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Der Israelit · 1929-01-24 · Heft 4 (24.1.1929) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 4 (24.1.1929)
Date
1929-01-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite" 6. Nr. 4 Der Israelit 24. Januar 1929 eigenen jüdischen Anstalt wird erfolgen müssen, sobald die Mittel dazu vorhanden fein werden. Einstweilen werden Schritte getan werden, um da, wo es möglich ist, eine geordnete Seelsorge zu schaffen. Vierte Reichskonferenz des Versandes ostjüdifcher Organisationen in Deutschland. Berti n, 14. Januar. Im Sitzungssaal der jüdischen Gemeinde Berlin wurde am Sonntag den 13. Januar, vormittags, die vierte R e-i ch sk o nfe renz des Verbandes ostjüdis ch e r O r g a n i s a ti o neu in Deu tschland mit einer Ansprache des Vorsitzenden des Verbandes, Herrn Samuel H a a r p u d e r, eröffnet. Ms Richtlinie für die Arbeit des Verbandes der ostjüdifchen Organisationen gab er an: Mit den Massen und für die Massen; mit dem Endziel: Arbeit für Klal-Jisroel. Es folgten Begrüßungen der Vertreter der jüdischen Organisationen Deutschlands. Nach Wahl des Präsidiums folgte das Referat von Dr. I. Taubes über die allgemeine Lage der Ostjud-en. Er behandelte den gangen Komplex der ökonomischen, sozialen und kulturellen Fragen der Juden in Osteuropa und der osteuropäischen Juden im Westen, insbesondere die Frage der jüdischen Wanderung, und berichtete über die Zahl der Ostjuden m den einzelnen Gemeinden Deutschlands. Er kam zu dem Resultate, daß trotz des wirtschaftlichen Vernichtungsfeldzuges gegen das Judentum in Osteuropa dieses Judentum bei seiner Vitalität sich durchsetzen wird. Er zeich nete ein Programm der Kulturarbeit, die es dem Ostjudentum erleichtern soll, die Jüdifchkeit in der fremden Atmosphäre zu erhalten. eines Schauchets in den verschiedenen Dienstjahren und mit Genehmigung der Oberschulbehörde wie bisher weiter drückte die Hoffnung aus, daß es dem Verbände baye-' geführt wird. Die Schule hat die Berechtigung für die rischer Israelitischer Gemeinden gelingen möge, dies« j Obersekunda der Vollanstmlten. .Anmeldungen für alle Schochtim-Verband. Würzburg, 1. Januar. Im Sitzungssaal« der hiesigen Kultusgemeinde trafen sich heute die Schochtim Bayerns zur dritten Generalversammlung. Der Vorsitzende, Herr Neustädter-Bad Klssmgen, eröffnet« gegen 1 Uhr mittags die Berfamm lung und begrüßte die erschienenen Kollegen und die Gäste, darunter die Delegierten des deutschen Schochtimverbandes mit herzlichen Worten. Alsdann dankte Herr Bezirksrabbiner Dr. Hanover für die an ihn ergangene Einladung und führte aus daß der Zusammenschluß der Schochtim nicht gerade zufällig erfolgte, sondern als - eine unbedingte Notwendigkeit im Interesse der Schechttosrage, die in großer Gefahr sei und damit auch für den Klal erfolgen mußte, denn gerade hier sei die . Sorge des einzelnen die Sorge der Gesamtheit. Herr Engel überbrachte die Grüße des Verbandes bayerischer Israelitischer Gemeinden und der Kultusgemeinde Würzburg und gab die Versicherung ab, daß der Verband alles unternehmen werde, um die Beamten in eine gesicherte Existenz zu versetzen und daß dort, wo noch nicht alle Wünsche erfüllt sind, zu berücksichtigen sei, daß der Verband noch selbst in den Entwicklungsjahren stehe. Zugleich sprach er das Interesse der Kultusgemeinde Würzburg an dem Schochtimverband aus. Nach der Bekanntgabe einer kleinen Aenderung in der Tagesordnung (hervorgerufen durch Einschiebung des Referates Bacharach) durch den Vorsitzenden erfolgte der Jahresbericht durch denselben. Zi'r Zufriedenheit aller Teilnehmer konnte der Vorsitzende aus seinem Briefwechsel mit der Fl.-Ber.-Genossenschaft in Mainz seststellen, daß die Versicherung der Schächtbeamten bei der Fl.-Ber.