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Der Israelit · 1929-01-10 · Heft 2 (10.1.1929) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 2 (10.1.1929)
Date
1929-01-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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M 'Tayygr 4M D e r I s r a e t .emMyiN: schreib enden Kostegen anwenden und sie nächtxäglich beleidigen wollen? - Um -eine VerösseMlichung, die einem nicht in den Kram paßt, kommt man mit ein er-phrasenhaften-Geste nicht herum. Es hat dabei fast den Anscheinals ob man geflissentlich eine Ablenkung von dem Kernpunkt der Sache herbeiführen will, indem man den unbequemen Kerl zu degradieren lucht, : , In dem Artikel „Selbsttäuschungen" handelt es sich um ganz bestimmte Tatsachen, und die Wertung des Angreifers hängt einzig und allein von der Fragestellung ab: Sind die aufgeführten Fälle Wahrheit oder Lüge. Um nur auf das Hauptsächliche einzugehen, -frage ich deshalb ganz präzise Herrn Steinhardt: 1. Stimmt es oder stimmt es nicht, daß der Referent „über die jüdische Schule und das jüdische Leben" seine Ferien in einem von einem christlichen- Wirte geführten Hause verbracht hat? 2. Ist die Behauptung, daß ein in der jüdischen Lehrerwelt sehr bekannter Lehrer im Jahre 1926 in einer Lehrerzeitung das christliche Erholungsheim Stromberg, in dem er erstklassige Verpflegung gefunden hatte, empfohlen hat, eine Erfindung? 3. Ist es aus den Fingern gesogen, daß in einer jüdischen Schule der zweite Teil des Markus-Evangeliums behandelt wurde? 4. Sind die Andeutungen über die religiöse Lebensführung von Besuchern einer simultanen Akademie Wahrheit oder Dichtung? . Ja, Herr Steinhardt, es geht um die Wahrheit, die sich mit ein paar salopp, dahingeworseneN Sätzen nicht unterdrücken läßt. Ich halte es da mit dem alten Claudius: -,Die Wahrheit bleibt doch Wahrheit, wie ich -sehe; gut eingerieben tut'sie wehe." Erziehung für und durch den Sabbat. Daß mit dem Sabbat die jüdische Gegenwart und Zukunft, die den jüdischen Organismus belebende Refchomoh gerettet werden soll, beginnt man allmählich in allen jüdischen Kreisen einzusehen. Ein Hunger nach Sabbat, der sogar bei der internationalen liberalen Konferenz in Berlin zu Worte kam, ein Schrei nach dem Sabbat geht durch alle Länder Europas und über den Ozean hin. Die Kenessio Gedaulo der Agudas Jisroel wird die Rettungsaktion für den Sabbat im Mittelpunkte ihrer Belange haben. Inzwischen hat sich eine Organisation mit gleichem Ziele in Berlin gebildet, der es an Gelegenheit zur Wirksamkeit gewiß nicht fehlen wird. Der Sabbat ist bei uns wie überall nicht allein und zuletzt eine religiöse Frage, sondern zugleich eine wirtschaftliche Frage. Das Wirtschaftsleben im modernen Staate steht dem Schabbos entgegen. Der Sabbat, sagen Andere, stehe dem Erwerbsleben im Wege. Es gilt, einen Ausgleich zu finden und zu schaffen, einen Ausgleich zunächst dahin, daß sabbathaltende Arbeitgeber nur fabbathaltende Angestellte beschäftigen und dahin, daß jüdische Menschen, die dem Sabbat das Opfer ihrer Existenz gebracht haben, nicht ganz dem Elende preisgeben werden, bis ihnen die Umstellung im Einklang mit ihrer religiösen Ueberzeugung gelungen ist. Es gilt aber sodann, auch auf die Stäatsgefetze einzuwirken, daß sie dem jüdischen Kaufmann und Gewerbetreibenden die Sabbathut nicht gar so erschweren. Und es ist hocherfreulich, daß im freien und zugleich erwerbshungrigen Amerika, von den maßgebenden Faktoren vorbildlich nach dieser Richtung hin vorgegangen wird. Verschiedene jüdische Organisationen in Amerika haben dieser Tage unter Mitwirkung prominenter Kongreßmitglieder wiederum beschlossen, gegen jeden Versuch, irgendwie den Sabbat zu gefährden, sei es durch die geplante Kalenderreform oder ' durch neue Verschärfungen der SMNtagsruhebestimmungen, mit allen gegebenen Mitteln anzukämpfen. Es müßte aber in erster Reihe die jüdische Jugend für den Sabbat —und damit für den Gesamtkomplex der jüdischen Aufgaben naw nVipw nmanVaiMD — erzogen werden. Damit ist es leider in Amerika noch recht schlimm bestellt. In einer Ansprache auf der Jahresversammlung der „Gesellschaft für jüdische Erziehung" beklagte Louis M a r s h a l l, der Präsident des Amerjcan Jewish Committee, daß von den etwa 360 000 im Schulalter stehmiden jüdischen Kindern Newyorks, einer Stadt, die 1800 000 Juden beherbergt, nicht