Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1929)
- Date
- 1929-01-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2450547-2450549--75642-2533175- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
10. JvKinuat 1929: D e r Is r-ti e 1 4 t scr. rr. «erve s Bestrebungen Zu Unterstützen und dem Verein beizutreten." . •' Es ist unmöglich, hier auch yur eine Auslese -nus den illustren Namen der Unterzeichner des Aufrufs zu bringen. Es waren die Besten im politischen und kommunalen Leben, in Wissenschaft, Kunst, Literatur, Handel und Industrie. Ewiger /Dank seitens der Juden ist den wackeren Männern gewiß! — — (Schluß folgt.) Korrespondenzen « Nachrichten. Deutsches Reich. Schochtim-Verband Deutschlands. Frankfurt a. M., 30. Dez. Nach mehr als einjährigem Bestehen des Schochtim- Derbandes Deutschlands hatte dieser seine Mitglieder zu einer ordentlichen Generalversammlung auf den 25. Dezember ds. Js. nach Frankfurt a. M. leinberufen. Diese fand im Hörsaale der Synagoge am Börneplatze statt. Wenngleich die Teilnehmerzahk nicht die erhoffte war, so waren manche doch aus weiter Ferne und trotz des ungünstigen Wetters herbeigeeilt und kehrten auch völlig zufviedengestM in ihr Heim zurück. Die Versammlung bekam ihre Weihe durch die Anwesenheit einer Reihe von Gästen, der Rabbiner und Dajanim und einiger Herren der Ritualkommission der jüdischen Gemeinde Frankfurt a. Bl. — Nachdem der Vorsitzende, Herr R. Möddel, die Mitglieder und Festgäste herzlich begrüßt hatte, richteten die Rabbiner Dr. Hoffmann und Dr. Horovitz, sowie Herr W. Mainz, namens der Ritualkommission an die Versammlung herzliche Begrüßungsworte, auf welche der Vorsitzende antwortete. — Holzmann- Oberhausen hielt dann sein Referat, an welches sich eine rege Debatte anschloß. Nach dem gemeinschaftlichen Mittagsmahl im Restaurant Scheuer und dem Mincha-Gottesdienst in der Synagoge wurden die Beratungen fortgesetzt. Dabei betonte Herr Rabbiner Dr. Hossmann, daß der Verein sich bemühen müsse, alle Schochtim Deutschlands in seinem Verband zu vereinigen, um dann mit Nachdruck seine Forderungen und Ziele zum Besten seiner.'Mitglieder-erreichen zu können. Der Schriftführer gab alsdann einen Bericht über die Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen Vereinsjahre und alsdann für den erkrankten Kassierer den Kassenbericht. Nachdem die bisherigen Vorstandsmitglieder wieder- und Holzmann-Ob erhaufen zum zweiten Vorsitzenden neugewählt, die Herren Möddel, Holzmann und Wildmann zu Delegierten zum Dereinstag-e des Bayerischen Schochtim-Vereins am 1. Januar 1929 in Würzburg bestimmt waren, wurde die Versammlung geschlossen. Wettverband der Schomre Schabbos. Berlin, 7. Januar. Am Sonntag den 6. Januar, abends, fand im Sitzungssaal des ehemaligen- Preußischen Herrenhauses zu Berlin die erste öffentliche Kundgebung des vor kurzem begründeten Weltverbandes der Schomre- Schabbos statt. Saal, Galerien'und Gänge waren dicht gefüllt. Hunderte neu Hinzukommende konnten in den Saal nicht mehr hereingelassen -werden. Im Namen des provisorischen Komitees des Weltverbandes begrüßte der Dozent des Berliner Rabbinersemi- >wrs Dr. Grünberg die Versammlung mit einem „Bruchim Haboim". Er knüpfte an das Wort von Samson» Raphäel Hirsch an/ daß mit dem Sabbat das Judentum stehe und falle, und beklagte es, daß die Sabbabentweihung in erschreckendem Maße zunimmt. Soll man dieser Entwicklung untätig zufehen? Nein! Der Sabbat soll und muß als der religiöse und nationale Schatz des Judentums erhalten. bleiben. Da die Ursachen des Chilul Schabbos hauptsächlich wirtschaftlicher Natur sind, müsse auch die Abwehr von Männern der Wirtschaft mit organisiert werden. Alle "Sabbatfreunde vereinigen sich in einer Weltorganisation und erheben die Forderung nach Schutz des SÄbbat. Was uns das heidnische Rom nicht nehmen i konnte/ darf uns die moderne Kulturwelt auch nicht nehmen. Der Weltoerband wird einen Weltkongreß der Sabbatfreunde einberufe.n, und dieser Kongreß wird zu einer ständigen Erscheinung werden. Rabbiner Dr. Klein verlas Schreiben der berühmten religiösen- Autoritäten wie Ehofez Chajim, Lubawitfcher Rebbe (Schneursohn), Czortkower Rebbe, Oberrabb. Sonnenfeld-Jerusalem, Oberrabb. Kook-Jerusalem, Chajim Ozer Grodzensky-Wilna, Dr. Hertz-London, die alle den Segen über die Versammlung h-erabslehten, und teilte mit, daß der Schwiegersohn des berühmten „G-erer Rebbe", Jo.skowicz, von seinem Schwiegervater zur Versammlung delegiert, worden ist. Er vrelas Begrüßungsschreiben von verschiedenen Landseverbänden der Schomre Schabbos, von Oberrabbin-er Dr. Brody-Prag, Oberrabbiner Soloiveitschik-Grodno, vom Warschauer Rabbinat, von verschiedenen Gemeinden und Gememdeverbänden, vom Oberrabbiner-Stellvertreter Dr. Feuchtwanger-Wien, Pie Woche. Berlin. Dr. Eckener plant im März wieder eine große Reise mit dem Luftschiffe „Graf Zeppelin", die über das Mittelmeer nach Aegypten und Palästina führen soll. — Die große Strafkammer des Landgerichtes Elberfeld bestätigte das -erstrichterliche auf je zwei Monat-e Gefängnis lautend Urteil gegen die Nationalsozialisten Karl Faust und Willi Altenrath, die am 30. September 1928 den R-eichsbannermann Siegmund Löwenst e i n in den Barmer Anlagen überfallen und schwer mißhandelt haben. — Der Philo-Berlag. kündigt an, daß demnächst eine „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" zu erscheinen beginnt. Die Zeitschrift wird streng wissenschaftlichen Charakter haben. Posen. In der Stadt Wengrowiec in der Provinz Posen kam es zu schweren Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung, jüdische Geschäftsläden wurden von dem Pöbel demoliert. Die Polizei blieb untätig, keiner der Huligans wurde verhaftet. Zürich. In den letzten Tagen wurde die Umfassungsmauer des Züricher jüdischen Friedhofs „Friesenberg" in zwei Nächten hintereinander von unbekannten Tätern beschädigt, so daß kein Zweifel besteht, daß es sich um beabsichtigte Deoastterungen handelt. Die Züricher Jsareli tische Kultusgemeinde hat eine Belohnung v-on 500 Schw. Frcs. für die Eruierung der Täter ausgefetzt -und die Bewachung des Friedhofs ungeordnet. Wien. In der Sitzung des Finanz- Ausschusses protestierte der Sozialdemokrat . Dr. Deutsch gegen die Heranziehung von Soldaten zu dem Bau von Wegen für -den deutsch-österreichischen Alpe-n-Verein und wies daraufhin, daß die Hütten des Alpen-Dereins mit dem Hakenkreuz und der Aufschrift: ..Juden -ist - der Eintritt verboten" geschmückt seien. — Der Untersuchungsrichter und der Staatsanwalt im Prozeß gegen den jüdischen Studenten Halsmann, der vom Innsbrucker Schwurgericht auf Grund schattenhafter Indizien wegen Batermord^s zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, sind plötzlich aus dem Gerichtsdienst, wie es heißt, im Zusammenhänge mit dem Prozesse, ausgeschied e n. Paris. Das Hauptbüro der Jewish Colonisation Association (JCA) teilt mit, daß im Gegensatz zu einer aus Newyork stammenden Meldung die j ü d i s ch e n Kolonien in Bra- . silien nicht von Banditen heimgefucht wurden. Italiener-Kolonien wurden von Banditen, -die sich in den an die JCA-Kolonien angrenzenden Wäldern aufhielten, angegriffen, wobei mehrere italienische Kolonisten getötet und zahlreiche Kolonistenhäuser ausgeplündert wurden. vom Direktor des Rabbinerseminars in London, von Oberrabbiner Fr-eimann - Posen. Guggenheim - Basel, Katz-Ezernow-itz u. v. a. Die Rednertribüne betrat Rabbiner Dr. Esra Munk- Berlin, um über die ideelle Seite der Sabbatforderung zu sprechen. Wer nicht den Sabbat mit seinem Herzen -erfühlt, sagte er, dem ist nicht zu Helsen. Mit dem Sabbat steht und fällt das Judentum. Der Redner gab -einen gedrängten Ueberblick über die Geschichte des Judentums, -die eine Geschichte der Widerstände gegen das Judentum -ist, und wies auf die Tatsache hin, daß der Rationalismus, der das Westjudentum bis zur Gruft bringen wollte, heute tot ist. Unsere Zeit erhält die Prägung und die Aufgabe durch die Allmacht der wirtschaftlichen Gestaltung, aber auch'das Wirtschaftsprinzip ist nicht allmächtig, daß'man sich um seinetwillen über den Sabbat hinwegsetzen dürfte. Noch ist es Zeit, umzukehren. Der Weltverband der Schomre Schabbos ist keine Utopie. Aber auch vor einem hohlen Optimismus müssen wir uns hüten. Noch hat die