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Der Israelit · 1929-01-24 · Heft 4 (24.1.1929) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 4 (24.1.1929)
Date
1929-01-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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24. Januar 1929 Der Israelit Nr. 4. Seite 5 Deutend auch immer die eben behandelte Schrift Herfords fein mag, dem des Englischen Unkundigen wäre deren Bedeutung nicht so aufgegangen, wenn jenes Buch nicht eine so gewandte und verständnisvolle Ueberfetzerin wie Rosalie Perles gefunden hätte. Wahre, ungekünstelte jüdische Wärme durchweht jedes Wort, das diese seltene Frau anscheinend federleicht findet, um noch so schwierige Partien Herford'scher Redegewalt vollinhaltlich zu meistern. Ihr gebührt ein erklecklicher Anteil innigen Dankes seitens aller Leser deutscher Zunge. ner, Dr. ph-il. David Ochs, cand.- med. Kurt Sabersti, cand. jur. Karl A. Flörsheim und cand. ph-il. Siegfried Ossenberg. | In größerer geselliger Veranstaltung beging die Ber-! liner Vereinigung jüdischer Akademiker am- Dienstag! Abend ihr 25jähriges Stiftungsfest. Horrespondenzeii « nachricMcn. Deutsches Reich. viii. Bundestag des Bundes Jüdischer Akademiker Berlin, 12. Januar. (Schluß.) Der Dienstag war vor allem dem Referat des Herrn -Studiendirektors A. Spier-Hamburg über; „Naturwissenschaftliche Erkenntnis als immanentes Problem jüdischer Weltanschauung" gewidmet. In gründlicher Durcharbei tung seines Themas ging Redner von der Definition der verschiedenen das Gebiet seines Referates bezeichnenden Begriffe aus, um dann auf die Tatsache naturwissenschaftlich fundierter Probleme innerhalb der - jüdischen Weltanschauung -einzugehen. (Die Art dieser Problematik ist am bestendurch ein Beispiel gekennzeichnet, welches Referent eingehend besprach, indem er darauf hinwies, daß im kommenden Jah-re nach der üblichen Kalen derb-e re chnung Peffach vier Tage zu früh, d. h. vvr der Tekupha falle.) Scharf hob Referent hervor, daß er die Problematik nicht als Zweifel auffaffe, sondern als Aufgabe für denjenigen, der Thora als Weltanschauung erstrebt. Die verschiedenen Lösungsmeihoden (Agnostizismus, Relativismus,Mehrwahrheitstheorie), die beim Auftreten eines derartigen Problems angewandt werden, wurden vom Referenten kritisch untersucht und vor allem die Grundzüge des bekannten Defsauerfchen Buches „Re-lig-ion, Natur und Weit" eingehend dargestellt. Im Anschlüsse daran auch ein Versuch gemacht, auf dem Dessauerschen Weg den Begriff des Wunders dem Verständnis näher zu bringen. Stark "unterstrichen wurde vom Referenten, daß ihm nur daran liegen, Probleme aufzuweisen, insoweit die Beschreibung, nicht aber da nur -die Erklärung der Naturerscheinungen in Frage komme, da Erklärungen von Naturerscheinungen im naturwissenschaftlichen Sinne nicht vorhanden sind. Die Ausführungen sollten in erster Linie dazu dienen, nicht so sehr endgültige Lösungen zu geben, als vielmehr die. Bundesbrüder zu veranlassen, an Hand der im Referat gegebenen Materialien weiterzuarbeiten. Die Diskussion beschränkte sich, insoweit sie sachlich war, im: wesentlichen auf -den Hinweis auf die Kant'sche Erkenntnistheorie und vor -allem auf das von dem Referenten gebrachte Kalenderproblem. Im Rahmen eines kurzen Berichtes ist naturgemäß eine eingehende Darstellung dieser komplizierten Materie nicht möglich. Es fei' daher nurkürz darauf hingewiefen^ daß 'von - Herrn -Rabbiner Dr. Munk besonders-abgesehen von anderen Erwägungen — auf Sanhedrin 11b hingew-iesen wurde, wonach drei Momente für die Einschaltung eines Schaltmonats in Betracht kommen. Einer dieser Momente ist die Tekupha. Sobald zwei von diesen drei Motiven die Einschaltung -erforderlich machen, durste und muhte, sie -erfolgen. Also auch -ohne das Vorhandensein des Motivs der Tekupha. Es konnte also der Fall jederzeit eintreten, daß ohne Rücksicht auf die Tekupha Pessach um 30- Tage hinausgeschoben wurde. (Diese talmudische Bestimmung hak natürlich