Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1929)
- Date
- 1929-01-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Serie-6. Nr. 2 ■ 1929 zum ersten Male ein vom „Verein gesetzestreuer Lehrer und Lehrerinnen in Berlin" vorbereiteter Ferienkursus statt. Fast 60 Lehrerinnen und Lehrer ans allen Teilen Deutschlands waren erschienen, um aus wissenschaftlichen Varirägen und praktischem Beispisl Anregung für die eigene erzieherische Arbeit entgegen,zun-ehmen. Nach den Begr ühungsw orten des Lehrers Georg Hopp hielt Dozent Dr. Wohlgemuth eine herzliche Eröffnungsansprache mit anschließendem Vortrag übre „Liebe und GerechtigLeit in der Bibel". Der Vortragende dennzeichnete die Liebe als das regulative Prinzip jüdischer Gesetze, sprach vom Walten Gottes in, der Welt und vom Endzweck der Gesetze, Gott zu sieben' und zu fürchten. In einem zweiten Vortrag gab Dr. Wohlgemuth homiletische Winke. Dozent! Dr.M.Auerbach behandelte in zwei Vorträgen die Entstehung der halachischen Midraschim und zeigte in interessanter Darstellung das Werden der religionsgesetzlichen Schriften von der Mschnah bis zum Schulchan Aruch. Dozent Dr. Grünberg verbreitete sich über das Thema: „Vom'Biblisch-Hebräischen zum Neuhebräischen" und zeichn,ete die jüdische Sprache, deren sechs Entwicklungsphasen -eingehend charakterisiert wurden, als die Sprache des jüdischen Herzens, der jüdischen Seele und des jüdischen Intellekts. Praktische Winke gab Rabbiner Dr. Bleichers de in feinem Referat: „Was wir aus dem Siddur lernen können" über die ethische, apologetische und ästhetische Aufgabe des Gebetübersetzens. Großem Interesse begegnete 'der Vorrrag des Rabbiners Dr. Esra Munk über: „Schächtschutz", weil aktuelle Fragen von autoritativer Seite in vorbildlich klarer, sachlicher und versöhnlicher Form erörtert wurden. Auch das Referat des Rabbiners Dr. Jacobovits über „Das religiöse Erleben" gestaltete sich zu einem der eindrucksvollsten Gaben des Kursus. Die mechanistische Weltanschauung wurde von dem Dozenten als der letzte Ausläufer einer zu Ende gehenden Kultur und die religiöse Tat als das Grundlegende für das religiöse Erleben bezeichnet. Weitere Referate wurden gehalten von Rabbiner Dr. Jampel über: „Biblische Altertumsforschung", Rabbiner Dr. Unna über „Die Schicksale des Talmuds", Rabbiner Dr. W r e s chner über: „Wege und Aufgaben der jüdischen, sexual- . ethischen Erziehung reifender Schüler", Dr. Ollendorf über: „Grundfragen der gegenwärtigen jüdischen Wohlsahrtsarbeit" und Kinderarzt Dr. I. Levy über: „Schulhygiene". Sämtliche Redner fanden mit ihren instruktiven Ausführungen das lebhafte Interesse aller Kursusteilnehmer. Lehrer Sy: Enno ch hielt in der neuen Schule der Adaß Jisroel im Si-egmundshof eine Lehr- D e r Is r a e l i 1_ probe über einen Pentateuchabschnitt unter Berücksichtigung des Arbeitsgedankens. Unter Führung , des BiblLolhekars, Dr. Arthur Spanier,, besichtigte ein Teil der Hörer die 'Staatsbibliir-thek mit ihren bedeutsamen -orientalischen Schriften und Werken: auch das Jüdische Museum der Berliner Gemeinde und die Bibliothek des Rabbiner-Seminars wurden gezeigt. Der Vorstand der Adaß Jisroel hatte zu einer geselligen Veranstaltung geladen, die einen überaus harmonischen Verlaus nahm und den Beweis erbrachte, daß der Kontakt zwischen den Veranstaltern und Teilnehmern der Tagung ein herzlicher geworden war. Am Schlüsse des Kursus wurde van verschiedenen Teilnehmern der hoMefriedigende Verlauf des Kursus konstatiert, mancherlei Anregung über Erweiterung und Vertiefung gegeben und endlich allen um das Zustandekommen verdienten Damen und Herren, insbesondere Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer^, dem rührigen Organisator des Ferienkurfus, der -herzlichste Dank aller Teilnehmer ausgesprochen. Vielen Teilnehmern boten die täglichen Talmudfchmrim des Rabbiners Dr. Bi der seid über Dine Momenaus und des Dozenten Dr. Auerbach über Baba meziä wertvolle Anregung und Bereicherung ihres religiösen Wissens. VW. Bundestag des Bundes Jüdischer Akademiker. (Ausführlicher