Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 69 (1928)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1928)
- Date
- 1928-12-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 Nr. 52 Der Israeli! 27. Dezember 1928 Zum Problem einer jüdischen Symbolik. VII. Von Rabbiner PH. Fischer in Sarospatak» Ungarn. (Die Heiligkeit des jüdischen Landes und des Sabbats. — Das Werkverbot am Sabbat. — Das Gesetz über den ibrischen Knecht. — Die fundamentale Idee' des Judentums. — Der Parallelismus zwischen der Handlungsweise des Menschen und dem Naturgeschehen. — Ist die symbolische Erklärungsweise S. R. Hirschs V'BT tatsächlich aus die idealistische Philosophie seines Zeitalters zurückzuführen? — Schlußbemerkung) Auch das, was über pxn nsmp und m» rump vom Vf. auf S. 152 gesagt, wird, schließt nicht die Richtigkeit der von H. gegebenen Definition des Begriffes der nump cms.7“)»nnwnp undr>2Vinr?iij? heißt vom Standpunkte menschlicher Pflichtbetätigung aus, unbedingte Bereitstellung des Landes Israel und des Sabbats für ihre von Gott gegebene Bestimmung. Daß, wenn diese Heiligung, d. i.: Bereitstellung des Landes und des Sabbattages für ihre göttliche Bestimmung erfolgt, laut dem Ausspruche 'i2i i^n ■»npim dk diesem also geheiligten Lande und Tage ein besonderer Segen Gottes zutell wird, der die treue Pflichterfüllung des Menschen erleichtert und, fördert, mag höchstens eine Ergänzun g zu dem von H. gegebenen Begriffe, nicht aber eine Ausschließung desselben sein. In Wirklichkeit aber findet sich diese Ergänzung des von H. gegebenen Grundbegriffes der NVi7p schon -bei H. selber vor. Bezüglich der Sabbatheiligung heißt es in Kom. „Gott segnete also den siebenten Tag und heiligte ihn, gab ihm die Kraft, die geistige und sittliche Erziehung des Menschengeschlechtes zu vollbringen undstellte diese Erzie: hung als das absolut Siegreiche, gegen alle Trübung und Vergänglichkeit unantastbar Gesicherte Lin." (I, 2, 3.) (In Parenthese sei bemerkt, daß bezüglich der Sabbatheiligung diese von zweierlei Seiten zu.betrachten sei. Einerseits heißt es hier imx wip'i Gott heiligte den Sabbat, d. h. wie eben erwähnt: gab ihm die allem obsiegende Kraft, die Menschheit geistig, und sittlich zu erziehen. Andererseits heitß es im Dekalog ll. B. M. 20, 8:nzm1? rau?n ov> nx Tot' hier wird vom Menschen gefordert, daß er den Sabbat unbedingt seiner göttlichen Bestimmung bereit stellen soll. — Auch sei hier inbezug darauf, daß der Vf. S. 152 es scharf unterstreicht, daß Heiligkeit eben einen „Zustand" bedeutet, also einen objektiven Charakter hat, — also inbezug hierauf sei hier erwähnt, daß bereits H. zu l, 2, 3* ump derartig definiert: „jener und seines Witzes ungeheuer gefürchtet. Ms in einer Stadt die wenigen reichen Leute zu der Errichtung eines Spitals nicht beisteuern wollten, ließ man den „Kelmer" kommen, daß er den Pflichtvergessenen ins Gewissen rede. Er sagte von der Kanzel herab: „Im Talmud heißt es, die Schechina, die göttliche Majestät, weile zu Häupten des Kranken. Da hat sich aber die Schechina beklagt, sie hätte kaum Platz bei den armen Kranken, es fei dort gar zu eng und zu düster. Sie beschloß daher, lieber in ähnlichen Fällen in den geräumigen Wohnungen der Reichen