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Der Israelit · 1929-01-03 · Heft 1 (3.1.1929) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
70 (1929)
Issue
Heft 1 (3.1.1929)
Date
1929-01-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3. Januar 1929. _. '• ■ . -: ■: - Mens ch h e i t: erzieh e n d e g ö t i l ich e Waltung ihren geraden Weg geht. Nach Hirschs eigener Auslegung zu diesem Psalmvers, ist nicht nur kein Unrecht an Gottes Waltung, sondern überhaupt die erste Veranlassung liegt nicht an ihm, liegt vielmehr an den M e n s ch e n, die es noch nicht verstehen, den ihnen gewordenen göttlichen Vorzug der Willensfreiheit durch freiwilligen Eintritt in Gottes Dienst zu ihrem wahren, dauernden Heile zu gebrauchen'. Das ist ein Ausdruck der Welt der Liebe. Das Gepräge der göttlichen Waltung ist eben Gerechtigkeit und Liebe . . . Denn auch die versagende oder entziehende Gotteswaltung ist ja Liebe, weil sie nur das versagt und entzieht, was gewährt und erhalten nicht zum S)die gereichen würde; auch die gewährende Liebe ist vom N e ch t geträ g e n. Wenn -etwas, so stellt sich eben der Tod als das versagende und entziehende Maß der göttlichen Waltung dar. Diese Welt der Gerechtigkeit und Liebe ist aber identisch mit der Welt des Sabbats. Denn nach dem Kommentar der Weisen, deuten ja «gerade die Worte des Pfalmisten 92, 16 auf den Schabbos hin, ljaurn schekuloh schabbos: xan Die letzten, Worte auf den Lippen des großen Mannes sind sein letztes Bekenntnis l'aulom habboh, in die er alsdann! eingehen durfte. Wenn Einer sich durch fein Wirken auf Erden aülom habboh -erworben hat, so ist es sicherlich Hirt gewesen. So dürfte die eigene Auslegung Hirschs zu dem Psalmvers 92, 16 feine Seele in die zukünftige Welt begleitet haben. „So besingt dieser Psalm, von der durch den Sabbat immer aufs neue bezeugten Gottesherrschaft aus, den alles und alle überdauernden Sieg des Gerechten, und bezeichnet daher em Wort der Weisen, diesen Psalm, als auf den einstigen WeltMsabbat, ljaum schekulau schabbos, ausschauend, an welchem, wie mit dem ersten Sabbat die physische Schöpfung, so dann auch die sittliche Schöpfung der Menschheit ihr Ziel erreicht haben wird, welche mit dem ersten Sabbat erst begonnen und in dem Sabbat Herold und Werkzeug erhalten. Dieser Sabbat der Menschheit ist das Ziel des Sabbats der Schöpfung." Mit jedem wahrhaft erlebten Sabbat, ebenso wie mit jedem wahrhaft verstandenen „Schma Israel" zieht in die nach Klarheit ringende Menschenseele Trost und Ruhe-ein. So sehen wir das Bekenntnis der reinen, harmonisch gestimmten Seele S. R. Hirschs ausklmgen in die Weltenharmonie des Sabbats, jener Welt, in der alle dem schwachen Menschen aus Erden sich austuenden Gegensätze in vollendeter Harmonie ausgeglichen sind ... Volk aus Aegypten geführt haben wirst, dann werdet ihr Gott" auf diesem Berge dienen". Diese Erklärung ist ja im gleichen Geiste gehalten. in dem Maim. ja auch sHilch. Melachim 11,3) dem Messias Kennzeichen zuspricht, die über das hinausqehen, was wir gewöhnlich „Zeichen und Wunder" nennen. Auch der Moschiach kann sich nur durch wirklich gebrachte Gotteshilfe legitimieren, wie sich Mosche nur durch das wirklich überbrachte Gotteswort als gottgesandt erwies. _3. In Wirklichkeit nun ist diese so äußerlich scheinende Auffassung nur eine zwingend notwendige Folge des Gedankens von der Seelenruhe, mit dem diese Betrachtung beginnt. Wunder und Zeichen bewirken ja meist Verwirrung und Bestürzung. Eine klare Schau in göttliches Wirken, eine „reine, augenerleuchtende, seelebeschwichtigende, herzerfreuende, ewigstehende" Gotteserkenntnis stießt nur. aus der Lehre Gottes, seinen Gesetzen und feinen Geboten. Die Sonnenglut, durch welche die „Himmel Gottes Ehre rühmen", und vor sich „niemand verbergen kann", ist nur die Eine, die vorbereitende und hinweisende Waltung Gottes; erst seine Lehre und sein gesprochenes Wort enthüüen im tröstlichen Sinne das Rätsel her Schöpfung. — Darum will Mosche. — selber nicht bestürzt, sond rn ausgerichtet durch Gottes Ruf, — auch seinerseits nicht beftürzend. sondern