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Der Israelit · 1929-01-17 · Heft 3 (17.1.1929) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 3 (17.1.1929)
Date
1929-01-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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;!>•'! I I' Porte 2. Nr., 3 A e r 5sttt«fit M,-$fflW; *m cchen haben yrirtz,, nach den, hesondertz zuLllge tretenden Anlagen/immex lefi HMWmE feiner Individualität zu berücksichtigen. Das eingeborene Recht der Menschenseele xoa.r . der eine Pfeiler, auf dem seine Pädagogik ruht. Der zweite ist der Glaube an die nimmer zu überbietende und über alles, hinausgehende Bedeutung des Hauses. Lienhard und Gertrud sind ja iw tiefsten Grunde jüdische Gestalten. Nirgends war die jüdische Schule so angesehen und alle Äugendbildung im Mittelpunkt der Kultur, wie im Judentum. Und trotzdem wird die Schule das Haus nie ersetzen können. Und alle Gaiten seiner gemütstiefen Sprache schlägt er an, und alle Schleusen seiner Beredsamkeit öffnen sich, wenn er vom jüdischen Kind im jüdischen Hause spricht und es, umgeben von jugendlichen Eltern und lernend und lehrend inmitten einer Schar von Geschwistern dem Pfeile gleich im Köcher des Helden sieht, gleich dem Pfeil mit der Richtung nach oben, daß er von den irdischen Kräften nicht zu Boden gezogen werde. Es ist, wie wenn Hirsch vorahnend den grausamen Verfall der jüdischen Familie in unserer Zeit gesehen hätte und in letzter Stunde zum Widerstand hätte aufrufen wollen. Der dritte Pfeiler ferner Pädagogik war das Wissen. Das Wissen von den Dingen um uns her und in der Welt und in uns und im Leben, das Wissen von dem, was wir zu tun und zu fordern haben. Es entsprang seiner Auffassung von dem hohen Beruf des Menschen und seinem unbegrenzten Wissensdurst, daß er, den' die Gegner als einen Feind der Bildung bezeichneten, unerbittlich gegen alles ankämpfte, was Gott in seiner Wahrheit und die Welt in ihrer Klarheit irgendwie mit dem Schleier des Aberglaubens und der Mystik, der Askese und Extase zu umhüllen geeignet war. Die Wissenschaft aller Wissenschaften freilich ist ihm die Tauroh, nicht als kaltes Studium, sondern als Esch-doß, als erwärmendes, belebendes, erleuchtendes Feuer, die ganze Jugend des Volkes emporreißend zum Bilde des Menschen, wie er sein soll, den ganzen jungen Menschen erfassend in dem Bemühen, es in sich zu verwirklichen. Darum ist er so scharf gegen die Bezeichnung des Judentums als Glauben, darum ist er so gegen das frömmelnde, himmelnde Singen und Beten, darum verlangt er als ersten Unterricht die Einführung in die reale, dem Kinde zugängliche Welt, und lehnt er entschieden die Darbietung der Wolf- und Geistermärchen als eine Gefahr für. das klare Denken der Kinder ab. Alle drei Pfeiler, Seele, Haus und Geist, sie sind miteinander verbunden durch die Schule. Darum umgibt er sie mit allem Schönen, was nur ein KindergernA ynsprechen kMy, darutn bringt er in ihr bereits, die Grundsätze zur Geltung, welche die heutige Schulreform in ihr Programm ausgenommen hat: Konzentration, hast die Fächer nicht wie Lappen zum geistigen Habitus zusammengeflickt erscheinen. Lebensnaher Unterricht, denn das Leben gehört in dem Maße der Wissenschaft, wie.die Wissenschaft aus das Leben abzielt, Sprachunterricht als Ausgangspunkt der Kulturkunde und des Gestaltungsvermögens, die Berücksichtigung der Pubertätszeit als der gefährlichsten Zeit, aber auch der liebenswertesten der Jugend und sogar ein ganz modernes Prinzip, das erst kürzlich von Jonas Cohn wieder in den Vordergrund gerückt wurde, hat er schon: Die Anerkennung der Gleichberechtigung des Schülers vor dem Lehrer. Nach solchen Grundsätzen werden wir uns nicht wundern, wenn er das Ziel der Schule durchaus modern umschreibt: den Kindern eine Richtung mit ins Leben hinauszugeben, die sie befähigt, eine von allem Schicksalswechsel unabhängige Lebensfreude zu genießen und gegen das Persinken in menschenunwürdige Verkümmerung sich zu schützen. Aber mit dieser Seite seines Schaffens, wie ich sie bisher geschildert habe, die dem heutigen Jugendlichen nur indirekt