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Der Israelit · 1929-01-24 · Heft 4 (24.1.1929) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 4 (24.1.1929)
Date
1929-01-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2. Nr. 4 und Lehre des Judentums aus dem Gedächtnis streichen zu müssen. Damit sind wir aber bereits bei einem dritten Erzlehungsfaktor in Samson Raphael Hirschs Schriften angelangt: Ganzheit. An Unbedingtes .u glauben und Unbedingtes zu wollen, ist Sache der Jugend. Sehen wir uns um, was die meisten Eltern aus diesem glücklichen Vorrecht der Jugend gemacht haben. Halbheit und Kompromißlertum, Geteiltheit und Mittelmäßigkeit. Wo sind me Menschen aus einem Guß, die von innen heraus das Ganze wollenden und den Geist bejahender.' Söhne und Töchter? Weil die Eltern Angst hatten vor dem religiösen Fanatismus, haben ihre Kinder sich mit dem ganzen Radikalismus der Jugend auf Genuß, Sport und Geschäft geworfen. Wollen wir wieder eine Jugend, der das Judentum Lebensausdruck einer gottsuchenden und gotthabenden Persönlichkeit ist, wollen wir dem Jugendlichen den Weg zeigen zu einer sich ganz mit jüdischen Werten durchdringenden Weltanschauung, dann geben wir ihm Hirsch in die Hand. Er stellt ihm eine Ausgabe, in der die Universalität des Lebens und die Totalität des Seins sich spiegelt, - eine Aufgabe, die jeden Splitter seiner Kraft und jede Spanne seiner Zeit in den Dienst Gottes stellt und ihn ganz erfaßt, bis aus der Anbetung Gottes: Huldigung Gottes durch die Tat geworden ist. Denn nur die Tat ist wahrhaft Tehilla, Verherrlichung der Gottheit, nur auf der Leistung beruht Wert und Unwert, Sein und Nichtsein des Menschen auf Erden. - Indem er so dem Aktivismus der Jugend das höchste Ziel vor Augen hält, legt er den letzten Stein an sein Erziehungsgebäude. Nun werden Sie vielleicht fragen: Haben nicht schon andere, und andere vor ihm, ähnliche oder gar dieselben Gedanken zum Ausdruck gebracht? Das mag zugegeben werden, wenn wir nur zweierlei hinzufügen: Keiner hat sie so wie er mit jener Urkraft und Genialität, mit jener durchdringenden Entschiedenheit und harmonischer.! Entschlossenheit im Boden des Judentums verankert. Und dann: Er war doch unser! Er hat doch dieses ganze Bildungsideal dem gesetzestreuen Judentum geweiht, in seinen Dienst sein Forschen und Lehren gestellt, in seinem Sinn sein Leben vorgelebt. Was ihn aber vollends zu unserem Erzieher macht, ist, daß er sich nicht damit begnügt hat, seine Forderungen zu stellen und seine Gedanken zu hinterlassen, sondern bewußt darauf abzielte, uns den Weg zu zeigen, auf dem er zu ihnen, gelangt war, daß er so über sich selbst hinaus wies, uns an die Quellen führte, uns gewöhnte. Lebensgestalkung. Don Zr. (i. Den -jmn nannten unsere Religionsphilosophen im Mittelalter die Materie, mix die Gestalt und rp^sn den Daseinszweck jeden Gegenstandes. So bedeutet z B. usin des Stuhls das Holz des Waldes, seine mix sind seine 4 Fütze, sein D"den und seine Lehne; seinm^an ist das Sitzen der Menschen. Diese dreifache Wertung jedweden Gegenstandes haben unsere a'ösn aber, nach Meinung eines neueren Erklärers, längst vor der Zeit jener Philosophen gekannt und auch jeden dieser Begriffe insbesondere den der mix auf die allgemeinen irdischen und göttlichen Angelegenheiten des Menschenlebens bezogen: auf Gesetz, Lehre und Erwerb. I. Im ntPK naa paa loben die Weisen solche rrn* welche mVna C^mia einander im Gesetze vorwärtshelfen, und dieses Lob wird auf den Vers des Hohenliedes gestützt: nanx lVm »Sein Banner, das zu mir eilt, ist Liebe" Als Bedingung fügen die hinzu: xnrwam xmix ’sm xini Sie müssen aber über die mix ihres Lern-Themas im Klaren fein. Gemeint ist mit der nVnrv dem ,Dorwörtshelfen" im Gesttze sicherlich ein rasches Hinstreben zur Einigkeit über halachische Streitfragen. Daß die Gelehrten, um die es sich handelt, über m!?an das Ziel ihres min — Lernens einig sein müffen, D e r Israelit_' Tauroh nicht ohne