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Der Israelit · 1928-12-27 · Heft 52 (27.12.1928) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 52 (27.12.1928)
Date
1928-12-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seit- 8 Nr 52 Der Israelit 27. Dezember 1928 vrakrisäi. und die modernsten, Einrichtunosen sind zur rungen hervorgerufen. Dse finanzielle Entwicklung der Heilstätte hat erfreuliche Fortschritte gemacht. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machten die Beiträge 38 013,93 Fr. und die Spenden 29 618,73 Fr. aus. Die Einnahmen an Beiträgen und Spenden haben sich gegenüber dem Vorjahre nicht gesteigert, obgleich der Aufgabenkreis eine größere Beanspruchung der Mittel bedingt hat. In der Heilstätte haben im Berichtsjahre 1927-28 135 Patienten mit nisgesamt 21312 Verpflegungstagen Aufnahme gesunden. Außerdem sind 33 Patientendie außerhalb der Heilstätte wohnten, in der Etania verpflegt und ärztlicherseits behandelt worden. Unter den 135 Patienten mit insgesamt 21312 Berpflegungstagen haben, waren 34 aus der Schweiz, di>e übrigenverteilen sich aus fast alle Länder Europas, ein Patient stammte aus Afrika. Es sind im Berichtsjahre 272 Gesuche um Aufnahme von Patienten zugegangen, von denen man leider nur einem kleinen Teil entsprechen konnte. Ein Bruchteil der Aufnahmegesuche muhte aus ärztlichen Gründen abgewiesen werden, weil sie sich für Heilstättenbehandlung nicht eigneten. Während sämtliche, zur Heilstättenbehandlung ärztlicherseits zugelassene unbemittelte Patienten aus der Schweiz restlos ausgenommen werden konnten, konnte man einem großen Teil unbemittelter Patienten aus dem Auslande nicht zur Kur verhelfen, weil die Mittel für solche Fälle aus den betreffenden Ländern nicht zur Verfügung gestellt wurden. Es ist außerordentlich zu bedauern, daß dem Hilfswerk vom Auslande immer noch so wenig Unterstützung geschenkt wird, denn die Häufung der Gesuche unbemittelter Kranken des Auslandes zeigt die dringende Notwendigkeit ausländischer Mithilfe. Amerika. Einwanderungssperre für zehnjährige Dauer? N e w y o r k, 14. Dezember. Im Senat der Vereinigten Staaten ist eine Bill eingebracht worden, die die Einstellung der gesamten Einwanderung in die Vereinigten Staaten für die Zeit von Juli 1930 bis Juli 1940 vorsieht. Andererseits liegt dem Repräsentantenhaus ein vom jüdischen Repräsentanten Dickstein verfaßter Entwurf vor, wonach den zeitweilig in die Vereinigten Staaten hereingelassenen Einwanderern die Aufenthaltserlaubnis im Lande selbst verlängert werden soll, ohne daß sie gezwungen werden sollen, erst wieder ins Ausland zu gehen, um sich dann aufs neue eine Einwanderungserlaubnis zu erwirken. 33alßffina. Der Neubau des Moschaw-Sekenim. Tel Awiw, 15. Dezember. Unfertige Bauten sind in Palästina etwas Reguläres. An der großen Synagoge in Tel-Awiw baut man schon acht Jahre, -und sie ist immer noch nicht fertig. Es sind jetzt zwei Jahre her, da wurde mtt großem Pomp das untere Stockwerk der Tachkemonischule eingeweiht — und seitdem hat man nicht einen Stein weitergebaut, trotzdem auf diese Weise die Hälfte der Schüler „provisorisch" außerhalb des Schulgebäudes untergebracht werden mußte. Bei solchem Minhag ist daszu rühmen, was die Verwaltung des Altersheims „Mofchaw Sek ein im" innerhalb eines Jahres ganz unauffällig vollbracht hat. Aus ihrer kleinen Synagoge ist eine große Synagoge geworden, der die gestaltende Hand eines Künstlers ausgeprägt