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Der Israelit · 1929-01-10 · Heft 2 (10.1.1929) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 2 (10.1.1929)
Date
1929-01-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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(»eise 4. Nr. 2 2 e r I s t <x t l l t 10 Januar 1929 R e l i g i o n sun t e r r i cht selbst, sowohl in Gemerndereligionsschulen wie an öffentlichen Lehranstalten, denkt, kann wohl fragen, ob es nicht bester wäre, diese Stellen mit Männern zu besetzen, die vermöge ihrer Vorbildung ein besonders vertieftes Wissen m den Fachgebieten des Religionsunterrichts besitzen. Sie waren nicht gezwungen, während ihrer Ausbildung über die Fragen des Gesamtunterrichts nachzudenken über die arbeitsfchulmäßige ° Gestaltung des Deutschunterrichts auf der Unterstufe, über Lesebuch oder Einzelschrift, über die Auswertung naturkundlicher Lehrspaziergänge zu diskutieren — die Reihe dieser neuzeitlichen Unterrichtsfragen läßt sich ad libitum vergrößern — haben sich nur dem „Lernen" und den Studien zum Religionsunterricht gewidmet, und können im Un rerricht tief aus dem Vollen schöpfen, sicher nicht zum Schaden für ihre Unterrichtstätigkeit. Die pädagogische Akademie nimmt in ihrer heutigen Ausgestaltung infolge der Zusammmdrängung der Studien auf zwei Jahre die Arbeitszeit der einzelnen Studenten im Uebermaße in Anspruch: es wird behauptet, die jungen Leute müßten von der akademischen „Freiheit" selbst bei Pflichtvorlesungen recht oft Gebrauch machen, damit sie für vertiefte Arbeit außerhalb der für das Examen nötigen Studien Zeit gewinnen können. Warum soll der spätere R e l i g i o.n s lehrer Zeit verlieren, die er bester für Studien in seinem eigentlichen Beruf verwenden kann? Neben den Städten gibt es auch immer noch größere und kleinere Landgemeinden!. Gehen dort auch die Volksschulen zu Grunde, Lehrer, Vorbeter — und darf man damit im Zusammenhänge sagen? — Schächter sind immer noch nötig; sei es auch, daß mehrere zusammengeschmolzene Orte von einer Stelle aus gemeinsam versorgt werden. Ein schwerer, Entsagung fordernder Beruf. Es gibt Utopisten, die wähnen, es würde sich für solche Stellen immer eine genügende Zahl akademisch vorgebildeter Lehrer finden. Man hofft das u. a. auch dadurch zu erreichen, daß diese Lehrer von den genannten, bisher mit ihrem Amte verbundenen Verpflich tungen befreit werden. Nebenbei — wer zahlt die dadurch entstehenden Mehrkosten? Aber zugegeben, die Befreiung der Lehrer vom „Kirchendienst", das ist ja das Vorbild, sei durchgeführt. Darf man. wirklich die Annahme wagen, jüdische junge Leute, die die Reifeprüfung abgelegt haben-, die unmittelbar oder nach einer verhältnismäßig leichten Ergänzungsprüfung (latinum) jedes ihnen zusagende Universitätsstudium ergreifen können, werden kein höheres Ideal stützung. Und mit diesen geringen Mitteln konnte man bereits am letzten Pesfachfeste 5 8 Patienten in Leysin vollkommen mit ritueller Pessachkost versorgen. An gehobenen Tagen, so am letzten Chanuka, steigen die Damen und der kleine Freundeskreis hinauf, um den Kranken in Form einer gemütlichen Feier etwas für die jüdische Seele zu reichen. Was kann zur Zeit für Leysin geschehen? An ein eigenes jüdisches Sanatorium nach Art der „Etanm" könnte, da oben so etwas wie ein Mo- '.opoloerhättnis der bestehenden Sanatorien herrscht, auch dann nicht gedacht werden, wenn die Mittel dafür vorhanden wären. Wohl möglich wäre aber, einem der gestehenden Sanatorien eine, — wenn auch vorerst nur kleine und für Männer gedachte — jüdische Abteilung anzugliedern, mit Koscherverpflegung und den notwendigsten jüdischen Lebensmöglichkeiten. Dieses Ziel wäre leicht zu erreichen, wenn die Juden der Welt sich einmal der Dringlichkeit der Sache bewußt würden. S—tz. Heilende Sonne lockt, steige auch du