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Der Israelit · 1928-12-27 · Heft 52 (27.12.1928) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 52 (27.12.1928)
Date
1928-12-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 52 Seite 7 27. Dezember 1928 _ jüdischen Stadtverordneten/ und die Sejmfraktion, einen Vorschlag zu entwerfen, den jüdifchen Kaufleuten, die am Sonnabend geschlossen halten, das Recht zu erteilen, Sonntag offen zu halten. Rutzland Ukrainische Dauern gegen jüdische Kolonisien. . Riga, 1. Dezember. Die jiddisch-kommunistische Zeitung „Stern" bringt einen Bericht aus dem Rayon Pokrowsk, der besagt, daß die jüdischen Kolonisten in dtefem Rayon von den ukrainischen Bauern schwer terrorisiert werden. In den Kolonien Kalinin und Uspenska drangen ukrainische Bauern mitten am Tagte in die Häuser der jüdischen Kolonisten ein und plünderten das gesamte lebendige und tote Inventar. Die lokalen Behörden ergriffen keinerlei Maßnahmen gegen die Hetzer und Uebeltäter. Die Geschädigten wandten sich an die lokale Miliz- Behörde um Hilfe, doch wurde diesem Ersuchen keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt. Erst als die Tatsache zur Kenntnis des Kreiskomitees gelangte, wurde eine gründliche Untersuchung eingeleitet, die zur Folge hatte, daß der Rayons-Vorsitzende Lemeschko Ed der Chef der Rayon-Miliz Tkatschenko von ihren Posten entfernt wurden. Die Zeitung „Stern" beschuldigt die lokalen kommunistischen Organisationen der Gleichgültigkeit gegenüber den Erscheinungen des Antisemitismus und meint, wenn nicht diesen Erscheinungen mit den nötigen Mitteln entgegengewirkt wird, so werden die Beziehungen zwischen den jüdischen Kolonisten und den ukrainischen Bauern sich radikal verschärfen. Rumänien. Die Juden im rumänischen Parlament. Bukarest, 17. Dez. In der Bukowina wurde Dr. Mayer Ebner, in Siebenbürgen Dr. Theodor Fischer, beide Zionisten, inden rumänischen Senat gewählt. Die in Siebenbürgen gewählten zionistischen Deputierten sind Dr. Nobel, Dr. Fischer und Dr. Marten. In Kischinerv wurden bekanntlich der Zionist Dr. Landau und die jüdischen Nationalzaranisten Hossmann und Rosenberg, in der Bukowina der jüdische Sozialist Dr. Pistin-er, im Altreich ein jüdischer Nationalzaranist gewählt, demnach gehören der rumänischen Kammer acht Mische Deputierte an. Zum rumänischen Gemeindegefetz. Bukarest, 18. Dez. Die Bukarester Kultusgemeinde sendet uns eine Berichtigung zu der vor kurzem an dieser Stelle veröffentlichten Darstellunlg, der durch das neue Gemeindegesetz in Altrumänien geschaffenen Gewissensunterdrücküng für weite Kreise der Orthodoxie. Die Berichtigung ist jedoch im wesentlichen so stark persönlicher Natur und gänzlich gegen eine einzelne Person, Rabbiner Schorr in Bukarest gerichtet, daß wir uns die Wiedergabe versagenmüssen. In der Wiener „Jüdischen Presse" beschäftigt sich Rabbiner Joses Adler in Schäßburg mit der Lage. Er berichtet über die Verhandlungen, die der Präsident der orthodoxen Landeskanzlei in Transsylvanien mit der Regierung geführt hat und -schreibt u. a.: „Wer den ganzen Werdegang unserer Organisation bis zur Sanktionierung unseres Landesstatutes seitens der rumänischen Regierung kennt, der weih, daß unsere offizielle Orthodoxie sich oft mit der ganzen Kraft ihrer Ueberzeugung dafür eingesetzt hat, daß die Bildung orthodoxer Organisationen für ganz Rumäniengestattet werde. Auch die genannte Ab-ordnung ließ es an Versuchen nicht fehlen, das neue Kabinett zur Abänderung jenes rochtraubenden Punktes des Kultusgesetzes zu bewegen und die Bildung neuer orthodoxer Kultusgemeinden im ganzen Reiche zu gestatten. Es ist auch begrün- -dete Hoffnung vorhanden, daß dieses ehrliche Streb en- und die fortgesetzten' Bemühungen der kompetenten Kreise von Erfolg gekrönt enden wird. Ein maßgebender Fak-- tor des Kabinetts gab sogar schon die Zusage, den beanstandeten Punkt des Kuktusgesetzes, wenn nicht anders, so doch in novellarischem Wege der Religions- und Gewissensfr>eiheit entsprechend abzuändern." Hoffen, wir, daß die hier ausgesprochene Hoffnung sich verwirklicht und damit einer Forderung der Gewissensfreiheit Rechnung getragen