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Der Israelit · 1929-01-03 · Heft 1 (3.1.1929) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 1 (3.1.1929)
Date
1929-01-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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13. Januar 1929. ■ 2> e r ,3-s r ä e 1 ir fc Nr. 1. <vswe 7: ^trofsenen Abmachungen zwischen Ohel Jacob.und den genannten Vereinen, von denen der Gesamtausschuß berichtet. Eine' vollkommeneUeberraschung bildete es aber - für Ohel Jakob, daß genannter Ausschuß ohne mit Ohel Jacob nur irgendwie Fühlung genommen zu haben, in 'öffentlicher Versammlung auch für den freigegebenen orthodoxen, Sitz einen Kandidaten nmNinlerte und ad hoc «me Abstimmung herb-eisühren wollte. ISae Mßhellig- Uiten, die sich hierius ergaben, wurden nun wider besseres Wissen Ohel Jacob zur Last gelegt, trotzdem von der Leitung des Ohel .Jacob unablässigin geradezu beispielloser Weise aus eine Einigung der beiden ostjüdischen Gruppen hingearbeitet und immer wieder betont wurde, Ohel Jacob hielte es für das, allein Richtige, wenn der zur Verfügung gestellte Sitz von einem Ostjuden eingenommen würde, aus den sich ailile orthodoxen O st j u de n einigten. Nur der innere Zwist unter den Ostjuden führte dazu, daß ein Vorschlag' des Herrn Oberlandesgerichtsrates 3}r. Neumeyer, die' Wahrung der orthodoxen Jnte-reffen einem Mitglied von Ohel Jacob anzuvertrauen, von beiden osffüdischen Lagern .mit Dank angenommen wurde und nach nochmaligen von Ohel Jacob betriebenen Einigungsverhandlungen schließlich in 'die Tat umg-efetzt werden mußte. Den Dank, votierte man Ohel Jacob in Form einer Protestversämmikung, in der von den Rednern, des Gesamtausschusses erklärt. wurde,, man werde Ohel Jacob in zwei Jahren mit dem Wahlzettel in der Hand für sein Vorgehen die Antwort geben, -Ohel Jacob, das lange bevor überhaupt sin« . zionistische Fraktion und bevor ein Gesamtausschüh der Ostjuden in München existierte, für die Rechte der Ostjuden in brüderlicher Weise'gekämpft hat. Wenn, der Gesamtausschuß die Kampfansage an Ohel Jacob nun nicht mehr gelten lassen will, so ist dies nur zu begrüßen, noch mehr, wenn er seine ostjüdischen Brüder dazu erziehen will, 'dem Gebote der heiligen Thora zu. folgen, und es kann daran nur der Wunsch geknüpft werden, - daß sich dies löbliche Tun nicht nur auf das eine Gebot beschränkt i>n i'bv wem yrw a-ipn das in seiner mißbräuchlichen Anwendung hier doch recht eigentümlich berührt. Oder sollte vii mm das Wort yn« ' w-irklich nur auf Ostjuden bezogen und unter 'I22 jbe Westjuden verstanden haben? . OefkeÄsich Die Oberrabbinerwahl in Wien. s ■ Wien, 24. Dezember. ■ Die wichtigste , und dringlichste . Aufgabe der neugewählten Verwaltung der Kultusgemeinde ist die Wahl eines Oberrabbiners für Wien. Man darf voraussetzen, daß die trat dieser Aufgabe betrauten Herren sich darüber klär sein werden, daß sie' das finden, was sie suchen. Es ist wohl anzunehmendaß vor allen Dingen eine starke, geschlossene.Persönlichkeit gesucht wird. ■ Nach dem heutige Stand der Dinge käün diese Persönlichkeit nach drei verschiedenen Mchtungen -sich entfailtet haben: Sie kannko n s e r - v a t i v sein/ d. h i sie kann die Erhaltung des Ueberkommenen 'als erstes und einziges Prinzip der Amtsführung betrachten. Es kommt natürlich auch darauf an/ was'män ' unter dem Ueberkommenen versteht, und man! soll sich ja darüber klar sein/daß man bei korrekter Feststellung dieses Begriffes nicht bloß auf die jetztlebende Generation Bezug nehmen darf, sondern auch auf Ideale früherer Generationen zurückgreifen muß, auf - jene Zeiten, 'in .der Wien mit Recht Anspruch erhebenkoichte, in der Führung des religiösen Judentums ' den vornehmsten Platz einzünehmen; es müßte also demnach die Aufgabe' einer konservativen Rabbinerpersönlichkeit sein, vor allen Dingen .