einmal die Hälfte irgendeines jüdischen Unterrichtes teilhaftig werden. Die amerikanischen Juden geben 4 bis 5 Millionen Dollar jährlich für jüdischen Unterricht aus, davon entfallen auf die Newyorker Gesellschaft für jüdische Erziehung im ganzen 250 000 Dollar. Man müsse die Mutter für das Erziehungswerk interessieren, da der Vater in der Regel geschäftlich überbürdet ist. Marshall forderte die Juden Newyorks auf, das Erziehungswerk zu fördern und die beschämende Tatsache aus der Welt zu schaffen, daß eine so große Gemeinschaft so wenig für die Erhaltung des Judentums unter ihren Kindern tut. _Nr. 2. Seite 3. Rettet den Vätern den Sabbat, sie werden Zeit und Muße finden, sich um die Erziehung ihrer Kinder mehr zu kümmern. Jüdische Lehrerbildungs-Inflation. " II. Um ein klares Urteil zu gewinnen, muß man aber auch wissen, in welchem Umfange und nach welcher Richtung ein Bedürfnis für die Ausbildung jüdischer Lehrer besteht. Die früher zahlreichen jüdischen Volksschulen in den Landgemeinden (Bayern, Pfalz, Kurhessen, Hannover, Ostprovrnzen) sind aus den bekannten, hier , nicht weiter zu besprechenden Ursachen im Aussterben begriffen. Neu entstandene oder vergrößerte Volksschulen finden sich nur in den Städten, dort vielfach bekämpft und boykottiert von liberaler Seite. Es sind gewiß noch viele Möglichkeiten für jüdische Volksschulen vorhanden. Da aber in absehbarer Zeit .kaum mit dem Zustandekommen eines Reichsschulgesetzes auf der gegenwärtigen Verfassungsbasis (Art. 146 Abs. 2) zu rechnen ist, das die Äntragsstellung ausschließlich in die Hand der Erziehungsberechtigten selbst legt, bleibt in Bayern wie in Preußen die Gründung von Volksschulen den Gemeindevorständen überlassen. Und für deren ablehnende Stellungnahme in der Mehrzähl der Mittel- und Großgemeinden, in denen allein für jüdische Volksschulen manche hoffnungsvolle Aussicht besteht, dürfte München und Breslau typisch sein. Wer also die Notwen-- digkeit der Gründung einer jüdischen pädagogischen Akademie damit begründet, daß die Zahl der für Volksschulen brauchbaren Bewerber ständig zurückgeht, müßte beweisen, wie groß, d. h. zahlenmäßig ausgedrückt, wie außerordentlich gering, der jährliche Bedarf an jüdischen Volksf ch u l lehrern sein wird. Eine solche Rechnung läßt sich beispielsweise an Hand der Stellenausschreibungen und -besetzungen der letzten fünf Jahre, die durch starke Erweiterung der Schulen in Berlin, Breslau, Frankfurt, Hamburg, München, Leipzig übernormal waren, unschwer aufstellen. Nun besteht in den Städten allerdings eine gewisse Nachfrage nach R e l i g i o n § l e h r e r n, die befähigt sind, auch an den öffentlichen höheren Schulen zu unterrichten, während die Möglichkeit in Preußen, selbst an christlichen Bekenntnisschulen, jüdische V o l k s s ch u l l e h r e r für den Religionsunterricht der jüdischen Kinder unterzubringen, nur recht schwach ausgenützt wird. Zum Teil werden die erstgedachten Stellen schon lärmst mit Lehrkräften besetzt, die als Rabbiner vorgebildet sind. Wer in erster Reihe an den Knochentuberkulose Befallenen in der in jeder Beziehung sonnenarmen Heimat nach menschlichem Ermessen unrettbar verloren sind. Aber ebenso sicher steht nach menschlichem Ermessen und ärztlicher Erfahrung, daß da oben auf der Höhe von Leysin diese Menschen, soweit die Krankheit, noch nicht bis zu den Lebensorganen fortgeschritten ist, genesen, daß da oben die Sonne mit der idealsten Höhenbestrahlung, wie sie nur 'der Schöpfer der Sonne zu vollsühren vermag, die Krankheitskeime in ihre Schranken weist, sie lokalisiert, daß der Brand sich nicht weiter ausbreitet; ja, auch die erkrankten Teile selbst nach und nach, mit Zeit und Weile, von den Giftkeimen befreit, fo daß die Menschen, die das Glück hatten, diese Höhe zu erreichen und hier eine angemessene Zeit bei sachgemäßer Behandlung zu verbleiben, vollkommen gesund zum Leben und zu ihren Familien zurückkehren. Von hundert Fällen ■erlangen 90 ihre Wi edergenesung, die restlichen Hehn sind wohl zu spät hierher gekommen. Mit Davos ist Leysin in keinem Punkte zu vergleichen. Davos arbeitet an der Restaurierung der erkrankten Lungen. Leysin heilt in der Hauptsache Knochentuberkulose und partielle tuberkulöse Erkrankungen, die den ganzen Organismus bedrohen. Die Tuberkulose ist leider auch eine j ü dis ch e Sache, was 'mit den Zahlen einer