-Genossenschaft nach jeder Hinsicht gutgeheißen werden kann; er gab die Anregung, beim Verband bayerischer Israelitischer Gemeinden vorstellig zu werden, daß auch die Beamten der Kleingemeinden gegen Unfall dort zu versichern seien. Mit kurzen Worten berichtete N. sodann von der Mitarbeit des Schochtimverbandes in der Schechitofrage, die immer noch die Sorge der bayerischen Juden sei und die mit Haschems Hilfe bald zu einem günstigen Ende kommen möge. Er gedachte ferner der Anregungen, an die verschiedenen Rabbiner, die Unterstützung zur Hebung des Schochtimoerbandes betreffen und bedauerte, baß die Gesuche nicht immer die nötige Unterstützung fanden. Mit Bedauern erwähnte er sodann die Mißerfolge bei der letzten Tagung des Verbandes bayerischer Israelitischer Gemeinden in Bamberg, die in der Hauptsache aus das Verhalten eines Beamtenvertreters zurückzusühren seien. Als sprechenden Beweis für die Benachteiligung der Schächtbeamten machte der Vorsitzende ziffernmäßige Angaben der Gehälter eines Lehrers und Gegensätze bald auszugleichen. Schriftführer Kurzweil-Treuchttingen dankte als zweiter Vorstand des Verbandes Herrn R. für die geleistete Arbeit im abgelaufenen Vereinsjahre und reg! die Gründung einer Schochtimschule cm. Er macht Vorschläge, wie sich bis zur Verwirklichung dieses Problems die Ausbildung von Schochtim bewerkstelligen ließe. Der Vorsitzende glaubt, diesen Punkt für einige Zeit zurückstellen zu müssen, da in absehbarer Zeit die neue Lehrerbildung wohl Verhandlungen mit der Seminarleitung ermöglichen würden. Im Anschluß an das Wort 'wr 'nm gedachte Lubinskt - Schweinfurt dankend des Vorsitzenden, dem es gelungen ist, den Verband in der kurzen Zeit auf 31 Mitglieder zu bringen. Sodann folgt sein Referat: „Kann und darf man an unseren Hilchaus Schechito ubedikoh den medizinisch^-wrssenschastlichen Maßstab anlegen?" Reicher Beifall dankte dem Redner. Rach dem Minchogebet und einer kurzen Pause erhält Bacharach aus Eschwege das Wort zu seinem Referat: „Was soll der Schauchet können oder Aus der Praxis für die Praxis". Zunächst verliest Bacharach ein Schreiben des Vorsitzenden vom Schächtbüro in Berlin, in welchem angeregt wird, alle im Schlachthaus« gemachten Erfahrungen über dort vortommende Tierquälereien von nichtjüdifcher Seite dorthin zu berichten. Sodann gibt er aus seiner langjährigen Praxis Beispiele und zeigt, wie das Verhalten des Schauchets im Schlachthaus« den Metzgern und sonstigen dort Angestellten von großer Bedeutung sei. Selbstredend sei es, daß der beste gerade gut genug fei, um Schauchet zu sein und daß ein sicheres Wissen und Können dazu beitrage, das Ansehen der Schochtim zu heben. Er setzte dabei voraus, daß auch die "Gemeinden ihre Pflicht voll und ganz erfüllen müßten und dem Schauchet die Besoldung geben, die seiner Berussanstrengung und seiner schweren Arbeit wert sind. Er wies auch darauf hin, daß alles zu unternehmen fei, um Angriffe von außen abzuwehren und führte im Anschluß daran der: neuen Kopshalter, der für alle Schlachthäuser zu empfehlen sei, vor. Neustädter dankte Herrn Bacharach für seine Ausführung. und erwähnte, daß gerade der Schochtimverband Bayerns es sich zur Ausgabe gemacht habe, für die gründliche Ausbildung der Schochtim bemüht zu sein und betont, daß gerade hier die Unterstützung der Rabbiner unbedingt notwendig sei. Es folgen von verschiedenen Seiten Anregungen auf einen eventl. Zusammenschluß mit dem deutschen Schochtim-Derband. Wegen. Kürze der Zeit konnte hierüber ein Beschluß, ebenso auch über die eingelaufenen Wünsche und Anträge nicht gefaßt werden. Wie verlautet, wird in einiger Zeit eine außerordentliche Generaloerämmlung zu diesem Zwecke anberaumt werden. Lehrer-Fortbildung. Würzburg, 20. Januar. Wir werden daraus hingewiesen, daß in unserem Bericht über die Lehrer-Fortbildungskurse in Würzburg folgender Irrtum unterlaufen ist: Die Versammlung wurde im Namen der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg nicht von dem in unserem ersten Bericht Genannten — in der Versammlung gar nicht anwesenden Herrn — begrüßt, sondern vom Gemeindeoorstand Buxbaum, der den Gefühlen eines freudigen Stolzes der Gemeinde über die in ihrem Bereich stattfindende Versammlung Ausdruck verlieh und darauf hinwies, daß Würzburger Gemeinde und bayerische und deutsche Lehrerschaft durch die Israelitische Lehrerbildungsanstalt Würzburg zwei untrennbare Begriffe geworden seien. Redner wünschte, daß der Geist des Gründers der Anstalt, dessen fünfzigster Todestag vor kurzem gefeiert wurde, über der Versammlung walten möge und daß die anwesenden Lehrer mit neuer Begeisterung für ihren Beruf in ihre Wirkungsstätten zurückkehren mögen. Schulklassen' werden