ausrichtend sich als Boten dieses Rufes erweisen. Ihm muß Gott verheißen, das erlösende Wort der Gotteslehre zusprechen. Solange nur ihn allein. der Allgütige die Ewigkeit in Ruhe schauen läßt, verhüllt er sein Antlitz, denn er fürchtet sich, zu Gott hinzublicken. Sein ganzes Volk will er „Gott entgegen aus dem Lager" führen; als Sohn ganz Israels und mit ganz Jsraxl erst wagt er solchen Höhenblick. tVochenrundschau. Iugendlettüre. Es gehört zu den schwersten geistigen Prüfungen, die dem gesetzestreuen Judentum der Jetztzeit mit seinem Anschluß an die moderne Kultur gestellt sind, daß die Heranwachsende Jugend, kaum daß ihr Geist erwacht, sich mit Gier auf die ihr in der Landessprache gebotene, leicht zugängliche, schöne Literatur stürzt und aus dieser Quelle die tiefsten, lebenb-estimmenden Eindrücke erhalt. Bis unsre Jungen und Mädchen soweit sind, daß die Beschäftigung mit dem Gotteswort ihnen zum ersehnten Genuß wird und damit erst gefühlsweckende, seelenschöpserische Kraft -erhalten kann, haben sie die unterbewußten Schichten ihres Seelenlebens schob mit einer kaum zu ermessenden Fülle auß-erjüd sicher Elemente genährt, und es gehört schon ein ganz besonderes Maß von Erziehungsweisheit oder, sagen wir lieber ehrlich, von N'vVN rrr>v"v dazu, um jene vielfach positiv unjüdischen, oft gottfremden-, manchesmal schon den Keim der religiösen Negation säenden Einflüsse zu paralysieren und das Kind -auf den Weg zur lebendigen Emuno zu führen. Jüdische Kinder- und Jugendlektüre in der Landessprache brauchen wir daher so nötig wie das liebe Brot, und die Auswahl unter dem bis Heute spärlich Vorhandenen so zu treffen, daß weder das religiös sittliche, noch das ästhetische Moment zu kurz kommt, ist eine verantwortungsschwere Aufgabe. Zwischen der Scylla der allzu aufdringlichen, noch so gutgemeinten Tendenz und der Charybdis eines gänzlich „tendenzlosen" und daher wertlosen oder gefährlichen Aesthetizismus führt der Weg der Viipn-nN'der „Heiligtumsschönheit", den zu wandeln oder kritisch zu würdigen nur wenige berufen sind. Bleibt allerdings nur die Wahl zwischen einem Buch, das künstlerisch nicht dem Ideal entspricht, aber güte jüdische Sämannsarbeit leistet und einem andern, das, sei es durch Sagen oder Verschweigen, durch geschickt verteilte Lichter und Schatten, sei es durch die Person des Autors die jugendlichen Seelen feiner Leser möglicherweise auf, Abwege führen kann, so darf es für den jüdischen Erzieher keinen Zweifel darüber geben, wie seine Wahl zu lauten hat. Auch hier gilt nicht die Als er aber späterhin dieser Bestimmung sei' Volk nicht gewachsen sieht, — als er bemerkt, daß dieses nicht nur vor Gottes, sondern sogar vor seinem, des Gottgefnandten Glanze bestürzt wird, — da wendet mit dem Schöpfer zugleich fein getreuer Bote das strahlende Antlitz ab (Ex. 34,33) moa r>39 tor' jm uni) verhüllt es abermals.. Damals, um nicht zu sehen, was in Ruhe sein Auge schauen sollte, — jetzt, um nicht selber diejenigen noch bestürzter zu machen, die schon von des Allgütigen Angesicht durch ihrr Sünde verwiesen sind. Jahrtausende schon verbringen wir in Gottferne, bestürzt, gejagt, vor (Lev. 26.36) dem Geräusch eines verwehten Blattes fliehend, da Gott sein Antbtz uns entzogen. Einst aber wird er. wie im Prtestersegen verheißen, sein Antlitz uns ausrichtend 8W zuwenden»; dann wird uns Friede werden. Kleines Feuilleton. Nahum Sokolows Lhanuka-predigk. Kowno, 15. Tewes. Herr N. Sokolow!rst mit großem Triumphe in Litauen empfangen worden. Das offizielle zionistische Tageblatt „Jdische Stimme" kann sich gar nicht genug tun in der Schilderung des gloriosen Einzuges des großen Parteiführers. — Der ganze Tararam um Sokqlow hätte.uns, die litauische Orthodoxie, an sich herzlich wenig interessiert, wenn nicht Herr Sokolow es für richtig erachtet hätte, folgende „sinnreichen" Sätze u: o. bei der Eröffnung der allzionistischen Konferenz, die Maxime und der Beifall der Welt, sondern! das urjüdische Wort: '38 'IS*? sun N'N» 8*?1 ^a now rrrraw atna •nrw nsw owaw Es war ein verdienstlicher Beschluß der Hamburger Keren