auch Maimonides übernommen.) D-er Abend des Montag, sowie der ganze Mittwoch waren geschäftlichen Beratungen gewidmet. Einstimmig wurde die rastlose Arbeit des Bundesv-orsitzenden Joseph Stern anerkannt, der unte-r dem Beifall aller Delegierten auch für die folgende Amtsperiode zum Bundesvorsitzenden gewählt wurde. Das Bundespräsidium besteh' nunmehr aus folgenden sieben Berliner Herren: Joseph Stern, Dr. phil. Moses Auerbach, Dr. jur. Alfred Wie¬ Berlin, 20. Januar 1927. Da der genaue Wortlaut der in unserem Bericht erwähnten Resolution betreffs des Din Thora weitere Kreise interessieren dürfte, geben wir denselben hier in Ergänzung unseres vorwöchentlichen Berichtes in extenso wieder: „Das „schiedsgerichtliche Verfahren" des deutschen Rechts gibt die Möglichkeit, Streitigkeit zwischen jüdischen Parteien vor einem Bes Din zur Regelung zu bringen. -Damit erwächst den gesetzestreuen Kreisen die hohe Verpflichtung, die wenn auch begrenzte Verwirklichung jüdischen Rechts und jüdischer Rechtssprechung als lebensgestaltender Mächte in Angriff zu nehmen. Die Woche. Berlin. Der „Verband ostjüdischer Organisationen in Deutschland" nahm in seiner Sitzung eine Resolution gegen Jakob Was-- s e r m a n n an, der sich in Vorträgen über die Qualität der ostjüdischen Emigranten in Deutschland abfällig geäußert hat. Köln. In Cleve kam es aus Anlaß einer nationalsoziaistischen Versammlung, für die die Stadtverwaltung das Rathaus zur Verfügung gestellt hatte, zu Ausschreitungen. Alles, was irgendwie jüdisch aussah, wurde aus dem Saal verwiesen, wobei es zu blutigen Schlägereien kam. Wilna. Rach Zeitungsberichten existiere in, W i l n a eine „Organisation katholisch getaufter Juden", die in jiddischer Sprache katholische Mission betreibt. Rewyork. Colonel Herbert Lehmann wurde zum Vizegouverneur des Staates Rewyork ernannt und in fein Amt eingefühöt. Lehmann betätigt sich in verschiedenen jüdischen Organisationen in Amerika. Letzthin hatte er der Organisation „Poung Judaea" eine Spende von Doll. 2500 überwiesen. — Der Joint bat das Abkommen mit der Sowjetregierung unterzeichnet, wonach weitere 15 000 jüdische Familien mit 125 00V Seelen in Rußland angesiedelt werden sollen. Moskau. In Sowjet-Georgien wurde ein neuer jüdischer autonomer Rayon eingerichtet. Dort wurden 123 jüdische Familien angesiedelt und in die Landwirtschaft eingeführt. — Rach Zeitungsberichten wurde in Newel die große Jeschiwa geschlossen und drei Synagogen beschlagnahmt. Die Rabbiner und Dozenten wurden verhaftet. Die Synagoge in B ri an s k wurde in einen Arbeiterklub verwandelt. — Als mutmaßlicher Mörder des General S l a st s ch o w, der früher zu dem Pogromstabe Denekins gehörte und zuletzt im Dienste der Sowjets stand, wurde ein Jude namens Köllen be.rg verhaftet. Dieser gestand die Tat ein und gab als Grund an: Rache für die von Slasffchow umgebrachd ten Juden, unter denen sich auch fein Bruder befand. Er wollte dem Beispiele Schwarzbarts folgen. Der Bundestag des B. j. A. legt es allen seinen Mitgliedern ans Herz, ihr wissenschaftliches Streben dahin zu richten, die praktische Ausgestaltung einer solchen jüdischen Schiedsgerichtsbarkeit sowie die Probleme, die sich für die Anwendung des jüdisch-talmudischen Rechts auf die besonderen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Gegenwart ergeben, zu -erforschen und mitzuhelfen, die Thora in ihrer Ewigkeit und Vollständigkeit zu Ehren zu bringen. Das Bundespräsidium wird ersucht, Maßnahmen zu treffen zur Heranbildung von Persönlichkeiten, die die Erkenntnis der Grundlagen des talmudifchen und modernen Rechts in sich vereinen." die materielle Förderung von Organisationen und Anstalten zur Verfügung gestellten Mittel wurde an einige Altersheime, Waisenhäuser und Erholungsheime verteilt. Für das neu gegründete Erziehungsheim in Marburg wurde mit RückHMdarauf, daß die Anstalt im Anfang nur eine kleine ZHl von Zöglingen aufnehmen solle und sich daher noch nicht wirtschaftlich selbst erhalten könne, ein