-die Institutionen so zu erstellen, daß sie auch den strengsten Ansprüchen genügen können, den Unterricht so zu gestalten, daß jeder Gewissenskampf für religiöse Eltern ausgeschlossen ist. 5 Es gibt auch Persönlichkeiten - -im Gebiet der neologen Auffassung. Wenn auch diese Anschauung ihrem Wesen nach rein individualistisch G, also der jeweiligen Anschauung' des - -einzelnen Individuums Berechtigung und fteienSpielraumzugesteht, wenn, sie ferner eine votz d-öm jeweils/herrschenden ZÄtgeist bedingte! Entrvicklung undUmgestaltung Ides religiösen Ideals fordert, -so muß MnelMologe Persönlichkeit ckls Rabbiner ' doch-.zu erreichen suchen, daß 's eiste. Anschauung die . Inschaüung, der' MechÄnde' rviird uM/muß sich für! W Fuhküng. MiMtigei M I sichern, daß dieses Streben innerhalb des Erreichbaren liegt. ‘ Es kann endlich Persönlichkeiten geben auf dem Gebiet des - N-atiostälen -welche inder jüdischen - Gemeinde die Operationsbasi-s sehen, um auf alle Fälle das Volkstum/ das Bölkische, -zur Entfaltung zu bringen. Solche Persönlichkeiten müßten durchaus nÄht unreligiös sein, im Gegenteil, sie könnten den Versuch machen, das Religiöse nach - der Seite i des ..Nationalen hin umzubiegen, sie haben nur das Religiöse als eine Äeuherung des Nationalen - anzusprechen und. diese Gedankenrichtung konsequent in der Tat durchzuführen. Es müßte sich alsb'Me/KMussemernÄe.-darüber klar, sein, nach welcher Richtung sie sucht und wir betonen, Persönlichkeiten sucht; gewiß ist wohl nicht anzunehmen, daß eine Gemeinde wie Wien .sich mit Karrikaturen begenügt, d. h. in diesem Falle mit solchen Menschen, die jeweils für die Anschauung des Vorstandes oder der Majorität eintreten, oder die gar sich begnügen, mit Kunst der Rede Augenblickserfolge des Beifalls zu erzielen. Die Probe aufs Exempel, ob Persönlichkeiten oder Karrikaturen, müßte darin bestehen, daß man von den kandidierten Herven Klarheit des. Programms in bezug auf die drei oben skizzierten Richtungen verlangt. Das ist wichtiger wie jede Gastpredigt. Hier in Wien kommt noch etwas -in Frage, das ist das. Verhältnis zu den übrigen Rabbinern. Da gibt es zwei Wege, entweder man versucht ihre Bedeutung möglichst hinaufzuschrauben, oder man sucht ihre Bedeutung möglichst herabzusetzen und sie als Folie der Allmacht des einen, zu betrachten. Man wird hier unwillkürlich an die ÄerhlWiffe. in .London erinnert, wo man seit nunmehr fast einem Jahrhundert zwischen den beiden Seiten dieser Alternative hin und her schwankt. Auch darüber müßten die kandidierten Herren ihre Wünsche und Bestrebungen klar an den Tag legen. Des weiteren interessiert uns die Frage und wir verlangen vonden orthodoxen Vertretern, daß sie darüber Klarheit schaffen '— vor der Wahl eines Oberrabbiners —, daß volle Klarheit herrscht. über die Stellung des künftigen Führers der Kultusgemeinde zu den Selbftständigkeitsbesttebungen der Orthodoxie. Man hat leider zuoft die Erfahrung gemacht, daß gerade die mäßig konservativen