ist. Edel und stimmungsvoll in den Formen wirkt der Charakter des Baus nach außen und nach innen. Man fühlt unwillkürlich die Worte unseres Stammvaters Jakob: „Wahrlich, Gott weilt an diesem Orte!" Und Gott weilt hier. Sitzen doch zu jeder Zeit im Studium der Gotteslehre weiß und weise gewordene ehrwürdige Greise hinter Folianten vertieft in der „Schul", darunter Koryphäen. Schon der Bau der Synagoge wäre des Lobes genug gewesen. Nun ist aber als Heim den Insassen des Mofchaw Sekeinim neben dem bisherigen Bau noch ein großes Gebäude hingestellt worden. In diesem Haus glaubt der Besucher in einem Sanatorium zu sein. Jede Einzelheit zeigt den durchdachten Plan, daß die Räume dem Wähle ihrer Bewohner dienen sollen. Alles ist äschettfch und Anwendung gekommen. Tel-Awiw brauchte noch auf manchem anderem Gebiete solche Schöpfungen' 1 werktätiger Menschenliebe. Diese Stadt von 45 000 Juden (8000 davon zählen zu Jaffa, da ihre Häuser bereits nach dorten gerechnet werden) ist in Wirklichkeit erst ein Kind der Nachkriegszeit. In ihrem Rathaus fehlt noch das Wohlfahrtsamt. Die Kehillah und eine Reihe Beveine suchen zuhelfen, soweit es die Mittel erlauben. Die Mittel sind aber zu gering, — und die Not bei Tausenden ist groß. Man kann in Tel-Awiw unter Juden bitteren Hunger leiden und krank ohne Hilfe sein. Darum, — möchten noch andere soziale Aufgaben in Tel-Awiw solche Gabboim finden, wie sie das Mofchaw Sekeinim gefunden hat. Freiere Einwanderung in Palästina? Jerusalem, 18. Dezemb er. , Die Palästin-a-Re-gierung hat die bisher bestandene Beschränkung für die Einwanderung von Verwandten der Palästina-Einwohner abgeschafft und verhandelt jetzt mit dem Kolonialamt wegen Abschaffung der Beschränkungen für die Einwanderung von Kapitalisten. Personalien. Köln. 22. Dezember. Wie bereits kurz gemeldet, ist Dr. Erich Klibansky aus Breslau als Studiendirektor an die „Jawne" (Reformrealgymnastum und Lyzeum) berufen worden. Dr. Klibansky ist Schüler der Samson Raphael Hirsch-Schule in Frankfurt, besuchte das Goethegymnasium daselbst und studierte an den Universitäten Frankfurt, München. Genf und Marburg. Obgleich Dr. Klibansky zur Zeit noch Studienassessor an der Höheren Schule in Breslau ist, hat .er sich bereits durch zahlreiche jüdisch-historische Aussätze und als Herausgeb>er der „Jüdischen Bücherei" im Aufträge der Jugendschriften-Kommission der Großloge für Deutschland vorteilhaft bekannt gemacht. Kassel, 29. Nov. Ihren 95. Geburtstag beging in bester körperlicher Gesundheit und Geistesfrische Frau Betti G r ü n b a u m dahier am 20. November. Guxhagen, 27. Nov. Ihre goldene Hochzeit begehen heute Moses Katz und Frau Lina geb. Lobenstein dahier. Kassel, 19. Nov. Ihren 80. Geburtstag beging gestern in größter Rüstigkeit und Geistesfrische Frau DiNa Meyer dahier. Abkerode, 19. Nov. Am 11. November fand unter Vorsitz der Frau David Westheim die Generalverämmlung des Jüdischen Frauenvereins statt. Nach Beprechung über die Anschaffung verschiedener ritueller Zegenstände fand die Vorstandswahl statt. Zur 1. Vorsitzenden wurde Frau David Westheim, zur 2. Frau Lehrer Spier gewählt. Gilserberg, 19. Nov. Vor wenigen Tagen starb hier der in weitesten Kreisen bekannte und beliebte Kaufmann Salomon Stahl, der viele Jahre Gemeindeältester der hiesigen Gemeinde war und sich um dieselbe sehr verdient gemacht hat. Das große Leichengefolge bewies das große Ansehen, dessen sich der Verstorbene zu erfreuen gehabt