auf, Höhensonne des jüdischen Wählt uns! Wochenkalenver. v. 12 — 18. Jan 1929 1. - 8. Schebat 5fl*9 Samstag Jan 12 V3V 1 vin emi rr i rr Sonntag 13 2 Montag 14 i3 Dienstag 15 4 Mittwoch 16 5 Donnerstag 17 6 Freitag 18 7 19 8 «2 haben, denn sich als Religionslehrer der Juden gebe es die allerehronwertestenMeni n i r g e nd einem bayerischen o de r schen.H Der unerschrockenen freisinnigen - Käinphessischen Hinterwalddorfe a u s z u-' fer Richter und Rückert, besonders gegen antifemi- ~ tische Fälschungen, Entstellungen und gegen die Verletzung der Parität haben wir schon gedacht?) Die scharfe sozialdemokratische Erklärung gsgen wirken? Unmoralisch im höchsten Grade wäre es, den Zwanzigjährigen zu einer Berufswahl zwingen zu wollen, weil er fünf oder sechs Jahre vorher durch Studienstipendien dazu verpflichtet worden ist. Sehr zu beachten ist noch, daß die Besoldungsfrage der akademisch vorgebildeten Lehrer in Preußen noch nicht gelöst ist. Sie wird, dem Vernehmen nach, für die „Neu"lehrer eine beträchtliche Annäherung an die Gehälter der Studienräte bedeuten. Der Anreiz ist ja nötig, damit es den Landvolksschulen in Zukunft nicht an Lehrern gebricht. Soweit jüdische Religionslehrer in Frage kommen, sollte man glauben, auch für die Finanzen! der großen Verbände gibt es eine Grenze, die ohne Gefahr für wichtige Gesamtheitsinteressen nicht überschritten werden darf. Wer nun aus dieser kühlen, unvoreingenommenen Betrachtung der Verhältnisse die für die Ausbildung der jüdischen Lehrer sich ergebenden Schlüsse ziehen will, rührt damit an einige wunde Stellen, über die in der Oeffentlichkeit in der Regel nicht gesprochen wird. Da ist zunächst: die Einheitlichkeit des Lehrerstandes. Wenn diese jemals bestanden hätte, so wäre das bekannte bissige Witzwort eines bekannten Lehrerführers über die Einteilung der Kollegen niemals aus gesprochen worden. Arbeiten nicht von jeher in den meisten Vereinen neben ausgebildeten Volks fchullehrern auch Rabbinerlehrer und als Lehrer ursprünglich überhaupt nicht Vorgebildete treu zusammen? Nicht die Vorbildung: ' die Liebe zur Tätigkeit, das Bewußtsein der Verantwortung-, im heilige n D i e n st e zu stehen, das Streben, die Heranwachsende Jugend zu guten! Juden heranzubilden, sie sind es, die dem Religionslehrer seinen Wert verleihen. Wenn diese Eigenschaften sich paaren mit gründli ch e m j ü d i s ch e n W i s s e n, dem Willen zu e r n st e r v ä d a g o g i s ch e r A r b e'it, dann kann es keinen Unterschied zwischen Lehrern, Rabbinern- und ehemaligen Bachurim geben. (Schluß folgt.) 50 Jahre Antisemitismus Von A. Mannheimer in Dettelbach. (Schluß.) Haben wir in Vorstehendem ein Bild der antisemitischen Bewegung in den ersten paar Jahrzehnten kurz gezeichnet, so soll zum Schlüsse noch über die Abwehr des Antisemitismus einiges gesagt werden. Man muß sich vorstellen, daß man zu jener Zeit noch keine Abwehrorganisation hatte, wie ie heute der wackere C.-V.-Verein darstellt, ausaerüstet mit den besten und schärfsten Waffen der Wahrheit, unterstützt und geführt von einem Stabe der fachkundigsten Männer auf allen in Betracht kommenden Gebieten, kamvfeskundig und kampfesfroh, wo es gilt, unsere Rechte und Ehre zu verteidigen-. Es waren hierzu nur da die Parteien im Reichstage, deren Presse und Führer, die spezifisch jüdischen Zeitungen, sodann einzelne Verbände im Judentum und einzelne sozial urtfr geistig hervorragende Persönlichkeiten. Von den Parteien waren Zentrum, Freisinnige, Sozialdemokraten (diese noch dazumal ziemlich chwach!) entschiedene Gegner des Antisemitismus; auch die Nationalliberalen; zählten sie doch die oben genannten Abgeordneten Lasker und Bamberger zu ihren besten Mitgliedern. Die Sozialdemokratie, von den beiden Juden Laffalle n 4 .. .. ... . und Marx begründet und viele Inden in ihren L Rechen zahlend, nahm sich um so