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Der Israelit · 1929-01-24 · Heft 4 (24.1.1929) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 4 (24.1.1929)
Date
1929-01-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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■p—iw-—- 24. Januar 1929 Nr. 4 Frankfurt a. Al., den 13. sch-bHs8s «(]]] Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum mjBjj Will Begründet von Dr. Lebmann in Mainz. l\ 1 1 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 1924: Deutschland 1 Toldmark monatlich; Ausland: Vterteltahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Bersandes) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Amerika 1 Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli Frankreich 38 Fr.; Belgiiu ab 1.7.27. Belga 8; Holland 2 fl.; Italien ab 1.1 28.18 Lire; Jugoslawien 66 Din,; Litauen 7.50 Vit,; Stamäitien ab 1. 7. 37. 150 Lei; Polen 4 deutsche Toldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 6 Fr. Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Vengö 5 ab I.Juli 1927; Dänemark 8. SO Krön; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.80 Krön. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Toldvf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Famtlienanzrige« nur 80Pf. Die 78 mm breite Reklamezette r letzte Textseite 1.80 Mk., vorletzte Text eite 2.— Mk.; iefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufende« Vorbehalt. Jnseratenannahme durch de« _ _ _ . w Rechnetgrabenstratze 7, Tel. Hansa 5843 söw. durch sämtl. Annoncen»Exved7des In-und Auslands. Alleinige Juieratenan«. fur Frankf. Gefchäftsanz.: Jul. Schmidt, Langestr. 7, n, Tel. Hansa 4841. Platzvorschr. ohne Berbindlichk. — Postscheckkonto ich Blank & Co. i« Frankfurt a. M. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat Februar! Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b,H., Frankfurt a„M, S. R. Hirsch als Jugendbildner. Rede gehalten zum 40. Jahrzeitstag. Von Dir. Dr. Elias, in AÜrkh. II. Drei Elemente sind m dieser Sprache, die tiefe erzieherische Wirkung auslösen, weil sie dem Jugendlichen unentbehrlich sind: Der jugendliche Lebensrhythmus, das hohe Ideal vom Menschentum, und die Totalität des Seins. Wenn der Jugendliche in seinen Kämpfen um Gott und seine Reinheit sich bemüht, sich einen Lebensplan zurecht zu legen, und Vorbilder sucht dafür, da kann ich mir keinen besseren Führer denken wie Hirsch. Er läßUihm eine Ahnung aufgehen, daß es keine Gegensätze gibt vor Gott, daß das Gute und Schöne, Wissen und Glauben, beides Gegensatzpaare im heutigen Menschen, keine Widersprüche sind auf dem Boden des Judentums, läßt die Erkenntnis in ihm aussteigen, daß er, und gerade er, berufen sei, Reinheit zu bewahren, nicht aus kindlicher Unschuld, sondern aus männlichem Wollen ' heraus, bringt ihm den Begriff wahrer Geltung zu Bewußtsein, die nicht im Haben und Schein, sondern in der Tat liege, und läßt schließlich das sehnsüchtige Auge des Jünglings und des Mädchens schweifen zu jenen seligen Gefilden jüdischer Hoffnungen und jüdischer Freude, , die nicht vergällt sind durch Sünde und Treulosigkeit, läßt aber auch den Gefallenen nicht Ziehen, ohne die aufrichtende Gewißheit, daß es nie zu spät ist zur Rückkehr. Judentum ist Jugend, in hunderten von Variationen singt Hirsch dieses Lied hinaus in die dekadente Welt, nirgends aber wirkt es eindrucksvoller, niemals so erhebend, erregend.und umwandelnd, als in den Momenten, wo das Lebensgefühl besonders stark sich geltend macht: So hat Wohlgemuth nur als einer von vielen geschildert, wie ihm zum ersten Male die Ideenwelt Hirschs aufgegangen und zum unverlierbaren Besitz geworden ist: In der Unendlichkeit zwischen Himmel und Erde, in der unfaßbaren Weite der Welt und im Gefühl der Freiheit und der Freude. Tief hineinblickend in die Seele des Jugendlichen fand Hirsch den richtigen Ton zur Gestaltung junger Mer scheu und Geschlechter. Das war