hatte. Vor dem Trauerhause und am Grabe hielten die Lehrer Plaut-Treysa und Spier-Gemünden Worte der Trauer, di-e allgemeinen Beifall fanden. ■ Zimmersrode, 17. Dez. Unter großer Beteiligung wurde am Donnerstag Simon Ka tz dahier zu Grabe geleitet. Der Verstorbene stammte aus dem nahen Gilsa und war 40 Jahre, seitdem er hierher verzogen, Vorsitzender des israelitischen Wo h ltä tigkeitsVereins. Auch bekleidete er lange Jahre das Amt des israelitischen Rechnungsführers, n":mrv Kassel,' 17. Dez. In größter Rüstigkeit und Geistesrische beging hier-Herr Josef Goldschmidt seinen 81. Geburtstag. Vermischtes. Frankfurt a. M., 18. Dez. Die Stellenvermittlung s ze n tra le der Agudäs J,isroel->Jug en d-Organisation sucht per sofort Stellen Ar tüchtige, jüngere Stenotypistinnen, mit der Bitte um Meldung bei Joel Sänger, Sandweg 33, 3. Telefon Carolus 425 70. Berlin, 18. Dez. Das Hamburger Oberlandesgevicht hat vor einiger Zeit die strafrechtliche Verfolgung eines Arztes, der die Sezverung einer Kindesleiche gegen das ausdrückliche Verbot des Vatves vornahm, abgelehnt, da kein Paragraph des Strafgesetzbuches Anwendung finden kann. Aehnlich hat das Landgericht in Bonn entschieden. Gleichzeitig hat biefes Gericht jedoch die Auffassung -des Beklagten in folgenden Worten ch a r f m i ß b t ll-ig t: „Niemals kann ein Brauch zum Gewohnheitsrecht werden, der allgemein als Mißbrauch empfunden wird. Das menschliche Gefühl in den allgemeinen Bevölkerungsschichten sträubt sich erfahrungsgemäß gegen den Gedanken einer fektorischen öder gar anatomischen Behandlung eines nähen Angehörigen. jEs sprechen dabei Gründe der religiösen Ueberzeugung, -der Pietät und der Weltanschauung mit. Die allgemeine Anschauung geht dahin, daß die Sektion ohne Zustimmung der Angehörigen als Rechtsbruch empfunden wird. Dieses Bewußtsein haben auch die beteiligten Anstalten und Aerzöe. Erfahrungsgemäß nehmen , sie die Sektton regelmäßig insgeheim vor und suchen sie vor den Augen und der Entdeckung durch die Angehörigen zu verbergen. Dieses Verfahren verdient scharf gerügt zu werden." Es wäre höchste Aeit, durch eine Novelle zum Strafgesetzbuch bezw. bei Gelegenheit der Schaffung des neuen Strafrechtes eine gesetzliche Bestimmung zu schassen, die dem .gewohnheitsmäßigen rechtswidrigen Eingriff der Krankenhausärzte in die Sphäre heiligsten religiösen Empfindens «in Ende macht. Fürth, 20. Dez. Wir lesen im „Fränkischen Kurier": Zu einer Schubert-Gedächtnisfeier hatte der Volksbildungs-Verein Leo Rofenblüth-Frankfurt a. M. (Bariton) und Hans Braun-Fürth (Tenor) gewonnen. Man hörte also nur Lieder und wurde damit indas eigentliche Reich Schuberts eingeführt. Beide hielten sich in der Wahl ihrer Nummern an -die bekannteren und bekanntesten Lieder. Leo Rosenblüths Bariton klingt angenehm timbriert, weicht und rund. Die dunkle Färbung des Organs, das selbst das eingestrichene As noch aus voller Brust zu schmetterninder Lage ist, weist den Sänger auf das pathetische Gebiet. Hier schöpfte er auch aus dem Vollen. Man wird darum nicht so rasch vergessen, mit welch starker Impulsivität und packender Wirkung er den- „Prometheus" und „Dem Unendlichen" bot. Daß die gutgeschulte Sttmme aber auch für die süßmelodische Linie Schuberts Ausdrucksmöglichkeiten genug besitzt, das hörte man an den Liedern „An die Leier", „Ganymed", „Du bist die Ruh" und dem zugegebenen „Wanderer". Leo Rofenblüth -ist ein geborener Fürther. Schon deswegen war man hier an