Bericht.) Berlin, 8. Januar. Der Bundestag wurde am Sonntag abend, den 23. Dezember im überfüllten Plenarsitzungsfaal des ehemaligen Preußischen Herrenhauses durch den Bun-despräsiden Josef Stern eröffnet. Nahezu 250 Vundesbrüder aus allen Teilen des Reicheswaren der Einladung der Bundesleitung gefolgt. An dem Eröffnungsabend nahm außerdem eine große Anzahhl geladener Gäste fett. Nach dem einleitenden Gesang des 'm irw, vorgetragen von dem bekannten Oberkantor Pinkassowitsch, begrüßte Herr Josef Stern im Namen des Bundesvorstandes die stattliche Versammlung, zu der eine Reihe jüdischer Organisationen und Vereinigungen, ihre Vertreter entsandt hatten, u. a. die beiden preußischen Gemeindeverbände, Vorstand und Repräsentanz der Israelitischen Synagogengemeinde Adaß Jisroel und der Jüdischen Gemeinde Berlin, Agudas Jisroel Ortsgruppe, Zionistische Föderation Misrachi, Jüdisch-Konservative Vereinigung, Achduth, Traditionell-gefetzestreue Rabbinervereinigung, Rabbiner-Seminar^, Centraloerein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Reichsbund jüdischer ly.. Januar 1929 Frontsoldaten, Grohloge für Deutschland Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Judeih Agudäs Äisroel Jugendgruppe und Esra, Berlin, und. eine Reihe anderer Bereinigungen. Eine' besonders herzliche Begrüßung wurde dem Vertreter der gleichgesinnten akädemischeu Bereinigung „Moriah" an der Universität Kowno zuteil. . - / - Der preußische Kultusminister Becker hatte ein, warmes Begrüßungsschreiben gesandt, in welcher, er der Tagung vollen Erfolg wünscht. Der Redner beleuchtete im -einzelnen die Ausgaben und Ziele, des Bundes, die ihm aus dem Leitmotiv tvt oy mw erwachsen. Wenngleich Der Schwerpunkt der Tätigkeit des Bundes in feiner wissenschaftlichen Arbeit liegt, so führt der Bund trotzdem kein isoliertes Dasein, losgelöst von den Ereignissen und Problemen der zeitgenössischen Judenheit, sonderngerade im Hinblick darauf, daß dieser in seinen 'Reihengesetzestreue Akademiker der verschiedenen politischen Richtungen vereinigt, sei er im besonderem Maße dazu berufen, die allgemeinen jüdischen Probleme einer eingehenden ’ theoretischen Erörterung zu unterziehen und dadurch aus seine Weise Anteil an den Aufgaben der jüdischen, Allgemeinheit zu nehmen. Redner spricht am Schluß seiner Ausführungen die Hoffnung aus, daß die Tagung für die wretere Arbeit des Bundes eine Fülle neuer Anregungen geben möge. Ihm folgte als Vertreter der V. I. A., Berlin, Herr cand. phil. Alexander Altmann mit seiner programmatischen Begrüßungsrede, deren Grundgedanken im Nachstehendenkurz wiedergegeben seien: Dieser Vundsetag steht im Zeicheneines Jubiläums^ des 25jährigen Stiftungsfestes der V. I. A., Berlin. Da liegt es nahe, die geistige Situation des Bundes an der- Vergangenheit zu messen, um so zu einer klären Erfassung und Formulierung der Gegenwartsaufgabe zu gelangen. Aus diesem Gesichtspunkt heraus verfolgte der Redner zwei historische Linien, die des philosophischen Fortschritts im allgemeinen Kulturbereich und die der Entfaltung! des Problems Tauroh im Derez im Mischen Bewußtsein. Das Religiöse bildet heute wieder ein Zentralpr-oblem der Zeit. Die positiven Wissenschaften, haben -sich für die Lösung des religiösen Problems als unzureichend erwiesen. Ueber sie hinaus geht die Sehnsucht nach Einheit,, nach Weltanschauung. An Hand moderner Geistesstörmungen wie des Jntuitionismus zeigte der Redner die dem Religiösensich wieder nähernde Kurve des Geistes und legt den Irrtum der positivistischen Geschichtsauffassung dar. 9 viele Kunden sind in den ersten Tagen unseres Inventur-Ausverkaufs unserem Rufe „Jetji kaufen, heiß! sparen” gefolgt und haben ihren Bedarf in Schuhen und Stiefeln bei uns gedeckt. Auch Sie sollten uns besuchen und diese günstige Einkaufsgelegenheit nicht vorübergehen lassen. Unser gesamtes Lager ist einer großen Preisreduzierung unterzogen worden, sodaß Sie nunmehr unsere bekannt güten Qualitäten ungewöhnlich vorteilhaft einkaufen können. 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