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Der Israelit · 1929-01-17 · Heft 3 (17.1.1929) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 3 (17.1.1929)
Date
1929-01-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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17; Januar 1929 D e r 3 s r a « I U Serbe 5. Nr. 3 -Gesichtspunkt der Latfachen der Vererbung behandelte 'Redner den gesamten Fragenkomplex, der mit der Erwählung Israels in Verbindung steht: Die Schmierigkeit, daß das Verdienst der Väter noch Jahrtausende nachwirkensoll, die Verheißungen von der Ewigkeit ^Israels bei aller Entartung, das Martyrium Israels, (das eine naturnotwendige Gegebenheit sei, das religiöse Genie ist eben nach Gottes Ratschluß der geborene Märtyrer). .Aus diesem Grundgedanken gab er zugleich eine Antwort auf, die Frage, wie die Aufgabe einer Mission Israels sich vertrage mit der in Wirklichkeit doch im Laufe der jüdischen Geschichte nur vereinzelt auftretenden aktiven Missionstätigkeit, auf die andere Wechsel im Vorsitz der Berliner Indischen Gemeinde. Be rl in, 11. Januar. Das Ergebnis der letzten Repräsentantenwahlen, die bekanntlich die Liberalen mit einer Stimme in die Minderheit versetzt haben, hat sich nunmehr auch in -der Besetzung des Präsidiums der Gemeinde ausgewirkt. An Stelle eines Mittelpar-teilers ist der Zionist Kare skr (Beamter des Michael-Konzerns) zum Vorsitzenden ge- Frage des schicksalhaften Hineingeborenwerdens in di«, Pflichten des Judentums, kurz, er wies nach, daß alle; diese^Fragen aus scheinbar spezifisch jüdisch-religiösen^ Fragen in metaphysische Höhe erhoben werden- und mit ( den Antworten, die die allgemeine Religionsphi-losophie! resp. Metaphysik gibt, erledigt werden. Beidiesem' kurzen Abriß können wir nicht die Belege bringen, die Redner für das durchaus Jüdische dieser Auffassung beij brachte. Am Schluß seiner Ausführungen richtete, Redner einen feurigen Appell an die jüdische studierende Jugend. Auch dieser legt die Vererbung, ihre Abstammung, besondere Pflichten auf. erleichtert ihr aber auch ihre Erfüllung. Die Gefahrenihres Milieus der oft religrcnsfeindlich eingestellten Wissenschaft gilt es zu bestehen. Sie sind zugleich als Aerzte, Juristen, Techniker und Lehrer, ebenso wie die Rabbiner die berufenen Führer. Die großen Lehrer des Ostens beneiden uns um unsere gesetzestreue akademische südische Jugend. Sie erkennen an, daß ihnen die Lösung des Erziehungsproblems nicht geglückt ist. Sollen bei der heutigen Auflehnung der Jugend gegen jede Autorität echte Jehudim erzogen werden, dann müssen die Akademiker dem Leitmotiv yiK lno? rm/vfc-as nun, ein Jahrhundert alt, in seiner Werbekraft eingebüßt, eine viel tiefere Bedeutung geben und durch Herausheben des Jüdischen und durch hingebende Opferfreudigkeit an ihre verantwortungsvolle Aufgabe sich zu ethisch-religiösen Führerpersönlichkeiten heranbilden. Der Gedankenreichtum des Referats und die begeisterte und begeisternde Vortragsweise h-inierließ einen tiefen, nachhaltigen Eindruck. Mit einem kurzen Schlußwort des Präsiden fand der Abend, der unzweifelhaft den wirkungsvollsten Teil der Tagung bildete, seinen Abschluß. Am Montag Vormittag fand, eine wissenschaftliche Sitzung statt, in welcher über das Thema: „Die Bedeutung des Din Thora in der Gegenwart" ein- Referat v-on Herrn Oberrabb. Dr. Carlebach-Altona und ein- Korreferat von Herrn Rechtsanwalt Dr. Wiener-Berlin gehalten wurde. Der Referent versuchte, aus allgemein jüdischen Motiven heraus die Notwendigkeit darzulegen, Streitigkeiten unter Juden auch in der Gegenwart in Westeuropa wiederum vor jüdischen Gerichtshöfen austragen zu lassen. , Er betonte vor allem den Wert der Pschoro, welche dem eigentlichen Din Thora voranzugehen hat. Der Korreferent wies auf die Schwierigkeiten hin, den Din Thora zur Anerkennung zu bringen, solange keine Exekutive vorhanden ist. In der Diskussion wurde darauf hingewiefen, daß auch das jetzt bestehende, nichtjüdische Recht Möglichkeiten zulasse/ den. Entscheidungen einer jüdischen Instanz rechtliche Geltung zu verschaffen. Cs wurde schließlich eine Resolution angenommen, welche dem Wunsche Ausdruck verleiht, daß durch das Bundes-präsidium eine Anzahl hierzu befähigter Bundesbrüder a-ufgefordert