wird, -die in jedem halbwegs modernen Staatswesen selbstverständlich sein sollte. D er Israelit England. Board of Deputies. Rumänien. — Petitionen an den Völkerbund. — Der Antisemitismus in Lowjekrußland. — Die Juden in Jemen. — Jüdisches Eherecht. London, 17. Dez. In- -der gestrigen Sitzung des Jewish Board of Deputies wurde der Bericht des Joint Foreign Committee verlesen. Ihm ist zu entnehmen, daß aus Anlaß des Regierungswechsels in R u m ä n i e n ejne in freundschaftlichem Tone gehaltene Korrespondenz zwischen dem Joint Foreign Committee und führenden Mitgliedern des neuen Kabinetts stattgefunden hat. Minister Madgearu hat namens der Gesamtvegierung dem Komitee versichert, daß freundschaftliche Beziehungen zu allen Minderheiten im Königreich unterhatten werden. Die Korrespondenz über das sogenannte „Fremden-Dekret" wird fortgeführt. Ein weiterer Briefwechsel hat zwischen dem Komitee und dem britischen Außenministerium einerseits und dem Generalsekretär des Völkerbund-es andererseits in der Frage des beschränkten Rechtes privater Gesellschaften, dem Völkerbundsrat Petitionen zu überreichen, stattgesunden. Am 15. Novemb-er informierte Sir Eric Drumm-ond das Komitee, -daß er die Angelegenheit dem Völkerbundsrate unterbreiten werde und einen Erfolg erwarte. Aehnlich ermutigend klingt -eine Mitteilung der britischen Regierung. Ueber die Verfolgungen des Judentums in Rußland wurden Beratungen abgehalten. Die Frage bietet große Schwierigkeiten, und es ist dem Komitee noch nicht möglich, -ein endgültiges Statement über die Lage der Juden in Rußland und über -die am geeigenisten erscheinenden Hilfsmaßnahmen der Oeffentkichkeit zu übergeben. Im Hinblick -auf die Röte der Juden im P e m e n hat das American Jewish Committee vorgefchlag-en, daß führende, jüdische Organisationen Schritte zur Ermittlung der genauen Lage und zum Schutze der verfolgten Juden ergreifen. Joint Foreign Co-mmittee 'hat sich dem Vorschlagangeschlossen; -in ganz kurzer Zeit wird ein Aktionsplan mitgeteikt werden. Zum Schluffe gab der Vorsitzende d'Avigdor Goldsmid dem heißen Wunsche nach -einer baldigen Wi-e-dergenesung des Königs Ausdruck. Nach einer Aussprache über die Frage des „Get" (jüdisch-religiöse Scheidungs-Urkunde) nahm der Board of Deputies den folgend-sn Beschluß an: Der Board ist der Meinung, daß das Londoner Beth Din Schritte ergreifen möge, um eine autoritative Konferenz orthodoxer Rabbiner zur Regelung der Frage der religiösen- Scheidung und anderer die Lage der jüdischen Frauen berührenden Probleme einzuberufen. Die Gesellschaft für jüdischen Gesundheitsschutz (Ose). London, 1. Dezember. Die Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden in Großbritannien, die dem Weltverband Ose angeschlossen ist, hielt bei Anwesenheit einer großen Zahl jüdischer Aerzte und Sozialfürsorger im Jews College ihre vierte Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende, Dr. Redcliffe S. Salarnan, wies auf das große Werk hin, das die Gesellschaft in denvier Jahren ihres Bestehens vollbracht hat. Das -erste Jahresbudget betrug 500 Pfd., das vierte schon 1700 Pfd. Neben der Heittätigkeit und Aufklärungsarbeit unter den jüdischen Massen hat ine Gesellschaft auch große Wissenschaftliche Leistungen vollbracht, worunter Dr. M. Souraskys Forschungsarbeit über Sehfehler unter jüdischen Kindern besonders zu erwähnen ist. Dr. Sourasky stellte fest, daß die Juden eine ihrer Raffe eigentümliche Schwäche der Augensubstanz aufweifen und daß keineswegs die Talmud Thora-Schulen dfe Schuld an der geschwächten Sehkraft gewisser Kinder trifft. Die Jntelliigenzprüfungen, die von der Londoner Ose durchgeführt wurden, haben ergeben, daß das jüdische Kind im Durchschnitt keineswegs eine niedrigere, ja sogar eine höhere Intelligenz aufweist, als das nichtjüdische Kind. Auf -einem dritten Feld, dem der Krebsforschung, wurden ebenfalls wichtige Untersuchungen durchgeführt, die -ergaben, daß die Krebskrankheit kejne Raffogrenzen kenne -und daß Juden die gleiche Empfänglichkeit wie die Nichtjuden für diese Krankheit haben. Die Ueberwachung der jüdischen Schuljugend wurde fortgesetzt durchgeführt. Als eine sehr