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Der Israelit · 1929-01-10 · Heft 2 (10.1.1929) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 2 (10.1.1929)
Date
1929-01-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Np. 2. Seite 7 19.'Januar 1929 , ' Die zweite' historische Lmte^ M er verfolgtem ist' die inyerjübjjche. Er Mchstete den Bedeutungswandel im PxobteMMalt des Prinzips Tauroh im Derech Erez. Upspri'in-Zmch hat dieses Wortbloß sine gewisse Form der Lebenshaltung gekennzeichnet, die Verbindung des ReM'östnmit dem Weltlichen. Erft seit Samson Mphael Hirsch wurde es zu einem geistigen Prinzip ausgebildet. Als solches wachst es über seine frühere Bedeutung wert hinaus. Aber sein Sinn wird immer noch stark verkannt. In der populären Auffassung versteht man darunter zumeist das Problem der Verein barkei't des Modern-Zivilisatorischen mit den traditionelljüdischen Lde-enssormen. Es muß aber tiefer und allgemeiner gefaßt werden, und zwar als das Problem der Auseinandersetzung vom jüdischen mit modern-wissenschaftlichem Geist. In dieser Fassung, als Ausgabe erkannt und bejaht, verlangt es vom gesetzestreuen Akademiker ein unermüdliches Versuchen und immer wieder Versuchen, an der Lösung dieses Problems zu arbeiten. Ob in absehbarerer Zeit eine wirkliche Lösung gefunden , wird, sei nicht wesentlich. Bei der Voraussetzung einer starken Emunoh sei die Lösung der Probleme keine individuelle Notwendigkeit. Die Hauptsache sei zunächst die geistige Vitalität,.die nötig ist, um das innere Leben, vor allem das religiöse zu befruchten und zu verleben- / drgen. Aus diesen beiden- Komponentenlinien ergibt sich nun, wie der Redner konsequent Msführte, eine Resultante, Das Prinzip Tauroh im Derech Erez, das, wie gezeigt, ein großzügiges geistiges Programm und nicht bloß eine pädagogische Methode zum Ausdruck bringt, muß die religiöse Strömung des allgemeinen Geisteslebens als einen Aufruf zur Mitarbeit verstehen. Während der B. I. A. am Beginn seines Bestehens mehr isoliert und bloß nach innen wirken durfte und konnte, muß er heute seine Ausgabe erkennen, sich mutig m den Bezirk des modernen Geistes hineinzustellen, uns vom jüdischen Standpunkt aus das Wort in die allgemeine Diskussion zu werfen, den jüdischen Religionsbegriff und die Mische Lehre der Welt zu künden. Nachdem der Redner die Ausgaben und Möglichkeiten, die eine solche konsequente Auffassung des Prinzips Tauroh im Derech Erez in sich bergen, näher darlegte, fetzte er sich mit der Gruppedes gesetzestreuen! Lagers auseinander, die eine solche geistig-universalistische Tendenz ablehnt, für die die Berührung mit wissenschaftlichem Geist als Schicksal, nicht als Aufgabe erscheint. Redner entwickelte demgegenüber die rationale Einstellung des Rambam-Typs, eine Einstellung, die er auch im B. I A. verkörpert findet. Die Religion stehe in einem natürlichen Zusammenhang mit der Philosophie, und dieser Zusammenhang erst liefere Weltanschauung im höheren Sinn. Erst die Verknüpfung . des religiösen Moments mit dem Vernunstprinzip bedeute die höhere Stufe des Judeseins. (Schluß folgt.) B. 3. A.-Bundestag. Berlin, 8. Januar. Der Präsident des Bundestages zu Berlin legt Wert darauf, festzustellen, daß der in der vorigen Nummer des „Israelit" veröffentlichte, A. L. gezeichnete Bericht w e d e r . o o n seiten de r T a g u n g s le i t u n g noch von seiten des Bundespräsidiums stammte. Ein offizieller Bericht des Bundespräsidiums wird folgen. , Der Central-Verein klärt eine Verleumdung gegen die Alliance Israelite auf. , Berlin, 4. Januar.