Talmud, Talmud nicht ohne Tauroh zu denken, kurz: daß er unser rn war in des Wortes edelster Bedeutung, wie er sie umschrieb: Ein Lehrer, der sich in den vielen Schülern, die er hat, vervielfältigt, und in jeder guten Eigenschaft eines jeden von ihnen, in jeder guten Tat eines jeden von ihnen sichtbarlich fortlebt und weiterwirkt. Im Hinblick auf dieses Ideal kann ich meine Betrachtung schließen. Möge das, was er gelehrt und durch die Tat gekrönt, unserer Zeit und unserer Jugend wieder zur Erziehung dienen, eine immer neue Mahnung sein., bei dem von chm Hinterlassenen nicht stehen zu bleiben, den sturmbewegten Ausgangspunkt seines Schaffens stets frisch in Erinnerung zu behalten, seinen Ideen und Werten Heimstätten zu bauen und Schüler herarzubilden, um seines Namens und seines Werkes willen, bis daß der Tag apbricht, zu dem er uns' den Weg gewiesen, da Judentum und Judenheit wieder eins werden, und seine Ideale allgemein geworden in der Menschheit, und über ihn das Prophetenwort sich erfüllt hat: mar Ep’nawam **7sn n^i$^> D’aaiaa amn ’p^xai jrpm mita „Und die Wahrheitskünder werden leuchten gleich dem Glanz des Firmaments und die Jugendbildner wie die Sterne für immer und ewig!" Wochenrundschau. Der „Ort" und feine Ausstellung. Die Gesellschaft zur Förderung von Handwerk und Landwirtschaft unter den Juden, nach den russischen Anfangsbuchstaben ihres vollen Titels „Ort" genannt, zeigt in den Großstädten Deutschlands, zuletzt in Frankfurt, im Rahmen einer Ausstellung, was sie bisher geleistet hat. und wohin ihre weiteren Ziele gehen. Der „Ort" besagt uns nichts Neues. Die drei Grundgedanken seines Entstehens und seines Wirkens lauten: 1. Hilfe für den jüdischen Osten im Lande selbst, 2. kein Almosen, sondern Arbeit, 3. die Arbeitsmöglichkeiten seien in der Landwirtschaft und im Handwerk zu schaffen. Daß die Hilfsaktion im Lande selbst, zumal nach der Neugestaltung Europas, die direkten, offiziellen- Druck und Rechtsbeschränkungen auch in den Ost- und Randländern über den Haufen geworfen und den Kampf des jüdischen ist so selbstverständlich, daß es b<er gornicht erwähnt wird: typ*?! mwxVi •nau^ naVVi na^H; über den lairi' den Stoff, die Einzelheiten kann und muß es zwischen Geistern Meinungsverschiedenheiten geben. Gewiß dürfen nun die mn beim Lernen diese Verschiedenheiten zu überbrücken suchen, um zu einer Einigung zu gelangen. Aber stets muß dies ohne Verlassen des logisch einwandfreien Weges der Wahrheit vor sich gehen 'a«n xmix ’snn xnv Form und Prägung ihrer Meinung dürfen dabei nicht verloren gehen. Denn beim wahren n"n ist nicht nur wie bei jedem Anderen, der sich der min widmet, das n^an* die Wahrheit selber heilig, sondern ebenso jeder zu ihr führende Weg. n. iaxs^ naia pmn 'X nam min nia!> axi Wenn du viel Thora gelernt hast, mim *p^ ’a lehren uns die Sprüche der Väter, dann halte das Gute nicht für dich fest, sondern teile es Andern mit, denn dazu bist du geschaffen. Wenn du die Lehre in dir selber auch zur höchsten möglichen Vervollkommnnng ausgenommen und verwirklicht bast, so bist du auch damit nicht am Ziele deines Daseins und dem des Daseins deiner Familie ongelangt. Alles Gelernte ist an sich nur min Stoff, ja du, deine Seele und ihre Erfüllung mit min ist nur eine mix. die Prägung deines Charakter nur Mittel. Weg und Vorbereitung für den deines Kindes, der dir als n’*?an, als L^bensideal vorschwebe. Dein Vater sah in seinem Werden nur mir und in deinem mVan seines Lebens, du sieh in deinem Thora-Streben mxu nur die mix. steh in Deinem Werden wiederum mix und in dem deines Kindes n^>an. Auch diesem wird ein ähnliches Ziel vor Augen gestellt werden, bis dasjenige ui ersteht, das selber mVan 'aller Zeiten und mm ist ai’V 24. Januar 1929 Mittelstandes und gegen denselben zu einem rein wirtschaftlichen Konkurrenzkampf gestaltet hat, weit produktiver und aussichtsreicher ist, als die auf dem Wege der Emigration, ist heute jedem klar. Die Judenwanderung, aus Elend