zugute kommt, habe ich nur die eine, die kleinere Seite von Hirschs erzieherischem Genie aufgeführt. Was er in seinen anderen Schriften hinterlassen hat, ist vielleicht noch bedeutsamer für die Erziehung der Jugend. Denn die Grundsätze seiner Pädagogik sind zum großen Teil heute durchgeführt. Aber der erzieherische Wert seiner andern Schriften, besonders für diejenigen, die sich selber erziehen wollen, ist unübertrefflich. Denn „nur in der Sprache vererben sich ja die Gefühle, und nur in dem eigenen, frischen, durch keine Uebertragung geknickten Worte, in welchem ein Geist seine Gedanken gekleidet, in welchem ein Herz seine Gefühle hinausgesungen, entzündet sich der Geist am Geist, erwärmt sich das Herz am Herzen." < (Schluß folgt.) Wochenrundschau. Zur Frage der Iugendlekküre. Von den Verfassern des an dieser Stelle krii gewürdigten Ing e n d schri f t en - Ue r-- z e i chn i s s e/s dev Hamburger Keren hathora? Kommission geht uns eine Antwort zu, die wir im. folgenden vollinhaltlich wiedergeben, BiOXULTDA Oie stark schäumende Sauerstoff-Zahnpasta wird von vielen Zahnärzten als beste Zabnvasta bezeicknet und se'bst kiennht. Meine Tube kill Pf BIOX-MUND WASSER Flasche 1.— und 2.— Mk. Gegen lockere Zähne Drob e-^klalck»e gratis. Max R*b A. Ci.. Dresden Unter der Ueberschrift „JuUendÄieWte" WchüMgt sich ein Artikel -der letzten Nummer' mit dem vnnMn Unt>er- $ek§n>d®n, zusammenWstelllen Verzeichnis ' WMF Zu? MndfchMsten, „das fin Kreise der ' ÜrH'ohvKe ''WhasiiK Kapfschüttelir., ja, zum Teil starken Unwillen . hMiyrgO rufen" habe. Da auch wir uns Äs'zu' Ü-efent Kreis hörig betrachten (eine solche Feststellung .ist nötig, da' wir „alle drei dem Artikeljchre-iber persönWganz unbekannt sind"), scheint es, daß auch von-Nemeinsamem Standpunkt aus das Problem der Jug-endl-ektüre unter verschiedenen Gefichtswmkeln betrachtet wird-. Oberster Grundsatz bei der Auswahl muß unseres Erachtens der literarische Wert eines. Buches sein. Ein Buch, das literarischen Maßstäben nicht genügt, mag seine Tendenz auch noch so wohl gemeint sein, können wir unseren Kindern nicht empfehlen, deren literarische Urteilsfähigkeit zu bilden, eines der chauptzi-ste unseres Deutschuni tervichtes ist. Ws zweiter, glieichfchwerwiegender Gesichtspunkt kommt für die Auswahl das Interesse der jüdischen Erziehung in Betracht. Wir sind jedoch nicht der Meinung, daß man eine solche fördert, wenigstens unter um seren jetzigen Leb-ensverhältmssen, dadurch, daß man ein geistiges Ghetto aufrichtet, was uns auch .wohl schwer gelingen dürfte. Aufgabe des Erziehers ist es, — und für solche war ja das Verzeichnis gedacht, — Gedanken die das gute Buch im Schül-er geweckt, zu läutern und der Klärung entgegenzuführen. Voraussetzung dazu ist natürlich entsprachen-d-e geifti-ge Reife des Schüters. Bücher von Ealvary, Bialik, Garten, Herzl, Klötzel uW haben wir nicht, wie der Arttkelschveiber angibt, für die. IZ-Jähvigen, sondern für solche vom 15. Jahre an empfohlen. lieber die Eignung des einen öder des anderen Buches auch für dieses Alter kann man geteilter Meinung fein. Nichtausschlaggeb-end jedoch bei der Beurteilung ist, welche Stellung der Verfasser zum gesetzestreu-m Judentum hat, wenn sich das Buch sonst als durchaus wertvoll und geeignet erweist. Bialiks Gedichte irr Auswahl z. B. hätten nur den Nachteil, daß sie Ueber--- jetzung sind, oder etwa die empfohlene Auswahl aus den Sagen der Juden von (Sorten nur den>, daß ihr Verfasser Gorten ist. Und sollten sie gar sv wirken, daß „der Junge oder das Mädel davon so begeistert werden, daß sie den ganzen Bialik oder den gangen bin Govion" lesen wollen, so könnte das höchstenfalls ein Urteil über den Wert der empfohlenen Büchlein abgeben. „Geistige Bevormundung" ist sicher nicht die richtige Art Jugend zu behandeln, die. in einer Umgebung groß wird, wo ihr überall Dinge entgegentreten', die sie aus eigener Kraft bewältigen muß, Dinge, mit denen sich die Jugend be- Woher kam die Finsternis? (Ein rätselhafter Midrasch). Don Rabb. Dr. Kelnr. Heschett in Soyrtttz (Mähren). .'121 cpis» fix ^22 nVsx ■jwn vpi' Das lichtscheue