Herren ihre Stärke in dem Kampfe mit der Front nach rechts suchen. Das -ist leider hier in Wien, wie di« Lateiner zu sagen pflegen, der Locus mimmae resistentiae, d. h. der Ort des geringsten Widerstandes und es könnte sein, daß unter der Flagge vermeintlicher und deshalb unwahrer Einheit der Bethausverein II., Gr. Schiffgasse 8 und seine Gesmnugsgenossen das Objekt scharfer Kämpfe werden. Es wäre gut, wenn in dem Programm auch diese Frage zur Diskussion gestellt würde. Persönlichkeiten werden so oder so, je nachdem, Stellung nehmen, Karrikaturen werden zu lavieren versuch em Man sagt, daß die Kultusgemeinde nach konservativen Herren Ausblick hält; möge es ihr gelingen, sie so zu finden, daß der Wert der Persönlichkeit an dieser bedeutungsvollen Stelle zum vollen Ausdruck kommt. - H. Z. gemacht, die zu wichtigen Beschlüssen führten. Wenn man, wie Schreiber dieses Berichtes feststellen kann, bedenkt, wie gerade der jüdische Lehrer /in der Schweiz oft auf exponiertem, Posten seinem heiligen Berufe dient und für Thora und Jugend einsteht, -so erblickt man in der Gegenleistung mancher Gemeinde ein Mißverhältnis. Es ist zu hoffen, daß der Gemeindebund, der über Mittel und Einfluß verfügt, sich fortan der Sache der Lehrer mit mehr Liebe und Verständnis annimmt, als dies bisher' geschehen ist. Regelung der Gehälter, der Werspenston und Reliktenversicherung, Normalvertrag unter würdigen Anstellungsbedrngungen, das alles sind unabweisbare Forderungen der Zeit, an denen die Gemeinden und ihre Organisationsinstanzen nicht achtlos oorübergehen können. Der Vorstand wurde, mit einer Ersatzwahl für ei« wegen Wegzuges ausscheidendes Mitglied, einstimmig wi-sdergewählt. Die Vormittagssitzung schloß mit -einem Referat des als Gast anwesenden Herrn Redakteur Schachnowitz, Frankfurt a. M., über „ D i e L e b en sn 0 twendigk ei t eine r Talmudhochschulein der Schweiz", die mit der Ieschiwa zu M0ntreux, die er auf Grund-eigener Anschauung eingehend schildert gegeben ist. In seinen Thesen legte er den Rabbinen und Lehrern wärmstens ans Herz, dieses Kraftzentrum des jüdischen Lebens im Schweizerlande im Interesse der Ge-, meinden nach Möglichkeit zu unterstützen. Nach dem gemeinsamen Mahl in der Pension Anfchl, wobei trotz des „Redeverbots" Rabb. Dr. Lau er-Mannheim, «inige geistvolle Thorawörtchen zum besten gab, begann die Nachmittagssitzung im Betsaale mit-großer Pünktlichkeit. Zu dieser Sitzung hatten.sich auch Gäste als. Zuhörer eingiefunden. In- .einftündigem, formvollenidetem, namentlich nach Hälevys Ddroth Horifchonjm aufgebautem Referat über die „Schemone-Eßrei" zeigte uns Kollege Fröhlich-Baden, wie ein geschickter und seiner hohen Aufgabe sich bewußter Lehrer hiLr die-beste Gelegenheit - habe, seine Schüler -den Fkügelschlag der Göttlichkeit fühlen zu lassen, hier Geschichte, Emuno. Gottvertrauen, Ehrfurcht vor unseren Talmudgrößen in das-Herz der Jugend gesenkt werden kann, insofern der Lehrer selbst sich des Stoffes ganz bewußt ist, den er hier mit der Schule durchzun-ehmen hat. Und gerade die Schemone Eßreiist -es, die, einmal richtig verstanden, rn-ihrem Ausbau, Zusammenhang und Gehalt tiefer erfaßt und erkannt, jedes jüdische Herz erschüttern und faszinieren muß. Hier ist eine reine und tiefe Quelle/unserer Emuno. An solche Quellen unsere Jugend zu führen, ist unsere heiligste Aufgabe, wenn unsere Jugend das Hauptmoment beim Beten, die Kawono, nicht