- „Der deutsche Jäger" veröffentlicht einen Roman „Sibiriens Recht und Rache" aus der Feder von Egon von Kapherr. In der Fortsetzung des Romans in der Nr. 43 findet sich der Satz: „Man munkelt allerlei . . . auch daß die Teilhaber Ordshemlidses als Sozialrevolutionäre ihre Gelder von der Alliance Jsraelite Universelle, der geschworenen Feindin der Monarchie und Rußlands, erhielten." Obwohl allgemein bekannt ist, daß die Alliance Jsrae- ' litte Universelle eine rein humanitäre Gesellschaft ist, die mit Politik nichts zu tun hat, hat der Centralverem deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ihr dennoch diesen Satz mit der Bitte -um Stellungnahme vorgetegt. Die Alliance ermächtigte den Centralverein, nachstehende Erklärung der Oesfentlichkeit zu übergeben: „. . . Obwohl es sich hierbei nur um ein Erzeugnis D er Jsra-tiit_ dichterischer Phantasie handelt, könnten doch derartige Behauptungen bei schlecht unterrichteten oder übelwollenden Lesern Glauben finden. Es erscheint uns daher angebracht. zu erklären, daß die Alliance Jsraelite, die weit von jeder einseitigen^ besonders vor jeder parteipolitischen Stellungnahme entfernt ist, niemals irgend eine Partei, fei es in Rußland, oder anderswo, mit Geldmitteln oder sonstwie unterstützt oder gefördert hat. Die in dem oben genannten Werk ausgesprochene Beschuldigung ist eine reine Erfindung und Verleumdung." Wissenschaftlicher Lehrersortbildungskurs. Würzburg. 28. Dezember. Dank der Initiative des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden und des israelitischen Lehrervereins in Bayern haben mehr als 120 jüdische Lehrer aus den süddeutschen Ländern zwischen dem 24. und 27. Dezember Tage seltenen geistigen Genusses und religiösen Erlebens in Würzburg verbringen können. Der. Präsident des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden Herr Oberlandesgerichtsrat Dr. R e u m e y e r eröffnete persönlich den Fortbildungskurs, der außerdem von dem Vorsitzenden des israelitischen Lehrervereins in Bayern, Herrn Hauptlehrer Rosenfeld, von Herrn Vezirksrabbiner Dr. Hanover und dem Vertreter der israelitischen Kultusgememde Würzburg Herrn Kommerzienrat Dr. B r a u n s ch w e i g e r begrüßt wurde. Umversitätsprofessor Geheimrat Dr. Hehn-Würzburg hielt eine vierstündige Vorlesung: „Der Gottesbegriff der Bibel und die Welt des alten Orients." In meisterhafter Klarheit, unter Anführung einer Fülle von Einzelbeispielen verstand der bekannte Gelehrte den Gottesglauben der alten Babylonier, Assyrer und Aegypter irt fernen verschiedenen Entwicklungsstufen darzustellen. Insbesondere wies er nach, daß entgegen vielfacher Behauptung, sich aus dem Polytheismus des alten Orients nie und nirgends ein wirklicher Monotheismus entwickelt hat, während der Gottesbegriff der Bibel von Anfang an ein rein monotheistischer, frei von allen mythologischen Beimengungen, gewesen ist. Oesterreich. Konstituierung des Vorstandes "der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde. Wien. 6. Januar. Der vor kurzem gewählte Vorstand der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde hielt feine konstituierende Sitzung ab und wählte zum Präsidenten der Gemeinde Oberstabsarzt Professor Pick, zum 1. Vizepräsidenten Dr. Jacob Ornstein, zum 2. Vizepräsidenten Dr. Ticho. Der Präsident und die beiden Vizepräsidenten sind führende Mitglieder der Union österreichischer Juden. Rumänien. Die Thronrede gegen den Numerus clausus. Bukarest, 30. Dez. Zum ersten Mal geschieht es in Rumänien, daß in einer Thronrede zum Numerus clausus direkt Stellung genommen wird. Die Thronrede, mit der der erste Session des neuen Parlamentes eröffnet wurde, führte hierzu aus: Die Bedeutung Rumäniens im Corps der zivilisierten Staaten verpflichtet uns, das kulturelle Niveau aller Stände und sozialen Klassen zu heben. Das gesamte Unterrichtswesen muß ausgebaut, die Universitäten müssen so ausgestattet werden, daß sie ihrem Zwecke, das wissenschaftliche Forschungswesen zu umfassen, entsprechen. Das Rechtsgefü'hl des rumänischen Volkes erfordert es, daß an den Hochschulen alle nationalen und konfessionellen Minderheiten sich im Rahmen der Verfassung der vollsten Gleichheit und des gerechten Wohlwollens erfreuen. Sabbaterfolg in den rumänischen Slaalsschulen. Bukarest, 2. Januar. Unterrichtsminister Costachescu erließ eine Verordnung an die Schulleiter, wonach in Schulen mit einer größeren Zahl jüdischer Schüler das Unterrichtsprogramm