zu weilen, wo sie mehr Platz und Bewegungsfreiheit hätte. Da gäbe es nur ein Mittel, nämlich, geräumige Krankenhäuser zu bauen, damit die Schechina dort genügend Platz zum Aufenthalte finde." Das half. In der Umgegend von Riga befindet sich die Sommerfrische Dublin, wo in den Sommerwochen so ziemlich ganz Riga seinen. Aufenthalt hat. Es war so üblich, daß die Familien dort Sommerwohnungen mieteten für die Frauen und Kinder und die Männer je zu Sabbat hinkamen. Eines Tages verbrachte auch der „Kelmer Maggid" den Sabbat in diesem Kurorte und sah in der Synagoge zu seinem Erstaunen, daß di« meisten Männer keine Gebetmäntel umhatten. n.Sie fuhren am Freitag direkt vom Geschäfte hinaus -und nahmen sich nicht die Zeit und die Mühe, ihren Dalisbeutel zu holen. Eingeladen, eine Rede zu halten,' betrat der „Kelmer" das Almemor und fing an: „Da kam ich eines Tages in Riga in das Haus eines wohlhabenden Mannes. Man sagte mir, der Herr sei nicht zu Hause. „Wo ist er?" fragte ich. „Er hält, seinen Sabbat in Dublin", .lautete die Antwort. Da hörte ich aus dem Nebengemach ein leises, herzzeri reihendes Wimmern. Ich ging hinein. Kein Mensch im Zimmer, nur ein Talisbeutel hing am Nagel und daraus kam das Schluchzen. „Taillis, Tallis!" fragte ich. sittliche Zustand, in welchem gar kein Kampf mehr mit dem. Sinnlichen vorhanden ist.") — Inbezug auf pxn NViip verweisen wir auf die herrlichen Ausführungen im Kom. zu m, 18, 24 bis 28, die zu ausführlich sind, um hierorts zitiert werden zu können. Bloß den einen Satz wollen wir hmzufügen: „So wie in der Genesis der erste Regentropfen aus den ersten Mensch wartet, so . zeigen uns dort überhaupt die ersten Blätter der Menschen- und Erdweltgeschichte die Segensfülle der Erde von der Stufe der Sittlichkeit der Menschen bedingt." Und im Zusammenhänge mit dem über die Sabbatheiligkeit Ausgeführten fei hier auch der Einwendung auf S. 136 u. 137 gedacht, daß H. bei seiner Erklärung des Werkverbotes am Sabbat den Gedanken der Gotteshörigkeit der Welt mehr hervortreten läßt, als den der G o t t e s s ch ö p f u n g, die Tauroh hingegen in ihrer Begründung des Sabbatgebotes stets auf Gott hinweist, der Himmel geschaffen. Dieser Einwand scheint aber schon deswegen ungerechtfertigt zu sein, well doch der Vf. selbst zugibt: „Hirsch weist gewiß an vielen Stellen des Kommentars sowie in anderen das Thema behandelnden Schriften auf den Zusammenhang des Sabbats mit der Schöpfung hin." Für H. fließt eben der Gedanke Gottes als S ch ö pfer und E i g en tü m e r der Welt in Eins, zusammen. Gott besitzt eben als Schöpfer ein Eigentumsrecht an die Welt, und ist Er eben E i g e n t u m e r der Welt zufolge der Tatsache seines Schöpfungswerkes. Und wenn nun der jüdische Mensch mit Einhaltung des Werkverbotes am Sabbat die Welt Gott als Eigentümer gleichsam zu Füßen legt, so spricht er hiermit zugleich die Anerkennung Gottes als Schöpfer aus. Daher der Parallelismus bei der Sabbaterklärung: „Gott Schöpfer und Herr des Alls; alles sein E i g e n t u m. Der Mensch Verwalter nach Seinem Willen, und Jisroel Träger der Lehre dieses Menschenberufs: durch-- — ns«?."' (19 Br., S. 169) und so auch weiter S. 183 beim Uebertreten des sabbatlichen Werkverbotes: „— spreche