Verbrechen, welches Pharao am Volke Israel begeht, straft Gott mit vielfachgefalteter Finsternis. Doch -jvn.i ,vn pVJö woher kam die Finsternis? R. Jehuda f .gt: von Oben. R. Nechem'ah meint: aus der Hölle. Der wehmütig klagende Satz *pr^ j'niris rrmiVri ivx rrnh iV ’ix ■junn» "wehe dem Hause, dessen Fenster tn die Finsternis sich öffnen", in dem unser helldunkterMibrasch ausklinpt. läßt keinen Zweifel darüber, daß R. Jehuda und R. Nechemjah in Wahrheit gar nicht Aeoyptens gottgeschlagenen, nachtschwarzen Himmel im Sinn haben; sie nehmen vielmehr die Gotteestrafe. welche über ein Volk verhängt wird, dem, weil es— wie Judenfeinde überhaupt — sich durch die Belehrung über Gottes Allmacht nicht erleuchten ließ. mit der Plage tagelanger Nacht he tmael suchtet wurde, blos zun Anlaß, um über Weh und Leid, disie mit ihrem Symbol Finsternis nennen, ih e Meinung zum Ausdruck zu bringen. Strafe und Plage, die Finsternis sturmumtoster Schicksalsnacht *j^n E’D,l sind das tiefe Dunkel, das der Weisen Scharfsinn bis heute nicht zu erhellen vermocht. Woher kommt es. wer beschreibt seine Bahn, kennt seine Gesetze, weiß zu künden, worum, während über das eine Haus die Sonne des Glückes strahlt, über das andere unheilschwore Wolken, sich zusammengeballt und -seine Fenster in die Finsternis sich öffnen?" R. Jehuda meint, das Rätsel ist schlechthin unlösbar. Die Finsternis k^mmt von O'ien, des Menschen Geschick liegt in Goites Hand und sein Wille ist u^erfo schlich Es ist keiner Schmied seines eigenen Glücke«, obwohl so mancher, um sein. Los glänzend zu gestalten, den Ruß,, der die .Hand des Schmiedes scbwär-ck d'e Sünde, nicht scheut. Sunt Glück mutz man Glück hoben, wte umgekehrt Unglück und Mißgeschick sich nicht immer als selbstverschuldet. als verdiente Strafe, sondern nfr als eia vom Menschenverstände nickt tastbares Verhängnis von Oben darstellen. Als Beweis für die Richtigkeit s°iner Anstlst könnte dem R. Jehuda das ächstlleaende. die äoyvlische Finsternis dienen, welche seit zwei Jahrckutenden über Israel looert Denn Mizraim ist nicht der Name eines Landes. Mizraim ist eine Welt, die Unterwelt des Galutb, — in der den Jacob«stämmen, obwohl ihr Wandel mehr als der anderer Völker strahlt, ein finstere« Layd zuteil wurde. Worum? Gott meist es. Die Finsternis kommt von Oben ..... P. Nechemsab hingegen mein t, d'e Finstemis Kon ml aus der Hölle. Was ist d'e Hölll? Die Sühne für die schuld, die Sckate kör das Vergehen R. Nechemjah vert'iti die Ansicht, der Elite s im Buche H'ob viele Worte verleiht; dast inW» jnn Unheil nur erntet, wer Unheil qesät und Un lück die Veroeltuna für die Sünde ist. Eine Theorie, die im Talmud viele Verfechter gefunden hat, wie dies die Sprüche : nrws int Xvn xVa Kein Tod ohne Verschulden, x^2 f'iiv' pvc }iy Kein Leck, außer dem Frevler u. a. beweisen- Und sagt der Prophet f ML 2V2 *»ir»na ich tilge wie Wolke deine Missetat, so sind noch obiger Lehre die. Zünden der Sumpf, aus dessen Ausdünstungen die Wolke entsteht, welche den Himmel finster überz'cht und in Unheil sich entlädt. Der nächstltegend.e Beweis ist auch hier die ägyptische Finsternis, welche gleich den anderen Plagen, mit welchen vilirv heimgtsucht wurde» nicht anders denn als Strafe fü< v el acken Frevel ausgefaßt we den kann. Weil Pharao Israel quält und knechtet, zeichnet Moses mit seinem Zauberstoh auf Gottes Gobeiß in btutiaen Striemen auf Argyptens Leib die Worte.- der Gottz der Ruten wachsen ließ, wollte keine Knechte. Denn weh dem Hause, dr ssen Fenster in die Finsternls sich öffnen. In die Finsternis wird nur da« Haus seine Fenster öffnen, dessen Bewohner das Licht scheuen und den B'ick von außen auf ihr Trecken im Innern ihrer G möcher fürchten. Vor der Tür eines solchen Hauses ist viel zu kehren. Und Go^t kehrt mit seinem scharfen Besen, brennt das K/anke und Faule mit alübendem Eisen. Doch in das läuternde , Feuer der Leiden stößt er nur den. dem früher schon das Brardmäl der Sünde oufaedrückt. Denn die Finsternis kommt aus der Hölle. Des Herrn Ge» richt ist streng, aber gerecht, u

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