feinem Auftreten stark interessiert. Die Freude an seinem Erfolge war eine allgemeine. Der Sänger wird auch, besonders wenn das' körperliche Wachstum fein Stimmvolumen vergrößert, seinen Weg machen. Sprechsaal. Zu den INünchener Gemeindewahlen. München, 17. Dezember. Im Namen fast sämtlicher Ostjuden Münchens ersuchen wir Sie, folgende Erwiderung auf den in Ihrem gesch. Blatt Nr. 49 Seite 6 aus München stammenden Artikel: „Die Wahlen in der Münchener Gemeinde" gefl. aufnehmen zu wollen. . Seit einer Reihe von Jahren sind sämtliche Ostjuden Münchens (alle Orthodoxen mit einbegriffen) in einem Verband der Ostjuden organisiert, dem Gesamtausschuß der Ostjuden. Die Verbandsleitung hat die Aufgabe, die Interessen sämtlicher Ostjuden Münchens zu wahren und wird von allen übrigen jüdischen Parteien Münchens als legitime Vertretung der Ostjuden anerkannt und gewürdigt. Mit den Stimmen dieses Verbandes wurden vor 8 Jahren 2 Zionisten und 1 Orthodoxer in die Gemeindeverwaltung entsendet. Nach Genehmigung des passiven Wahlrechts auch für Nichtreichsdeutsche waren sowohl die Zionisten als auch die Orthodoxen verpflichtet, diese Sitze, die sie in der Zusammenarbeit mit dem Gesamtausschuß errungen hatten, den vom Gesamtausschuß vorgeschlageuen Kandidaten einzuräumen, wenn sie eine 'neue Wahlhandlung vermeiden, d. h. ein Kompromiß auf Grund des bestehenden Zustandes abschließen wollten. Während nun die Zionisten dem Gesamtausschuß der Ostjuden ihre 2 Mandate freigaben und d-ie von der allgemeinen Wählerversammlung der Ostjuden bestimmten 2 Kandidaten anstandslos anerkannten, lehnte der Verein „Ohel Jakob" den in der gleichen Versammlung mit großer Majorität gewählten orthodoxen Kandidaten- (Agudist) -glatt ab. Man erklärte sich von Seiten des Ohel Jakob für einen Kandidaten, auf den man sich mit einer ganz winzigen Minorität in einer schon Wochen vorher geheim getroffenen Abmachung geeinigt hatte. Einen Beweis für diese Behauptung gibt der E. Fv gezeichnete Artikel'eines Vertreters von „Oh-ek Jakob" in Nr. 49 i bes „Jüdischen Echos", wo es heißt: „Noch ehe der Gesamtausschuß der Ostjuden eine Nominierung beschlossen -hatte, waren bereits die Verhandlungen zwischen „Ohel Jakob" und der genannten ostjüdischen Gruppe so weit gediehen, daß die von dieser Seite vorgeschlagenen Persönlichkeiten akzeptiert wurden. Von diesem Standpunkt ging „Ohel Jakob" trotz der wiederholten Versuche unsererseits nicht ab. Man lenkte erst ein, als es zu spät war. Infolge dieser Taktik seitens des -,Ohel! Jakob" ging das dritte; ostjüdifche Mandat verloren und dagegen haben wir protestiert. Nicht der Gesamtausschuß hat durch planmäßige-, Hetze den Frieden gestört, sondern sämtliche Ostjuden empörten sich gegen das unerhörte Vorgehen des „Ohel. Jakob", der durch sein Verhalten gegen die Voraussetzun- ‘ gen, unter denen das Kompromiß zustande kam, verstieß und unbedingt, wenn er von vorn eherein entschlossenwar, den vom Gesamtausschuß vorzuschlagenden Kandidaten nicht anznerk-ennen eine Wahlhandlung, hätte her-., beisühren müssen. ' Im Laufe der nächsten zwei Jahre wollen wir unsere . ostjüdischen Brüder dazu erziehen, dem Gebote der her-; ligen Thora zu folgen, in dem es heißt: onwi i'nrr aipa J -stv i i-p.. Und.das nennt der Arttkelschr-eiber in Nr. 49 ■ „Worberejtung zux Rache und zum Bruderkampf". ..... Für den.Gesamtausschuß der Ostjuden *• D. Horn, Vorsitzender.

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