ich es aus, daß nicht von ihm stammt alles L e b e n U n d aller Segen zum Lebe n.") Roch schärfer im Chaurew (§ 142): „Darum: auch nur das kleinste Werk, am Schabbos ausgeführt, ist Leugnung, daß Gott Schöpfer und H e r r der Welt fei usw. Hingegen jedes Zurückhalten der Hand vom Werk am Schabbos ist selber T a ta u s s p r u ch : daß Gott Schöpfer und Herr der Welt sei usw." Aber auch in den ausführlichen Erläuterungen im Kom. II, 20, 11 tritt dieser Parallelismus deutlich genug hervor: „— du trittst zurück, um Gottes Herrschaft über „warum weinest du?" ,„Wie soll ich nicht weinen", sagte er. „Der Hausherr ist in die Sommerfrische gegangen, hat all seine Kostbarkeiten mitgenommen, nur, mich allein hat er hier an der Wand gelassen." „Tröste! dich, lieber Talis", sprach ich zu ihm, „kommt doch der! Tag, da dein Herr einen weiten, weiten Weg an-! tritt, alle Kostbarkeiten dann zu Hause läßt, und nur dich, dich allein mitnimmt — —" . Rabbi Mosche Sofer, der „Chatam Sofer", beschloß zu Beginn des Semesters, daß auf der' Jeschiwa mit dem Traktat „Beza" begonnen werde. „Beza?" fragten die Besseren der Jünger. „Ist doch eine kinderleichte Mesichta!" „Man kann", antwortete der Rabbi, ein Ei roh oder gekocht, weich oder hart, je nach Geschmack, essen." * Rabbi Abraham Samuel Benjamin, der „Ksäw Sofer", war bekanntermaßen auch mit Mathematik sehr gut' vertraut. Beim Durchblicken. des neuerschienenen Buches eines bekannten Professors entdeckte er einen schweren Rechenfehler. „Wie kommt das", fragten die Schüler, „daß Ihr, Rabbi, das besser willen sollt, als der Professor?" „Sehr einfach", antwortete der Rabbi, „er arbertet mit der „Regel" (hebräisch auch Fuß), ich mit dem Kopf." Frühling in Palästina. Am Sonntag, den 9. Dezember, mittags,' wurde in Berlin in zwei Matineen in den MÄzakt-Saal-Lichtfpielen am Nollendorfplatz und inder Ufa-Königstadt der neue große Kultur- und Reifefilm in sechs- Akten „F rühling 'in P a 1 ästin ä" unausgeführt. Der Mm, der wesentlich umfangreicher, ungleich bilderreicher und technisch vollendeter als alle bisherigen Palästina-Filme ist, machte auf das Publikum, das die deine Welt hin heryortreten zu lasten — indem du weder unmittelbar, noch — mittelbar, deine Herrschaft an den Dingen und Wesen deiner Welt übest: ">2i Q’aTwtP '2 denn, wenn Gottes Schöpferwirken jetzt, auch ruht-— .— so ist doch diesem Weltsabbat eine W eltschö p funs vorangegangen usw." : Aber wenn es sich auch so verhielte, daß H. bei der Erklärung des sabbatlichen Werkverbotes den Gedanken der Gotteshörigkeit mehr hervortreten ließe, als den der G o t t e s s ch ö p - fung, so hätte auch dies seinen tiefen. Grund. Der Gedanke der Gott es schöpf ung ließe noch immer den Wahn zu von einem „über, dem Getriebe der Welt auf höchster Höhe in seliger Ruhe thronenden Gott, der etwa als der einzig Unwandelbare, den Knotenpunkt der Naturkräfte und die Zügel der Weltgeschichte in Händen trägt und dann doch alles gehen läßt wie es geht," „der Welt einmal das Dasein gegeben, aber seitdem sie den Tummelplatz seiner großen und kleinen Untergötter sein läßt." Hingegen spricht Ne Gotteshörigkeit ein bedeutend innigeres Verhältnis aus: „Der Eigentümer ist nicht sichtbar, aber da gibt es kein Staubkörnchen, das nicht zu dem einen einzigen Herrn hinstrebe.. Er hat es nicht bloß in seiner Gewalt, sondern' alles, folgt ihm, strebt zu ihm, jeglichem ist der Zug dieser Hörigkeit bewußt und unbewußt eingeprägt, so daß es sich mit allem Ihm bereitstellft Ihm mit der ganzen Energie seines Daseins folgt." (Hirsch zu: pxi dw rmp 'x*? I, 14, 19, vgl. auch Kom. Psalm. 