Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 70 (1929)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1929)
- Date
- 1929-01-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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I r.."' wfr: l1 { L h r t- * £ r i] ■■ r' i > . f f!' t Seite 6. Nr. 1. IMezpsnaenreii « Hacbricbicn. Deutsches Reich Bundestag des „Bundes Jüdischer Akademiker". Berlin, 30. Dezember. In der Reichshauptstadt fand in der Zeit vom 23. bis 26. Dezembre 1928 der VIII. Bundestag des Bundes Jüdischer Akademiker statt. Es wurde dem Bundestage von Seiten der Bundesbrüder großes Interesse entgegengebracht und so kam es, daß 'eine stattliche Anzahl der auswärtigen Bundesbrüder — ganz abgesehen von Delegierten der einzelnen V. I. A. — die weite Reise nicht scheuten, um an den Veranstaltungen teilnehmen zu können. Dem Erösfnungsabend im Plenarsitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses, Leipziger Straße, wohnten neben Vertretern der beiden Gemeinden Berlins, befreundeten Organisationen und Vereinen zahlreiche dem Bunde nicht angehörende Gäste bei. Der Bundespräside, Josef Stern, eröfsnete in einer kurzen Ansprache, in der er Ziel und Zweck des B. I. A. im einzelnen darlegte, den Bundestag. Rach einer gesanglichen Rezitation ergriff cand. pW. Alexander Altmann das Wort, um namens der V. I. A. Berlin die erschienenen Bundesbrüder und Gäste zubegrüßen. Das Hauptthema des Abends lautete: „Die Erwählung Israels". Der Referent, Seminardozent Rabbiner Dr. I. W o h lg em u th - Berlin, verstand es in seiner weithin bekannten wissenschaftlichen Gründlichkeit den interessierten Zuhörern ein anschauliches BW der auf diesem Gebiet noch ungelösten Fragen zu geben. Er behandelte insbesondere das Problem, warum gerade Israel das auserwählte Volk wurde und die sich hieran anschließenden Fragenkomplexe. Es entspräche dem Wunsche weiter Kreise, das Referat im Druck zu sehen-, um sich in die Diese der wissenschaftlichen Arbeit besser einarbeiten zu können. Aus dem Programm standen zwei Referate über „Die Bedeutung des Din-Thauro für die Gegenwart". Zuerst sprach Oberrabbiner Carlebach-Altona, daraus als Korreferent Rechtsanwalt Dr. Wiener- Berlin. Der Korreferent ergänzte in feinem vorzüglichen Referat die vorausgegangenen Ausführungen, besonders im Hinblick auf modernes Recht und die Theorien der Rechtsentwicklung. Hieran schloß sich eine lebhafte Diskussion. Am Nachmittag referierte Rabbiner Dr. David. Ochs-Berlin über „Die Devanwortlichkeit für die religiöse Führung Minderjährger". Das sehr ausführliche Referat fand großes Interesse und es soll auch, wie verlautbart wurde, im Druck festgehaltW werden. Der Abend war der geschäftlichen Sitzung Vorbehalten; an den Tätigkeitsbericht des BundespräsidiuMs schloß sich die Generaldebatte an. Der Dienstag brachte das Hauptreferat des Bundestages. Direktor Dr. Spier- Hamburg referierte über „Die Naturwissenschaft als immanentes Problem jüdischer Weltanschauung". Neben den vollzählig erschienenen Bundesbrüdern folgte eine große Zahl von Gästen den Ausführungen des Referenten mit größter Aufmerksamkeit. Leider war dieser durch Unwohlsein gezwungen, das Referat — ein Produkt jahrelanger Arbeit — etwas abzukürzen: aber er brachte doch in weiten Zügen die Hauptprobleme, die sich im Zusammenhang mit der naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise des Weltgeschehens, dem jüdischen Menschen dartun und der Lösung harren. Dem Referat schloß sich eine längere Diskussion an, an der Rabbiner Dr. Esra Munk- Berlin, Seminardozent Dr. Moses Auerbach-Berlin, Oberrabbiner C arleb ach -Altona u. a. m. sich beteiligten. Auf Wunsch des Referenten wurde ihm vor Beendigung der Mskussion das Schlußwort erteilt. Direktor Dr. Spier war von der Mskussion in der Hauptsache enttäuscht. Er hatte gehofft, durch die Redner neue Anregung zu erhalten, aus neue — nicht berührte — Probleme hingewiesen zu werden oder evtl. Unrichtigkeiten richtiggestellt zu sehen. Jedoch konnten ihm die Redner hierin nichts bieten, da sie — mit wenigen Ausnahmen — völlig unvorbereitet dem Thema gegenüberstanden und so nur auf Einzelheiten des Referates eingehen konnten. So wurde auf der großen Linie der Ausführungen Direktor Spiers nichts Neues hinzugefügt. -, De r I s r a.e l t t - .. : ■; - Am Abend fand mV großen Saal der Kleistloge das Stiftungsfest anläßlich des 25jährigen Bestehens, der B. I. A. Berlin statt, an dem auch zahlreiche Gäste teilnähmen. Der Abend war ausgefüllt von einem'studentischen Kommers, der durch Darbietungen Einzelner Bundesbrüder verschönt wurde. Man blieb bis lange nach Mitternacht zusammen.