so eingerichtet werden solle, daß an Sabbattagen nur Gegenstände vorgenommen' werden, bei denen schriftliche Arbeiten nicht in Frage kommen. In alten anderen Schulen soll darauf geachtet werden, daß jüdische Schüler an Sabbattagen, soweit als möglich, vom Schreiben befreit werden. . Palästina. Verständigung zwischen Agudas Jisroel und Waad Leumi in der Kofel maarowi-Frage. Jerusalem, 14. Tebeth. Vorgestern abend ist es nach langen Verhandlungen' zu einer endgültigen Verständigung zwischen dem Waad Leumi und der Agudas Jisroel hinsichtlich der örtlichen Interessenvertretung in den Angelegenheiten der Kosel maarow r gekommen. An den Verhandlungen nahmen vonseiten des Waad leumi die Herren Dr. Thon, Kalvariski, Ben Zwi, Chajim Salomon und Rabbiner Ostrowski, vonseiten der Agudas Jisroel die Herren Rabb. Jonathan Howvicz, Katzenelnbogen und Blau, teil. Die Hauptpunkte des AbkommÄrs lauten:. 1. Es wird ein gemeinsamer Ausschuß gebildet, d?ch sieben Vertreter des Waad leumii und vier Vertreter der Agudas Jisroel angehören, und der seine Sitzungen abwechselnd >m den Büros der beiden' Organisationen abhält, 2. In Fragen, die die Religion berühren, kann keine Majoritätsabstimmung stattfinden. 3. In andern Fragen entscheidet die Majorität nur dann, wenn sich innerhalb der Majorität eine Stimme der Gegenseite befindet, 4. Es besteht Einverständnis, daß der Waad leumi die der „Knefes Israel" an ge hörigen, Agudas Jisroel die der Knefes Israel nicht angehörigen Teile despalästinensischen Judentums vertritt. t 5. Der Ausschuß soll die einzige legitime Vertretung der Judenheit gegenüber der Regierung in Bezug auf die örtlichen Fragen der Ordnung und der Gottesdienste an der Kosel maarowi darstellen. Unberührt von dem Abkommen bleibt die Freiheit der beiden Organisationen, die mit -dem Kosel maa-rowi- Problem zusammenhängenden politischen Fragen vor der palästinensischen und englischen Regierung und vor dem Völkerbunde zu vertreten. Doch verpflichten sich die beiden Jerusalemer Organisationen vor der Ausführung solcher politischer Schritte die Gegenseite zu verständigen und sich mit ihr zu beraten. Ganz unberührt von dem Abkommen bleiben natürlich die zentralen Stellen, also die zionistische Weltorganisation und die agudistische Weltorganisation; doch ist zu hoffen, daß auch nach dieser Richtunghin die moralische Wirkung der lokalen Verständigung nicht ausbleiben wird. Das Resultat der Gemeindewahl in Tel-Awiw. Tel - Awiw, 1. Januar. Die heute durchgeführten Wahlen in die Stadtverwaltung von Tel-Awiw ergaben das folgende Resultat: Gewählt wurden fünf Vertreter der organisierten Arbeiterschaft, vier Abgeordnete des vereinigten Zentrums, zwei Vertreter der polnischen Juden, zwei Vertretre des Hausbesitzeroereins, ein Misrachist, ein Vertreter der kleinern Kaufmannschaft. Die Wahlbeteiligung war eine enorme; es schritten 92 Proz. der gesamten Wählerschaft zur Um«. Der Schechita-Konfiikt in Tel-Awiw. Frau kfturt a. M., 9. Januar. Unmittelbar vor Redaktionsschluß geht uns von berufener Seite aus Jerusalem die Nachricht zu, daß die angebliche Kundgebung Oberräbbiner Sonnenfelds für die Schechita des Makower Raw — schließend mit den WortenD’wfcatp— eine gr ob e Fälsch u ng und einen unerhörten Mißbrauch des Namens von Rabbiner Sonnenfeld darsteM. Man glaubte bisher den Tatbestand aus Schonung für die Urheber des Bubenstreichs verschteiern! zu sollen und hat sich erst auf unser Drängen hin, entschlossen^ diese gänzlich unangebrachte Schonung von Verbrechern fallen zu lassen. Personalien. Schönlanke, 2. Jan. Zum Rabbiner unserer Synagogengemeinde wurde unter reger Anteilnahme der Gemeindemitglieder Herr Rabbiner Elieser Berling e r aus Trier, Sohn des bekannten dortigen Lehrers, fast einstimmig gewählt. Rabbiner Berlinger studierte an den Universitäten Heidelberg, Köln und Berlin und absolvierte das Berliner Rabbinerseminar. Unserem Rabbiner geht ein vorzüglicher Ruf als Prediger und

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