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Der Israelit · 1928-12-20 · Heft 51 (20.12.1928) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
69 (1928)
Issue
Heft 51 (20.12.1928)
Date
1928-12-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 51 Seite 7 20. Steaetttfer 1928 _die den polnischen Staat bekämpfen; die zweite Kategorie bilden die Zionisten Und Nationalisten, die ebenfalls nicht loyal sind und dem polnischen Stat feindli^ gegenüberstehen; die dritte Kategorie bildet ein kleines Häuslein loyaler und treuer Bürger. Der Mze-Außenminister Wyfocki erwiderte auf die Rede Rosniärins, er wisse nichts von der Existenz eines solchen Zirkulars. Sollte es sich Herausstellen, daß Beamte des Autzenministeriums solche Informationen in der ausländischen Presse verbreiten, so werden diese Beamten zur VeranLwortung gezogen; werdem Im übrigen falls die Frage der Beziehungen zwischen der jüdischen und der polnischen Gesellschaft in die Kompetenz des Außenministeriums. Aebertritt zum Judentum. Warschau, 2. Dezember. Im polnischen Sejm brachte der Jüdische" Klub eine Interpellation ein, die die Weigerung des Warschauer Regierungskommissars, den Ueb>ertritt von Katholiken zum jüdischen Glauben amtlich zu registrieren, betrifft. Sein Verhalten begründet der Regierungskommissar mit dem Ukas des Zaren vom 7. April 1909, wonach Christen der Uebertritt zu nichtchristlichen Religionen verboten ist. Die Interpellanten weisen darauf Hin, daß die polnische Verfassung die Gewissensfreiheit! aller Bürger garantiert, und fordern die Annullierung des Üebertrittsverbots. Ein Appell des Ehofez Lhajim.. Wilna, 1. Dezember. In einem hebräischen Rundschreiben wendet sich' der Ehofez Chajim mit einem scharfen Protest gegen den Versuch, der Wilnaer Gemeinde einen für das Ämt in" keiner Weife vorgebildeten „Oberrabbiner" aufzudrängen. Er schreibt u. a.: „Es ist eine große und heilige Pflicht für jeden, dessen Herz Gottesfurcht erfüllt, offen gegen das furchtbare Unrecht zu protestieren, das sich gegen den klarem Wortlaut der Thora vollziehen soll. Es heißt: „Ihr sollt kein Antlitz im Gericht kennen"; das ist, wie der Sifre erklärt, an diejenigen gerichtet, die berufen' sind, Richter e i n z u s e tz e n. Sie dürfen nicht sagen,' dieser oder jener ist eine starke oder schone Persönlichkeit oder gelehrt in allerlei Wissenschaften oder geschmückt mit-sonstigen Eigenschaften, die nicht in das Gebiet der Thora und der- Gottesfurcht gehören, ihn will ich zum Richter einsetzen." Es verstößt gegen das Recht' und die Gerechtigkeit, ein Rabbinat wie das Wilnaer, das aus Geaune Jisroel bestehtdie solange schon im Amte sind, beiseite ZU schileben. Wer sich an diesem Treubruch beteiligt, über die Häupter des heiligen Volkes hinweg zu schreiten, der wird hienieden und jenseits Rechenschaft abzulegen, habe. Gott heile den Bruch unseres Volkes usw. Der bekannte Jeschiwaleiter Rabbi Schimon S ko p begibt sich in Begleitung zweier Kollegen nach Amerika, um dort für die durch die Schließung des Central Relief schwer gefährdete Jeschiwo „Schaar Hathauro" . in Grodno tätig zu sein.; Der Sabbat in Krakau. Krakau, 10. Dezember. Mit dem Idyll des Krakauer Sabbat, wie wir ihm hie und da noch in Feuilletons begegnen, ist es in Wahrheit längst zu Ende, mindestens in gewissen Straßen und in den Kreisen der „Höhergestellten" und „Kulturellen". Die jüdischen Zeitungen berichten über krasse Fälle von Sabbatentweihung in der Metropole -des' chafsidifchen Judentums. Es wird auch dem Krakauer Rabbinat und dem Bes Din der Vorwurf nicht erspart, daß sie nicht tatooll und energisch genug der schleichenden Seuche eütgegengetreten sind. Nunmehr ist eine Bewegung im Gange, die bereits bestehende „Schomre Schab b os - Be r sin ig ung " auf neuer, breiter Grundlage zu reorganisieren. Die- Bewegung geht von der Aguda aus. Ein Ausruf an alle Juden'Krakaus ist ergangen, und man hofft