mehr der Julen m die antisemitische Kerbe hieben. Auch der verden an, als sie selbst seit 1878 unter einem Ausstorbene Erzberger verschmähte es nicht, mitunter mit' nahmegesetz seufzte. Der große Zentrumsführer,kem antisemitischen Kalbe zu pflügen. Dr. Ludwig Windhorst stellte als die Hauptquelle' ®u9ei), Richter ging einst den „jüdischen Güte^ des Antisemitismus die Nerallaemeinerima den ^^°^gen in Hessen nach amtlichen Unterlagen nach oes <lnrqemmsmus oie ^eraugememerung der un& zeigte, wie die antisemitischen Angaben fast in ein Fehler einzelner hm. Das sei grundfalsch. Unter Nichts zusammenschmolzen. den Antisemitismus hätte seiner Zeit auch H. Müller, der spätere Reichskänzler, und O. Braun, der spätere preußische, Ministerpräsident, unterschrieben. — Prof. Theodor Mommsen nannte den Judenhaß „die Mißgeburt des nationalen Gefühls", Theobald Ziegler „die große Schande für uns Deutsche", Kaiser Friedrich (der totkrank 1888 auf den Thron kam und nur 1Ö0 Tage regierte), „die Schmach des Jahrhunderts", Peter Rosegger „eine Abscheulichkeit, die sittlich äüfklärend bekämpft werden muß," Max Müller „das Unheil in der Gesellschaft und am Staate." Als die deutsche Burschenschaft, namentlich aber der „Verein deutscher Studenten (1881) offiziell sich zum Antisemitismus bekannten, stellte ihnen 1883 der berühmte Chemiker Hoffmann im Verein mit Prof. Dr. Küster den freiheitlichen Verein der „Allgemeinen deutschen Burschenschaft" entgegen. D i e i m p o s a n t e st e u n d wirks am st e G eg e n wehr s ei t e n s ch rist - l ich e r Fe i nd e der Antisemiten bildete aber der am 14. Dezember 1890 unter Führung des großen Rechtslehrers Prof. Rudolf v. Gneist und des Abg. Dr. Rickert ins Leben gerufene -- heute noch bestehende „Vereinzur Abweh? des Antisemitismus". Ende Januar -1891 wurdeder Aufruf von 536 Männern christk i'che r">Konfession', denen sich nachträglich noch 130 anschlossen, unterschrieben. Der denkwürdige Aufruf, der stets ein Kultürmonument bleiben wird, hatte folgenden Wortlaut: . „Gegen unsere jüdischen Mitbürger wird ein gehässiger Kampf fortgesetzt, welcher der < Natur unseres Volkes, seiner geschichtlichen Entwicklung und seiner"Stellung-ünter den zivilisierten Nationen zuwider ist.- In massenhaft verbreiteten Flugblättern, Zeitungen und Broschüren werden die Juden, denen die Gesetze des Reichs die volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung gewährleisten, ohne Unterschied, und nur weil sie Juden sind, mit den niedrigsten Beschimpfungen verfolgt. Sie werden als Fremdlinge dargestellt und als Morschen, welche di§ sittlichen Grundlagen des Staates und der Gesellschaft gefährden. Die Aufhebung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung ist das Ziel der antisemitischen Agitation. Derselben gleichgültig und untätig zuzuschauen, wäre eine verhängnisvolle Unterlassung. In einzelnen' Bezirken des Vaterlandes hat die antisemitische Bewegung größere Kreise, namentlich auf dem platten Lande, ergriffen; auf andere sie auszudehnen, ist man eifrig am Werk. Deutsche Fürsten und Staatsmänner haben das verderbliche und unchristliche Treiben der Antisemiten verurteilt. Aber es ist vor allem eine Ehrensache für das deutsche Volkund vornehmlichfür uns Christen, demselben baldigst ein Ende zu machen. Die Unterzeichneten, Mitglieder verschiedener religiöser Bekenntnisse und poUtischer Parteien, haben einen „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" ins Leben gerufen. Sie wollen wirklich vorkommende Ausschreitungen und Mißstände weder verhehlen noch entschuldigen, sondern durch positive Einwirkung, insbesondere auch durch wirtschaftliche Maßregeln, solche zu beseitigen suchen. Sie wenden sich an ihre Mitbürger ohne Unterschied der Partei und des Glaubens mit der Bitte, sie bei diesen

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