an den Schultagen zwischen 1 und, 2 Uhr von der Schulleitung entgegengenommeni. Für die Vorschulklassen kann Ermäßigung des Schulgeldes gewährt werden. Wahlen in der Dresdener Jüdischen Gemeinde ' Dresden, 21. Januar. In der Jüdischen Gemeinde zu Dresden fanden die Wahlen zum Gemeinderat, der sich Ende 1928 auflöste, am Sonntag den 20. Januar unter außerordentlicher Beteiligung statt. Abgegeben wurden insgesamt 920 Stimmen, wahlberechtigt waren 1160 Gemeindemitglieder, so daß eine Wahlbeteiligung von 80 Proz. zu verzeichnen ist. Ungültig waren 39 für den Gemeinderat und 15 für den Gemeindevorstand abgegebene Stimmen. In den Vorstand sind gewählt drei Liberale (415 Stimmen), zwei Mitglieder der Jüdischen Volkspartei (360 Stimmen). Auf die 122 Stimmen der Volksvereinigung für jüdische Interessen entfällt kein Vorstandssitz. Hingegen verhalsen die für die Vereinigung abgegebenen 122 Stimmen zuzüglich der 55 Reststimmen der Liberalen auf Grund der zwischen diesen beiden Parteien erfolgten Listenverbindung den Liberalen züm dritten Borstandssitz. In den Gemeinderat wurden gewählt: 7 Liberale, 6 Volksparteilsr und zwei Mitglieder der Volksvereinigung für jüdische Interessen. Die mit den Liberalen eingegangene Listenverbindung der Volksveremigung brachte auch im Gemienderat den Liberalen einen Sitz mehr. Insgesamt gehören dem Vorstand und Gemeinderat 10 Liberale, 8 Volksparteiler und 2 Mitglieder der Volksoereinigung an. Die Liberalen verlieren einen Vorstandssttz zugunsten der Volkspartei, die neben Dr. John Levy neu den Kaufmann Samuel Weiger in den Vorstand entsendet. Der Liberale Max Leoi scheidet aus dem Vorstand aus. Von der Israelitischen Mädchenschule. Hamburg, 20. Januar. Das Kuratorium der Israelitrfchen Mä dch e n r ealschule (Lyzeum), Bieberstrahe,' teilt mit, daß die Schule, entgegen anderslautenden Acte Teilungen, Oesterreich. Ein Fest der Wiener glaubenstreuen Judenheit Wien, 20. Januar. Es war eine seltene Feier, welche die Wiener glaubenstreue Judenheit am vergangenen Sonntag begehen durste. Selten deshalb, weil es uns nicht oft vergönnt ist, nebst den Schlachtrufen der Politiker auch positiv e Schöpfungen erstehen zu sehen; selten, denn die Wiener glaubenstreue Judenheit hat schon seit langem keine Eroberungen, speziell aus dem Gebiete der jüdischen Erziehung machen können. Nun ist an der Grenze des zweiten und zwanzigsten Bezirkes ein Heim erstanden, bescheiden m seinen Atzungen, aber vielversprechend für eine gedeihliche Zukunft, die wir alle dieser neuen Stätte echter jüdischer Mädchenerziehung wünschen. Die Wiener Orthodoxie besitzt wohl noch andere bewährte und hervorragende Anstalten für Mädchenerziehung, so die Mädchen-Volksschule des Talmud-Thora-Schulvereines im 2. Bezirk, die Religionsschule der Jessode Hathora der Adas Jisroel. Doch sind es zwei Momente, die bei dem neuen Heim der Deth Jakob- Schule besonders hervorgehoben werden müssen. Das Heim führt den Namen Beth-Jakob und weist auf die große, heute schon fast alle europäischen Länder umfassende Bewegung hin, die, von Keren Hathora patronisiert, unter dem Namen Beth Jakob für die Erziehung des jüdischen Mädchens im religiösen Geiste sorgt. Die Beth Jakob-Organisation hat in Polen bereits 130 Stunden geschaffen und baut in Krakau eine zentrale Lehrerinnenbildungsanstalt, unterhält in Litauen gemeinsam mit der Schulorganisation „Jawneh" eine Reihe jüdischer Schulen, darunter zwei Mädchengymnasien und eine Lehrerinnenbildungsanstalt und hat feit einigen Monaten auch in Bratislava einen Fortbildungskursus für Mädchen ins Leben gerufen. In den meisten europäischen Staaten und auch in Amerika konstituieren sich Beth Jakob-Frauenkomitees, die, vom Gefühl der Solidarität durchdrungen in vorbildlicher Weise die materiellen Mittel zur Erhaltung dieses grandiosen Schulnetzes auszubringen Helsen. In Wien, dem Sitz der Allgemeinen Zentrale des Keren Hathova, ist endlich nun auch das erste eigene Heim des Beth Jakob entstünden, entstanden in jenem Kreise, der in seiner Lebensanschauung hauptsächlich' von seinem HÄmatlande Polen beeinflußt wird. Der gewaltige Aufstieg, der Beth Jakob-Bewegung in Polen wirkte sich allmählich

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