traurigen Statistik vielfach belegt ist. Was Wunder? Wirtschaftliche Not, Wanderung, sanitäre Mängel, Wohnungsnot, Unterernährung, es sind dies die Faktoren, die die Heere der unsichtbaren Feinde der. Menschheit stellen. An dieser geschilderten vielfachen Not >ist der Anteil der Juden, besonders der Ostlander, bekanntermaßen ungemein groß. So kommen diese jüdischen Menschen aus Polen, aus Galizien, aus Rumänien, aus der Tschechoslowakei:, um Wer Rettung zu suchen. Das' bisher nie gehörte Wort „Leysin" winkt ihnen auf der langen Fahrt Me ein leuchtendes Ziel von -oben herab. Aber wie kömmt man hin, wie kommt man Hinauf, Me erhält man sich da oben-, bis der Genesungsprozeß beendet ist, wenn man Jude ist und kein Geld in der Tasche hat,und darüber hinaus eine jüdische :Seele besitzt, die nach Mischer Lebensweise lechzt, die I krank Mrd ohne Sabbat, ohne rituelle Verpflegung, ohne jüdische Sphäre, in dem Maße, Me der Körper M der Sonne gesundet?! Für Davos arbeitet ein Komitee Und ein großer Verein, der, wenn auch noch nicht genügend, seine Fittige über die ganze Welt ausbreitet. Dort, auf der Höhe von Davos, ist eine „Etama", die mit Recht der Stolz der schweizerischen Judenheit genannt werden darf. Noch sind alle wirtschaftlichen Probleme in Davos nicht gelöst und die Schuld der Gesamtjudenheit der Welt, diedie Patienten für Davos stellt, noch lange nicht hinreichend abgetragen. Aber darf darüber die Genesungsstelle für diejenigenübersehen und vergessen werden,^ die nach Leysin und nur nach Leysin müssen, um ihr und ihrer Familien Lebensglück zu retten?! Vier gxoße Sanatorien befinden sich zur Zeit -auf der Höhe von Lyesin, die ein großes Volk von Kranken und Genesenden beherbergen. 150 Juden zählte Schreiber dieses unter ihnen, von denen» dreißig keine genügenden Mittel besitzen, oder bar aller Mittel sind, mit dem einzigen Wunsch im Herzen, gesund zum Leben zurückzukehren, um, wie früher, für die Ihren zu sorgen. Ein jüdisches Sanatorium gibt es da oben nicht und kann es nach Lage der Dinge in absehbarer Zeit auch nicht geben. Eine jüdische Pension erwies sich bisher als undurchführbar. Wie leben da die Mischen Menschen, die, allem rabbinischen und ärztlichen Zureden zum Trotze, es ablehnen, den Körper um den Preis höchsten Seelengutes zu retten? Ein guter Teil lebt vegetarisch, was dem Gefunduugsprozeß nicht sehr dienlich fit. Einige, minder schwere Fälle, bereiten sich ihre Speisen so gut es geht mit eigener Hand. Der Rest, der wegen vw mps g e zwangen ist, un-rituell zu leben, erlebt die erschütterndste Tragik, die Tragödie der Tragödie da oben auf der Insel der He-iksuchenden zu Leysin. Man hat das Gefühl, daß die Sache in der Schweiz selber und im Auslände noch nicht in ihrer ganzen Tragweite erfaßt ist. Es geht natürlich nicht an, daß man die ganze Lastauf dis Schultern der Schweizer Juden abwälzt. Sie tun weit weit über ihre Pflicht für D a v o s und andere Institutionen, die — Gott sei es gedankt — sie selber am wenigsten brauchen. Das Problem Leysin muß, wie das von Davos, von der Judenheit der Welt, in Deutschland wie im Ostens von wo das größte Kontingent der Patienten gestellt Mrd, gelöst werden. Freilich muß -der kräftige Anstoß und der Antrieb von der Schweiz auSgehen. Das sind sie in der Schweiz schon dem Schöpfer schuldig für all die Schönheiten, die er sie täglich erleben läßt, und für all die Heilquellen, die er Mt Luft und Licht und Sonne ihnen und ihren Kindern erschlossen hat. Die Sache von Leysin hat einige Hemmungen. Man fürchtet Konkurrenz für Davos Es ist dies keine großzügige Auffassung. Der Bazillus in den Lungen derer in Davos konkurriert ganz nnd gar nicht mit dem in den kranken Knochen der Leysinpatienten. Auch steht die Sonne von Davos nur in idealer Konkurrenz zu der in Leysin, in ihrer Wirkung haben sie genau abgegrenzte Gebiete. Darum soll auch die Sonne des jüdifchen Wohltuns hier keine Konkurrenz kennen, dahin und dorthin gelangen, wie es die große Sonne aus Schöpfers Hand tut. Seit einiger Zeit existiert in der Schweiz ein K o - mitee pro Leysin. Aber es muß gesagt sein: vorerst lastet die Arbeit irr der Hauptsache auf den« Schultern einer sich geradezu aufopfernden Dame, der noch eine andere als Kassiererin tapfer zur Seite steht. Von einzelnen prominenten Herren kommt moralische Unter-

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