vernachlässigen soll. An das Referat schloß sich eine lebhafte Aussprache an. In seinem Schlußworte konnte der.Referent uns nochmals überzeugen, daß ihm das behandelte Thema wirklich eine Awaudo sch'b'lew gewesen ist. //.,; Schweiz / Tagung der jüdischen Lehrer und Kantoren in der Schweiz. Bern, 2. Januar. Am- Sonntag, den 30. Dezember, versammelten sich die Lehrer und Kantoren der Schweizer jüdischen Gemeinden fast vollzählig im Saale der Kultusgemeinde in Bem zu ihrer Jahreskonferenz. Unter dem flotten Vor sitz des Kollegen R 0 fen th a l. St. Gallen, ging die Verhandlung gut vonstatten. Von Rabbinern waren anwesend die Herven: Dr. Littmann, Zürich und Dr. Sch-ke sing er, St. Gallen. Als Gaste wurden begrüßt die Herren Rabb. Dr. Lauer, Mannheim, Redakteur S. Schachnowitz, Frankfurt a. M., und der Präsident der Kultusgemeinde in Bern, Herr Bonnef. Nach Begrüßungen und Verlesung von Berichten kam der geschäftliche Teil zur Erledigung. Die jüdischen Lehrer in der Schweiz sind wie übrigens auch anderswo nicht aus 'Rosen gebettet. Die An-stellungsbedingungen sind in vielen Gemeinden nicht , der-. Würde - des Standes entsprechend, die Gehälter Unzureichend, die Pensionsverhältmsse und Reliktenversicherüng im Argen. Seit Jahreri ibesteht'm der Schweiz ein Bund derjüdischen G e m-e. i nd e n , Hessen Verhältnis --zu den. Lehrern und ihren Ansprüchen, bei anerkannt gutem Willen einigepHerren-imWundesvvrstcmde, nicht das beste ist. Cs kamen Klagen zum Ausdruck und Vorschläge wurden Personalien. R. David Ansbacher Würz bürg, 30. Dezember. Eine markante Persönlichkeit, ein Zadik und Talmid Chochom vom alten Schlag -ist aus unserer Kehilloh nach kurzem Leiden im gesegneten Alter von 84 Jahren dahingegangen, R. David A -n s b a ch e r. Gerade in den Chanukähtagen, da wir das Andenken der Helden feiern, die in schwierigsten Zeiten die alten Ideale der Tauroh hinüberretteten in die Zukunft, ist «r in die Welt der Wahrheit eingegangen. nachdem es ihm Nagelungen, ferne Lebensziele den Kindern und Enkeln als heiligstes Erbe zu überlassen. Als Schüler des al-tehrwürdig-en Würzburger Räwb"X7 wa-r er wohl inunserer Kehilloh noch der letzte, der diese unentwegte, 0hne alle Konzessi0nen nur auf Tauroh und Mizwoh eingestellte Generation vertrat. Trotzdem von Beruf Kaufmann, jede Minute, die er zum Lernen verwenden konnte, als kostbare Perle bewertend, im wa ein Menschenleben hindurch -als einer der ersten am Platze, nro und nump viel besser als mit Worten, durch - das l e b e n d i g e Beispiel lehrend. Selbst diejenigen, die nicht seinen Standpunkt teilten, waren erfüllt von Verehrung vor dieser abgeklärten-, gehämmerten Persön-lichkeit. Da infolge Chanukoh bei der Lewajoh in Höchberg, der Ruhestätte der Gedaülim unserer Kehilloh/ Worte der Klage unterblieben, fand -am letzten ^Täg ber Schimo «in- Hesped statt, zu dem sich eine vielköpfige Schar von Freunden, Verehrern und Kchülern, auch viele von auswärts eingefunden. . Herr Rabbiner Dr. Han0 0 er kennzeichnete mit treffenden Worten die Person des . der, wenn irgendeiner unserer Zeit, den Namen eines Zadik verdiente, der nicht Frömmigkeit verstand als Beachtung einzelner Gebote, 'sondern dessen ganzes Leben und Streben. . die-, g « r ad Ci n i g e? V e r w ir-k {t ch un g des Gerechten und Fr0mmen in allen seinen Betätigungen, in Haus und Gemeinde, im Beruf und

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