notwendige Institution hat sich die Anstalt für schwer erziehbare Kinder erwiesen. Von der Hadassah-Organisation. Jerusalem, 5. Dezember. Die noch heute bestehenden Jerusalemer Anstalten Rothschrld-Hospidal, Bikkur Cholim-Hospital, Schaareh Zedek-Hospital und die ehemalige Augenklinik des Lemaan Zi-on (die beiden letzten Institutionen Frankfurter Gründungen) mußten früher im Wesentlichen die medizinischen Ansprüche der palästinensischen Iuden-Heit erfüllen. Vor zehn Jahren setzte aber die starke jüdische Einwanderung- -ein. Damals hatte bereits die amerikanische Judenheit die vor dem Kriege auf sozialem Gebiete führende Rolle der deutschen Judenheit übernommen und so gründete sie auch für Palästina eine medizinische Organisation, nämlich die Hadaffah. Die Umpflanzung von wohl 80 000 okzidentalen Juden in den Orient gaben dieser Organisation den Schutz der Gesundheit dieser Juden zur Aufgabe. Ein reich gegliedertes Programm erwuchs ihr schnell, und die stattlichen Summen der amerikanischen Judenheit machten es ihr möglich, einen Teildes Programms zu erfüllen. Trotz ihrer von der jüdischen Bevölkerung anerkannten Bedeutung hat die Hadassah z. B. in ihren Krankenhäusern erheblich weniger Betten, wie der Bedarf vevlangt. Jedenfalls ist die Situationso, daß das Publikum die Hadaffah gebraucht. Da heißt es nun auf einmal, daß die Hadaffah sich erheblich -einschränk-en muh, da ihre Einnahmen sehr nachgelassen haben. Was -ist vorgefallen? Es scheint, daß -das Engagement der Leitung der Hadaffah an dem verbissenen innerzionistischen Parteienkampf in Amerika ihr vjele Beiträge verscherzt hat. Aber auch die Leitung in Palästina dürste organisatorische und ffnanztechnifche Fehler gemacht und so den Etat unnötig belastet und die den Zwecken der Hadaffah zur Verfügung stehenden Gelder verringert haben. Die Hadassah hat nun eine große Anzahl Kündigungen vorgenommen und bei dieser Gelegenheit einen Schematismus bekundet, der überflüssige Posten bestehen und wichtige Posten eingehen ließ. Ein Wort über das Kaschruth der Krankenhäuser der Hadassah. Diese Krankenhäuser sollen . koscher geführt werden; wer aber einen Blick in ihren Betrieb tut, hat seine berechtigten Zweifel, daß das Kaschruth gewahrt wird. Es wäre bei jedem Krankenhause wenigstens eine ehrenamtliche Kafchruthkommission seitens des Rabbinats nötig, denn die meisten Angestellten der Hadaffah haben die Bilder ihrer Jugend in Rußland so gründlich vergessen, als wennsie von der Religion des Judentums Nie etwas gesehen und gehört hätten. Italien. Schwierigkeiten des Zionismus in Italien. Rom, 10. Dezember. Der vor kurzem in Mailand stattgehabte Delegiertentag der italienischen Zionisten hat zu öffentlichen Auseinandersetzungen geführt, die inder hochgesteigevten Spannung der faszistischen Atmosphäre des Landes für den Zionismus nicht ungefährlich zu werden drohen. Das Organ Mussolinis „Popolo di Roma" veröffentlichte einen Artikel, dessen Autor sich außerordentlich überrascht zeigt, daß die Zionisten Angehörige des jüdischen Volkes sein wollen und sich demnach, wie das Blatt meint, nicht als Vollblutital-ien-er fühlen können. Etwas Derartiges fei bisher in Italien nicht denkbar gewesen. Das Blatt ftagt, ob für den Zionismus das Judentum eine Religion oder eine Nation sei. Selbstverständlich hat es nichtan Antworten, sowohl von assimilatorischer, als von zionistischer Seite gefehlt. Allein es kann nicht ausbleiben, daß, nachdem das Mißtrauen nun einmal geweckt ist, auf der einen Seite ein immer stärkeres Betonen des italienischen Nationalismus durch di-e in ihrer ungeheuren Mehrheit liberalen oder indifferenten Juden Italiens, auf der andern Seite eine starke Hemmung -der zionistischen Propaganda die Folge sein wird. Unter, diesen Umständen wäre -eigentlich das Terrain vorbereitet für eine starke rein religiös fundierte jüdische Renaiffcmcebewegung, die die Nachfolge des politischen Zionismus antrit-t. Schweiz. Hilfsverein für jüdische Lungenkranke in der Schweiz. Zürich, 7. Dezember. Das Geschäftsjahr 1927-28 hat im Betriebe der Etania nach außen hin wenig bemerkenswerte Aende-

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