- Der Mittwoch war internen Fragen des Bundes Vorbehalten. Man setzte erst die Generaldebatte fort, woran sich die Tagung der vorliegenden Anträge schloß. Der Bundestagspräside, Dr. Adolf L ö w e n t h a l, schloß um 20 Uhr den diesjährigen Bundestag mit dem Dank an alle, die zu dem Gelingen der Veranstaltungen beigetragen haben. A. L. Aufbau in Bulgarien. Berlin, 30. Dezember. Dem „Hilfsverein der deutschen Juden" ist ein Bericht über den Stand des Aufbauwerkes in Bulga- Die Woche. Men. Auf der Weltkonferenz der z i o n i st i s ch e n R e o i s i o n i st e n hielt I abotinsky eine große Rede über die Ziele des Revisionismus. Die Revisionisten beschlossen, bei aller Opposition, in der zionistischen Organisation zu verbleiben. Budapest. Die ungarische Regierung hat dem Newyorker Bankier James Sp ei er in Anerkennung seiner Verdienste um das wirtschaftliche und kulturelle Leben Ungarns den ungarischen Verdi e n st o rd e n verliehen. Belgrad. Anläßlich des zehnjährigen Sta-atsjubiläums wurden viele Juden mit hohen Orden ausgezeichnet. Paris. Die Exekutive des Weltkongrefs es v der Religionen für Frieden hielt hier eine Beratung ab. Dem Unterkomitee für die jüdische Religion gehören an: Reichsrabbiner I. H. Hertz, London, Dr. Cyrus Adler, Dr. Stefan S. Wise aus Amerika und Senator Rubinstem aus Wilna . Bukarest. Der Metropolit der Moldau erließ ein Rundschreiben, in dem er allen Geistlichen wärmstens ans Herz legt, sich jeder antisemitischen Propaganda zu enthalten und für Liebe und Eintracht in der Bevölkerung einzustehen. Lugano. Der polnische Außenminister, Graf Zalewski, äußerte sich Pressevertretern gegenüber, daß das Verhältnis zwischen Polen und Juden in den letzten Jahren oas denkbar beste sei. Die Regierung gewähre den Juden, die in manchen Städten bis 40 Prozent der Bevölkerung ausmachen, weitesten Schutz. Warschau. Das Referat für jüdische Presse im Presseamte des polnischen Außenministers wurde Jechiel Mastbaum übertragen. Der bisherige Inhaber dieses Referates wurde im Zusammenhang mit der Verbreitung antisemitischer Bulletins seines Amtes enthoben. Rio de Janeiro. In den brasilianischen jüdischen Kolonien herrscht in letzterer Zeit große Beunruhigung infolge von Räuberbanden, die in einzelne Niederlassungen eindrangen. Wie jetzt mitgeteilt wird, sind Ruhe und Sicherheit wieder vollkommen hergestellt. Vier Kolonisten, Nichtjuden, wurden getötet. Newyork. Der Bürgermeister von Newyork, Walker, gab in der Stadthalle zu Ehren des' hier weilenden Bürgermeisters von Tel- Arviw, David Bloch, einen Empfang, an dem sich prominente Persönlichkeiten der Stadt beteiligten. r i e n zugegangen, in dem auch ein Ueberblick über den Umfang der Zerstörungen und Schädigungen von privaten und öffentlichen Gebäuden gegeben wird. Weitaus am schrecklichsten wurde Philippopel mit einer jüdischen Bevölkerung von 8000 Seelen heimgesucht. Dort sind sämtliche Gemeindeanstalten zerstört worden, ferner 300 Privathäuser. Die Wiederaufbauarbeit hat begonnen, es sind aber noch beträchtliche Mittel zur Fortführung derselben erforderlich. Der Hilfsverein, der. wie bereits wiederholt mitgeteilt, eine Sonderäktion für Bulgarien eingeleitet hatte, hat angesichts der großen Notlage wiederum 5000 Mark überwiesen, bisher insgesamt 25 000 Mark. Nach der Kreditbeihilfe der American Joint Reconstruction Foundation ist der Beitrag des Hilfsvereins für dasbulgarische 'Hilfswerk der höchste. Der Hilfsverein fetzt auf dringende Gesuche aus Bulgarien seine Aktion fort. Er appelliert an die weitesten Kreise in Deutschland um Ueberrveisung von 3. JMrmr 1929. . Beiträgen zur Förderung - des Aufbauwerks (Bankkonto: Deutsche Bank;Dep.