geboren, mußte fortgeugend neues Elend gebären. Auf ein Dutzend, das irgendwo über Land und Meer eine neue Heimat gefunden ,kommen zwei, Dutzende, die, heimatlos und entwurzelt, sich in den Ländern Europas dauernd imnn ^i-Zustande befinden. Aus dieser Misere heraus ist der W a n - . d e°r a r m e entstanden, der das Ostjudentum im Westen, ganz ohne Grund, so sehr in Mißkredit gebracht hat. Der Wanderarme als Typus für sich, der wandert, weil er a r m ist und arm ist, weil er w a n d e r t. Es sollen damit die Wanderarmenfürsorge auch auf der Basis der privaten - Wohltätigkeit und der gerade in diesem Belange sich auswirkende'jüdische Zdokogeist in ihrer Bedeutung nicht herabgemindert werden. Aber als Ideal kann es auch uns nicht erscheinen, diesen Typus zu schaffen, und so begrüßen wir die Arbeit des „Ort" nach der Richtung einer besseren und sicheren Seßhaftmachung unserer in wirtschaftliche Not geratener Brüder im Osten aus vollem Herzen. Daß Arbeit mehr ist als A l m o s e n , daß soziale Aufrichtung hoch über der kleinen Unterstützung für den Bedarf des Tages steht, ist nicht eine Erfindung des „Ort", sondern ist in Talmud und Dezisoren in klarster Formulierung ausgesprochen, was aber wiederum den Wert der npix zur Abhilfe der kleinen, täglichen Not nicht herabsetzt. Sollte aber endlich die Produktivierung der jüdischen Massen, je.nach der Eigenart und den Umständen des Landes, durch Förderung von Hundwerk oder jüdischer L a n d w irisch a f t vor sich gehen, so geschieht das, — wenigstens was das Handwerk anbetrifft, — in Anlehnung an die bisherigen tatsächlichen Verhältnisse in den Ostländern, die bis jetzt schon einen überaus großen Stab von jüdischen Handwerkern Zählten. In bestimmten Gegenden in Rußland und der Ukraine haben Juden gezeigt, was sie auch in der Landwirtschaft können. Die Resultate all dieser vom „Ort" geförderten und unterstützten Betätigungen, die heute im Westen vor Vertretern der Regierung und der Gesellschaft gezeigt werden, werden auch ihre apologetische Wirkung nicht verfehlen, werden den Juden, und nicht zuletzt den Ostjuden, in ganz anderem Lichte sehen lassen, als wie er sonst in der Vorstellung und im Vorurteile der Menschen lebt. Bleibt nur noch zu wünschen, daß der „Ort" überall, wohin er seine Netze ausbreitet, auch den 'iai -jnx ibap, der Weltensabbat, das m^an de* Erschaffung von Himmel und Erde. Zum Weiteraeben der niln Mft bu nax11 feibstns, ' Gestatt und Weg. III. Im Talmud wird uns von pa D*wnp hw erzählt, dem Manne, in dessen Vaterhaus es üblich war, v2va mixa ^anon^ xVff' nicht die Gestalt einer Münze zu betrachten. Mögen die griechisch-römischen Dämonendorstellungen oder die Kunstvergötterungen antiker Münzen ihn zu solcher Zügelung seiner Blicke bewogen haben. — auch tieferer Sinn wird in diesem Berichte gesucht. Der -,jain, der Rohstoff des Geldwesens überhaupt ist Arbeit und Erwerb. Ohne diese kann auch e n ö’ttmp p nicht sein Leben fristen. Der n^>an des Erwerbs ist für ihn. nicht minder aber für jeden gottesfürchtigen Menschen, die Erhaltung der Existenz zum Dienste des Schöpfers. Dieser a'ffnp ja aber ging über diese Grundforderung der XT weit hinaus, indem er nämlich nicht nur keinen yaBa n^am keinem erwerblichen Endzweck sein Leben unterordnete, sondern diesem Leben auch nicht yaaa n yx die Gestalt eines nur irdischen Zwecken dienenden Lebens verlieh, — wahrscheinlich, indem seine Zeiteinteilung in erster Linie der mm diente mim ’xay max^ai »ap. Von jener Lebensweise aber,, deren ganzes Gepräge Gewinn und Verdienst ist, wollte er nicht einmal wissen: yaaa mixa ^anon x!?. Er betrachtete nicht einmal die Lebenseinteilung und.. Daseinsvrägung nach dem Erwerbe, würdigte sie keines Blicks. Der Erwerb war ihm nain, bloßer Stoff des Lebens; G efta lt und Einteilung seines Erdenwall ns nicht minder als sein Ziel war die Lehre Gottes. Ob Gesetzesforschung, ob Forterbung der Lehre,

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