Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1929)
- Date
- 1929-01-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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17. Januar 1929 Frankfurt a. ZIT., den a sch-ba, b«8s pDer israellf j) Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Januar 1984: Deutschland 1 Toldmar! monatlich: Ausland: Bterteltührvretfe (entsprechend dem deutsche» Inlandspreis zuzüglich Koste« des Streifband-Berfandes) Deutsch-Lsterreich: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 1 sh.; ab 1. Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga v; Holland 2 fl.; Italien ab 1. > 28.18 Lire; Jugoslawien W Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 27. 150 Lei; Polen 4 deutsche Gold- «or! zmn Tageskurs oder 7 Zloty. Schweiz 6 Fr. Tschecho-Slowaket 85 Kronen; Ungarn Pengö 5 ab 1.Jult1927; Dänemark S. nO Krön.; Norwegen8.50 Krön.; Schwede« 8.60 Kro«. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jede« Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. für die stebengespalten» Nonpareille-Helle. Abonnenten zahle« bei Stellengesuche« und Familienanz<ige» nur 80 Pf. Die 78 mm breite ReklamezeUe r letzte Tertsette 1.60 Mk., vorletzte Text ttte 8.— Rk.; Ehisfregebühr in Höbe eines dopp. Fernb'iefportos. Rabatt nach Tarif. Be» laufende» Jnserataufträge« tartfm. Pretserhöhurg jedem. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch de» Verlag des Jsraeltt D. m. b. H., Frankfurt a. M., Rechnetgrabenstratze 7, Tel. Hansa 8842 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped, des In- und Auslands. Alleinige Jnseratenan«. für Franks. Geschäftsanz.: Jul« Schmidt. Sangeflr 7, n, Tel. Hansa 4641. Platzvorichr. ohne Verbindliche. „ gen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Pr. 19802.,'— Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79605. — Poftsparkafsenamt Budapest Nr. 18424. — U.. .. . . «Larschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. 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Dr. Elias in Fürth. mi «an» n w d’fhü pKrr nxj?a d’iwj nVya •rrmxiNö' Gewaltig wie Donner und Blitz und Orkan zieht der gro^e Mann über die Erde; während aber Sturm und Gewitter vorübergehen, die Elemente sich wieder beruhigen, die Erde bald ihr altes Antlitz zeigt und die Wogen des Meeres sich wieder glätten, lassen sich die Spuren des von Gott gesandten Mannes nicht verwischen. arm rrnn on^rm n So hat auch S. R. Hirsch, dessen Jahrzeitstag wir heute begehen, feine Pflugschar tief in den Boden unserer Geschichte gesenkt, über seine Zeit hinaus gewirkt und Dauerndes., zu schaffen vermocht. Eine geschichtliche Persönlichkeit, wie er es war, konnte nicht an der ersten Voraussetzung jeder Zukunftsarbeit vorübergehen, er-mußte von vovneherein darauf ausgehen, das folgende Geschlecht, die Jugend vor allem, für seine Ideale zu begeistern. Was wunder, wenn er in der erzieherischen Beeinflussung des jungen Geschlechtes, in der Jugendbildung seine liebste und ernsteste Aufgabe sah. „Unter a l l, e n M ä ch t e nsagt e r, „den en d e r Sc gen und der Fluch der M e n ßchh e i t a>nv e r t r a u t i st, i st keine stiller und zugleich offenbarer, k e i n e z a r t e r — und zugleichallmächtig e r, k e i n e edler und zugleich allgemein zugänglicher als die Macht ßer Erziehung." Und trotzdem werden wir auf diese Weise Hirsch nicht ganz gerecht. Solange wir Jugendbildner seine Arbeit nur als Ergänzung und Mittel zum Zweck betrachten, solange wir nur feststellen, daß Hirsch auch als Pädagoge tätig.war, treffen wir nicht den Kern. Hier handelt es sich um mehr. Hier handelt es sich um das eigentlich Geniale in Hirsch. Wenn wir uns in sein Wesen vertiefen, ja, wenn wir nur seinen Lebensgcmg und sein Lebenswerk verfolgen, merken wir bald: S. R. Hirsch war Organisator und Redner von ungewöhnlichem Ausmaß, er