würde, systematische Grundzüge für die Anwendung des jüdischen Rechts auf die komplizierten Verhältnisse des modernen Wirtschaftslebens auszuarbeiten. Im Zusammenhang damit fei auch bemerkt, daß in der geschäftlichen Sitzung des folgenden Tages beschlossen wurde, daß das bereits bestehende Bundesschiedsgericht bei seiner Tätigkeit sich an den Din Thora halte.' Am Nachmittag dos gleichen Tages sprach Rabb. Dr. David Ochs über: „Die Verantwortung für die religiöse Führung des Minderjährigen". Auf Grund der talmudisch-rab-binischen Quellen untersuchte er die Frage der Verantwortllchkei-t Erwachsener sür das religiöse Verhalten Jugendlicher und zeigte die Berührungspunkte mit den Ergebnissen moderner Sozialpädagogik. (Schluß folgt.) Me Woche. Berlin. Der Senat erkannte in zweiter Instanz gegen den Lanbgevichtsrcrt Gellin, getaufter Jude, der seinerzeit in einem öffentlichem Lokal in Breslau antisemitischen Skandal verursacht hatte, auf D i e n ft e n t l a s - f ü n g. In der Begründung des Urteils führte Kammergerichtspräfident Tigges aus, daß schwere Dienstvergehen des Angeklagten Vorlagen. Wohin er auch immer versetzt werden würde, es besteht die Gefahr, daß er sich wieder in ähnlicher Weife vergehe, und es könne deutschen Staatsbürgern Wischen Glaubens, sowie auch anderen Bürgernnicht zugemutet werden, vor einem solchen Richter zu erscheinen. — Die Preußische Akademie der Wissenschaften gibt in den nächsten Tagen ein neues epochales Werk von Professor Albert Einstein heraus, das den Titel trägt: „Eine neue Feld-Theorie" und Probleme, der Verschmelzung der Mechanik mit der Elektrodynamik behandelt. Breslau. Der verantwortliche Redakteur Hans Kurth von der „Schlesischen Volksstimme" wurde wegen öffentlicher Beleidigung des Judentums . vom-Schöffengericht zu zwei. Monaten .Gefängnis und 15 Mark Geldstrafe wegen Ungebühr vor Gericht oder fünf Tage Hast verurteilt. Hannover. Im Herbst vergangenen Jahres wurde im Gemeindeausschuß von Borkum - der Antrag, das Spielen des antisemitischen Borkum-Liedes von der Saison 1929 ab zu untersagen, mit 9 gegen 6 Stimmen abgelehnt. Der Antrag war von der Badedirektion im Interesse des Seebades dringend empfohlen worden. Dafür ist dem Borkumer Badedirektor in der letzten Gerneindeausschußsitzung seine Stellung zum 1. April 1929 gekündigt worden. Florenz. Das Colleggio Rabbinico Jtalrano, einst in Padua unter Leitung Samuel David Luzzatos, dann in Rom und zuletzt unter Oberrabbiner Dr. Margulies in Florenz, soll einen Neuaufbau unter der Leitung der Professoren A r t o m und C a s s u t o erfahren. Jerusalem. Herr Mayer D i z e n - goss, der Führer der Mittelstandspar'teien in Tel-Äwiw, der schon einmal mehrere Jahre Bürgermeister von Tel-Awiw gewesen war. ist gegen die Stimmen der Arbeiterpartei wieder zum Bürgermeister gewählt worden. Riga. Die lettländische Regierung bewilligte 15.000 Dollar für die kulturellen Bedürfnisse der jüischew Minderheit, 6000 Dollar für das Gewerbeschulwesen, und 3000 Dollar für die jüdischen pädagogischen Kurse. wählt worden; die Liberalen wurden überstimmt. Interessant ist dabei nun die Mitteilung der „Jüdischliberalen Zeitung", daß vor kurzem die zionistische> Volkspartvi mit den Liberalen ein Abkommen getroffen habe, wonach die jetzige NepräsentantLnversammlung nur bis zum Jahre 1930 amtieren soll. Die Liberalenbewilligen den Zionisten die Kosten für einen Lehrstuhl für deutsche Literatur an der Jerusalemer Universität und für die U-ebernahme ihrer privaten Volksschule in der Rieckestraße, -dagegen sollen die Zionisten Zugeständnisse gemacht haben in der Frage des Zusamm-ensitzens von Männern und Frauen -in einer Synagoge, sowie hinsichtlich des Baues -einer neuen Synagoge für die reformierte Sonntagsgem-öin-de-. Außerdem haben die Zionisten für die Zeit bis . zum Ablauf der jetzigen Periode auf sämtliche Forderungen für Palästina und auf die Durchführung ihres Schulprogramms verzichtet. Man sieht: Fordern und Bieten gibt einen Handel. Sollten die Mitteilungen der Liberalen- Zeitung in jeder Hinsicht authentisch sein,- so würde sie ein recht trauriges Bild von dem sittlich-religiösen Niveau der Kompromißwirtschaft darbieten. Wissenschaftlicher Lehrerförlbildungskurs. Würzburg, 28. Dezember. (Schluß.) semlnardirektor