nun, daß auch das Rabbinat seine Passivität aüfgibt und mit seiner Autorität die Arbeit der Agüda zugunsten des Sabbats unterstützt. In der Finanzsektion Der Kehilla wurde über / das G e m e i n d e b u d ge t für das Jahr 1929 verhandelt. Die Einnahmen werden mit 1091180 'Zloty berechnet, der Aüsgabenetat weist 1074 976 Zloty qüf, so daß sich ein kleiner Ueberschuß ergeben Zoll. Geplant ist! .der Aufbaueines A l t e n h e i m e s, einer H a n d w e r - kerfchule, Erweiterung des Spktales und Neubauten auf dem Friedhofe. Das Budget wurde einstimmig angenommen. Rumänien» Die rumänische Regierung warnt. B u karest, 2., Dezember. Im Hinblick auf die Drohung gewisser Führer der oppositionellen Parteien, eine antisemitische Kampagne im ganzen Lande einzuleiten, und da die Gefahr besteht, daß die Studenten gelegentlich der Wahlen neuerdings mit ihren Manifestationen beginnen werden, haben die Senate der verschiedenen Universitäten einen« Appell an die Studenten ergehen lassen, Ruhe und Ordnung zu wahren, widrigenfalls die Universitäten geschlossen und die Prüfungstermine verschoben werden würden. In diesem Sinne hat auch das Profesforen-Kollegium der Bukarester Rechtssakultät und der Fundation Carol I am Schwarzen Brette eine Kundmachung affichieren lassen. Die Regierungspresse fordert den Premier Julius Maniu auf, ohne jede Nachsicht gegen jene vorzugehen, die die Rühe im Lande stören wollen. Die neue rumänische Regierung und das jüdische Schulwesen. Bukarest, 4. Dezember. Der Minister für Volksbildung Professor Kostanescu empfing eine Abordnung der hebräischen Kulturorganisation „Tarbuth" m Bessarabien, die sich aus Advokat S Rosenhaupt-Kischinew, Advokat I. Lerner, Tumarkin und Rabbiner Jacob Berger zusammensetzte. Die Delegation brachte die folgenden Forderungen vor: 1. Die von der früheren Regierung geschlossenen jüdischen staatlichen Elementarschulen, sowie das Gymnasium in Kischinew und die Realschule in Bender sollen wieder eröffnet werden; 2. ein jüdisches pädagogisches Seminar soll errichtet und eine Prüfungskommission für Hebräisch soll gebildet werden. Der Minister versprach, einen Inspektor nach Bessarabien zum Studium der dortigen Lage zu entsenden und eine Kommission zu ernennen, die die Forderungen dre Tarbuth prüfen soll; Vertreter von Tarbuth werden der Kommission angehören. Eine Abordnung transsylvanischer Rabbiner beim Premier Maniu. Bukarest, 3. Dezember. Eine Abordnung trän ssylvani sch er Rabbi n e r, bestehend aus Rabbiner U l l m a n n - Bistritz, Weisl-Turda und S o f e r - Tirgu-Murez, erschien beim Ministerpräsidenten Maniu und begrüßte ihn im Namen des orthodoxen Judentums Siebenbürgens. ' Bei dieser Gelegenheit sprach sie das Ersuchen aus, daß die die Staatsschulen besuchenden jüdischen Kinder an Samstag und jüdischen Feiertagen vom Schreiben und anderen am Sabbath verbotenen Arbeiten Dispens erhalten, ferner daß die für einen Sonnabend angesetzten Senatswahlen bis in''die Nachtstunden verlängert werden, damit auch die gesetzestreuen" Juden der Wahlpflicht Nachkommen können. Die Hungersnot unter den Juden Veffarabiens. Kischinew, 6. Dezember. In einer hier stattgefundenen Versammlung jüdischer Sozialfürsorger gab der Redakteur der jiddischen Tageszeitung „Unsere Zeit", S. Rosenthal, Bericht über seine Reise durch das Hungergebiet Südbesfarabiens. Zehn Städte dieses Kreises leiden große Rot. In Akerman mit 6000 jüdischen Seelensind tausend Seelen auf öffentliche Unterstützung angewiesen. In Volontirowko und in Beiramscho waren die jüdischen Landwirte nicht in der Lage, ihre Felder zu besäen, ihr Vieh geht wegen Futtermangels allmählich zugrunde. In den jüdischen Schulen von Tatargunar, Seirota und Arzig kam es vor, daß Kinder während des Unterrichtes infolge Entkräftung durch Hunger in Ohnmacht sielen. Von den 390 jüdischen Familien der Stadt Roni muhten hundert Familien auswandern. Der Bericht Rosenthals