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Der Israelit · 1929-01-17 · Heft 3 (17.1.1929) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 3 (17.1.1929)
Date
1929-01-17
Page
– (sequence 15)
Language
German
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L b und P zum jüdischer Lehrer Deuljchimiös r l.d-cx Generalversammlung des Bundes gesehestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands. am 1. Januar 1929 m Frankfurt a. M. Am Dienstag', 1. Januar 1929, hielt der Bund gefetzes treuer jüdischer Lehrer. Deutschlands in dem Hörsaale der Synagoge der Israelitischen ReKgionsgesell- ' schuft seine Generalversammlung ab. Neben den Mitgliedern des Bundes, die besonders aus Frankfurt und seiner näheren und weiteren Umgebung erschienen waren, harte sich auch eine Schar von Gästen >eig'enfunden. Herr Studienrat Munk eröffnet die Versammlung und begrüßt die Mitglieder und Gäste. Herr Rabbinatsassessor Posen spricht als Vertreter des Rabbinats der Israelitischen Religionsgesellschaft, sowie im Aufträge des orthodoxen Rabbinerverbandes. Herr Emil Goldschmidt als Vertreter des Vorstandes ber. Israelitischen Religionsgesellschast, Herr Emil H. Lehmann im Namen der Freien Vereinigung. Herr Lyzeal-Oberlehrer Ochsen mann überbringt die Grüße, des Bundes gesetzestreuer Gemeinden in Halberstadt und erinnert an dessen erfolgreiches Eintreten für die jüdische Schule. Kollege A p t -Patte nsen begrüßt die Versammlung im Namen der „Ehemaligen Kölner", Herr Redakteur Schachnowitz überbringt Grüße der Schweizer Kollegen, an deren Versammlung er vor wenigen Tagen teilgenommen. Telegraphische oder briefliche Grüße waren eingeläusen von dem Keren Hathora in Hamburg, den Kollegen Wolfs -Aurich, Lebermann - Darmstadt, Sulzbacher - Großbrherau, Dr. Auerbach, Hoppe und Levl - Berlin. Es folgt der Vortrag des Herrn Realfchuldirektors Du Elias- Fürth über das Thema: „Vom Wiener Kongreß bis zum Weltkrieg; Rückblick und Ausblick." Eine grundlegend« Besinnung auf das, was uns nottut, erfordert einen Rückblick auf das Jahrhundert vom Wiener Kongreß bis zum Weltkrieg!. Seine Erbschaft bedeutet viel Licht, aber vielleicht noch mehr Schatten: an den Aufgaben des neuen Jahrhunderts kann nicht gearbeitet werden, ohne daß die Trümmer des vorigen hmweggeräumt werden. Worin, diese bestanden und wie es geschehen kann, ist. an vier charakteristischen Merkmalen des Jahrhunderts gezeigt worden: An der politischen, sozialen, weltanschaulichen und pädagogischen Situation. Als Jahrhundert der nationalen Kämpfe hat es zur Folge gehabt, daß wir unsere jüdische Eigenart weitgehend verleugnen, als solches des bürgerlichen Aufstiegs hat es den „sozialen Philister" gezüchtet, der dem Mischen Bruder und den jüdischen Einrichtungen ganz gleichgültig gegenübersteht, als Jahrhundert der Naturwissenschaft und des Individualismus hat es die Grundlagen aller Religion und vor allem der des Judentums erschüttert, und als Jahrhundert des Kindes hat es zur Verstaatlichung der Schulen geführt, in, welchen nach Schema F unterrichtet werden mußte, die Staatsreligion aller Erziehung zur Grundlage diente und der Lehrer zum Beamten gemacht wurde. Gegen diese vierfache Auswirkung haben wir heute einen neuen Geist einzusetzen: die Solidarität mit den Juden der. Vergangenheit und der Gegenwart zu pflegen, die gott- und glaubenstreuen Stimmen in Literatur und Wissenschaft der Gegenwart zu ermutigen, die jüdische Schule und den jüdischen Unterricht unter Ausnützung aller Freiheiten, die der Staat uns heute läßt, und aller Reformideen, die den Unterricht befruchten können, zur Heranbildung einer geistig und sittlich tief im Judentum wurzelnden Generation zu verwerten. Diese Punkte wurden durch eine Menge von Beispielen erläutert und der Vortrag mit dem Ausblick auf die messianische Zukunft geschlossen. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Anwesenden den gedankenreichen Ausführungen des Vortragenden. Es folgt der von dem Vorsitzenden Herrn Studienrat Munk erstattete Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit des Bundes in den letzten 2% Jahren. Er gedenkt vor allem der dahingeschiedenen Mitglieder Spiero - Fkuda, V e n d i x - Frankfurt und Professor B o n di - Frankfurt, deren Andenken von der Versammlung in der üblichen Weise geehrt wird. In der abgelaufenen Verichtsperiode konnten die Kollegen Gans- Niederaula, Gut- Köln, Herschberg- Frankfurt, Oppenheimer- Mainz, Heinemann - Bergeni, Wolfs- Aurich, N u ß b a u m - Hersseld. Klein-Gießen, Bauer-Gedern ihr 50bezrv. 40- oder 25-jähriges Dienstjubiläum feiern. Mit Unterstützung des Bundes konnten Lehver- Schiurim abgehalten werden; so auch 1926 ein Fortbildungskursus in Norden, im Kreise der ostfriesifchenolde-nb'urger Kollegen. Rege Beziehungen bestanden zum gesetzestr euen Gemeindebund in Halberstadt, dessen Vorstand der Vorsitzende Munk angehört. Die Lehrerinteressen und Belange der jüdischen Schule fandendort eifrige Vertretung, besonders in den Fragen der Lehrerbildung, der Lehreratademie, sowie auf dem Gebiete der Schulgesetzgebung durch den Kollegen Ochsenmann. Ebenso ist unser Bund durch zwei Mitglieder in der Verwaltung des Keren Hathauro vertreten. Seit 2/ Jahren erscheint wieder kn regelmäßiger Folge unser Bundesorgan „Erziehung und Lehre", dessen Schriftleiter sich im Verein mit namhaften Mitarbeitern bemüht, durch Darbietung guter pädagogischen Arbeiten das Blatt zum Sprachorgan der gesetzestreuen jüdischen Lehrerschaft zu gestalten und dadurch anregend' und lebenweckend über unfern Kreis hinaus zu wirken. Mehrere alte jüdische Werke, wie Krzzur Schulchan Aruch und Jossef Omez konnten in verjüngter Gestalt zu einem äußerst , billigen Preise unfern Mitgliedern, zur Verfügung gestellt werden. Es wurde ein Stellennachweis für abgebaute Kollegen ^gerichtet. Der Verein Ostsriesland, Oldenburg, Bremenhat seine langjährige Zugehörigkeit zu unserm Bunde ausgehoben, dessen Mitglieder verbleiben jedoch in unserer. Gemeinschaft . als EinzelrnitgKeder. Cs folgt der Kassenbericht des Kassiers Herrn Eugen Ettling er. Aus demselben ist hervorzuheben, daß oor Peßach des letzten Jahres an pensionierte Kollegen und Lehrerwitwen Pensionen wieder ausgezahlt werden konnten. Dem Rechenschaftsberichte schloß, sich eine rege Aussprache an, an welcher sich neben dem Vorsitzenden vor allem die Herren Schuster- Großkrotzenburg, G a n s - Niederaula, Gut-Köln, Pineas -Frankfurt, Berk i ng e r-Burghann, Ochsen mann-Frankfurt. Wer ngarten-Hanau, Kaufmann-Schotten, Ehrmann- Friedberg, sowie Dr. E sch w e g e - Frankfurt als Nichtmitglied beteiligten. Cs wurde vor allem über die Notwendigkeit gesprochen-, den Bund neu aufzubauen und darum die Aufhebung' des 8 5 der Bündesstatuten in Erörterung gebracht. Man war sich darüber einig, daß auch weiterhin der Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer erhalten bleiben muß, um, wie wir m der letzten Nummer di-eses Blattes sagten, „die Sammelstätte aller Lehrer zu sein, die der Tauroh in Liebe und Treue anhangen, auch derjenigen, die in taktischer Beziehung seither die Mitgliedschaft des Bundes zu meiden glauben mußten". Nächste Aufgabe des Bundesvorstandes ist es darum, ungesäumt an diese Aufbauarbeit heranzugehen, damit der Bund gesetzestveuer jüdischer Lehrer seiner Aufgabe treu bleiben kann, im Dienste des Judentums zu wirken ramtt pivnb- Sprendlingen, im Debets) 5689. L. Kaufmann. Jüdischer Geist in jüdischen Schulen. Von Studienrat Louis Rosenblakt in Berlin. (Fortsetzung): Haben wir bis jetzt gesehen, wie Grundfragen der Geschichte in jüdischen Schulen behandelt werden können, so soll mt folgenden an wenigen Beispielen gezeigt werden, wie innerhalb des Gesthichtsstoftes Gelegenheit gegeben ist, kurz auf die