sogenannte Wirtschastsgestaltun-g ihren Höhepunkt nicht erreicht;, noch ist sie nicht im Abstieg. Aber das Werk soll nicht aufgeschoben wer-' den, es muh sofort beginnen. Man soll nicht von „übermächtigen Verhältnissen" reden, denn die Verhältnisse sind nicht Totem, sondern- Wille. Treten wir i-ndie Tah dann wird Gott uns helfen. Lecho daudi likras kalo, pne schabos nekablo! Baut kalo! (Begeisterter Beifall.) Der nächste Redner, Generalkonsul Dr. Ist Kahn- Jaffa, befaßte' sich mit der wirtschaftlichen Seite der Sabbat-Beobachtung. Bis zum Krieg herrschte eine gewisse Stabilität, der Sabbat-Beobachter konnte sich emrichten. Im Kriege entstanden Schwierigkeiten durch den militärischen Zwang. In der Inflationszeit herrschte immerhin eine gewisse wirtschaftliche Selbständigkeit, und auch die den Sabbat beobachtenden abhängigen Existenzen konnten Unterkommen. In der Deflationskrist gingen viele sabbathaltende Geschäfte ein, sabbathaltende Angestellte verloren ihre Basis. Der Redner brachte -sine Reihe positiver Vorschläge zur wirtschaftlichen Stützung der Sabbathaltenden vor. Man müsse möglichst viele Sabbathaltende wirtschaftlich selbständig machen, sie dem Handwerk und der Landwirtschaft zuführen. Die jüdischen Geschäftsinhaber sollen dahin bearbeitet werden, daß sie ihren jüdischen Angestellten die Haltung des Sabbat ermöglichen. Aber auch bei christlichen Geschäftsinhabern bestehen nach dieser Richtung gute Möglichkeiten. Auf den Staat soll dah-in gewirkt werden, daß den jüdischen Beamten frei-gestellt werde, die Sab'batarbeit durch Sonntagsarbe-it zu ersetzen. Die Landesverbände jüdischer Gemeinden und die Reichsarbeitsgemeinschaft sollenhe-ra-ng-ezogen werden. Sozial-rabbiner sollen eingestellt werdenmit der Ausgabe, Säbbathaltende unterzubringen. Der Weltverband wird einen- Austausch der Erfahrungen von Land zu Land organisieren. Es sollen- Kreditbanken auf genossenschaftlicher Grundlage unter Mithilfe der -amerikanischen Juden auf streng kaufmännischer Grundlage geschaffen werden, um den Sabbathaltendenzu helfen. Der Redner appellierte an die Wirtfchaftsmänner, für die Heiligung des Sabbat zu wirken, wasdes Schweißes der Edlesten unseres Volkes wert ist. Rabbiner G u ts che ch>te r , Mitglied des Warschauer Rabbina-ts, überbrachte die Grüße der Warschauer Jüdischen Gemeinde und deren Präsidenten Farbstein. Cr zitierte Stellen aus Bibel, Talmud und Midraschim, die aus die Heiligung des Sabbat Bezug haben. Dr. Sulzberger ergänzte die Ausführungen von Dr. Kahn-Jaffa, er ze-ichnets die Wege, wie die Gesetzgebung der Länder und die internationale Welt zugunstendes Sabbat zu beeinflussen seien, und stellte als Postulat den Kampf um die Fünftagearbeitswoche -auf, wobei der zweite Ruhetag neben dem Sonntag der Sabbat zu sein hat. Heute ist Erez Israel das Land, wo der Sabbat der wahre Ruhetag aller Juden ist. Auf die Aufbaugesellschaften Joint, Ort, Jca usw. ist dahin zu wirken, daß in ihren Arbeitsgebieten der Sabbat beobachtet werde. Rabbiner Dr. Thal-Holland überbrachte -den 'Gruß der holländischen Juden. In Holland hilft die Regierung den' Sabbathaktenden. Wer den Sabbat hält, darf dort Sonntag arbeiten. Der frühere litauische Vizeminister Rachmelewitsch-Kowno führte aus, die Fünftagewoche ist keine Utopie, man müsse auf diesem Wege weiter arbeiten undwerde zum Ziele kommen. Herr Jakob- Hekscher-HamburA schilderte in -eindringlicher Weise Erfahrungen aus Leben und Kampf der Sabbatha-ltsnden. Als Dr. Grünberg die Versammlung mit dem Wunsche schloß, daß -dieser Abend der erste Markstein auf dme Wege zur Wiederinthronisierung des Sabbat fein möge, rief die ganze Versammlung: „Omen!" Viel« Hunderte Versammlungsteilnehmer erklärten ihren Beitritt zum Weltverband Schomre Schabbos. Nach der Versammlung zerstreute sichdas Auditorium in die verschiedenen Räume und Korridore des Herrenhauses, -es -bildeten sich zahlreiche „Mi-njani-m", die das Maa riw- Gebet verrichteten-. Ferienkurse des Vereins gefehestreuer Lehrer und Lehrerinnen Berlins. Berlin, 6. Januar. In, Hörsaal des Rabbiner-Seminars -in Berlin fand in den Tagen vom 30. Dezember 1928 bis 2. Januar