113, 5, 6.) Die symbolisierende Antwort Hirschs auf die Frage beim nay ™ weshalb derselbe für sechs Jahre, nicht aber jeweils für eine Zeit verkauft wird, in der seine Arbeitsleistung dem gestohlenen Gute gleichkommt, geht dahin, daß die Zahl 6 den Gedanken der geschöpflich sinnlichen Welt versinnbildlicht. „Sechs" schlägt in Bande, „Sieben" macht frei, die Vergötterung des Sinnlichen macht uns zu Sklaven, die Huldigung Gottes macht uns frei und einigt unsere „Sechs" mit dem einen Einzigen zur „Sieben" usw. Diese Antwort findet der Vf. auf S. 138 für nicht befriedigend: „Soll um der Jnnehaltung eines Symbols willen der Bestohlene auf die Rückerstattung seines gestohlenen Gutes, bezw. eines Teils desselben warten müssen?" Und doch findet er selber keine andere Antwort auf erwähnte Frage, nur diejenige, daß erwähnter Umstand eine' von ihm^ dort ausgeführte Idee zu bewahren hat. „Da aber diese Idee als grundlegende Idee gewahrt bleiben muß, muß sich der Bestohlene in^Anerk e nn UngdieserIdee damit begnüg eh, erst im Laufe der Zeit sein entwendetes Gut zurückzuerhalten." (S. 156.) Hier aber vergißt-der -!■! »■■»■in— ■■!», -ji'i'.nii Ü1! U-- ---» beiden großen Kinopaläste füllte, einen starken Eindruck. Die palästinensische' Origin,almusik zu dem Film hat 1, Lampet geschrieben. Der Film ist von dem bekannten ftfa-Regisseur W. Prager, dem Schöpfer des Kulturfilms „Wege zu Kraft und Schönheit", sowie von Dr. E. Mechner und M. Kolpe bearbeitet. Im März 1928 brach von Jerusalem eine Film- Expedition nach dem Toten Meer auf, um eine Kamera- Reise von der Mündung' des Jordan bis zu seinen Quellen am Hermon-Gebirge zu unternehmen. Von dieser abenteuerlichen Fahrt durch zum Teil von Europäern noch nie betretene Gegenden bietet der Mm. „Frühling in- Palästina" wundervolle Bilder Von den Klippen am Salzmeer geht es durch, wilde. Felsenschluchten, durch Dörfer? beduinischer Fischer. Aber schon ist der jüdische Pionier bis indiese Gegenden vorgedrungen, und in grandiosem Gegensatz zu der neu entdeckten römischen Ruinenstadt Djerasch entrollen sich packende Aufnahmen vom Aufbau des großen -Eletvizitätswerkes Ruthenbergs. Am Ufer des Tiberiäs-Sees blüht bereits ein Kranz neuer Mischer Siedlungen, und auch noch im äußersten Norden des Landes, an den Abhängen des Hermon, begegnet man dem Wirken neuer jüdischer Kolonien. Um diese Jordanreise, die. has ergreifende Kernstück des neuen Films bildet, gruppieren sich Bilder von Arbeits- und Festtagen'aus den Mischen Dörfern und buntbewegte Szenen aus den ' Städten: Ausschnitte aus dem Wirken der Kinderfürsorg-estellen schließen diese Reihe ab. Besonders Interesse lösten neben den Ausnahmen Jerusalems und Teil, Awrrvs die Bilder von Haifa aus, wo eben mit dem Bau des Hafens begonnen wird, der den Ort zum weltwirtschaftlichen. Zentrum-des vorderen- Orients macht.