S t o l l - Würzburg referierte über „Lehrplanfragen des jüdischen Reli-gionsunterrichis" und ferner über den hebräischen Unterricht aus der Fibelstufe. Das erste Referat gab eine, von umfassender Kenntnis der modernen Pädagogik zeugende theoretische Grundlegung für psychologischen Ausbau und methodische Gliederung des Lehrplanes für den jüdischen Religionsunterricht. Es war der Wunsch aller Zuhörer, daß der ausgezeichnete Lehrplanentwurf, den der Referent im Anschluß an feine Ausführungen vorlegte, bald allgemeine Geltung, erlangen möge. Das zweite Referat von Seminardirektor Stall brachte eine wohldurchdachte ins einzelne gehende praktische Anweisung für die Anwendung, mod.erner Unterrichtsprmzipien auf eines der schrvie. rigsten Gebiete des jüdischen Religionsunterrichts. Seminar-lehrer Dr. Bamberger-Würzburg hielt einen zweistündigen Vortrag: „Grundfragen der hebräischen Phonetik." Ausgehend von den voneinander abweichenden Aussprachen des Hebräischen in der Gegenwart und unter Heranziehung der verschiedensten Quellen gab der Redner ein klares von vielen interessanten Einzelzügen belebtes Bild von der Artikulationsbasis und dem Lautbestand des Althebräischen. Seminarrabbiner Dr. Neubauer -Würzburg zeigte in einer vierstündigen iite rargeschichtlichen Betrachtung der Suggia Pesochim 21b unter Heranziehung der Parallelstellen aus den h a -l a ch i s ch e n Midraschim und aus dem Jeruschalmi die wissenschaftlich« Methode des Talmudstudiums. Die Teilnehmer, darunter viele eifrige Talmudisten, waren gleichermaßen überrascht von dem ganz außerordentlichen Wissen des Dozenten wie von dem Bild sinnvoller Schönheit der Talmuds, das da vor ihren Augen erstand. Rabbiner Dr. Jampel-Schwedt hatte seine vierstündige Vorlesung: „Biblische Archäologie" betitelt. Mit begeisternden Worten sprach er von der Notwendigkeit der Beschäftigung mit der Bibelwissenschaft. An überzeugenden Beispielen zeigte er, wie aus rein psychologischen Gründen der nichtjüdische Forscher meist nicht imstande ist, der Bibel gerecht zu werden. Um so mehr ist es zu bedauern, wenn jüdische Gelehrte deren Ergebnisse unbesehen hinnehmen. Wie er selbst aber, ausgestattet mit dem Rüstzeug der Bibelwissenfchaft, jedoch frei von ihren Vorurteilen zu Ergebnissengelangte, welche angegriffene Behauptungen der Bibel aufs schönste erklären und bestätigen, das zeigte der Redner an mehreren Beispielen aus der Vorgeschichte Israels. Der wissenschaftliche Lehrerfortbildu n g s k u r s in Würzburg war eine Tat, von der alle Teilnehmer wünschen, daß sie sich recht oft — wenn möglich alljährlich — wiederholen möge. Die rege Ant-eilnahrne einer so großen Zahl von Lehrern vom ersten bis zum letzten Moment hat -gezeigt, wie stark das Bedürfnis der jüdischen Lehrer nach einer Wissenschaftlich-en Weiterbildung ist. Weiterhin hat. aber auch der Fortbildungskurs aufs neue erwiesen, wie dringend eine wissenschaftliche Vorbildung für jeden jüdischen Lehrer, ob in Stadt oder Land, von all denen gefordert werden muß, denen eine -gedeihliche Entwicklung de sjüdisch-en Lebens am Herzen liegt. Eine besondere Genugtuung aber brachte der Fortbildungskurs der Lehrerschaft dadurch, daß er ihr Gelegenheit gab, zu erkennen, daß das Würzburger Seminar Männer besitzt, die ein hohes Niveau der gegenwärtigen und zukünftigen Lehrerbildung -gewährleisten. Israelitische Lehrerbildungsanstalt Würzburg. Würzbnrg, 9. Januar. Das Kuratorium der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt sieht sich zu folgender Erklärung veranlaßt: Die Israelitische Lehrerbildungsanstalt wurde im Jahre 1864 von dem weltbekannten, überall in Wischen Kreisen hochverehrten Distriktsrabbmer Eeligmann- Bär Bamberger s. A. gegründet. Die Anstalt wurde als eine ausgesprochen orthodoxe Schule ins Leben gerufen und -ihr Gründer hat m dem Statut feiner Anstalt diese Tendenz und diesen Charakter als unumstößlich und unveränderlich festgeleigt. Der hier in Betracht kommende Paragraph -des Statuts -kautet folgendermaßen: „Das Kuratorium, welches erstmals vondem Gründer Rabbiner S. B. Bamberger f. A. berufen wurde, muß laut dessen Verfügung aus Männern zusammengesetzt werden, die in Leben und Schrift auf

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