nicht System, das war Natur, jugendliche Natur, ein Erkennungszeichen seines Genies. Daneben steht als zweites Clement: das Menschheitsideal. Die drei Seiten des Menschtums ließ er in uns erklingen, nicht nur theoretisch als abgezogene dürre Begriffe, sondern lebenersüllt, dem Leben abgerüngen. Mit unbeirrbarer und unbeirrter Kraft geht er der Wahrheit nach. Man hat gesagt, er hänge sich oft an Worte, um Kritik zu üben. Jawohl, das tut er. Aber es find Schlagworte, und wer weiß, welche Macht diese Schlagworte gerade auf die Jugend haben, der versteht diesen Eifer und weiß ihm Dank dafür! Hirsch als Wahrheitsforscher wirkt geradezu aufregend. Wenn man feinen Chaurew liest und Schritt für Schritt merkt, wie alles sich zum Ganzen fügt, wenn man am Ende eines jeden Abschnittes mit durstiger Seele seine Diwrei Nichunim ausnimmt, scheint es fast, als ob Hirsch nie von den Dämonen des Zweifels, der Entzweiung und des Chaos angefallen worden wäre. Hatmanaberselbstinsolchen Stunden sein Pentateuch vorgenommen, fühlt man auf atmend, wie eine Frage nach der andern sich löst, wie ein Zweifel nach dem andern abfällt, da erkennt man, daß hinter diesen ausgeglichenen Ergebnissen ein erbittertes Ringen um die Erkenntnis des Wahren stattgefunden haben muß. Und wie kämpft er darum, dem Schönen seinen ihm nach Gottes Willen zukommenden Platz im jüdischen Leben zu sichern, über all die Barrikaden hinweg, die Haß und Verfolgung errichtet, durch den Panzer hindurch, den Angst und Not um unsere Seele gelegt haben. Und das Gute, das Sittliche, es beginnt bei ihm nicht erst im Juden und es endet nicht beim Juden, und es beginnt nicht bei der Tat und es endet nicht bei der Tat. Die 10 Gebote beginnen mit einem Appell an die Gedanken und enden mit einem solchen. Niemand versteht diese Mahnung so wie der Jugendliche. Gerade der Jugendliche hat die Sehnsucht, mit seinem Denken den Grund zu legen zur Tat, im Plan das Leben vorzubereiten und denkend das Leben zu vertiefen. Und wo Hirsch diese Ideale des Guten, Wah-' ren und Schönen findet, es ist ihm gleich willkommen, im Studium der Klassiker, wie der Geschichte der Nationen, der Erdwie der Naturkunde, überall sieht er als Höchstes an, das menschlich Edle vom Gemeinen, das Wesen vom Schein, das Ewige vom Vergänglichen unterscheiden zu lehren. Mensch-Jsroeltum wird ihm zur Kraft, mit Hilfe deren er nicht nur eigene, sondern auch jede fremde Spielart des Menschtums erlebt, nicht in sentimentaler Wallung wie die Romantiker, auch nicht in herablassender Güte wie die Missionäre, sondern in fordernder Strenge und unwiderstehlich fortreißender Jmpulsivierung. Nirgends wirkt diese Humanitätsforderung tiefer, als wenn es zum Kampf geht für die Ehre seines Volkes, seiner Lehre, seiner Ueberzeugung. Da kämpft er mit allen Waffen eines durchdringenden Geistes, mit dem ganzen Ethos der Propheten, das zugleich das Ethos des Jugendlichen ist. Nichts ist ja so tief im Wesen des gesunden Jugendlichen begründet, wie das Gerechtigkeits¬ und Ehrgefühl. Hieran packt ihn Hirsch, hiervon ausgehend erzieht er den jungen Menschen zum bewußten Juden: Und selbst wenn er nicht positiv Wesen und Wert des Judeseins umschreiben, würde, das bohrende Gefühl von der Ungerechtigkeit und Schande, die man dem historischen Judentum angetan hat, wirkte allein so tief, daß der Leser zum jüdischen Bewußtsein und zum Charakter erzogen wird und zur Ueberzeugung, daß man «beides nicht haben kann, wenn man die Männer, die in den düstersten Zeiten des Altertums und des Mittelalters das Judentum erhalten haben, in den Schmutz zerrt oder auch nur belächelt. Denn Judesein heißt nicht nur sich mit allen Juden auf dem Erdenrund solidarisch zu erklären, sondern auch sich verbunden zu fühlen mit den Juden der Vergangenheit und verpflichtet für die Juden der Zukunft. Erst dadurch kann man ganz Jude sein, ohne irgend etwas aus der Geschichte I ffr ■ü i■: V-

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