machte einen erschütternden Eindruck auf die Zuhörer, es wurde beschlossen, ein Hilfskomitee für die Hungernden zu gründen.' Juden im rumänischen Parlament. - B u k'ar est, 16. "Dezember. . Das endgültige Ergebnis der am 12. Dezember in ganz Rumänien stattgefundenen Parlamentswahlen wird erst zu Wochenende vorliegen. Aber schon heute steht es fest, daß die Regierung Maniu, die zum erstenmal in Rumänien freie Wahlen einführte, und sich jedes Terrors und jeder Beeinflussung der Wählerschaft konsequent enthielt, auf der ganzen Linie gesiegt hat. Äie von Maniu geführten Rationalzarcmisten dürften von 400 Kammermandaten 340 erobert haben. Don den mit ihnen verbundenen Minderheiten haben die Deutschen 10, die Zionisten 9 Mandate errungen. Die von Expremier Bratianu geführte liberale Partei hat kaum 12 Mandate errungen. Die mit ihr verbundene Union rumänischer Juden scheint leer ausgegangen zu sein. Die Antisemiten Cuzas, die auf mindestens 9 Sitze hofften, haben die vom Wahlgesetz oorgeschriebene Mindestquote von 2 Prozent lange nicht erreicht und gehen leer aus. Tscheche Slowakei. Die Landesvertretungswahlen in der Tschechoslowakei. Prag, 9. Dezember. Bei den Wahlen in die Landesvertretungen der Tschechoslowakei haben es die Zionistenin keinem Wahlbezirk zu einem Mandat gebracht. In Karpathorußtand wurden drei Juden auf der Regierungskiste in die Landesvertretung gewählt. Es sind dies Albert Gestetner in Preßburg (Bratislawa), Bela Kroo in Munkacz und Moses Guttmann in Seol-Juszcz. Die jüdische Liste in Mähren-Schlesien blieb trotz der auf sie vereinigten 29 000 Stimmen ohne Mandat. (Siehe ausführlichere Meldung «in voriger Nummer. Red.) Schändung des alten Jüdischen Friedhofs von Preßburg. Bratislawa, 12. Dezember. Im alten jüdischen Friedhof in der Nähe des Schlosses Biebersbürg erschienen vor kurzem einige Wiener, um die Gräber von ^Angehörigen aufzusuchen. Sie fanden den Friedhof vollkommen a u s gep lü n d ert vor und mehr als zwanzig kunsthistorisch wertvolle Grabsteine fehlten. Die sofort eingeleitete Untersuchung ergab, daß die alten Grabsteine von zwei Kleinhäuslern gestohlen und beim Bau ihrer Häuser verwendet worden waren. Es ist wahrscheinlich, daß die Demolierung der fertig gebauten Häuser verfügt werden wird, um die wertvollen Steine zu retten. Litauen. Das Jawneh-Schulwesen in Litauen. Kowno, 13. Dezember. Am 12. Dezember begann in Kowno die Jahreskonferenz der jüdisch-orthodoxen Erziehungsgesellschast „Jawneh", die eine Anzahl Gymnasien und Volksschulen unterhält, in denen die Erziehung in den gesetzestreuen Traditionen geschieht. Volksbildungsminister Schakanies hielt in der Eröffnungssitzung eine Begrüßungsansprache und gab das Versprechen, das „Jawneh"- Schulwesen zu unterstützen. England. Bernhard Barons- „Geburstagsgeschenke". London, 6. Dezember. Herr Bernhard Baron, der berühmte jüdische Philantrop, feierte am Mittwoch, den 9. Dezember, den 78. Geburtstag. Er schenkte — wie alljährlich an seinem Geburtstage — jedem der 3000 Angestellten der Firma Carreras, Limited, deren Inhaber er ist, «inen Wochenlohn. An fernem 78. Geburtstag machte der Bernhard Ba ro n - W oh lfah rts truft für Hospitäler und Asyle für Waisen« und verkrüppelte Kinder seine ersten Zuwendungen an etwa 200 Institutionen in der Gesamthöhe von 36 000 Pfund. Für diesen Trust, dessen Vorsitzender «der Marquis o. Reading ist, hat Herr Baron bekanntlich 979 000 Pfund in vierprozentiger konsolidierter Anleihe gestiftet. Bis heute hat Herr Baron für Wohlfahrtszwecke rund 2 Millionen Pfund gestiftet, davon einen gewissen Teil für speziell jüdische Wohlfahrtszwecke. Außerdem spendete er größere Summen für Palästinazwecke Palästina. Vefreiungs- und Danktag! in Jerusalem. ' ' Je t u sälem, 10.' Dezember. Der 9. Dezember, der Jahrestag der Eroberung Jerusalems durch Lord Allenby, wurde gemäß einer

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