war von einer religiösen Kraft durchbebt, die jeden religiös empfänglichen Menschen in Bann hält. Aber sein religiöses Genie, die alles durchdringende seelische Glut, das, was ursprünglich und explosiv zux Entfaltung drängte, was aus geheimsten Tiefen bei ihm gespeist war, und ihn zutiefst erfüllte, das war sein Drang zum Erziehen. Alles, was an Briefen aus seiner Studentenzeit erhalten ist, zeugt von dieser Kraft, mit der er selbst Männer wie Geiger tief beeinflußt hat, solange sie in seiner Nähe waren, vollends aber, was wir von ehemaligen Schülern hören, zeigt uns, welch bezwingende Macht von seiner Persönlichkeit, von seinen Worten, ja, von seinen Augen ausging. Kein anderer war wie er dazu berufen, Jugend zu bilden. Lesen wir seine Briefe! Da sehen wir, daß er sein ganzes Dasein als Erziehung erlebte.' So wie er die Geschichte seines Volkes als Erziehung begriff, so gestaltete er auch sein eigenes Leben als Thema seiner Selbstbildüng. Nicht nur aus der Erinnerung an seine Knabenzeit, nicht nur vom Sehen und Hören der Menschen, sondern durch das Nachdenken über sich selbst kam er zum Verständnis für jugendliches Leben und Weben, Fühlen und Urteilen, so daß er aus Bibel und Talmud die feinsten psychologischen Wahrheiten herauslas. Wer wie er sein ganzes Leben lang jugendlich strebte, dem Mondev gleich, sich zu erneuern und an sich zu arbeiten, der wird hellsichtig für sein Ich und dadurch auch hellsichtig für die den meisten Menschen undurchsichtig und unbekannt bleibenden Zusammenhänge im eigenen und fremden Werdegang. Herausgelockt wurde aber dieser erzieherische Genius aus ihm erst durch die Not der Zeit. Ein Moment höchster Gefahr war gekommen. Auf der einen Seite Haß gegen die Juden und Verachtung gegen das Judentum. Auf der andern Seite Abgeschlossenheit und Mechanismus. Und dazwischen lag aufgegeben, aussichtslos und hilflos die Jugend. Da erwachte in Hirsch die Liebe zur Jugend, der erzieherische Genius und was in wenigen Erwählten der Vorzeit gelebt und in der Brust einiger Zeitgenossen verschlossen gehütet wurde, Hirsch hob es ans Licht und erhob es mit titanenhaftem Entschluß zum Allgemeinen- und löste den Zauber und verwandelte vor aller Augen die gesetzestreue Kultur in eine Jugendkultur. Das war Hirschs erweckende, zum Leben aufrufende erzieherische Tat, daß er der Jugend aus der Seele sprach, daß-seine Augen mit den Blicken der Jugend sahen, daß seine Tat dem Wollen der Jugend entsprach, das gewann dem gesetzestreuen Judentum seine Jugend zurück. So entstand der Chaurew; alles, was nachher kam, war nur eine Folge der ersten erzieherischen Tat. Da, im Chaurew, finden wir bereits ein fertiges System von der Jugendbildung, in welchem das ganze von den ersten Tagen der Menschenblüte bis zum Abschluß der Reife von einem einheitlichen jüdischen Mittelpunkt aus entwickelt und nach einer tief in das Wesen der Jugend eindringenden Psychologie begründet wurde. Die Pfeiler, auf denen dieses System ruht, sind die ewigen Ideale der Menschenbildung, wie sie zwanzig Jahre vor Hirsch der Schöpfer der modernen Pädagogik, Pestalozzi, verkündet hatte. Hirsch war es Vorbehalten, zu zeigen, daß diese Ideen, die Pestalozzi die Dornenkrone des Märtyrers einbrachten, im jüdischen Schrifttum schon Jahrhunderte vorher niedergelegt waren und ihre tiefste Begründung doch erst in der jüdischen Anschauung von der Erschaffung des Menschen im Ebenbilde Gottes liege. Im Mittelpunkte dieses Systems steht der Gedanke von der Würde des menschlichen Körpers und der zu allem Höchsten berufenen und fähigen Menschenseele. Ebendarum soll aber der Lehrer und Erzieher zum mindesten auch die verschiedenen Begabung gen der Schüler ins Auge fassen. Nicht von allen dasselbe verlangen, den der Heilerziehung bedürftigen mit doppelter Nachsicht entgegenkommen und nach demWeg, den der junge Mensch zu