-Kasse C., Berlin W. 9> 'Potsdämet Straße 127; Postscheckkonto: Berlin 33126). ' ■ ' Weltverband der Schoinre-Schabbos. Berlin,- 30. Dezember. Am Sonntag, den 6. Januar, 17 Uhr; wird im Plenarsaal^ des ehemaligen Herrenhauses in Berlin eine öffentliche Kundgebung des unlängst gegründeten W e l tverbandes Sch omre-Schabb os ftattftnden. — Es werden sprechen: die Herren Rabbiner Dr.- Esra Munk, Dr. Bleichrode, Herr Generalkonsul Dr. Ist Kah n - Jaffa, Herr Ministerialrat Hans G ö s l e r, Herr Dr. Emil Hirfch und Herr Rechtsanwalt Dr. S u lzberger - Berlin, Herr Jakob H e cksch e r - Hamburg u. a., evtl, noch Delegierte.aus d^m Auslände. Tagung der Gemeinden Ostfrieslands. Bremen, 30. Dezember. Im Gemeinderatssitzungssaal der Israelitischen Gemeinde Bremen fand am Mittwoch, den 26. Dezember , . 1928, unter zahlreicher Beteiligung von Abgeordneten ' der - eingeladenen Hauptgemeinden Ostsrieslands, Olden-; burgs und der Bremen benachbarten Bezirke eine Tagung statt, de sich mit den aktuellen Problemen jüdischer. Gemeindepolitik befaßte. Namens des Vorstandes der Israelitischen Gemeinde. Bremen begrüßte Herr Max Martreich die auswärtigen Kollegen und hielt anschließend ein Referat über „Die Organisation der Gemeindeverwaltungen". In der äußerst anregenden Debatte, an der sich fast sämtliche Vorsteher beteiligten und die sich im wesentlichen auf die bestehende Finanznot und Vorschläge zu ihrer Behebung bezog, kam allgemein der Wunsch zum Ausdruck, derartige Zusammenkünfte mindestens zweimal im Jahr stattfindenzu lassen, weil trotz der Trennung durch politische Grenzen ein Gedankenaustausch dringend vonnöten sei. Die Versammlung, aus Vorstehern und Vorsteher-Stellvertretern der jüdischen Gemeinden Emden, Aurich, Leer, Wilhelmshaoen-Rüstringen, Delmenhorst, Osnabrück, Verden, Achim, Osterholz-Scharmbeck, Wefermünde-Bremerhaven, Aumund-Begesack und Bremen bestehend, konstituierte sich unter dem Namen „Borfteherbund der Mischen (Be* memden Nordwestdeutschlands" und berief als geschäftsführenden Vorstand die Herren Markreich-Bremen» Schocken - Bremerhaven, Wolfs -- Vegesack, Landsberg- Oldenburg und Polak-Emden. Auf Einladung der Bremer Israelitischen- Gemeinde vereinigte die Teilnehmer ein gemeinsames Mittagsmahl in Levys Hotel. Den Abschluß bildete der Nachmittagsgottesdienst in der Wochentagssynagoge. Es darf mit besonderer Genugtuung festgestellt werden, daß diese Vorstehertagung bei allen : Teilnehmern ein Gefühl der Befriedigung ausgelöst und das Bewußtsein gestärkt hat, im Dienste des Judentums nicht zu erlahmen und durch gemeinsames Wirken zur Verankerung des Bestehenden und zur' weiteren- Aufbauarbeit nach besten Kräften beizu-tragen. 'Die Tagung bildete den Auftakt zu einem festen ^Zusammenschluß aller jüdischen Gemeindevorsteher und deren Stellvertreter im gesamten nordwestdeutschen Bezirk. Zu den Münchener Gemeindewahlen. München, 1. Januar. Der Gesamtausschuß der Ostjuden macht in seiner Erklärung vom 17. Dezember die Feststellung: „Seit einer Reihe van Jahren sind s ä m t l i ch e Ostjuden Münchens (alle orthodoxen mit inbegriffen) in einem. Verband der Ostjuden organisiert, dem Gesamtausschuß der Ostjuden." Diese Feststellung steht im Widerspruch mit der Einleitung-seines Artikels, -die lautet: „Im Namen fast aller Ostjuden Münchens . . ." Tatsächlich lehnen es zwei ostjüdifche Vereine und zwar die orthodox gerichteten Vereine „Schomr-e Schabbos" unb ,>Machsike Hadaß" ganz entschieden ab, ihre religiösen Interessen durch den Gesamtausschuß der Ostjuden vertreten zu lassen, dessen Leitung gewiß nicht den Anspruch -erhebt, als orthodox zu gelten. Was war da natürlicher, als daß nach Genehmigung des passiven Wahlrechts für Nichtreichsdeutsche der in seiner Mehrheit zionistisch gerichtete- Gesamtausschuß sich zwecks Entsendung -eigener Vertreter m die Gerneindestube mit der zionistischen Fraktion ins Venehmen setzte,, j während die beiden - genannten Vtthodoxen Vereine ihre diesbezügliches Wünsche ,;Ohel Jacob" bzw. der Orthodoxen Fraktion bekamtt gaben.Dies. uNd stiHt ein Jota mehr warendieganzen angeblich „gehefrn" ge- -