erhöhter Zuschuß bewilligt. Es wurde der Wunsch ausgesprochen,,daß Rabbiner, Lehrer und Aerzte, an die sich erfahrungsgemäß die ratbedürftigen Eltern schwer erziehbarer- Kinder wenden, auf das erste jüdische Heilerziehungsheim Hinweisen möchten. Die Begründung von Beobachtungsstellen für psychopathische Kinder wurde empfohlen. — Bei der Verteilung der Subventionen, stellte sich heraus, daß in manchen Gegenden zu viele gleichartige Anstalten, besonders Waisenhäuser, vorhanden sind. Eine Zusammenlegung solcher Anstalten wird m Betracht gezogen werden müssen. Der Wohlfahrtsausschuß sprach sein Bedauern darüber aus., daß ihm bei der Etatsfestsetzung von Jahr zu Jahr die Mittel für seine sozialen Ausgaben verkürzt werden. Vevölkerungspolitik und. die Begründung von Haushaltungsschulen bildeten den Mittelpunkt der allgemeinen Verhandlungen. Der bevölkerungspolitische Ausschuß hat beschlossen, zur Klärung der Probleme und der Möglichkeit praktischer Maßnahmen eine Konferenz von etwa 40 bis 50 Personen einzuberufen, für die ein Programmentwurf vorliegt. Von theoretischen Erörterungensoll abgesehen und nur solche Vorschläge sollen besprochen werden, die von Seiten der Verbände und Gemeinden wirklich durchführbar sind. Der bevölkerungspolitische Ausschuß wurde beauftragt, das gesamte Programm noch einmal durchzuberaten und die Themen und die Redner zu bestimmen. Für hauswirtfchaftliches Ausbildungswesen wurde von Frau Ollendo-rff ein ausführliches Programm entwickelt. Eine Gefetzesvoralge über Einrichtung der hauswirtschaftlichen Berufsschulpflicht steht in Aussicht. Darauf habe der Wohlfahrtsausschuß sich vorzubereiten. Es soll m jeder größeren Gemeinde eine Haushaltungsschule eingerichtet werden. Die Schulen sind bei der in Deutfchland bestehenden Arbeitslosigkeit von größter Wichtigkeit. Jüdische Hausfrauen werden sich eher entschließen, jüdisches Personal anzustellen, wenndieses -eine gründliche Vorbildung erhalten hat. Für hauswirtschaftlich gut vorbereiibete Mädchen werden sich die Heiratsaussichten mehren und die Zahl der Mischehen dadurch verringert werden. Zur Leitung einer Haushaltungsfchule soll «ine staatlich geprüfte Gewerbelehrerin berufen und die Schulen müssen nach staatlich genehmigtem Plane geführt werden. Städtische und staatliche Subventionen müssen angestrebt werden. Die Vorarbeiten soll der Jüdische Frauenbund, verstärkt durch einige Sachverständige, übernehmen. Es wurde ferner in Aussicht genommn, das wegen mangelhaften Besuches geschloffene K in d e r h e i m B a d Ems in ein Erholungs- und Genesungsheim für Kantoren, Prediger und Lehrer umzuwandeln. — Ein Antrag, einen Stipendien-Fonds für Studierende sowie für Handwerker zu schaffen, -wurde bis zur Beendigung der mit Vertretern der jüdischen Studierenden. schwebenden Verhandlungen zurückgestellt. In Bezug auf die Dienstanweisung für die Gefangenen-Seelsorge und -Fürsorge wurde daraus hingewiesen, daß in diesem Jahre der Strafoollzugsgesetzentwurf und der Entwurf für Strafentlassenenfürsorge zur Annahme gelangen und unmittelbar danach die Landesausführungsbestimmungen erlassen werden. Diese Bestimmungen müssen so gestaltet werden, daß wir wirklich helfen können. Die Juden fallen sich mehr als bisher mit der sozialen Gerichtshilse beschäftigen. — Es wurde festgeftellt, daß in öffentlichen und privaten Anstalten sich die erschreckend große Zahl von' 1088 Geisteskranken befinden. Die Gründung einer Preußischer Landesverband jüdischer Gemeinden. Berlin, 13. Januar. Am Sonntag den 6. Januar 1929 hielt der Wohlährtsausschuß des Preußischen Landesverbandes Micher Gemeinden unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Türk 'eine Wintersitzung ab. Ein kleiner Rest der ihm für Wochenkalender. v. 28 Jan. bis 2. Nebr. 1929 / v. 15. - 22. SSebat Sam-rag Jan 26 V2V 15 Sonnta« 27 16 Montag 28 17 Dienstag 29 v. . 18 Mittwoch 30 19 Donnerstag 31 20 vertag Febr 1 21 Sa nswg 2 22 ni-»a n»an vw

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