sabbattages berührt wird. 40 Iahre jüdische Gewerkschaften in Amerika. Newyork, 1. Januar. In der Carnegie Hall wurde in diesen» Tagen das 40jährige Bestehen der vereinigten- Mischen Gewerkschaften (United Hebrew Trades), der 81 Arbeitervereine mit insgesamt 120.000 Mitgliedern 'angeschlossen sind, festlich begangen. Hauptredner des Abends war der Präsident der amerikanischen Arbeitersöderation William Green. Der Sekretär der jüdischen Gewerkschaften Maurice Finestone erließ eine Erklärung, in der es heißt, die jüdischen Gewerkschaften haben seit ihrem Bestehen einen großen amerikanisierenden und sonstigen erzieherischen Einfluß auf die Mische Arbeiterschaft ausgeübt. Die Schneider, Konfektionäre, Bäcker und Lederarbeiter wurden straff organisiert. — Beglückwünschungen sandten der frühere britische Premier Ramsay Macdonald, der Chef der französischen Gewerkschaften Leon Jouhaux, der Sekretär der internationalen Gewerkschafts-Föderation John Sassenbach und viele Arbeiterführer aus verschiedenen Ländern. (I. T. A.) Personalien. Dr. D. Spiegel Altona,. 20. Januar. In tiefe Trauer wurde Hamburg-Altona durch den Heimgang Dr. D. Spiegels versetzt. Dr. D. Spiegel kam in jungen Jahren aus ungarischen Jeschiwaus nach Frankfurt, wo er zu den ersten Schülern des unvergeßlichen Frankfurter Raw, Dr. S. Breuergehörte. Zeitlebens hat der ivwn pv?x seine Dankbarkeit den nip'v' wo er gelernt hat, durch verschiedene Zuwendungen an

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