jeweilige Geschichte der Juden einzugehen. Selbstverständlich muß die eigentliche jüdische Geschichte im Religionsunterricht behandelt werden, aber die Forderung „der Konzentration des Unterrichts" und die Aufgaben der jüdischen Anstalt verlangen es, daß auch in diesem Rahmen etwas auf die jüdischen Verhältnisse eingegangen wird. Da bieiet sich zunächst bei der Behandlung der orientalischen Völker öfters Gelegenheit, jüdische Geschichte einzuflechten. Welcher Jude denkt nicht bei der Durchnahme der ägvntischen Bauwerke an die Lastarbeiten unseres Volkes in Mizrajim, bei der Niederlage Aegyptens bei Kark-emisch 605 o. durch Nebukadnezar an die Warnungen Jesaias im 30. Kapitel vor dem Bündnisse mit Aegypten oder bei der Weltherrschaft des Cyrus an die Rückkehrhoffnungen der Juden? Oder wer erinnert sich nicht bei der mazedonischen Geschichte an die judensreundliche Regierung Alexanders des Großen oder in der römischen Geschichte an die Verdienste der Juden um Cäsar im alexandrinischen Krieg? Bietet doch überhaupt die römische Kaiserzeit reichlich Gelegenheit, Mische Geschichte in die Weltgeschichte zu flechren. Aber auch die deutsche Geschichte gilbt viele Berührungspunkte, so die ersten Juden siedlungen in Deutschland, die gute Behandlung der Juden in Frankreich, die unglückliche Zelt der Kreuzzüge, die allmähliche Gleichstellung der Juden im 18. und 19. Jahrhundert, jüdische Berater Bismarcks und viele andere. Mit diesem Einflechten jüdischer Geschichte in die Weltgeschichte ist aber noch lange nicht die jüdische Vergeistigung des Geschichtsunterrichtes erschöpf.. Außer den später noch anzugebenden direkten Parallelen gibt es noch viele innere Vergleiche. Bietet sich nicht gute Gelegenheit, bei dem Höhlengleichnis Platons auf die tiefschürfenden Midraschim unserer mündlichen Lehre hinzuweisen, die ebenfalls kostbare Wahrheiten in der Form des Gleichnisses bieten, bei der Behandlung der verschiedenen Naturreligionen an das ursprüngliche Vorhandensein eines Gottes bei fast allen Völkern, bei den Ackerlosen der Spartaner auf die Verteilung des jüdischen Landes, bei dem Verzweiflungsendkamps der Karthager 146 v. auf den erbitterten Heldenkampf der Juden 70 v., bei der Blutrache der Germanen auf die wohltätige Einrichtung der Zufluchtsstädte der Juden, bei dem Ausspruch des letzten Vandalenkömgs „Vanitas vanttatum, omnia vana" auf den Urheber dieses Ausspruches, aus Koheleth, bei dem Erbfehler der Griechen und Germanen, der Uneinigkeit auf denselben Fehler bei den Juden, bei der Legende der Weiber von Weinsbeyg als Wandersage auf die Ouelle im Midrasch oder schließlich bei der Besiegung der Armada 1588 und der Inschrift der damals geprägten Münzen „der Herr blies, das Meer bedeckte sie" auf die Entlehnung aus der Schirvh. Die Betrachtung „Geschichte in jüdischen Schulen" will ich mit dem Anführen einiger sogenannter direkter Parallelen beenden. Wenn griechische Heroen wie Theseus und Herakles crufgezählt werden, wer wird diesen nicht den jüdischen Helden Simson an die Seite stellen wollen oder bei der Erwähnung edler Freundespaare, deren die Weltgeschichte viele kennt, nicht der Freundschaft eines Ernst o. Schwaben und Werner von Kyburg die Freundschaft eines David und Jonathan gleichsetzen oder schließlich bei dem Beinamen des Hammers des Karl Martell an unseren Juda Makkabi denken. Nicht nur der Geschichtsunterricht läßt sich auf diese Weise in jüdischem Geiste erteilen, sondern vor allem auch der deutschkundliche Unterricht. •mtn rrvip Das Deboralied. (Richter 4 u. 5.) Uebersetzt und erklärt von Ruhelehrer B. Vokff in Aurich. (Fortsetzung.) V. 12. ui'2-, 'i'y 'iiv „Sei wach, Debora, sing ein Lied!" Wie ist die Verbindung mit den vorangehenden Gedanken herzustellen? In Vers 10 und 11 hatte die Dichterin alle Heimkehrenden zu Lob und Gesang aus-

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