hathora-Könferenz vom Jahre 1926, daß sie eine Kommission zur Ausarbeitung eines Jugendschriftenverzeichnisses einsetzte, das den oben entwickelten Gesichtspunkten Rechnung tragen sollte. Die Kommission' hat die Ergebnisse ihrer Prüfung in der „Pädagogischen Beilage" zu Nr. 48 des „Israelit" veröffentlicht. Wie uns zahlreiche Zuschriften namhafter Pädagogen und sonstiger urteilsfähiger Persönlichkeiten'beweisen, hat das Verzeichnis im Kreise der Orthodoxie lebhaftes Kopfschütteln, ja zum Teil starken Unwillen hervorgehoben. Wir können das vollkommen begreifen. Es ist einfach unfaßbar, wie zwei jüdische Lehrerinnen und ein Lehrer — alle drei sind uns persönlich ganz unbekannt —, die doch selber zweifellos auf gesetzestreuem Standpunkte stehen, die Verantwortung dafür übernehmen können, den unreifen, religiös zu erziehenden Dreizehnjährigen beispielsweise Bücher von Calvary, Bialik, bin Gorion, Herzl, Klötzl (oder z. B. ein Werk wie Adler, Bon Ghetto zu Ghetto) in die Hand zu geben und den Kindern damit selbstverständlich die Ehrfurcht vor der gesamten, die jüdische Tradition zum Teil untergrabenden Persönlichkeit und literarischen Tätigkeit der zuerstgenannten Autoren beizubringen. Das ist das Gegenteil gesunder jüdischer Pädagogik. Ist der Junge oder das Mädel einmal für bin Gorion oder Bialik begeistert, so wird keine geistige Bevormundung es hindern, den ganzen bin Gorion oder den ganzen Bialik mit Haut und Haaren zu verschlingen und ihre un'jüdischen Ideen als -amtlich legitimiertes „Judentum" in sich aufzunehmen. Wir protestieren gegen das Verzeichnis, wollen allerdings nicht unerwähnt lassen, daß es gegen den ausdrücklichen Widerspruch der Keren hathora-Zentrale veröffentlicht wurde und daß niemand dafür verantwortlich ist außer den drei, vielleicht noch der religiös-pädagogischen Erfahrung ermangelnden Unterzeichnern, die ihre Sache gut gemeint, aber schlecht gemacht haben. Hoch sch ulankisemMsmus. Der H o ch schul an ti s emi ti smus ist leider längst nicht mehr Sache eines Landes. Er tritt, je nach Kulturstand des Landes und Temperament des Volkes, in krasser oder latenter Form überall auf. Internationale Nebel erfordern' internationale Aktionen zu ihrer Abstellung. Es ist daher sehr zu begrüßen, daß während der Chanukawoche in Kowno tagte, zu produzieren: „Hergl hatte bestimmt nie geträumt, daß überhaupt je Parteien innerhalb des Zionismus entstehen würden. Er hat — als Glücklicher — das Vi-D des ersten Kongresses mit angesehen, wo Rabbiner in Käppchen (!) rote Sozialisten geküßt haben (o, wie geschmackvoll!), als das Wort „Aguda" noch nicht im jüdischen Lexikon stand. Wenn Parteien entstanden sind, so sollen sie „gesund und stark" werden, aber es muß ein Am-echad existieren. Wir müssen unsre Kräfte konzentrieren. Kleine Körper müssen, wie in der Natur, von größeren ungezogen werden. Die Zersplitterung ist für uns ein Unglück. Es ist die Zeit doch schon gekommen, da ein Zionist nicht mehr die Sprache des andern versteht. Unser Unglück kommt daher, daß wir unser „Paschtus" (natürliche Denkweise) verloren haben. Wir sind m einem fortwährenden Klügeln und Disputieren begriffen. Es war einmal eine Zeit, in der wir auspilpuliert hatten, daß unter Jerufchalajim — bv nbsn zu verstehen sei, und daß Chanuka keine Heldengefchrchte der Makkabäer sei, sondern nur eine Erzählung von einem Lichtchen. Man muß doch endlich dm irdischen Kern des Zionismus verstehen! Der Zionismus hat -es g-u -tun mit Jeruscholajim schet moto, mit dem tatsächlichen Jeruscholajim, mit dem tatsächlichen Chanukah, und die Parole, mit „Schwert und Bogen" Erez Jisroel einzunehmen, ist wörtlich gemeint, ohne „Psihetl" und Verdrehungen. Innerhalb des Zionismus muß das viele Klügeln und die tälnmdifche Kasuistik abgeschasft werden." Herr Sokolow hat von seinem Standpunkt aus ganz recht. Man muß endlich einmal den irdischen, allzu irdischen Kern des Zionismus verstehen. Man muß endlich einsehen, daß alles Ideologische., Gefühlsmäßige, Gedankliche im Zionismus letzten Endes doch nichts

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